ViacomCBS peilt internationalen Streaming-Auftritt an

    Erster Geschäftsbericht des im Dezember geschmiedeten Konzerns

    Bernd Krannich – 20.02.2020, 15:21 Uhr

    ViacomCBS und seine Tochterfirmen

    Es ist nur ein kleiner Satz im ersten Geschäftsbericht des am 4. Dezember 2019 neu geschmiedeten Mediengiganten ViacomCBS – aber derjenige, der früher oder später für deutsche Mediennutzer Auswirkungen haben dürfte. Das Medienunternehmen hat eine Vereinheitlichung seiner verschiedenen US-amerikanischen Streaming-Angebote angekündigt, wobei man ein „differenziertes Angebot“ schaffen will. Generell wurde als Ziel vorgegeben, die eigene Marktmacht den „Zuschauern der Welt“ zu präsentieren.

    Das verwundet kaum, ist das doch die Strategie der großen Medienfirmen, die dem Beispiel von Disney+ folgen wollen.

    ViacomCBS

    Die Marken CBS und Viacom befanden sich schon länger in einer Hand, der der ehemaligen Freizeitpark-Firma National Amusements und damit der Familie des mittlerweile 96-jährigen Medienmoguls Sumner Redstone. Der hatte über Jahrzehnte zahlreiche Firmen wie CBS, Viacom oder Paramount zusammengekauft und in eine Firma vereint. Nur um sie 2006 in die Firmen CBS Corp. und Viacom Inc. auseinander zu dividieren. Dabei war CBS Corp. (mit CBS, Showtime, CBS TV Studios, The CW, CBS All Access) vor allem in den USA tätig, Viacom mit Marken wie MTV, Comedy Central und Nickelodeon weltweit.

    Redstones Tochter Shari Redstone betrieb zuletzt die Wiedervereinigung beider Unternehmen, um den durch das Aufkommen des Streamings geänderten Marktbedingungen besser entgegentreten zu können. Der Weg dorthin führte über die Entmachtung des CBS-Bosses Leslie Moonves. Im vergangenen Dezember kam dann der Zusammenschluss zur Firma ViacomCBS, die von CEO Bob Bakish geführt wird.

    CBS Streaming

    Bisher hatten die beiden Firmen vor allem drei Streaming-Auftritte. Einerseits CBS All Access (ca. 6 US-Dollar pro Monat) mit einigen Eigenproduktionen und der Verwertung diverser sehr alter Serien. Daneben das Streamingangebot des Pay-TV-Senders Showtime (11 US-Dollar pro Monat). Die beiden zusammen haben etwa 10 Millionen Kunden. Dazu kommt das Anfang 2019 eingekaufte Pluto TV, das sich über Werbung finanziert und monatlich etwa 20 Millionen Nutzer verzeichnet.

    Letztendlich wurden CBS und Viacom wiedervereinigt, um den aktuellen Gepflogenheiten anderer Medienfirmen nachzueifern: Den eigenen Content auch dauerhaft selbst zu vermarkten. Denn in Zeiten eines fragmentierten Marktes kommt es darauf an, mit allen potentiellen Einnahmequellen an einem Strang zu ziehen – vornehmlich lineare Ausstrahlung und Streaming.

    Da CBS viele der interessanten Premium-Formate in seiner „Konzernhälfte“ hatte und sich auf die USA konzentrierte, wurden die Ausstrahlungsrechte weltweit immer lokal vergeben. Showtime-Eigenproduktionen etwa gehen hierzulande durch einen Rahmenvertrag aktuell zu Sky, während die Krimis von CBS (bzw. CBS TV Studios und Vertrieb CBS Television Distribution) das Rückgrat des Sat.1-Serienprogramms sind. CBS-All-Access-Serien wurden einzeln verkauft.

    Auf der anderen Seite steht das weltweit operierende Viacom, das aber nicht wirklich den großen, zugkräftigen Content für einen eigenen Streamingdienst hatte. In den USA hatte man jüngst BET+ begründet, weil man hier erwarten konnte, nahezu ein Monopol unter den Streaminganbietern für eine hinreichend zahlungskräftige Zielgruppe zu haben, wohlhabende Afro-Amerikaner.

    Man darf wohl zwischen den Zeilen lesen, dass das kommende Angebot über werbefinanzierte und abo-finanzierte sowie Premium-Inhalte verfügen wird – ähnlich Peacock von NBCUniversal sowie TVNOW und Joyn in Deutschland.

    Der neue Dienst, den ViacomCBS als „House of Brands“ vorstellt („Haus der Marken“) soll ausgehend von CBS All Access Content aus beiden Konzernteilen vereinen. Da Viacom auch in Deutschland agiert, erscheint es nicht abwegig, dass hier ein Streaminganbieter entstehen könnte, der nach und nach auch die Lizenzen zu CBS-Produktionen aufsaugen könnte.

    Zukunftsstrategie

    Drei eher technisch anmutende Strategien wurden beim ersten Geschäftsbericht vorgegeben. „Den Wert der größten Einnahmequellen aufschließen“, „Gewinn aus Werbung und klugem Content-Licensing ziehen“ und schließlich „das vorhandene Momentum im Streaming zu vergrößern“.

    Letzteres wurde weiter oben erläutert. Den „Wert der größten Einnahmequellen aufschließen“ kann man sich vermutlich als mehrfachen Ansatz vorstellen. Einerseits sicher, die bekanntesten „Marken“ und Franchises weiter zu bearbeiten (Serien-Spin-Offs, Film-Franchises, Serienadaptionen zur Filmbibliothek – das „Star Trek“-Franchise kann hier sicher als bereits existierendes Beispiel gesehen werden). Daneben will CBS auch seiner Newsabteilung on-Demand neue Werbeeinnahmen verschaffen und alles, was man nicht selbst verwertet, gewinnbringend lizenzieren. Der neu aufgestellte Gesamtkonzern kann Werbekunden nun so ziemlich jede Art von Werbekunden präsentieren: von den eher alten CBS-Zuschauern bis zu Kindern und Jugendlichen bei Nickelodeon und allem dazwischen.

    Der aktuelle Geschäftsbericht weist noch einen Verlust aus – ViacomCBS hat im Vergleich zu CBS und Viacom vor Jahresfrist 3 Prozent weniger Einnahmen. Dazu gehören auch Ausgaben für die Zusammenführung, die aber mittelfristig durch Einsparung in Höhe von jetzt geschätzten 750 Millionen US-Dollar in Synergieeffekten mehr als ausgeglichen werden sollen.

    Börse und Analysten sind laut The Hollywood Reporter einstweilen noch skeptisch: den großen Worten sollen nun Taten folgen, bevor man sich auf Kursziele für die Aktien festlegen will.

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