2026
Folge 221
60 Min.Deutsche TV-Premiere Mi. 14.01.2026 MDR Lanschaftstransformation
Folge 222 (60 Min.)Landschaften sind keine statischen Räume. Sie verändern sich durch menschliche Nutzung, durch industrielle Eingriffe, durch Naturereignisse. Die unicato-Ausgabe „Landschaftstransformationen“ versammelt Kurzfilme, die diesen Wandel sichtbar machen und Landschaft als Spiegel gesellschaftlicher, historischer und natürlicher Prozesse begreifen. Drehort ist die Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis. Auch hier wird sichtbar, wie Landschaft im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft neu gestaltet wird. In mehreren Kurzfilmen erkunden Filmschaffende Landschaften, die von menschlichen Eingriffen und Naturereignissen geprägt sind. Sie erzählen von stillen Entdeckungen im Wald, von der Faszination für das Moor als Gedächtnis, von Heimatverlust im Ahrtal und von der schleichenden Zerstörung ganzer Landstriche durch den Braunkohleabbau in der Lausitz.Filme in der Sendung: * „Saarvocado“ von Victor Orozco Ramirez (experimenteller Dokumentarfilm, DE, MX 2025, 8 min): In den saarländischen Wäldern, die wie ein Bob-Ross-Gemälde anmuten, stößt der Filmemacher beim Wandern auf alte Bunker und stellt sich Fragen nach Schönheit, Zerstörung und dem Kreislauf des Lebens. * „Schichten“ von Fabian Schubert-Heil (Experimentalfilm, DE 2025, 12 min): Eine Fotografin verschwindet im Moor. Ein Erzähler sucht nach ihr und folgt ihrem Weg. Auf ihren Schritten begegnet er Menschen und einer Landschaft. Eine Landschaft der Erinnerung, ein ewiges Gedächtnis, in dem nichts vergeht. Schichten aus Zeit, Torf und Kohlendioxid, geschichtete Geschichte. * „Schulweg“ von Lena Tondello (Dokumentarfilm, DE 2025, 8 min): Im Juli 2021 verloren durch die Flutkatastrophe weit über hundert Menschen ihr Leben. Jahre später geht der Wiederaufbau noch immer nur schleppend voran. Ein Versuch, zu erkunden, was es bedeutet, einen Teil seiner Vergangenheit unwiederbringlich zu verlieren. * „blaubeeren – cerne jagody“ von Maja Nagel und Julius Günzel (Dokumentarfilm, DE 2013, 15 min): Edith Penk besucht täglich eine stattliche Buche. Sie sammelt Blaubeeren in der Muskauer Heide. Doch der heranrückende Tagebau bedroht diese Landschaft. Gäste in der Sendung: unicato-Moderator Markus Kavka spricht mit Filmemacherinnen und Filmemachern über ihre persönlichen Zugänge zum Thema Landschaftstransformation und darüber, wie sich veränderte Umgebungen in ihren filmischen Arbeiten widerspiegeln. Der mexikanische Animationskünstler Victor Orozco Ramirez lebt im Saarland. In seinem Film „Saarvocado“ richtet er zunächst den Blick auf die für ihn exotische Schönheit saarländischer Wälder. Mit der Entdeckung von Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg entsteht ein ambivalentes Spannungsfeld zwischen Natur und Nachkriegsspuren. Die Filmschaffenden Maja Nagel und Julius Günzel haben über fast 14 Jahre hinweg das Abtragen der Muskauer Heide durch den Braunkohleabbau filmisch begleitet. Vom schleichenden Heimatverlust erzählt der erste Teil ihrer Langzeittrilogie „blaubeeren – cerne jagody“. Fabian Schubert-Heil studierte an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Hamburg und spricht über seine Verbindung zum Moor, dessen Geschichte und die filmische Gestaltung seines Films „Schichten“. Lena Tondello stammt aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, jenem Ort, an dem im Juli 2021 weit über hundert Menschen infolge der Flutkatastrophe ihr Leben verloren und unzählige weitere ihre Häuser und wichtigsten Erinnerungen. Im Rahmen ihres Studiums an der Internationalen Filmschule Köln entstand ihr erster Film „Schulweg“, der sich mit den persönlichen Folgen des Hochwassers im Ahrtal auseinandersetzt. (Text: MDR) Deutsche TV-Premiere Mi. 06.05.2026 MDR Wald
Folge 223 (60 Min.)Der Wald ist weit mehr als eine bloße Ansammlung von Bäumen; er ist tief verwurzeltes Symbol unserer Kultur und lebendiger Mythos. Sein Dickicht gilt in vielen Erzählungen als Schwelle zwischen der geordneten Menschenwelt und der ungezähmten Wildnis, bevölkert von Göttern, Naturgeistern und gefährlichen Prüfungen. Diese mystische Bedeutung hallt bis heute in unseren Wahrnehmungen und Erzählungen vom Wald nach. Heute sind Wälder unverzichtbare Systemdienstleister. Sie regulieren unser Klima, schützen den Boden vor Erosion und liefern als nachwachsender Rohstoff die Grundlage für eine nachhaltige Wirtschaft. Doch ihr Zustand ist kritischer denn je. Gezeichnet von den Folgen des Klimawandels, von Dürreperioden und Schädlingsbefall, befindet sich das Ökosystem der Wälder in einer dramatischen Phase des Umbruchs.Mit einem thematischen Schwerpunkt stellt die ARD das fragile Ökosystem Wald im Juni und Juli in den redaktionellen Fokus. Auch das MDR-Kurzfilmmagazin „unicato“ hat zu diesem Anlass eine Sendung kuratiert. In den Kurzfilmen der „unicato“-Sendung „Wald – Rohstoff und Mythos“ widmen sich die Filmschaffenden geheimnisvollen Wesen, ökologischen Krisen und deren Folgen, sowie Wildtieren und wie diese zur Projektionsfläche menschlicher Ängste werden. Teile der Sendung mit Moderator Markus Kavka entstanden im Forstbotanischen Garten Eberswalde. Filme in der Sendung: „Radix“ von Anne Breymann (Animationsfilm, DE, 2025, 4 min) Zwei geheimnisvolle Wesen treffen in der Krone eines Baumes aufeinander. In diesem wortlosen Film kommen sie sich physisch und emotional näher. Sie erlauben einander einen tiefen Einblick in ihr jeweiliges Innerstes – eine Reise, die metaphorisch bis zu ihren „Wurzeln“ (lateinisch radix) führt. „Les Rites de Passage“ von Johannes Krell und Florian Fischer (Experimentalfilm, DE 2025, 14 min) „Les Rites de Passage“ ist eine visuelle Reise über das Werden und Vergehen in der Natur. Der Film zeigt den Verfall von Fichtenwäldern durch den Borkenkäfer, versteinertes Holz aus Vulkanasche und prähistorische Ritualstätten. Er verknüpft ökologische Krisen mit mythologischen Perspektiven und hinterfragt die Rolle des Menschen im Kreislauf der Zeit. „Der andere Tag“ von Timo Schierhorn (Experimentalfilm, DE 2023, 30 min) Der Kurzfilm „Der andere Tag“ beobachtet mithilfe von Infrarot-Wildkameras das nächtliche Geschehen im Wald. Im Zentrum stehen Aufnahmen von Hirschen, die sich in der Dunkelheit bewegen, wobei ihre leuchtenden Augen und ihr Verhalten gegenüber der technischen Überwachung eine surreale Atmosphäre erzeugen. Ohne Dialoge wird dokumentiert, wie die Tiere den Raum jenseits menschlicher Anwesenheit nutzen und auf die installierten Kameras reagieren. „Papillon“ von Francesca Bertin (Experimenteller Dokumentarfilm, DE/IT 2024, 18 min) Der Film erzählt von der Such nach dem Braunbären M49, bekannt als „Papillon“, der im norditalienischen Trentino immer wieder aus Gehegen ausbricht. Er wird zur Projektionsfläche für menschliche Ängste und Sehnsüchte der Dorfbewohner – ein „Problembär“, der gleichermaßen geliebt, gefürchtet und gejagt wird. Die Biologin Alice begibt sich auf seine Spur, während Nachtsichtkameras die letzten Momente seiner Freiheit festhalten. Gäste in der Sendung: Timo Schierhorn ist ein Hamburger Videokünstler und Filmemacher, der nach seinem Studium an der HFBK Hamburg durch die Verbindung von Experimentalfilm und Popkultur bekannt wurde. Er ist Mitbegründer des Kollektivs Auge Altona und prägte als Regisseur die visuelle Ästhetik von Bands wie Deichkind und Tocotronic. Neben preisgekrönten Kurzfilmen (u. a. „Nacht um Olympia“) realisierte er zuletzt Projekte wie den Spielfilm „Hallo Spencer“ und arbeitet regelmäßig für Theater- und Performance-Produktionen. Lars Fischer ist Kulturwissenschaftler und Experte für Landschaftskommunikation. Nach seinem Studium der Kulturwissenschaften, Literaturgeschichte und Philosophie gründete er 2004 gemeinsam mit Kenneth Anders das Büro für Landschaftskommunikation. In seiner Arbeit verbindet er ökologische Themen mit kulturellen Perspektiven, um das Verständnis für ländliche und genutzte Räume zu fördern. Fischer ist zudem Mitbegründer des Aufland Verlags, gehört zur Programmleitung des Oderbruchmuseums Altranft und engagiert sich in der Auswahlkommission des Filmfests Provinziale in Eberswalde. Francesca Bertin ist eine italienische Regisseurin und Künstlerin, die heute in Hamburg lebt und arbeitet. Ihre Arbeiten bewegen sich oft an der Schnittstelle zwischen Dokumentarfilm und Videokunst, wobei sie sich besonders für die Themen Identität, Erinnerung und den menschlichen Umgang mit Architektur und Landschaften interessiert. Florian Fischer und Johannes Krell arbeiten seit 2013 an der Schnittstelle von Dokumentarfilm, Experimentalfilm und Videokunst. Fischer, der Kommunikationsdesign und Fotografie in Potsdam und Berlin studierte, sowie Krell, der Audiovisuelle Medien und Experimentalfilm in Berlin und an der KHM Köln absolvierte, prägen einen unverkennbaren visuellen Stil. In ihren Werken untersuchen sie oft das Verhältnis von Mensch und Natur durch atmosphärische Bilder und präzises Sounddesign. Ihr aktuelles Werk Les Rites de Passage (2025) setzt ihre gemeinsame Erforschung ökologischer und mythologischer Transformationen fort. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere So. 21.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 01.07.2026 MDR Übers Meer
Folge 224 (60 Min.)Während das Meer früher oft als bedrohlich galt, entwickelte es sich besonders seit dem 19. Jahrhundert zu einem Sehnsuchtsort für Urlaub und Entspannung. Darüber hinaus faszinieren Meere durch ihre große Artenvielfalt und ihre vielen unerforschten Bereiche. Ungewöhnliche Funde und unbekannte Meeresbewohner geben bis heute Anlass zu Spekulationen und Mythen über Seeungeheuer. Gleichzeitig sind Meere Lebensgrundlage für Milliarden Menschen – bieten Nahrung, Arbeitsplätze, Rohstoffe und sind wichtige Transportwege für den Welthandel.Durch Klimawandel, Verschmutzung und Überfischung werden die empfindlichen Ökosysteme der Meere jedoch zunehmend bedroht. Auch viele Küstenregionen und Inseln sind durch den Anstieg des Meeresspiegels gefährdet. Umsiedlungen und damit einhergehender Heimat- und Identitätsverlust sind für die dort lebenden Menschen die Folge. In den Kurzfilmen dieser unicato-Ausgabe beschäftigen sich Filmschaffende auf unterschiedliche Weise mit dem Meer. Mit dem Dokumentarfilmer Florian Kunert sprechen wir über mystische Rituale und Globalisierung in seinem Film „Oh Brother Octopus“. Darin zeigt er die besondere Verbindung zwischen indonesischen Seenomaden und Oktopussen. In dem dokumentarischen Kurzfilm „My super sea wall“ von Gina Abatemarco werden wir Zeuge im Kampf der kleinen Inuit-Gemeinde von Kivalina vor der Küste Alaskas gegen den unaufhörlich steigenden Meeresspiegel. Mit der Filmemacherin und Künstlerin Juliane Ebner sprechen wir über ihren autobiografischen Film „Branden“, über ihre Heimatstadt Stralsund in der DDR und der tödlichen Grenze zwischen Gefangenschaft und Strandbesuch. Im Spielfilm „Urlaubsversuche“ fahren zwei Freundinnen zu einem gemeinsamen Urlaub an die Ostsee. Die beiden Filmschaffenden Paula Weise und Finn Ole Weigt zeigen im Film einen kleinen Ausschnitt der Lebenswirklichkeit vieler heutiger Zwanzigjähriger: Alle Möglichkeiten stehen offen, doch keine scheint gut genug zu sein. Drehort für die unicato Sendung „Übers Meer“ war das Ozeaneum auf der Stralsunder Hafeninsel. Filme in der Sendung: • „Oh Brother Octopus“ von Florian Kunert (Dokumentarfilm, DE 2017, 27 min) Im Glauben der indonesischen Seenomaden besitzt jedes neugeborene Kind einen Zwillingsbruder in Form eines Oktopus’. Rituale sollen den Bruder im Wasser besänftigen und Unheil abwenden. Bleiben diese aus, droht eine apokalyptische Rache. Nach dem Bruch der Tradition glauben die Seenomaden, der Bau einer künstlichen Welt auf dem Wasser sei diese Rache. Damit ist ihre Lebensgrundlage in Gefahr. • „Urlaubsversuche“ von Paula Weise und Finn Ole Weigt (Spielfilm, DE 2023, 16 min) Gen Z macht Urlaub – oder probiert es zumindest. Zwei Frauen, Anfang zwanzig, fahren an die Ostsee, doch Urlaubsstimmung kommt nicht auf. In einem Alter, in dem alles möglich scheint und dennoch keine Option genug motiviert, greift der Film das Lebensgefühl der Generation auf. In den abrupt wechselnden Dialogen zwischen Tiefgang und Oberflächlichkeit wird die Freundschaft der beiden Frauen auf die Probe gestellt. • „My Super Sea Wall“ von Gina Abartemarco (Dokumentarfilm, DE 2009, 13 min) Kivalina ist eine Inuit-Gemeinde an der Spitze einer kleinen Insel im äußersten Westen von Alaska. Die 377 Bewohner von Kivalina sind weder für besondere kunsthandwerklichen Fertigkeiten noch für ihre alte Kultur bekannt, sondern weil sie die ersten US-amerikanischen Klimaflüchtlinge sind. My Super Sea Wall dokumentiert ihren Kampf ihre Häuser vor dem Meer zu retten, mit einer drei Millionen Dollar teuren Mauer aus Sandsäcken. • „Branden“ von Juliane Ebner (Animationsfilm, DE 2013, 16 min) Ein Heimatfilm vom Ufer, das ein Todesstreifen war. Juliane Ebner wächst zu DDR-Zeiten in Stralsund auf. Ein Ort, der den Wunsch nach Freiheit symbolisiert, aber noch stärker an die Grenze erinnert. In ihrem autobiografischen Animationsfilm Branden macht Juliane Ebner dieses widersprüchliche Gefühl spürbar. Gäste in der Sendung: Juliane Ebner ist aufgewachsen in Stralsund und auf der Insel Rügen. Sie ist Künstlerin und Filmemacherin gemalter Animationsfilme, welche auf Tuschzeichnungen und eigenen Texten basieren. Juliane Ebner ist Mitglied der Deutschen Filmakademie und des Deutschen Künstlerbundes. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen wie die Goldenen Lola. Paula Weise und Finn Ole Weigt haben bereits mehrere Filmprojekte als Regieduo entwickelt und umgesetzt. Schwerpunkt des Duos ist eine kritische und humoristische Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Themen. Darunter waren die Kurzfilme Fracht (2021), Asinus Cacaret (2022) und Gezielt Mittelalterliche Überlegungen (2024). Heute studieren beide Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln. In seinen Arbeiten sucht Florian Kunert die Schnittstelle zwischen persönlichen und großen gesellschaftlichen Fragen. Er fragt sich, welche Rolle alte Legenden und Glaubensweisen in unseren urbanen Landschaften und in Gesellschaften spielen, die mehr und mehr von Technologie geprägt sind. Dabei verbindet er performative und beobachtende Elemente mit stilisiertem Archivmaterial. Er studierte Dokumentarfilmregie an der Escuela Internacional de Cine y TV in Kuba und Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Für „Oh Brother Octopus“ gewann Kunert den Deutschen Kurzfilmpreis. Im Rahmen der Dreharbeiten lebte er ein Jahr lang in Indonesien. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 28.07.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 29.07.2026 MDR
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