„Weihnachten bei den Moodys“: Comfort Food für die Seele im Corona-Jahr – Review

    Sky-Comedy mit der richtigen Mischung aus Humor und Herz

    Rezension von Bernd Krannich – 07.12.2020, 16:02 Uhr

    „Weihnachten bei den Moodys“: Dan (François Arnaud), Ann (Elizabeth Perkins), Sean sr. (Denis Leary), Bridget (Chelsea Frei) und Sean jr. (Jay Baruchel)

    Im Jahr 2020 ist alles etwas anders, viele Traditionen sind schon der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. Auch das Weihnachtsfest wird für viele vermutlich in diesem Jahr anders aussehen als bisher. Da kommt „Weihnachten bei den Moodys“ gerade recht. Die Miniserie liefert eine passende Mischung zwischen den Weihnachtsklischees und Familiengeschichten, mit der man die in diesem Jahr freiwerdende Zeit um die Feiertage gut füllen kann.

    Die Moodys, das ist eine fünfköpfige Familie aus Chicago. Vater Sean sr. (Denis Leary, auch Produzent) und Mutter Ann (Elizabeth Perkins, „Weeds – Kleine Deals unter Nachbarn“) erwarten zum Fest ihre drei erwachsenen und flügge gewordenen Kinder im Haus der Familie zurück. Nun, zwei der Kinder sind ausgeflogen, der Älteste – Sean jr. (Jay Baruchel; „Man Seeking Woman“) – lebt immer noch bei den Eltern und ist das Sorgenkind der Familie. Er hingegen sorgt sich wenig: Während er immer noch seinen Job aus Schulzeiten als Aushilfe an einer Eislaufbahn hat, folgt er dem Traum vom schnellen Reichtum. Aktuell sucht er Investoren für einen von ihm erdachten neuen „Beerdigungstrend“: die Asche von Verstorbenen mit Feuerwerkskörpern in einem festlichen Rahmen in den Wind zu streuen. Die sechste Phase der Trauer: Applaus!

    Immer noch im heimatlichen Chicago lebt Tochter Bridget (Chelsea Frei), die erfolgreich als Anwältin arbeitet und mit ihrem Ehemann Doug (Scott Ryan Yamamura) allmählich an den Punkt kommt, wo man über Kinder nachdenkt. Aus New York nach Hause kommt für die Feiertage das Nesthäckchen Dan (François Arnaud) – ein bisschen das zweite Problemkind: Dan hatte für eine „künstlerische Karriere“ den Sprung ins kalte Wasser in New York gewagt, bisher arbeitet er aber „nur“ als Assistent eines eher unbedeutenden Fotografen. Daneben ist er ein serial monogamist: Immer wieder hat er längere Beziehungen, aber keine davon hat den Sprung in die Ernsthaftigkeit geschafft.

    Geschwister-Gespräch zwischen Bridget (Chelsea Frei) und Dan (François Arnaud) 2019 Fox Media LLC Cr: Jonathan Wenk/FOX

    Entsprechend erfreut sind seine Eltern, dass Dan angekündigt hat, seine aktuelle Freundin Ali (Megan Park, „The Secret Life of the American Teenager“) für seinen Besuch über die Feiertage mitzubringen. So sehr, dass die Eltern gleich für den Tag von Dans Rückkehr ein kleines, vorgezogenes Familienfest organisiert haben: Die engsten Freunde und Verwandten sind eingeladen, ein Banner heißt „Dan und Ali“ willkommen. Damit beginnt der Feiertagsstress – und es ist erst der 20. Dezember … 

    Ali ist nämlich gar nicht mitgekommen. Während Dan anfangs noch die Ausrede aufbringt, sie sei dann doch zu ihrem kurzfristig (leicht) erkranken Vater gereist, wird schnell deutlich: Auch Ali hat sich von Dan getrennt, seine Beziehungsängste und die Weigerung, zusammenzuziehen hatten den großen Krach losgetreten. Wie fast jedes „Familiengeheimnis“ bleibt auch diese Info nicht lange „geheim“ und sorgt dafür, dass sich Junggeselle Dan von seinen Eltern mal wieder Lebensratschläge anhören muss. Dan, in „Weihnachten bei den Moodys“ so etwas wie „der Erste unter Gleichen“ im Ensemble, durchläuft so über die Feiertage diverse Sinnkrisen.

    Dazu gehört auch, dass er sich recht direkt nach seiner Ankunft in eine junge Lieferantin verguckt, Cora (María Gabriela de Faría). Die erweist sich allerdings als alles andere als single, sondern vielmehr als neuer Anhang eines Familienmitglieds. Und Dan sitzt mittendrin zwischen allen Stühlen und Selbstzweifeln. Liegen all die gescheiterten Beziehungen vielleicht doch an ihm? Soll er Ali eine weitere Chance geben? Soll er vielleicht doch noch ein Studium draufsetzen, statt ein brotloser Künstler zu werden? Nach und nach erweisen sich auch die anderen Familienmitglieder in Krisen: Bridgets Ehe steht nämlich auch vor dem Zerbrechen, während Sean jr. im Streit mit seiner Chefin um Überstundenzahlungen zu Kindereien greift, die sich bei näherem Hinsehen als waschechte Straftaten entpuppen. Und die Eltern ringen mit einer Krebsdiagnose bei Sean sr. – dieses „Familiengeheimnis“ wollen sie den Kindern erst nach den Feiertagen aufbürden.

    Auch beim Aussuchen des Weihnachtsbaumes haben Sean sr. (Dennis Leary) und Ann (Elizabeth Perkins) ein Herz für den Underdog. 2019 Fox Media LLC Cr: Jonathan Wenk/FOX

    „Weihnachten bei den Moodys“ chargiert über seine sechs Episoden zwischen den kleinen und großen Dramen des Lebens, in denen die Moodys an Wendepunkten auf der Suche nach dem nächsten Schritt für sich sind – und gerne auch ihren Verwandten Ratschläge geben, wie sie selbst ihr Leben gestalten sollen.

    Diese Handlung als Zentrum wird – wie ein guter Weihnachtsbaum – mit Beiwerk ausgeschmückt. Etwa mit „Onkel Roger“ (Gerry Dee), dessen Besessenheit mit den cleversten Fahrtrouten durch den Verkehrsdschungel von Chicago dem Zuschauer über die Folgen ans Herz wachsen kann. Oder dem Umfeld von Sean sr.: Der ehemalige Alkoholiker gibt zahlreichen seiner Bekannten aus den Anonymen Alkoholikern eine zweite Chance – so auch einem kleinen Bautrupp, der eine Badrenovierung eigentlich schon vor einem Monat hätte abschließen sollen. Was aber sehr zum Ärger von Mutter Ann immer noch nicht geschehen ist – It’s the roof all over again!

    Natürlich werden die klassischen Stationen einer weihnachtlichen Familiengeschichte durchlaufen. Neben der bereits erwähnten peinlichen Ankunft gibt es über die Feiertage im Haus der gesellschaftlich engagierten Moody-Eltern immer wieder größere Treffen. Und für die drei Kinder steht eine Art inoffizielles High-School-Treffen auf dem Programm, bei dem jährlich die Rückkehrer und die Nie-Weggegangenen aufeinandertreffen. Nicht nur Sean jr. leistet sich über die Tage einigen chaotischen Unsinn, auch sein als Handwerker arbeitender Vater greift im Streit mit beruflichen Konkurrenten um „ungeschriebene Regeln“ zu kindischen Mitteln.

    Bei der Besetzung zahlreicher Nebenrollen hat Dennis Leary übrigens auf Darsteller der Serie „Sirens“ zurückgegriffen, die er zuvor produziert hatte: Als Cousin Marco ist etwa Josh Segarra dabei, Kevin Bigley porträtiert Monty, einen früheren Mitschüler von Bridget, der nicht nur damals in sie verknallt war.

    Wie bei leckeren Weihnachtsplätzchen ist es bei „Weihnachten bei den Moodys“ schwer, allein über das Aufzählen der Zutaten zu begründen, wie gut das Endergebnis geworden ist. Die als Miniserie gestalteten ersten sechs Episoden der Serie jedenfalls bieten sich sehr gut als Unterhaltung an, wenn man auf der Suche nach einem „Weihnachtsfilm“ ist – denn viel mehr Laufzeit kommt bei der Serie nicht zusammen. Genau die richtige Mischung aus Humor und Herz, aus Klischee und Idee, aus chaotisch und heimelig.

    Dieser Text beruht auf der Sichtung der kompletten Auftaktstaffel von „Weihnachten bei den Moodys“.

    Meine Wertung: 4/5

    Sky One zeigt ab dem 7. Dezember 2020 die erste Staffel von „Weihnachten bei den Moodys“: Zwischen dem 7. und 9. Dezember werden täglich um 19:20 Uhr Doppelfolgen als Deutschlandpremiere gezeigt.

    „Weihnachten bei den Moodys“ lief in den USA im vergangenen Jahr ebenfalls in einer Eventprogrammierung. Zwar wurde die Serie zunächst als Miniserie bestellt, allerdings immer mit der Option, die Moodys später nochmals in anderer Form zu besuchen. Zwischenzeitlich wurde die Serie in den USA auch um eine zweite Staffel verlängert.

    US-Trailer zu „The Moodys“ („Weihnachten bei den Moodys“) (englisch)

    Über den Autor

    Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von „The Americans“ über „Arrow“ bis „The Big Bang Theory“. Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Buffy – Im Bann der Dämonen, Frasier, Star Trek – Deep Space Nine

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