Teenager in Nöten, blutig inszenierte Morde, oft begangen mit einer Stichwaffe, und ein final girl, das am Ende das Grauen (meistens) überlebt: Die Regeln des sogenannten Slasher-Kinos (vom Englischen to slash für „aufschlitzen“) dürften vielen Horrorfans vertraut sein. Seine Hochphase erlebte das von den Leinwandmeisterwerken „Psycho“, „Blutgericht in Texas“ und den italienischen Giallo-Thrillern maßgeblich beeinflusste Subgenre in den späten 1970er- und 1980er-Jahren, ist aber auch heute noch fester Bestandteil der abgründigen Popkultur. Zum Start der hierzulande auf HBO Max erscheinenden Serie „Crystal Lake“, einem Prequel zum Klassiker „Freitag, der 13.“, stellen wir euch unsere 10 besten Slasher-Filme vor. Anmerkungen und eigene Top-Listen sind im Kommentarbereich, wie immer, willkommen!
Was passiert, wenn man Slasher-Elemente mit dem vor allem im Komödienfach benutzten Motiv des Körpertausches zusammenbringt? Die Antwort liefert Christopher Landons Genremix, der eine Highschool-Außenseiterin auf einen unheimlichen Serienkiller treffen lässt. Ungünstige Umstände sorgen dafür, dass die beiden ihr Aussehen wechseln, was zu allerlei schrägen Verwicklungen führt. „Freaky“ schämt sich für seinen manchmal trashigen Anstrich nicht, sondern bindet ihn ganz bewusst in die Inszenierung ein. Trotz stereotyper Momente entpuppt sich der Horrorspaß als erfrischend kurzweilige Angelegenheit. Auch, weil sich die Hauptdarsteller Kathryn Newton und Vince Vaughn mit großer Spielfreude in ihre Rollen werfen. Nebenbei gibt es immer mal wieder kleine Seitenhiebe auf toxische männliche Verhaltensweisen.
Zu den Kuriositäten dieser Top-10-Liste gehört sicherlich Tim Burtons Verfilmung von Stephen Sondheims morbidem Broadway-Musical, die Johnny Depp als rachsüchtigem Barbier mit zweckentfremdetem Rasiermesser durch das London des Jahres 1846 folgt. Ein blutiges Schauerstück mit starken Schauspielleistungen, mitreißenden Gesangseinlagen, einem prächtigen Szenenbild – und handfesten Slasher-Vibes. Es muss ja nicht immer das amerikanische Hinterland oder die US-Kleinstadtidylle sein, über die das Grauen hereinbricht, oder?
Platz 8: „Freitag, der 13.“ (1980)
Sean S. Cunninghams Schlitzer-Streifen mag inhaltlich nicht viel zu bieten haben. Seinen Platz als Klassiker des Subgenres verdient er sich aber schon deshalb, weil er die sich Ende der 1970er-Jahre herausschälenden Gesetzmäßigkeiten des Slasher-Kinos (unter anderem vorehelichen Sex als Vorboten des Todes, die Abzähldramaturgie und eine junge Frau als letzte Überlebende) maximal verdichtet. Die brutalen Morde im Feriencamp Crystal Lake, das nach einem tragischen Unfall aus der Vergangenheit wiedereröffnet werden soll, nehmen nach einer halben Stunde Laufzeit an Fahrt auf und sind, nicht zuletzt dank gelungener praktischer Effekte (verantwortlich: Tom Savini) und Harry Manfredinis gruseligem Score, wirkungsvoll in Szene gesetzt. „Freitag, der 13.“ ist sicherlich nicht mehr als ein geschickt auf Spannung getrimmtes B-Movie, seinen zahlreichen, oft ins Absurde abdriftenden Fortsetzungen allerdings deutlich überlegen. Die Serie „Crystal Lake“ erzählt nun, nachdem das Franchise jahrelang von Urheberrechtsstreitigkeiten und anderen Problemen gelähmt wurde, die Vorgeschichte zu einer der langlebigsten Horrorfilmreihen überhaupt.
Wie man das in seinen Mustern oft sehr festgefahrene Slasher-Subgenre gewitzt aufbricht, demonstriert der Filmemacher Scott Glosserman in seinem Regiedebüt. „Behind the Mask“ begleitet die Entstehung eines Serienkillers in Form einer Mockumentary. Auf Schritt und Tritt von einem Fernsehteam verfolgt, möchte ein Jugendlicher aus der Provinz, verkörpert von Nathan Baesel, durch Serienmorde auf sich aufmerksam machen. Dabei orientiert er sich an den Konventionen des Schlitzer-Kinos und weiht die Kameracrew in sein Training ein. Glosserman gelingt ein schwarzhumoriger Horrorstreifen, der, wenig verwunderlich, mit unzähligen Zitaten gespickt ist. Im April 2026 wurde bekannt, dass eine Fortsetzung mit dem Arbeitstitel „Behind the Mask II: The Return of Leslie Vernon“ (Teil 1 firmiert im Original als „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“) in Arbeit ist.
Jugendliche, Geschlechtsverkehr und ein Ferienlager – schon der Titel verweist überdeutlich auf die Basisingredienzien des Slasher-Kinos, bereitet jedoch nicht auf den Wahnsinn vor, den uns Jane Schoenbrun hier serviert. Die Handlung kreist um eine queere Autorenfilmerin (Hannah Einbinder), die einer fiktiven, nach billigen Fortsetzungsarbeiten kreativ versandten Slasher-Reihe namens „Camp Miasma“ neues Leben einhauchen soll. Gewinnen möchte die junge Regisseurin für das Reboot unbedingt jene Darstellerin (Gillian Anderson), die das final girl des ersten Franchise-Titels spielte und sich schon vor vielen Jahren an den damaligen Drehort zurückgezogen hat. Aus der Begegnung der beiden Frauen, die etwas schleppend anläuft, entwickelt Schoenbrun eine immer surrealer werdende Geschichte, die das Subgenre feiert und zugleich seine reaktionären Tendenzen, etwa seine Transphobie, kritisch unter die Lupe nimmt. Was trocken klingen mag, bekommt dank verrückter Einfälle, blutiger Eskapaden und der beiden furiosen Hauptdarstellerinnen eine seltsam faszinierende Note.