„Roseanne“-Aus: Castmitglieder distanzieren sich, deutscher Disney Channel verzichtet

    Sender nehmen Sitcom aus dem Programm

    Glenn Riedmeier – 30.05.2018, 13:51 Uhr

    „Roseanne“: Der Cast des Revivals 2018

    Der Skandal rund um das Aus von „Roseanne“ zieht weitere Kreise. Infolge des rassistischen Tweets von Roseanne Barr hat das US-Network ABC unmittelbar reagiert und die sofortige Einstellung der Erfolgs-Sitcom bekannt gegeben (fernsehserien.de berichtete). Keine 24 Stunden hat es gedauert, bis weitere Partner abgesprungen sind. Die Agentur ICM Partners trennte sich unmittelbar von Roseanne Barr und bezeichnete deren Tweets als „skandalös und inakzeptabel“. Darüber hinaus nahmen die drei US-Kabelsender Paramount Network, TV Land und CMT Wiederholungen der Serie mit sofortiger Wirkung aus dem Programm. Auch der Streamingdienst Hulu warf die Sitcom aus dem Angebot.

    Für die deutsche TV-Premiere der ersten neuen „Roseanne“-Staffel wurde vor einigen Wochen der Disney Channel als ausstrahlender Sender bekannt. Doch von diesen Plänen nimmt der Sender angesichts des Skandals Abstand und verzichtet auf die Ausstrahlung. Die Entscheidung ist nachvollziehbar, da der Disney Channel allgemein viel Wert auf familienfreundliches und politisch korrektes Programm legt.

    Roseanne Barr zeigte sich inzwischen reumütig und entschuldigte sich bei Twitter für ihr Verhalten: „Habt bloß kein Mitleid mit mir, Leute! Ich will mich bei den Hunderten von Menschen und fantastischen Autoren (alle liberal) entschuldigen, die wegen meines dummen Tweets jetzt ihre Jobs verloren haben.“ Sie deutete an, dass sie unter Einfluss der Schlaftablette Ambien war, als sie den Tweet verfasste. Doch was sie getan habe, sei ein „unverzeihlicher Fehler“ gewesen, deshalb solle sie niemand verteidigen. Sie bat ihre Fans, ABC nicht zu boykottieren. Sie werde ihre Traurigkeit auf ihre eigene Weise verarbeiten. „Ich bin es leid, ständig mehr attackiert zu werden als andere Comedians, die schlimmere Sachen gesagt haben.“ Doch sie bereue zutiefst ihre Tweets und entschuldigte sich bei Valerie Jarrett, ABC und der gesamten „Roseanne“-Crew. „Ich entschuldige mich dafür, diesen gedankenlosen Joke gemacht zu haben, der nicht meine Werte widerspiegelt. Ich liebe alle Menschen und es tut mir sehr leid.“

    Valerie Jarrett, die ehemalige Beraterin von Barack Obama, an die Roseannes beleidigender Tweet gerichtet war, sagte, dass der Skandal eine „Lehrstunde“ sein soll und den Alltagsrassismus widergespiegelt hat, dem sich zahlreiche Menschen täglich ausgesetzt sehen.

    Castmitglied Michael Fishman, der als Kinderdarsteller Roseannes Sohn D.J. verkörperte hatte und mit der Serie aufgewachsen war, gab ein langes Statement bei Twitter ab: „Ich bin am Boden zerstört – nicht, weil die Serie ‚Roseanne‘ endet, sondern weil mir alle Menschen leid tun, die ihre Herzen und Seelen in unsere Jobs gelegt haben – und alle Zuschauer, die uns in ihren Wohnzimmern willkommen geheißen haben.“ Und weiter: „Ich verurteile Roseannes Kommentare aufs Schärfste. Sie sind verwerflich, untragbar und unvereinbar mit den Werten und Überzeugungen, nach denen ich lebe und die ich meinen Kindern weitergebe.“ Der Schauspieler beendete sein Statement mit der Aufforderung, sich stets gegen Vorurteile, Hass, Fanatismus und Ignoranz einzusetzen, um die Gesellschaft zu verbessern.

    Emma Kenney, die in der Serienfortsetzung Roseannes Enkeltochter Harris verkörpert hatte, lobte ABC für die Entscheidung mit dem Statement „bullies will NEVER win“ und schrieb: „Ich bin verletzt, beschämt und enttäuscht. Die rassistischen und geschmacklosen Kommentare von Roseanne sind unverzeihlich.“

    Auch Produzent Bruce Helford meldete sich zu Wort: „Im Namen aller Drehbuchautoren und Produzenten, die hart daran gearbeitet haben, diese fantastische Serie zu kreieren, muss ich sagen, dass ich entsetzt und traurig über [Roseannes] Kommentare bin. Sie spiegeln in keiner Weise die Werte der Leute wider, die an dieser ikonischen Serie gearbeitet haben.“ Co-Produzent Tom Werner unterstützt ABCs Entscheidung: „Unser Ziel war es, in der Serie konstruktive Diskussionen über Themen zu führen, die die Gesellschaft spalten. Ich hoffe, dass unsere gute Arbeit nicht komplett durch Roseannes abscheuliche Kommentare in den Schatten gestellt wird. Ich hoffe, dass Roseanne die Hilfe ersucht, die sie ganz klar benötigt.“

    Zahlreiche weitere Schauspieler gaben ebenfalls Statements ab. Produzentin Shonda Rhimes („Grey’s Anatomy“) kommentierte: „Das Traurige daran ist, dass jetzt all die talentierten, unschuldigen Menschen, die an der Serie arbeiteten, darunter leiden. Aber Roseanne bekam, was sie verdient hat. Ich sage schon meiner vierjährigen Tochter, dass jeder für seine eigenen Taten verantwortlich ist. Roseanne traf eine rassistische Entscheidung, ABC eine menschliche.“ Schauspieler wie Viola Davis („How to Get Away with Murder“) und Bellamy Young („Scandal“) gratulierten ABC zu der Entscheidung. „Grey’s Anatomy“-Showrunner Krista Vernoff tweetete, dass sie „nie stolzer war, für ABC zu arbeiten“.

    Völlig offen ist derzeit, welche Auswirkungen das Aus von „Roseanne“ auf den Sendeplan von ABC haben wird. Eigentlich sollte die neue Staffel ab September zu sehen sein. Durch den nun frei gewordenen Platz könnten zuvor abgelehnte Piloten eine zweite Chance erhalten. Laut Deadline Hollywood könnte „Steps“ mit Ginnifer Goodwin nachträglich in Serie gehen, aber auch eine neue Workplace-Comedy mit Kat Dennings soll gute Chancen haben.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Ich hoffe, sie bekommt nie wieder eine Rolle!

      Ich persönlich mochte die Serie nie - habe nicht mal eine Folge geschafft. Zu laut, zu vulgär - damit passt sie ja gut zu Mr. Trump
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      • (geb. 1979) am melden

        Damit hat sie wohl TV-Geschichte geschrieben. Eine Serie, die zwanzig Jahre später mit riesigem Erfolg fortgesetzt wird, damit wieder gegen die Wand zu fahren. Das war einfach nur dämlich von ihr.
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