So endet die Mystery-Serie „Blindspot“

    Finale der Serie mit Jaimie Alexander und Sullivan Stapleton nach 100 Folgen

    Bernd Krannich – 24.07.2020, 18:08 Uhr

    Weller (Sullivan Stapleton) und Jane (Jaimie Alexander)

    In den Vereinigten Staaten ist in der Nacht zum Freitag die Serie „Blindspot“ mit der 100. Folge zu Ende gegangen. Wie genau, dass wollte Serienmacher Martin Gero der Phantasie der Fans überlassen – und präsentiert die letzte Szene als eine Art Rorschach-Test, bei dem die Zuschauer „ihre“ Wahrheit selbst finden können oder müssen.

    Unter dem Teaser-Trailer zur letzten Folge folgt ein Video der letzten Szene, danach eine Erläuterung.

    Letzte Sequenz von „Blindspot“ (englisch, sehr bescheidene Bildqualität)

    Das Finale – kurzgefasst

    In der letzten Staffel waren Jane (Jaimie Alexander), Weller (Sullivan Stapleton) und das Team im Kampf mit Söldnerin Ivy Sands (Julee Cerda) verstrickt, die im Auftrag von Madeleine Burke (Mary Elizabeth Mastrantonio) das Team zerstören sollte – Burke selbst konnte mit ihrem Einfluss den Ruf des Teams schädigen und es mit falschen Anschuldigungen zur Flucht vor dem FBI zwingen. Ein weiterer Plan war zuletzt der großflächige Einsatz der Droge ZIP - durch die auch Jane ihr Gedächtnis einst verloren hatte – mittels Gas-Bomben.

    In der vorletzten Episode gelang es dem Team, den Großteil der Bomben sicherzustellen. Dabei wurde aber eine davon ausgelöst – Jane schloss sich in dem Raum ein, in dem das Gas ausströmte – und opferte sich somit selbst, um andere zu schützen.

    Allerdings hat sie in der letzten Folge ihr Gedächtnis nicht verloren, da Patterson (Ashley Johnson) wegen der Bedrohung durch die Bomben frühzeitig mit einem Gegenmittel experimentiert hatte. Das bewahrte Jane zunächst vor dem Gedächtnisverlust. Sands war mit einer einzelnen Bombe entkommen, die es nun noch aus dem Verkehr zu ziehen galt. Im Verlauf der Folge stellte Jane – wie schon in der vierten Staffel – als Nebenwirkung einer schleichenden ZIP-Vergiftung fest, dass sie Halluzinationen entwickelte. Von früheren Erfahrungen her wusste sie, dass diese Halluzinationen ein Anzeichen für einen tödlichen Grad einer ZIP-Vergiftung ist: Pattersons Gegenmittel wirkt anscheinend nicht ganz.

    Allerdings erkennt Jane, dass die Halluzinationen ihr dabei helfen, Sands’ Spur zu verstehen. Erneut ‚opfert‘ Jane sich, indem sie auf eine weitere Dosis des Gegenmittels bewusst verzichtete. Im Verlauf der Folge konnten die Produzenten so zahllose in der Serie bereits verstorbene Figuren in Janes Halluzinationen auftreten lassen. Schließlich kann Jane mit Weller die letzte Bombe (deren Reichweite noch erhöht wurde), an einem bekannten Ort aufspüren … 

    Zurück am Anfang

    Die findet sich nämlich strategisch platziert am Times Square in New York City – jenem Ort, an dem die Handlung von „Blindspot“ mit Janes Fund in dem schwarzen Duffel Bag begann. In typischer Manier muss zum endgültigen Entschärfen „der richtige“ Draht durchtrennt werden. Bevor Jane und Weller auf Anweisung von Patterson und Rich Dotcom (Ennis Esmer) parallel zwei grüne Drähte durchtrennen, gibt Weller Jane einen Kuss.

    Die Sache geht gut

    Nachspiel(e)

    Jane hat durch eine späte, weitere Dosis von Pattersons Gegenmittel die Vergiftung überlebt. Mit dem Sieg über Sands hat die Sondereinheit um Jane offiziell ihren letzten Fall gelöst. Das mittlerweile beim FBI rehabilitierte Team wird von den FBI-Kollegen unter Applaus gefeiert und verabschiedet. Auch das Team selbst versichert sich der gegenseitigen Dankbarkeit und Liebe – und gedenkt der gefallenen Weggefährten Reade (Rob Brown) und Ex-Chefin Bethany Mayfair (Marianne Jean-Baptiste). Während die Gruppe mit ihren Kisten und den persönlichen Habseligkeiten in den Aufzug steigt, macht sich ein anderes FBI-Team vor ihren Augen an die Arbeit … 

    Happy End … ?

    Einige Zeit später finden sich die Freunde bei einem üppigen Festmahl irgendwo in einem rustikalen Haus in einer malerischen Gebirgslandschaft wieder, bei dem zahlreiche Freunde und Familienmitglieder um den Tisch versammelt sind – etwa Wellers Schwester Sarah (Jordana Spiro), Rich Dotcoms Lebensgefährte und Bill Nye, der in „Blindspot“ mehrfach als er selbst aufgetreten war sowie Allison Knight (Trieste Kelly Dunn) und ihre gemeinsame Tochter mit Weller, Bethany.

    Kurt und Jane haben in dem malerischen Haus einen kleinen Hort eröffnet, in dem sie sich um Pflegekinder kümmern – ein Anliegen von Jane, die ja als Waise selbst schlimme Erfahrungen gemacht hatte. Patterson und Rich Dotcom verbinden Wissenschaft und Abenteuerlust als Archäologen vom Typ Indiana Jones auf der Suche nach einer alten Maschine, die Gold machen kann, und Zapata arbeitet als hochbezahlte Privatermittlerin.

    Kurt führt gegenüber Jane aus, dass es ein Wunder sei, dass man all die Herausforderungen überlebt habe. Eine einzige Situation unter all den kritischen Geschehnissen, die sich ein bisschen anders entwickelt habe, eine Bombe, bei der man den falschen Draht durchtrennt habe: Da draußen gibt es irgendwo eine Welt, wo dieses Dinner nie stattgefunden hat … 

    Sad End?

    Bei diesen Worten hat Jane eine „Vision“. Oder vielleicht verlässt sie auch die aktuelle Vision für die Wahrheit: Jane sieht vor ihrem inneren Auge, wie sie direkt nach dem Entschärfen der Bombe am Times Square wegen der ZIP-Vergiftung zusammenbricht. Wiederbelebungsversuche durch die Sanitäter scheitern, die Teammitglieder flehen panisch um ihr Leben, vergießen für Jane Tränen. Jane, die am Serienbeginn aus einer großen, schwarzen Tasche entstieg, wird wieder in eine große, schwarze Tasche eingeschlossen – einen Leichensack.

    Happy End!

    Weller, der Janes abwesenden, erschreckten Blick bemerkt, fragt sie: Jane, alles in Ordnung?Ja. … Mir geht es gut, erwidert Jane mit wehmütigem Gesichtsausdruck.

    Offenes Ende am Anfang

    Serienschöpfer Mertin Gero hat in einem Interview gegenüber TVLine ausgeführt, dass er sich nicht festlegt, wie das Ende zu deuten ist. Die eine Interpretation ist dabei, dass Jane in der Tat durch die ZIP-Vergiftung gestorben ist und ihr Geist im oder nach dem Tod einen „paradisischen Frieden“ gefunden hat. Die andere Deutung ist, dass die Szene mit dem Tod am Times Square eben nur eine kurze Phantasie von Jane war, das Dinner mit Freunden „die Wahrheit“ ist. In beiden Fällen würde aber Janes letzte Aussage bestehen bleiben: Ja. Mir geht es gut.

    Laut Gero solle bewusst halt jedem Zuschauer selbst überlassen werden, wie er das Ende interpretiere. Laut dem Produzenten hätte etwa die Hälfte der Leute, die das Ende vorab vorgeführt bekommen hätten, Jane als tot eingeschätzt, während die andere Hälfte sie für lebendig hielt.

    Grundsätzlich habe Gero von Anfang an für das Serienfinale vorgeschwebt, an den Times Square zurückzukehren. Die Ausgestaltung der Geschehnisse habe sich aber über die Staffeln hinweg durch neue Entwicklungen und Ansichten von Beteiligten gewandelt.

    Gero gab zudem an, dass man die Idee zum Schaulaufen der ehemaligen Darsteller im Serienfinale gegen Ende der vierten Staffel gehabt habe und dann begann, die betreffenden Schauspieler um ihr Erscheinen zu bitten – auch, wenn man ihnen keine für sie angemessene Gastdarsteller-Gage zahlen könne. Gedreht wurde das Finale schließlich stückweise über zwei Monate, um Drehplan und Terminpläne der Gäste zusammenbringen zu können.

    Bekannte Gesichter unter den Rückkehrern umfassen neben den oben schon genannten etwa auch Publikumsliebling Joe Dinicol (Pattersons große Liebe David), Michael Gaston (CIA-Mann Thomas Carter aus der ersten Staffel), Michelle Hurd (Shepherd), Tom Lipinski (Cade), Luke Mitchell (Roman), François Arnaud (Oscar), Mary Stuart Masterson (Hirst), David Morse (Hank Crawford) und Ukweli Roach (Dr. Borden).

    In einer Massenszene seien zudem auch viele alte Statisten erneut bemüht worden – so seien in der letzten Folge alle 99 vorherige Episoden mit der Rückkehr zumindest eines Darstellers repräsentiert.

    Über den Autor

    Bernd Krannich ist Jahrgang 1974 und erhielt die Liebe zu Fernsehserien quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater war Fan früher Actionserien und technikbegeistert, Bernd verfiel den Serien spätestens mit Akte X, Das nächste Jahrhundert und Buffy. Mittlerweile verfolgt er das ganzes Serienspektrum von „The Americans“ über „Arrow“ bis „The Big Bang Theory“. Seit 2007 schreibt Bernd beruflich über vornehmlich amerikanische Fernsehserien, seit 2014 in der Newsredaktion von fernsehserien.de.

    Lieblingsserien: Buffy – Im Bann der Dämonen, Frasier, Star Trek – Deep Space Nine

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