2026
Folge 221
60 Min.Deutsche TV-Premiere Mi. 14.01.2026 MDR Lanschaftstransformation
Folge 222 (60 Min.)Landschaften sind keine statischen Räume. Sie verändern sich durch menschliche Nutzung, durch industrielle Eingriffe, durch Naturereignisse. Die unicato-Ausgabe „Landschaftstransformationen“ versammelt Kurzfilme, die diesen Wandel sichtbar machen und Landschaft als Spiegel gesellschaftlicher, historischer und natürlicher Prozesse begreifen. Drehort ist die Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis. Auch hier wird sichtbar, wie Landschaft im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft neu gestaltet wird. In mehreren Kurzfilmen erkunden Filmschaffende Landschaften, die von menschlichen Eingriffen und Naturereignissen geprägt sind. Sie erzählen von stillen Entdeckungen im Wald, von der Faszination für das Moor als Gedächtnis, von Heimatverlust im Ahrtal und von der schleichenden Zerstörung ganzer Landstriche durch den Braunkohleabbau in der Lausitz.Filme in der Sendung: * „Saarvocado“ von Victor Orozco Ramirez (experimenteller Dokumentarfilm, DE, MX 2025, 8 min): In den saarländischen Wäldern, die wie ein Bob-Ross-Gemälde anmuten, stößt der Filmemacher beim Wandern auf alte Bunker und stellt sich Fragen nach Schönheit, Zerstörung und dem Kreislauf des Lebens. * „Schichten“ von Fabian Schubert-Heil (Experimentalfilm, DE 2025, 12 min): Eine Fotografin verschwindet im Moor. Ein Erzähler sucht nach ihr und folgt ihrem Weg. Auf ihren Schritten begegnet er Menschen und einer Landschaft. Eine Landschaft der Erinnerung, ein ewiges Gedächtnis, in dem nichts vergeht. Schichten aus Zeit, Torf und Kohlendioxid, geschichtete Geschichte. * „Schulweg“ von Lena Tondello (Dokumentarfilm, DE 2025, 8 min): Im Juli 2021 verloren durch die Flutkatastrophe weit über hundert Menschen ihr Leben. Jahre später geht der Wiederaufbau noch immer nur schleppend voran. Ein Versuch, zu erkunden, was es bedeutet, einen Teil seiner Vergangenheit unwiederbringlich zu verlieren. * „blaubeeren – cerne jagody“ von Maja Nagel und Julius Günzel (Dokumentarfilm, DE 2013, 15 min): Edith Penk besucht täglich eine stattliche Buche. Sie sammelt Blaubeeren in der Muskauer Heide. Doch der heranrückende Tagebau bedroht diese Landschaft. Gäste in der Sendung: unicato-Moderator Markus Kavka spricht mit Filmemacherinnen und Filmemachern über ihre persönlichen Zugänge zum Thema Landschaftstransformation und darüber, wie sich veränderte Umgebungen in ihren filmischen Arbeiten widerspiegeln. Der mexikanische Animationskünstler Victor Orozco Ramirez lebt im Saarland. In seinem Film „Saarvocado“ richtet er zunächst den Blick auf die für ihn exotische Schönheit saarländischer Wälder. Mit der Entdeckung von Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg entsteht ein ambivalentes Spannungsfeld zwischen Natur und Nachkriegsspuren. Die Filmschaffenden Maja Nagel und Julius Günzel haben über fast 14 Jahre hinweg das Abtragen der Muskauer Heide durch den Braunkohleabbau filmisch begleitet. Vom schleichenden Heimatverlust erzählt der erste Teil ihrer Langzeittrilogie „blaubeeren – cerne jagody“. Fabian Schubert-Heil studierte an der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) Hamburg und spricht über seine Verbindung zum Moor, dessen Geschichte und die filmische Gestaltung seines Films „Schichten“. Lena Tondello stammt aus Bad Neuenahr-Ahrweiler, jenem Ort, an dem im Juli 2021 weit über hundert Menschen infolge der Flutkatastrophe ihr Leben verloren und unzählige weitere ihre Häuser und wichtigsten Erinnerungen. Im Rahmen ihres Studiums an der Internationalen Filmschule Köln entstand ihr erster Film „Schulweg“, der sich mit den persönlichen Folgen des Hochwassers im Ahrtal auseinandersetzt. (Text: MDR) Deutsche TV-Premiere Mi. 06.05.2026 MDR Wald
Folge 223 (60 Min.)Der Wald ist weit mehr als eine bloße Ansammlung von Bäumen; er ist tief verwurzeltes Symbol unserer Kultur und lebendiger Mythos. Sein Dickicht gilt in vielen Erzählungen als Schwelle zwischen der geordneten Menschenwelt und der ungezähmten Wildnis, bevölkert von Göttern, Naturgeistern und gefährlichen Prüfungen. Diese mystische Bedeutung hallt bis heute in unseren Wahrnehmungen und Erzählungen vom Wald nach. Heute sind Wälder unverzichtbare Systemdienstleister. Sie regulieren unser Klima, schützen den Boden vor Erosion und liefern als nachwachsender Rohstoff die Grundlage für eine nachhaltige Wirtschaft. Doch ihr Zustand ist kritischer denn je. Gezeichnet von den Folgen des Klimawandels, von Dürreperioden und Schädlingsbefall, befindet sich das Ökosystem der Wälder in einer dramatischen Phase des Umbruchs.Mit einem thematischen Schwerpunkt stellt die ARD das fragile Ökosystem Wald im Juni und Juli in den redaktionellen Fokus. Auch das MDR-Kurzfilmmagazin „unicato“ hat zu diesem Anlass eine Sendung kuratiert. In den Kurzfilmen der „unicato“-Sendung „Wald – Rohstoff und Mythos“ widmen sich die Filmschaffenden geheimnisvollen Wesen, ökologischen Krisen und deren Folgen, sowie Wildtieren und wie diese zur Projektionsfläche menschlicher Ängste werden. Teile der Sendung mit Moderator Markus Kavka entstanden im Forstbotanischen Garten Eberswalde. Filme in der Sendung: „Radix“ von Anne Breymann (Animationsfilm, DE, 2025, 4 min) Zwei geheimnisvolle Wesen treffen in der Krone eines Baumes aufeinander. In diesem wortlosen Film kommen sie sich physisch und emotional näher. Sie erlauben einander einen tiefen Einblick in ihr jeweiliges Innerstes – eine Reise, die metaphorisch bis zu ihren „Wurzeln“ (lateinisch radix) führt. „Les Rites de Passage“ von Johannes Krell und Florian Fischer (Experimentalfilm, DE 2025, 14 min) „Les Rites de Passage“ ist eine visuelle Reise über das Werden und Vergehen in der Natur. Der Film zeigt den Verfall von Fichtenwäldern durch den Borkenkäfer, versteinertes Holz aus Vulkanasche und prähistorische Ritualstätten. Er verknüpft ökologische Krisen mit mythologischen Perspektiven und hinterfragt die Rolle des Menschen im Kreislauf der Zeit. „Der andere Tag“ von Timo Schierhorn (Experimentalfilm, DE 2023, 30 min) Der Kurzfilm „Der andere Tag“ beobachtet mithilfe von Infrarot-Wildkameras das nächtliche Geschehen im Wald. Im Zentrum stehen Aufnahmen von Hirschen, die sich in der Dunkelheit bewegen, wobei ihre leuchtenden Augen und ihr Verhalten gegenüber der technischen Überwachung eine surreale Atmosphäre erzeugen. Ohne Dialoge wird dokumentiert, wie die Tiere den Raum jenseits menschlicher Anwesenheit nutzen und auf die installierten Kameras reagieren. „Papillon“ von Francesca Bertin (Experimenteller Dokumentarfilm, DE/IT 2024, 18 min) Der Film erzählt von der Such nach dem Braunbären M49, bekannt als „Papillon“, der im norditalienischen Trentino immer wieder aus Gehegen ausbricht. Er wird zur Projektionsfläche für menschliche Ängste und Sehnsüchte der Dorfbewohner – ein „Problembär“, der gleichermaßen geliebt, gefürchtet und gejagt wird. Die Biologin Alice begibt sich auf seine Spur, während Nachtsichtkameras die letzten Momente seiner Freiheit festhalten. Gäste in der Sendung: Timo Schierhorn ist ein Hamburger Videokünstler und Filmemacher, der nach seinem Studium an der HFBK Hamburg durch die Verbindung von Experimentalfilm und Popkultur bekannt wurde. Er ist Mitbegründer des Kollektivs Auge Altona und prägte als Regisseur die visuelle Ästhetik von Bands wie Deichkind und Tocotronic. Neben preisgekrönten Kurzfilmen (u. a. „Nacht um Olympia“) realisierte er zuletzt Projekte wie den Spielfilm „Hallo Spencer“ und arbeitet regelmäßig für Theater- und Performance-Produktionen. Lars Fischer ist Kulturwissenschaftler und Experte für Landschaftskommunikation. Nach seinem Studium der Kulturwissenschaften, Literaturgeschichte und Philosophie gründete er 2004 gemeinsam mit Kenneth Anders das Büro für Landschaftskommunikation. In seiner Arbeit verbindet er ökologische Themen mit kulturellen Perspektiven, um das Verständnis für ländliche und genutzte Räume zu fördern. Fischer ist zudem Mitbegründer des Aufland Verlags, gehört zur Programmleitung des Oderbruchmuseums Altranft und engagiert sich in der Auswahlkommission des Filmfests Provinziale in Eberswalde. Francesca Bertin ist eine italienische Regisseurin und Künstlerin, die heute in Hamburg lebt und arbeitet. Ihre Arbeiten bewegen sich oft an der Schnittstelle zwischen Dokumentarfilm und Videokunst, wobei sie sich besonders für die Themen Identität, Erinnerung und den menschlichen Umgang mit Architektur und Landschaften interessiert. Florian Fischer und Johannes Krell arbeiten seit 2013 an der Schnittstelle von Dokumentarfilm, Experimentalfilm und Videokunst. Fischer, der Kommunikationsdesign und Fotografie in Potsdam und Berlin studierte, sowie Krell, der Audiovisuelle Medien und Experimentalfilm in Berlin und an der KHM Köln absolvierte, prägen einen unverkennbaren visuellen Stil. In ihren Werken untersuchen sie oft das Verhältnis von Mensch und Natur durch atmosphärische Bilder und präzises Sounddesign. Ihr aktuelles Werk Les Rites de Passage (2025) setzt ihre gemeinsame Erforschung ökologischer und mythologischer Transformationen fort. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere So. 21.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 01.07.2026 MDR Übers Meer
Folge 224 (60 Min.)Während das Meer früher oft als bedrohlich galt, entwickelte es sich besonders seit dem 19. Jahrhundert zu einem Sehnsuchtsort für Urlaub und Entspannung. Darüber hinaus faszinieren Meere durch ihre große Artenvielfalt und ihre vielen unerforschten Bereiche. Ungewöhnliche Funde und unbekannte Meeresbewohner geben bis heute Anlass zu Spekulationen und Mythen über Seeungeheuer. Gleichzeitig sind Meere Lebensgrundlage für Milliarden Menschen – bieten Nahrung, Arbeitsplätze, Rohstoffe und sind wichtige Transportwege für den Welthandel.Durch Klimawandel, Verschmutzung und Überfischung werden die empfindlichen Ökosysteme der Meere jedoch zunehmend bedroht. Auch viele Küstenregionen und Inseln sind durch den Anstieg des Meeresspiegels gefährdet. Umsiedlungen und damit einhergehender Heimat- und Identitätsverlust sind für die dort lebenden Menschen die Folge. In den Kurzfilmen dieser unicato-Ausgabe beschäftigen sich Filmschaffende auf unterschiedliche Weise mit dem Meer. Mit dem Dokumentarfilmer Florian Kunert sprechen wir über mystische Rituale und Globalisierung in seinem Film „Oh Brother Octopus“. Darin zeigt er die besondere Verbindung zwischen indonesischen Seenomaden und Oktopussen. In dem dokumentarischen Kurzfilm „My super sea wall“ von Gina Abatemarco werden wir Zeuge im Kampf der kleinen Inuit-Gemeinde von Kivalina vor der Küste Alaskas gegen den unaufhörlich steigenden Meeresspiegel. Mit der Filmemacherin und Künstlerin Juliane Ebner sprechen wir über ihren autobiografischen Film „Branden“, über ihre Heimatstadt Stralsund in der DDR und der tödlichen Grenze zwischen Gefangenschaft und Strandbesuch. Im Spielfilm „Urlaubsversuche“ fahren zwei Freundinnen zu einem gemeinsamen Urlaub an die Ostsee. Die beiden Filmschaffenden Paula Weise und Finn Ole Weigt zeigen im Film einen kleinen Ausschnitt der Lebenswirklichkeit vieler heutiger Zwanzigjähriger: Alle Möglichkeiten stehen offen, doch keine scheint gut genug zu sein. Drehort für die unicato Sendung „Übers Meer“ war das Ozeaneum auf der Stralsunder Hafeninsel. Filme in der Sendung: • „Oh Brother Octopus“ von Florian Kunert (Dokumentarfilm, DE 2017, 27 min) Im Glauben der indonesischen Seenomaden besitzt jedes neugeborene Kind einen Zwillingsbruder in Form eines Oktopus’. Rituale sollen den Bruder im Wasser besänftigen und Unheil abwenden. Bleiben diese aus, droht eine apokalyptische Rache. Nach dem Bruch der Tradition glauben die Seenomaden, der Bau einer künstlichen Welt auf dem Wasser sei diese Rache. Damit ist ihre Lebensgrundlage in Gefahr. • „Urlaubsversuche“ von Paula Weise und Finn Ole Weigt (Spielfilm, DE 2023, 16 min) Gen Z macht Urlaub – oder probiert es zumindest. Zwei Frauen, Anfang zwanzig, fahren an die Ostsee, doch Urlaubsstimmung kommt nicht auf. In einem Alter, in dem alles möglich scheint und dennoch keine Option genug motiviert, greift der Film das Lebensgefühl der Generation auf. In den abrupt wechselnden Dialogen zwischen Tiefgang und Oberflächlichkeit wird die Freundschaft der beiden Frauen auf die Probe gestellt. • „My Super Sea Wall“ von Gina Abartemarco (Dokumentarfilm, DE 2009, 13 min) Kivalina ist eine Inuit-Gemeinde an der Spitze einer kleinen Insel im äußersten Westen von Alaska. Die 377 Bewohner von Kivalina sind weder für besondere kunsthandwerklichen Fertigkeiten noch für ihre alte Kultur bekannt, sondern weil sie die ersten US-amerikanischen Klimaflüchtlinge sind. My Super Sea Wall dokumentiert ihren Kampf ihre Häuser vor dem Meer zu retten, mit einer drei Millionen Dollar teuren Mauer aus Sandsäcken. • „Branden“ von Juliane Ebner (Animationsfilm, DE 2013, 16 min) Ein Heimatfilm vom Ufer, das ein Todesstreifen war. Juliane Ebner wächst zu DDR-Zeiten in Stralsund auf. Ein Ort, der den Wunsch nach Freiheit symbolisiert, aber noch stärker an die Grenze erinnert. In ihrem autobiografischen Animationsfilm Branden macht Juliane Ebner dieses widersprüchliche Gefühl spürbar. Gäste in der Sendung: Juliane Ebner ist aufgewachsen in Stralsund und auf der Insel Rügen. Sie ist Künstlerin und Filmemacherin gemalter Animationsfilme, welche auf Tuschzeichnungen und eigenen Texten basieren. Juliane Ebner ist Mitglied der Deutschen Filmakademie und des Deutschen Künstlerbundes. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen wie die Goldenen Lola. Paula Weise und Finn Ole Weigt haben bereits mehrere Filmprojekte als Regieduo entwickelt und umgesetzt. Schwerpunkt des Duos ist eine kritische und humoristische Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Themen. Darunter waren die Kurzfilme Fracht (2021), Asinus Cacaret (2022) und Gezielt Mittelalterliche Überlegungen (2024). Heute studieren beide Mediale Künste an der Kunsthochschule für Medien Köln. In seinen Arbeiten sucht Florian Kunert die Schnittstelle zwischen persönlichen und großen gesellschaftlichen Fragen. Er fragt sich, welche Rolle alte Legenden und Glaubensweisen in unseren urbanen Landschaften und in Gesellschaften spielen, die mehr und mehr von Technologie geprägt sind. Dabei verbindet er performative und beobachtende Elemente mit stilisiertem Archivmaterial. Er studierte Dokumentarfilmregie an der Escuela Internacional de Cine y TV in Kuba und Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Für „Oh Brother Octopus“ gewann Kunert den Deutschen Kurzfilmpreis. Im Rahmen der Dreharbeiten lebte er ein Jahr lang in Indonesien. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 28.07.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 29.07.2026 MDR Lebensrealitäten Ost
Folge 225 (60 Min.)Postwendekinder: Sie wachsen in einem wiedervereinigten Deutschland auf und kennen die DDR nur aus Erzählungen und Geschichtsbüchern. Sie spüren jedoch die ostdeutsche Identität durch die Erfahrungen ihrer Eltern und Großeltern, durch strukturelle Unterschiede im Alltag und mediale Zuschreibungen: Der Osten als Abweichung von der Norm, als Krisenregion, geprägt von Demokratiezweifeln. Doch ist das stereotypische Bild des Ostens auch wirklich der Osten? Es gibt sie, die vielfältigen Sichtweisen – und sie werden von jungen Filmschaffenden erzählt.Auch in den Kurzfilmen dieser Ausgabe. Was bedeutet ostdeutsche Identität für sie? Wie lässt sich die Ostalgie bei der Gen Z erklären? Und was wünscht sich die vierte Generation Ost für den Diskurs um die Zukunft? In dieser „unicato“-Ausgabe sprechen wir mit Menschen, die zeigen, wie vielfältig ostdeutsche Sichtweisen sind. Mit Vanessa Beyer, Co-Gründerin von k_einheit, sprechen wir über die Lebensrealitäten der Gen Z aus Ostdeutschland, das Miteinander in der Gesellschaft sowie ihren Blick nach vorn. Mit dem Animationskünstler Merlin Rainer reden wir über die ostdeutsche Hardtekk-Szene und seinen handgezeichneten Film „Upload DDR“. Filmemacherin und Künstlerin Antje Seeger zeigt mit dem Experimentalfilm „FMT8“, wie wenig und gleichzeitig wie stark sich ihre thüringische Heimatstadt Artern seit der Wende verändert hat. Dabei erzählt sie auch, welche Weichen für die Zweite Generation Ost gestellt wurden und welchen konkreten Einfluss diese auf ihr Leben hatten. In „SOM DOM“ werden Mira Dubian und Luka Lětko bei der Arbeit an ihrem Kurzfilm begleitet, in dem sie versuchen, queere Themen in ihre vermeintlich konservative sorbische Community zu integrieren. Mit den beiden sprechen wir über die sorbische Sprache und über queere Lebensrealitäten in ihrem Umfeld. Filme in der Sendung Upload DDR von Merlin Rainer (Animadok, DE 2024, 8 Minuten) Zwischen rechter Vereinnahmung und ostalgischem Hype: HardTekk zieht vor allem im Osten viele junge Leute an. Der handgezeichnete Film zeigt DJs wie JilliTekk, die Musik zum Anlass nehmen, sich als Nachwendegeneration mit der DDR auseinanderzusetzen. FMT8 von Antje Seeger (Experimentalfilm, DE 2024, 3 Minuten) Auf dem höchsten Punkt der ostdeutschen Kleinstadt Artern in Thüringen steht der „Der lange Harald“. Ein Funkmast vom Typ FMT8 benannt nach dem damaligen Bürgermeister, dem ersten nach der Wende. Beides waren Westimporte mit dem Versprechen einer glorreichen Zukunft. Doch dann kippt das Bild. Som Doma von Lukas Mutschler, Luca-Els Mauritz (Dokumentarfilm, DE 2024, 29 Minuten) „Wenn meine Lausitz nicht mehr sorbisch ist, dann randaliere ich!“ – so das Motto der jungen Sorb*innen Mira und Luka. In „Som Doma“ werden die beiden bei der Arbeit an ihrem Kurzfilm begleitet, in dem sie versuchen, queere Themen in ihre vermeintlich konservative sorbische Community zu integrieren. Zwischen der aussterbenden sorbischen Sprache und queerfeindlichen Stimmen in ihrem Umfeld suchen Mira und Luka einen Platz in ihrer Heimat. Gäste Vanessa Beyer macht sichtbar, was lange übersehen wurde. Als Co-Gründerin von k_einheit sorgt sie dafür, dass junge Ostdeutsche ihre eigene Geschichte erzählen – laut, differenziert und auf Augenhöhe. Statt sich mit alten Narrativen abzufinden, will sie neue prägen – mutig, kreativ und gemeinsam mit denen, die den Osten heute gestalten. Mit k_einheit hat Vanessa eine Plattform geschaffen, die junge ostdeutsche Perspektiven hörbar macht und gesellschaftlichen Wandel vorantreibt. Der Seriendokumentarfilm „(K)Einheit – Wie die Gen Z über den Osten denkt“ bringt die Lebensrealitäten junger Menschen in den öffentlichen Diskurs. Durch Workshops, Diskussionen und mediale Formate fördert die Initiative intergenerationale Gespräche, baut Brücken zwischen Ost und West und schafft Räume für Selbstwirksamkeit. Ihr Ziel: eine neue Erzählung des Ostens, geprägt von denen, die ihn heute gestalten. Merlin Rainer studierte in der Klasse für Malerei und Grafik bei Prof. Kerstin Drechsel an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Ihn interessiert der Blick auf digitale Bilder durch eine analoge Praxis. Im Rahmen des Erasmus+-Programmes arbeitete er 2023 im Atelier von Thomas Hirschhorn in Paris. Die für den Studienpreis eingereichte Arbeit „Upload DDR“ entstand im Seminar „AUFBRUCH und ERINNERUNG“ von Dieter Daniels und wurde während des Lichtfests Leipzig 2024 auf dem Augustusplatz gezeigt. Der Animadok ist vollständig handgezeichnet und zeigt, wie die elektronische Musikrichtung HardTekk besonders junge Ostdeutsche anspricht. Die Künstlerin und Filmemacherin Antje Seeger arbeitet an den Schnittstellen von Installation, Intervention, Fotografie und Film. In Ihren Arbeiten untersucht sie Bilder und ihre Produktionsbedingungen als Akteure gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Ihre Werke waren bereits international zu sehen. Antje Seeger legte 2012 ihr Diplom an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig ab. In ihren Arbeiten untersucht sie die Ambivalenz von gesellschaftlichen Wertvorstellungen, öffentlicher Rede und tatsächlichen Handlungen, die Rolle von Kunst und Kritik in der spätbürgerlichen Gesellschaft sowie die Funktion von Bildern im Hinblick auf kollektive Übereinkünfte und Heilprozesse. Für ihre raumgreifende Installationen, Videoinstallationen oder Video Walks erhielt Seeger zahlreiche Projektförderungen sowie Arbeits-, Recherche- und Reisestipendien: z. B. durch die Landeshauptstadt Dresden, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die Bundeskulturstiftung sowie durch das Land Oberösterreich und Niederösterreich. Seeger lebt und arbeitet als Künstlerin und Kuratorin in Dresden. Mira Dubian, aufgewachsen in Dissen bei Cottbus, ist mit der sorbischen Sprache und Kultur aufgewachsen. Nach einem Jahr in Odessa studiert sie Ostslawistik in Leipzig. Im Jahr 2019 drehte Dubian gemeinsam mit anderen Schülern des Niedersorbischen Gymnasium ihren ersten Kurzfilm – „Zymske Prozniny“, ein dokumentarischer Kurzfilm über sorbisches Leben in der DDR. Im Jahr 2021 gewann ihr experimenteller Kurzfilm „SE PADA“ den Sonderpreis der Stiftung fürs sorbische Volk bei der Lausitzer Filmschau. Luka Lětko, Kulturschaffender, Filmemacher, und Absolvent des Sprachrevitalisierungsprojekts Zorja, beschäftigt sich vorrangig mit niedersorbischen, queeren und feministischen Themen. Lětko gewann mit seinem Filmdebüt „PYTAŚ A NAMAKAŚ – Vom Suchen und Finden“ beim Filmfestival Cottbus den Filmförderpreis „Akcija!“ (2022) und den Nachwuchspreis der Stiftung für das sorbische Volk (2023). Der Dreh zu „PYTAŚ A NAMAKAŚ“ wurde dokumentarisch begleitet von Luca-Els Mauritz und Lukas Mutschler, Studierende der HFF München. Es entstand der Dokumentarfilm SOM DOMA (2024). Das Regie-Duo Lětko und Dubian ist Teil des „Kollektiw Wakuum“ für Kunst und Subkultur, das sorbische Tradition und Erfahrungen mit subkulturellen und künstlerischen Ansätzen neu interpretiert. (Text: MDR) Deutsche TV-Premiere Mi. 30.09.2026 MDR Halloween
Folge 226 (60 Min.)Deutsche TV-Premiere Mi. 28.10.2026 MDR
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