Am 21. Juli hat das ZDF die Reportage „Am Puls mit Dunja Hayali: Unsere Bahn: geliebt, verflucht – gefährlich?“ ausgestrahlt. Darin begab sich Journalistin Dunja Hayali auf die Suche nach Ursachen für die strukturellen Probleme bei der Deutschen Bahn und deren Auswirkungen auf Reisende und den Arbeitsalltag der Beschäftigten. Nach der Ausstrahlung hat die Deutsche Bahn die Dokumentation heftig kritisiert. Sie sei „unseriös“ und basiere „in weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungen“. Entscheidende Fakten seien bewusst ausgelassen worden und der Film deshalb ein „Zerrbild der Wirklichkeit“. Das ZDF wies die Vorwürfe umgehend zurück. Doch die dicke Luft hält an und der Ärger geht weiter: Nach Informationen der F.A.Z. fordert die Deutsche Bahn das ZDF auf, die Reportage offline zu nehmen.
Wie die Tageszeitung berichtet, fordert die Deutsche Bahn vom ZDF, „den Film in weiteren Teilen umfangreich zu verändern und offline zu nehmen“. Entlastende Tatsachen, die der verantwortlichen Redaktion vorliegen, seien „nahezu vollständig verschwiegen“ worden. Die Bahn wehre sich „gegen die Verbreitung falscher Tatsachenbehauptungen in der ZDF-Doku“. Darüber hinaus wird auf eine aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs verwiesen, wonach auch eine unvollständige Berichterstattung rechtswidrig sein könne, „wenn wesentliche Fakten weggelassen wurden und dadurch ein Zerrbild der Wirklichkeit entsteht“.
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Insbesondere der Vorwurf der mangelhaften Digitalisierung der Schieneninfrastruktur in der ZDF-Doku stößt der Bahn übel auf. Es wird darauf verwiesen, dass man seit Jahren in die Digitalisierung investiere und allein im vergangenen Jahr 64 Stellwerke erneuert worden seien. Außerdem liege bis Ende 2026 „ein verbindlicher Rollout-Plan für die digitale Zugsteuerung im gesamten Schienennetz“ vor.
Das ZDF weist die Vorwürfe der Deutschen Bahn und die damit einhergehenden Forderungen zur Depublikation zurück. Die Dokumentation sei „journalistisch sorgfältig recherchiert, weist keine inhaltlichen Mängel auf und bildet verschiedene Perspektiven umfassend ab“. In dem Film würden zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Erfahrungen schildern. „Auch Vorstandschefin Evelyn Palla erhält ausführlich Gelegenheit zur Stellungnahme.“ An zwei Stellen hat das ZDF jedoch Korrekturen vorgenommen: Die in einer Grafik genannte Anzahl digitaler Stellwerke wurde von „0“ auf „3“ korrigiert. Außerdem wurde das Wort „Fernverkehr“ in „Personenverkehr“ in einer Grafik zur Bahnpünktlichkeit in Belgien geändert und an die Aussage des Sprechertextes angepasst. „Für weitere Anpassungen sehen wir keinen Anlass“, so das ZDF.
Die übrigen Forderungen der Deutschen Bahn wertet das ZDF als „unzulässigen Versuch, eine kritische Berichterstattung in Gänze zu unterbinden“. Es sei „nicht ersichtlich, welche im Gesamtkontext der Berichterstattung wesentlichen Tatsachen bewusst verschwiegen worden sein sollen“. Ehrverletzende Schlussfolgerungen habe man nicht gezogen, an vielen Stellen würden im Film auch Fortschritte hervorgehoben. Eine Löschung aus der Mediathek komme deshalb nicht infrage. Wie die F.A.Z. weiter berichtet, habe das ZDF trotzdem eine Unterlassungserklärung abgegeben – jedoch „im Sinne eines Entgegenkommens“ und „ohne Anerkennung einer Rechtspflicht und ohne Präjudiz für die Sach- und Rechtslage“.
Die Streitigkeiten sind noch nicht beigelegt – und kommende Woche könnte es sogar weiteren Zündstoff geben. Denn am Dienstag, den 4. August wird auch das Magazin „frontal“ mit der Deutschen Bahn hart ins Gericht gehen: Um 21:00 Uhr läuft die Reportage „Das Deutsche-Bahn-Desaster“.