Uli Potofski über ‚Bingo! Bingo!‘: „Toll war das nicht“

    RTL II-Kommentator brauchte das Geld

    Michael Brandes – 30.05.2011

    Mit ganz viel Lärm, Gekreische und infantilen Wettspielen hatte sich die Spielshow „Bingo! Bingo!“ vor wenigen Wochen um ein nachhaltiges Plätzchen auf dem Müllhaufen der TV-Geschichte beworben. Das aufdringliche RTL II-Produkt hatte nicht nur einen hohen Fremdschäm-Faktor, es war auch noch außergewöhnlich erfolglos: Lediglich 2,2 Prozent der 14- bis 49-Jährigen verfolgten den dreistündigen Marathon-Abend des Grauens.

    Zu den Beteiligten des würdelosen Spektakels zählte Uli Potofski, der schon seit einiger Zeit als Kommentator für verschiedene RTL II-Unterhaltungsformate im Einsatz ist. Fast schon sympathisch offenherzig blickt er in einem Interview mit dem Fußballmagazin „11 Freunde“ auf dieses einmalige TV-Ereignis zurück. Ein Fan von „Bingo! Bingo!“ ist er trotz seines Mitwirkens nicht geworden: „Ich weiß wirklich nicht, wer sich solche Formate einfallen lässt, aber ich stimme Ihnen zu: Toll war das nicht.“ Potofski kommentierte in der Sendung so faszinierende Spiele wie Wurstwettessen. Sein Antrieb war finanzieller Natur: „Vielleicht werden Sie es nicht verstehen, aber für mich war das einfach nur ein Job, um Geld zu verdienen. Geld, das ich brauche. Das macht die Sendung natürlich nicht besser und rechtfertigt für manche Menschen vielleicht auch nicht meinen Auftritt.“

    Letztlich handele es sich bei „Bingo! Bingo!“ doch nur um eine marktwirtschaftlich orientierte TV-Züchtung: „Im Privatfernsehen ging es schon immer nur darum, aus einem Euro, 1,10 Euro zu machen. Geld, das war und ist der Antrieb des Privatfernsehens. Daran gibt es nichts Verwerfliches, aber man muss sich darüber im Klaren sein, wenn man eine Sendung wie ‚Bingo! Bingo!‘ sieht.“

    Im „11 Freunde“-Interview berichtet Potofski außerdem über seine Anfänge als Kommentator, über seine Zeit als Schlagersänger („Ich kann an keinem Girl vorübergeh’n“) und über die frühen Jahre von RTL. Potofski schildert unter anderem seine Begegnungen mit Günter Netzer („Wenn man so will, habe ich ihn ja quasi für das Fernsehen entdeckt“) und wie er in letzter Minute verhindern konnte, dass Barbara Eligmann für RTL ein Bundesliga-Spiel kommentiert („Ich werde niemals ihren enttäuschten Gesichtsausdruck vergessen, als ich ihr das Mikro aus der Hand riss“).

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