Netflix: „Episodenvorschläge basieren nicht auf sexueller Orientierung“

    Neue Anthologieserie „Love, Death & Robots“ sorgt für Verwirrung

    20.03.2019, 16:40 Uhr – Bernd Krannich

    Netflix: "Episodenvorschläge basieren nicht auf sexueller Orientierung" – Neue Anthologieserie "Love, Death & Robots" sorgt für Verwirrung – Bild: Netflix
    „Love, Death & Robots“

    Sie greift um sich, die Angst vor dem „allmächtigen Algorithmus“, der uns durchleuchtet und im schreckerregendsten Fall sogar Dinge über uns weiß – und preisgibt -, die wir selbst nicht wissen. Dass Netflix tief in das Nutzerverhalten blickt, um sein Angebot, Serienvorschläge und auch Serienbestellungen zu kuratieren, bestreitet niemand. Doch der Streaming-Dienst hat sich nun dagegen verwehrt, dass er bei Anthologieserien neuerdings auf die sexuellen Neigungen des Zuschauers zurückgreifen würde, um eine Episodenreihenfolge vorzuschlagen.

    Im vorliegenden Fall ging es um die am Freitag veröffentlichte Anthologieserie „Love, Death & Robots“ – bei der die Reihenfolge, in der man die insgesamt 18 Episoden anschaut, vollkommen beliebig ist, da die Episoden unabhängig voneinander sind. Hier war Nutzern aufgefallen, dass Netflix ihnen und Bekannten die Folgen in unterschiedlicher Reihenfolge angezeigt hatte. Insbesondere war der Schwulenaktivist und Tech-Autor Lukas Thoms erstaunt, dass ihm als erstes die Episode „Sonnies Vorteil“ angezeigt wurde, in der es um eine lesbische Protagonistin geht, während ein heterosexueller Freund die Folge „Jenseits des Aquila-Rifts“ als erstes angezeigt bekam – laut Thoms diejenige aus der Staffel, die am deutlichsten eine heterosexuelle Sex-Sequenz zeigt. Er folgerte, dass Netflix sich bei der Reihenfolge an den sexuellen Vorlieben der jeweiligen Logins orientieren würde.

    Der Streaming-Dienst hat dies mittlerweile zurückgewiesen. Es würde bei der Serie aus vier unterschiedliche Reihenfolgen zufällig ausgewählt – Infos über die sexuelle Orientierung (oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe oder Gender) hätte Netflix nicht (und demnach auch nicht versucht, aus dem bisherigen Nutzungsverhalten bei Netflix abzuleiten).

    Mittlerweile hat auch Thoms eingestanden, dass sein ursprünglicher Verdacht wohl falsch gewesen sei, zumal viele seiner Twitterfollower ihm bestätigten, dass sie von Netflix jedenfalls nicht die Reihenfolge angezeigt bekommen hätten, die ihrer sexuellen Identität entsprechen würde.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Sentinel2003 (geb. 1967) am 31.03.2019 13:47

      WAS bitte ist "LGBT"??
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      • Vritra am 22.03.2019 11:00

        Da Netflix ja keine Hardcore-Pornofilme streamt, dürfte es auch kaum möglich sein, eindeutige Rückschlüsse auf die sexuellen Präferenzen der Kundschaft zu ziehen. Alleine der Umstand, dass inzwischen vermehrt LGBT inhaltlich in Film und Fernsehen größeren Rollen spielen als früher und jemand vergleichsweise viele solcher Produktionen gestreamt hat, lässt ebenfalls keine zuverlässigen Rückschlüsse auf die Sexualität der Betreffenden zu. Netflix wäre also schön blöd seine Kunden in dieser Form zu kategorisieren und ggf. damit zu verärgern.

        Amazon hingegen kann und tut das mit Sicherheit. Ich habe einmal über eine sozialrechtlich politisch ausgerichtete Netzwerkergruppe eine Autorin kennengelernt, die mir ein paar ihrer Bücher auf Amazon geschenkt hat. Nun ist es so, dass sie hauptsächlich historische Romane mit schwulen Protagonisten schreibt. Nun ratet, was Amazon mir seitdem alles vorschlägt... ;-)
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