Deutsche Erstausstrahlung: 27.03.1988 Das Erste

    Erinnerungen an den Vater Jan Rogalla, der sich von Ella, der Schlange, vor Arbeitern der großväterlichen Domäne beißen lässt, um das Geschäft mit seinen Wunderdrogen zu beleben … 

    - an den Großvater Alfons Rogalla, der, trotz seines Alters noch immer ein Schürzenjäger, sich an die hübsche junge Meta ranmacht und darum von deren empörtem Vater, dem Knecht Lawrenz, zum Krüppel geschlagen wird … 

    - an eben diesen Eugen Lawrenz, der, als eines der vielen Sünden und Vergehen Masurens von den Kindern Edith, Conny und Zygmunt bestaunt, diese Tat im Lucknower Gefängnis büßt … 

    - an die winterliche Treibjagd, bei der von den herrschaftlichen deutschen Jägern nicht nur der lang gehetzte Wolf zur Strecke gebracht wird, sondern auch ein Treiber, der Starost der Polensiedlung Klein-Grajewo, Johann Hauser … 

    - an den Ersten Weltkrieg, der ausgerechnet an dem Tag ausbricht, an dem der Lehrer Henseleit den staunenden Schülern die Privatjacht und die Staatsgeschäfte des Kaisers erklärt … 

    - an die Russen, die in Jan Rogallas Angebot, ihrer Armee seine Wundermittel zu liefern, eine Provokation wittern und ihn als Geisel festsetzen … 

    - an den Feuerschein und vielfarbenen Rauch, worin eben dieser Rogalla, von einer Granate getroffen, sich samt Ross und Wagen auflöst … 

    - Erinnerungen an Masuren in der guten, alten Zeit. (Text: WDR)

    Heimatmuseum – Kauftipps

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    3-tlg. dt. Fernsehspiel von Egon Günther (Buch und Regie) nach dem Roman von Siegfried Lenz.

    Die zwei Weltkriege überdauernde Geschichte der Freundschaft zwischen Zygmunt Rogalla (als Kind: Jirí Strach; als Erwachsener: Helmut Zierl) und den Geschwistern Conny (Jan Novak; Rüdiger Kirschstein) und Edith (Dana Morakova; Dolly Dollar) in Lucknow – und die zerrissene Geschichte Masurens. Zygmunts Vater Jan (Nikolaus Paryla) stellt fragwürdige Wunderdrogen her. Als er versucht, sie den russischen Truppen anzudrehen, die nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs Masuren besetzen, wird er als Geisel genommen und stirbt wenig später. Der tyrannische Großvater Alfons Rogalla (Mario Adorf) ist mit dem Rest der Familie verfeindet und ein Krüppel, seit er vom Knecht Eugen Lawrenz (Michael Gempart) zusammengeschlagen wurde, weil er ein Verhältnis mit dessen Tochter hatte.

    Zygmunt himmelt Edith an und hält zu ihr, als sie einen Polen fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigt und damit eine Racheaktion Deutschnationaler gegen eine polnische Siedlung auslöst. Edith wird als hoffnungsloser Fall in eine Ziegelei abgeschoben. Zygmunt fängt als Lehrling bei der Teppichweberin Sonja Turk (Libuse Geprtová) an. Die nächsten Jahre schreiben sie einander Briefe und verlieben sich. Als sie sich endlich wiedersehen, heiraten sie und ziehen ins Heimatmuseum von Zygmunts Großonkel Adam Rogalla (Jürgen Holtz). Dort leben auch der inzwischen aus dem Gefängnis entlassene Lawrenz und Zygmunts Mutter Ida (Mila Mysliková).

    Die Idylle endet mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Zygmunt kommt im Winter 1942/43 verwundet aus Russland zurück. Großvater Rogalla wird unehrenhaft aus seinem Pachtvertrag für die Domäne entlassen, flüchtet ins Heimatmuseum und bittet seine Familie um Entschuldigung, die ihn aber abweist. 1945, auf dem Flüchtlingstreck in Richtung Westen, verliert Zygmunt alle Freunde und Angehörigen. Jahre später hat er in Schleswig-Holstein aus mühsam geretteten Resten des alten ein neues masurisches Heimatmuseum gebaut. Als Heimatverbandsfunktionäre daraus eine revanchistische Gedenkstätte machen wollen, zündet er sich und das Museum an.

    Ursprünglich sollte Peter Beauvais, der schon die „Deutschstunde“ von Lenz verfilmt hatte, Regie führen, doch er starb Ende 1986. Statt seiner übernahm der Defa-Regisseur Egon Günther. Der ostdeutsche Regisseur drehte nicht in Masuren, sondern in Böhmen – angeblich weil das Masuren, das er in Masuren fand, nicht mehr genug nach dem alten Masuren aussah. Das gerade erlassene Kriegsrecht in Polen erschwerte zusätzlich mögliche Dreharbeiten in dem Land. Günthers sieben Millionen DM teure Verfilmung wurde wegen ihrer starken Simplifizierung des Stoffes viel kritisiert. Umstritten war nicht zuletzt auch der Schluss: Während Zygmunt in Lenz’ Buch nur das Heimatmuseum abfackelt, um die wahrhaftige Erinnerung für die Zukunft zu bewahren, verbrennt er sich im Film gleich mit, gibt also die Zukunft auf.

    Die ARD zeigte die spielfilmlangen Teile innerhalb einer Woche um 20.15 Uhr.