Vor-Ort-Bericht: „Carolin Kebekus: PussyTerror TV“ – Premiere

    Die „Mischung aus Rosa Luxemburg, Jeanne d’Arc und Andrea Nahles“ gibt Gas – von Glenn Riedmeier

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 20.03.2015, 14:10 Uhr

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    ©WDR/​Frank Schoepgens

    ‚PussyTerror TV‘ ist genau die Show, die ich schon immer machen wollte“, erklärt Carolin Kebekus, die ab morgen mit ihrem eigenen Comedyformat im WDR Fernsehen auf Sendung geht. Ab sofort ist das einstündige Format einmal pro Monat am Samstag um 21:45 Uhr zu sehen. Vorerst sind sechs Ausgaben geplant. wunschliste.de war bei der Aufzeichnung der Premiere und traf auch die Gastgeberin zum Interview.

    Die mehrfach mit dem „Deutschen Comedypreis“ ausgezeichnete Komikerin wollte eigentlich schon 2013 mit „Kebekus!“ durchstarten. Es blieb jedoch bei einer einzigen Ausgabe, da der WDR kurz vor Ausstrahlung einen kirchenkritischen Song aus der Sendung geschnitten hatte. Kebekus war über diese Zensur verständlicherweise verärgert und lehnte eine weitere Zusammenarbeit zunächst ab. Nun soll alles besser werden. „Der WDR war definitiv mein Wunschsender. Nachdem wir uns mal nicht so gut verstanden haben, ist der WDR-Intendant ziemlich schnell wieder auf mich zugekommen und jetzt ist das Verhältnis sehr gut. Alle Themen, die ich in die Sendung nehmen wollte, wurden auch akzeptiert – sogar die ISIS-Thematik, bei der ich selbst ein Veto eingelegt hätte.“ Der WDR weiß angeblich inzwischen, womit er bei Carolin Kebekus rechnen muss und lobt die Künstlerin mittlerweile als „Deutschlands vielversprechendste und talentierteste Komikerin und Entertainerin“ in den höchsten Tönen. „Sie bietet intelligente Unterhaltung, sie ist witzig, sie ist schlagfertig, sie eckt an und polarisiert“, wird sie von Unterhaltungschef Siegmund Grewening beschrieben.

    „Gerade nachdem ich den Comedypreis im letzten Jahr moderiert habe, hatte ich wieder richtig Lust darauf, Fernsehen zu machen“, erklärt die Komikerin. Obwohl sie in den vergangenen Jahren bereits eine beeindruckende Solo-Karriere hingelegt hat und in diversen Fernsehformaten wie etwa der „heute-show“ mitwirkt, kam eine eigene TV-Show bislang nicht zu Stande. Eine höhere Schlagzahl an Sendungen wünscht sich die Moderatorin derzeit nicht: „Da ich sehr viele Dinge neben Fernsehen parallel mache, bin ich mit dem monatlichen Ausstrahlungsrhythmus sehr zufrieden.“

    Carolin Kebekus präsentiert ihre eigene Comedyshow „PussyTerror TV“ im WDR Fernsehen©WDR/​Frank Dicks

    Die nach ihrem Solo-Programm „Pussy Terror“ benannte und von Brainpool produzierte Show kommt nicht aus einem klassischen TV-Studio. Stattdessen wird aus einer alten Industriehalle in Köln gesendet, die normalerweise als Diskothek und Konzertlocation genutzt wird. Die – für WDR-Verhältnisse auffallend jungen – Zuschauer sitzen nicht nur vor der Bühne, sondern befinden sich auch auf der Galerie und an der Bar. Dank der Backstein-Optik und der Live-Band „Girls and Pussies“, die für Gesangs- und Tanzeinlagen bereitsteht, kommt sogar etwas Late-Night-Feeling auf. „Ich wollte für meine Show kein herkömmliches Fernsehstudio mit Couch, sondern eine ausgefallene Location. Wir wollen einfach mal ein paar Dinge ausprobieren und anders machen“, erläutert die Comedienne.

    Zum Einstieg wird der Traum vieler Männer wahr. Deutschlands Comedy-Göttinnen Carolin Kebekus und Anke Engelke liegen gemeinsam in der Badewanne. Anke gibt Carolin in dem herrlich selbstironischen Einspielfilm Tipps für die Show: „Brüste haben und ordinär sein reicht nicht – da hätte der WDR auch Melanie Müller nehmen können. Aber sie wollten dich!“ Doch Anke soll nicht die einzige Kollegin bleiben, die in der Show einen Gastauftritt absolviert.

    Anschließend erscheint die Gastgeberin auf der Bühne. Carolin Kebekus ist hauptsächlich Stand-Up-Komikerin, dementsprechend wird dieser Kunstform viel Zeit eingeräumt. Die Moderatorin, die verspricht diesmal nichts abzulecken, ist in ihrem Element und wettert knallhart gegen den Papst und „Eurovision Song Contest“-Verweigerer Andreas Kümmert. Man sieht dieser Frau einfach gerne bei der Arbeit zu. Schön ist, dass das was sie sagt auch wirklich authentisch rüberkommt und ihr die angesprochenen Themen tatsächlich auf der Zunge zu liegen scheinen. Der Sender betonte im Vorfeld, dass die Zuschauer keine „gemäßigte Kebekus“ zu sehen bekommen würden und sollte damit Recht behalten. Die Kölnerin führt den Zuschauern vor Augen, wie versaut das restliche WDR-Programm eigentlich ist.

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