Vor dem Start: „SMILF“ – Charmante US-Comedyserie ab heute bei Sky

    Alleinerziehende Mutter aus Bosten auf der Suche nach Karriere, Liebe und Sex

    Bernd Krannich – 24.11.2017, 14:00 Uhr

    Frankie Shaw in „SMILF“

    Bei Sky Atlantic startet am heutigen Freitag die aktuelle US-Comedy „SMILF“. Im Zentrum der Serie steht Bridgette (Frankie Shaw), eine alleinerziehende Mutter aus einem ärmlichen Stadtteil der Großstadt Boston. Drei Jahre nach der Geburt ihres Sohnes bemüht sie sich darum, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben: Mehr Unabhängigkeit, endlich aus ihren Fähigkeiten berufliches Kapital schlagen und endlich, endlich wieder Sex. Doch die Realität besteht aus harter Arbeit, Demütigungen und vielen, vielen Peinlichkeiten. „SMILF“ gehört dabei zu den Serien, die ungeschönt und ohne wegzuschauen mit dem Menschsein umgeht und seine Protagonistin fehlbar, aber liebenswert darstellt.

    Die Serie läuft aktuell in den USA beim Sender Showtime, mit dem Sky einen Rahmenvertrag über Serienrechte hat. Darstellerin Shaw konnte den Stoff schon erfolgreich als Kurzfilm umsetzen. Zuvor war Shaw bereits in der ersten Staffel von „Mr. Robot“ als Elliots Drogen- und Sexpartner Shayla, in „Good Girls Revolt“ sowie in der Comedy-Serie „Mixology“ zu sehen.

    Kurzkritik

    Frankie Bird ist eine junge, intelligente Frau, aber mit angezogener Handbremse ins Leben gestartet. So findet sie sich seit mehreren Jahren im Stillstand wieder und kümmert sich um ihren kleinen Sohn Larry – und ja, der trägt somit den Namen Larry Bird, der Name des bekanntesten Bürgers von Boston, ein Basketballspieler der Extraklasse. Vermutlich mit Bedacht, denn Frankies Herz schlägt ebenfalls für Basketball. Die Fürsorge für Larry ist für Frankie das Wichtigste, auch wenn sie immer wieder versucht ist, auszubrechen und sich ein paar Minuten oder gar Stunden um sich selbst zu kümmern. Larrys Vater, Frankies Ex Rafi (Miguel Gomez), ist ein rekonvaleszenter Alkoholiker und keine große Hilfe. Immerhin ist er seit einem Jahr trocken, hat sich soweit gefangen, dass er täglich vorbeischaut, um Larry ins Bett zu bringen.

    Während Frankie versucht, den Lebensunterhalt für ihre kleine Familie zu verdienen, fungiert meist Frankies Mutter Tutu (Rosie O’Donnell) als Babysitter. Tutu ist vom Leben gezeichnet. Sie liebt ihren Enkel zwar, ist aber auch eigensinnig und will sich von niemandem etwas vorschreiben lassen. Neben Larry muss sie sich auch um ihren zweiten Ehemann kümmern, der einen Schlaganfall verarbeiten muss. Tutu erscheint selbst psychisch krank, neigt zu Depressionen, bei Widerworten kann sie schnell explodieren. Auch Frankie ist psychisch krank, wurde als Kind missbraucht und besucht eine Gruppe für Menschen mit Essstörungen.

    Frankies Existenz wird von ihrem Job als Nachhilfelehrerin in der Familie der wohlhabenden Anwältin Ally (Connie Britton) ad absurdum geführt. Ally ist mittlerweile Hausfrau, fühlt sich aber alleine davon überfordert, dass sie verschiedenen Haushaltshilfen möglichst genau erklären muss, was diese zu tun haben. Während Frankie im Zeitdruck ist, um sich um Larry kümmern zu können, muss sie sich Allys Gejammer anhören und in deren Familie einspringen, als diese sich zum Yoga flüchtet. Frankie ist gebildet genug, um etwa für den ältesten Sohn dessen Collegebewerbung erfolgreich verfasst zu haben. Aber im Gegensatz zu ihren mehr als leicht verzogenen Nachhilfeschülern hat sie trotz ihrer Intelligenz und selbst erarbeiteter Bildung keine Chance auf einen guten Bildungsabschluss.

    „SMILF“ hält voll auf das Leben von Frankie. Nicht zuletzt dadurch, dass Rafi mit der Journalistin Nelson Rose Tyler (Samara Weaving) eine neue Partnerin hat, wird Frankie mit der Nase darauf gestoßen, dass sie seit vor Larrys Geburt keinen Sex mehr hatte. Ein Zustand, den sie ändern möchte, doch dabei stehen ihr auch ihre Komplexe im Weg: Sie fürchtet, dass ihre Genitalien durch die Geburt „ausgeleiert“ sind. Und selbst wenn sich Frankie überwindet: Larrys ständige Präsenz lässt Flirts und Stimmung schnell im Keim ersticken.

    Frankie versucht vermehrt, sich aus ihren Zwängen zu befreien. Sie nimmt Auditions für Schauspielrollen wahr, obwohl das Angebot in Masse und Qualität in Boston begrenzt ist. Wenn es mit der Romantik nicht klappt, dann soll wenigstens ein Sexpartner her. In einer finanziellen Notlage, als die Miete fällig ist, wagt sie auch jobtechisch etwas. Doch da „SMILF“ keinen romantisierenden Blick auf das Leben wirft, kommt jeder Fortschritt auch mit Rückschlägen daher, kein Sieg gelingt ohne den Preis, sich Peinlichkeiten preisgegeben zu haben.

    Wie eingangs schon gesagt: „SMILF“ schafft es, seine Protagonistin liebenswert, aber fehlbar erscheinen zu lassen. Auch die restlchen Figuren sind zumindest interessant und komplex gezeichnet – wenn sie auch nicht immer liebenswert auftreten, so kann man doch sehr gut verstehen, wie sie zu dem geworden sind, was der Zuschauer jetzt zu sehen bekommt. Ein ausgezeichneter Soundtrack rundet „SMILF“ ab. Größtes Manko ist vielleicht der unpassende Titel – SMILF steht für „Single Mother I’d like to fuck“ („eine alleinerziehende Mutter, die ich flachlegen will“). Frankie jedoch ist diese alleinerziehende Mutter, die vergeblich nach Sex und Liebe sucht.

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