Niki Lauda im Alter von 70 Jahren verstorben

    Freunde und Wegbegleiter trauern um den Formel-1-Weltmeister

    Bastian Knümann
    Bastian Knümann – 21.05.2019, 09:26 Uhr

    Nikki Lauda – Bild: MacKrys (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ÖAMTC_Welt_des_Motorsports_2016-4.jpg), Cropped, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode
    Nikki Lauda

    Die österreichische Formel-1-Legende Niki Lauda ist tot. Dies teilte sein Arzt Walter Klepetko im Namen der Familie mit: „In tiefer Trauer geben wir bekannt, dass unser geliebter Niki am Montag, den 20.05.2019 im Kreise seiner Familie friedlich entschlafen ist. Seine einzigartigen Erfolge als Sportler und Unternehmer sind und bleiben unvergesslich.“

    Der dreifache Formel-1-Weltmeister hatte eine bewegte Motorsportkarriere hinter sich, die besonders durch seinen beinahe tödlichen Unfall auf dem Nürburgring in der Saison 1976 geprägt war. Später betätigte er sich vor allem mit Lauda Air als Unternehmer und als TV-Experte bei Formel-1-Übertragungen.

    Der 1949 in Wien geborene Andreas Nikolaus „Niki“ Lauda wurde in eine wohlhabende Unternehmer-Dynastie geboren, mit der er sich aber schließlich wegen seines Wunsches, in die Motorsportwelt einzusteigen, überwarf. Zielstrebig arbeitete Lauda daran, durch die verschiedenen Motorsport-Klassen aufzusteigen, um schließlich 1971 in der Königsklasse anzukommen, der Formel 1. 1974 folgte der Wechsel zu Ferrari, wo er in Zukunft Erfolge feiern sollte und 1974 sein erstes Grand-Prix-Rennen gewann, am Ende der nächsten Saison stand dann der erste seiner drei Weltmeistertitel.

    In der folgenden Saison 1976 kam es beim Rennen auf dem Nürburgring zu Laudas schwerem Unfall, bei dem sein Wagen in Brand geriet. Mit schweren Verbrennungen vor allem der Kopfhaut und angegriffenen Atemwegen aufgrund giftiger Dämpfe überlebte Lauda. Nur 42 Tage später stieg er wieder in das Renngeschehen ein.

    Ein Jahr später konnte er sich erneut und frühzeitig die Weltmeisterschaft sichern und wechselte das Team. 1979 erklärte Lauda überraschend seinen Ausstieg aus dem Renngeschäft wegen mangelnder Motivation „wie ein Trottel mit den anderen im Kreis fahren“, um sich Lauda Air zu widmen.

    1983 folgte die Rückkehr ins Renngeschäft, 1984 seine dritte und letzte Weltmeisterschaft. Nach insgesamt 25 Grand-Prix-Siegen schied Lauda aus dem aktiven Rennsport aus.

    In den 1990ern wurde er als Berater bei Ferrari tätigt, daneben begann er als Experte der Formel-1-Berichterstattung von RTL vor der Kamera. Diese Funktion führte er bis Ende 2017 an der Seite von Florian König aus: Lauda ordnete das Geschehen auf unnachahmliche Art ein und nahm dabei kein Blatt vor den Mund.

    Seine Fluggesellschaft Lauda Air baute er in einem zweiten Anlauf ab den späteren 1980ern zu einem formidablen Unternehmen aus. Auch diese Karriere wurde allerdings von einem großen Unglück überschattet, dem Absturz einer Boeing der Fluglinie mit mehr als 200 Todesopfern im Jahr 1991.

    Mit seiner Popularität wurde Lauda auch Teil der Pokultur. Im Animationsfilm „Cars“ lieh er der Figur The King die Stimme, der Film „Rush – Alles für den Sieg“ stellte die Erlebnisse der Formel-1-Saison 1976 nach, inklusive einer fiktionalisierten Version von Lauda.

    Aufgrund seines schweren Unfalls und den folgenden, notwendigen Behandlungen hatte Lauda in der Folge starke gesundheitliche Probleme, teils mit den Nieren wegen der Nebenwirkungen starker Medikamente, teils mit den Lungen wegen der giftigen Dämpfe.

    Niki Lauda hinterlässt fünf Kinder und seine zweite Ehefrau Birgit. Er wurde 70 Jahre alt.

    In den sozialen Medien bekunden viele seiner langjährigen Weggefährten ihre Trauer.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • kleinbibo am 23.05.2019 17:29 via tvforen.demelden

      Ja, ein Wahnsinnsleben, da kann so schnell keiner mithalten. Auf Youtube hat er es am Tage der Todesnachricht auf 800.000 Zugriffe gebracht, das ist schon ziemlich viel. Nur die Quoten bei RTL am Abend fand ich enttäuschend, irgendwas unter 3 Mio. Habt ihr da etwa gar nicht geguckt? Ralf Schumacher habe ich verpasst, aber die Dokumentation habe ich gesehen.
      • VT 5081 am 23.05.2019 18:51 via tvforen.demelden

        kleinbibo schrieb:
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        > [...] Nur die Quoten bei RTL am
        > Abend fand ich enttäuschend, irgendwas unter 3
        > Mio. Habt ihr da etwa gar nicht geguckt?

        Wir Österreicher waren mit unserem eigenen Gedenksendungen quasi entschuldigt. (624.000 Zuschauer für "Niki Nationale - Ein Leben in der Pole Position" um 20:15 in ORF 1; 402.000 haben die nachfolgende Gesprächsrunde mit Weggefährten verfolgt. Die nächtlichen Wiederholungen fanden noch 23.000 bzw. 20.000 Interessenten.) Ein "Stöckl"-Talk aus dem Jahr 2013 mit Niki Lauda und Samuel Koch im Nachtprogramm von ORF 2 erreichte 225.000 Leute. Von ORF III (eine Doku gestern und noch drei Wiederholungen frühmorgens oder versteckt spätnachts) und ORF Sport+ (Dienstagnachmittag mit Portraits, Interviews und einer Zusammenfassung des Formel-1-GP von Österreich 1984 mit Niki Laudas Heimsieg) gibt's leider keine Zahlen via Teletext.

        Fans, die sich persönlich von ihrem Idol verabschieden möchten, können das am kommenden Mittwoch ab 8:00 Uhr im Wiener Stephansdom tun. Um 13:00 folgt ein Requiem für 350 Ehrengäste; die interessierte Öffentlichkeit darf im hinteren Teil des Domes zuhören. Die Beerdigung erfolgt direkt danach im Kreise der Familie; ein von der Stadt Wien angebotenes Ehrengrab hat man abgelehnt. ([url=https://wien.orf.at/news/stories/2983314/]Quelle[/url])
    • Deckard am 22.05.2019 10:32 via tvforen.demelden

      Mit Niki Lauda verabschiedet sich eine der schillerndsten Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte von der großen Bühne des Lebens. Man kann vieles über ihn sagen - und vieles wurde im Eingangstext ja schon erwähnt - aber eines auf keinen Fall: Das er feig gewesen wäre. Im Gegenteil: Riskanten Entscheidungen ging er ebensowenig aus dem Weg wie Konfrontationen. Er nahm sich eben kein Blatt vor den Mund, selbst wenn ihm das nicht immer Zustimmung und manchmal auch viel Kritik einbrachte.

      Legendär seine Kompromisslosigkeit bei Live-Moderationen (Ko-Moderator, schmeichelnd: "Niki, das siehst du sicher genauso" - Lauda, kurz und bündig: "Nein, das ist Schwachsinn" - gefolgt von der Begründung, warum das seiner Meinung nach so wäre), aber auch bei großen Entscheidungen seines Lebens. So konnte er als junger Mann überhaupt erst in die exklusive Rennsportwelt einsteigen, indem er Kredite aufnahm und sich Geld von seiner Großmutter auslieh. Am bekanntesten ist aber sicherlich seine Entscheidung, nur vier Wochen nach seinem fast tödlichen Unfall und noch stark lädiert wieder ins Cockpit seines Formel 1-Wagens zu steigen und Rennen zu fahren.

      Sein Ruf als unglaublicher Geizhals ist aber auch legendär - nicht grundlos warb er jahrelang für die IngDiba mit dem Satz: "Ich hab ja nichts zu verschenken". Dass der an und für sich rationale und kühl wirkende Mann aber auch jede Menge Humor besaß, zeigt unter anderen folgende Anekdote: Anlässlich der Dreharbeiten des Films "Rush" wollte ihn eine US-Morningshow interviewen - und zwar am Nürnbergring. Man erwartete, er würde vor laufender Kamera emotional werden, doch Niki Lauda machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Lauda:

      „Ich hab mir vom Hotelbuffet ein Kipferl mitgenommen und das vorher ins Gras gelegt. Die (Moderatorin) fängt an: ‚Mister Lauda, how is it to be here ...‘ Sag ich: ‚Just a moment!‘ und geh ein paar Schritte ins Gras. Fragt sie: ‚What are you doing?‘ Sag ich: ‚Oh look, here’s my ear!‘ Die war fertig. Die hat die Fassung verloren. Die mussten alles nochmal drehen.“

      ;-)

      Ein Mann, der auch über sich selbst lachen konnte. Für mich ist er jedenfalls einer der großen Stars meiner Kindheit.

      Race in peace, Niki.
      • Thinkerbelle am 21.05.2019 11:01 via tvforen.demelden

        Ich hab heute Nacht schon davon gehört. Normalerweise bin ich ja eher überrascht, dass ein verstorbener Promi schon so alt ist wie er ist. Aber den hätte ich jetzt ausnahmnsweise mal für älter gehalten. Wahrscheinlich weil Niki Lauda seinen Unfall hatte als ich noch ein Kind war und ich ihn daher altersmäßig näher bei meinen Eltern verortete.
        Ich erinnere mich noch, dass wir von dem Unfall erfahren haben als wir gerade im Urlaub waren. Das war schon ein Schock, als es hieß er wäre stark verbrannt. Und eine große Überraschung, dass er so bald wieder fahren konnte.

        Aber 70 Jahre sind heutzutage kein Alter. Nachdem er vor 43 Jahren dem Tod von der Schippe springen konnte hat der ihn wohl doch noch eingeholt. Er hatte ja vor kurzem eine Lungentransplantation - ein Spätschaden aus dem Unfall damals, als er giftige Verbrennungsgase eingaetmet hat.

        Niki Lauda war einer, der sich nicht unterkriegen ließ. Dieser schwere Unfall - und trotzdem hat er weiter gemacht und wurde nochmal Weltmeister. Danach hatte er eine erfolgreiche Luftlinie, und auch da musste er eine Tragödie erleben. Er war einfach ein Stehaufmännchen und machte weiter und war nach jedem Rückschlag noch erfolgreicher als zuvor. Großer Respekt vor so einem Lebenswerk!

        Möge er in Frieden ruhen!

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