Hollywood: Streit zwischen Autoren und Agenten droht zu eskalieren

    Mit „Packaging Fees“ greifen Agenturen tief in die Kasse

    03.04.2019, 16:30 Uhr – Bernd Krannich

    Hollywood: Streit zwischen Autoren und Agenten droht zu eskalieren – Mit "Packaging Fees" greifen Agenturen tief in die Kasse – Bild: WGA/ATA

    UPDATE: WGA und ATA haben sich auf eine Fristverlängerung um knapp eine Woche bis zum 12. April 2019 und einen neuen Gesprächsterim am Tag davor verständigt.

    Stell dir vor, du hättest die Macht, bei allem, was über deinen Schreibtisch geht, einfach „zehn Prozent“ abzuknapsen. Und dann stell dir vor, du hast das geschaffen, wovon zehn Prozent abgeknapst werden. Das ist – sehr grob – der Hintergrund eines aktuellen Streits zwischen den Autoren der Writers Guild of America (WGA) und der Agentenvereinigung ATA (Association of Talent Agents). Das Schlagwort lautet Packaging Fees, und die WGA will einen neuen, verbindlichen Verhaltenskodex durchsetzen, in dem die Agenten (und Managementagenturen) auf solche verzichten – und notfalls alle Agenten feuern lassen, die diesen nicht unterschreiben.

    Packaging Fees

    Ein weiteres Gedankenspiel. Stell dir vor, du sitzt als Autor im stillen Kämmerlein und hast eine super Serienidee. Allerdings brauchst du natürlich jemanden, der dir den Aufwand finanziert, diese auszuarbeiten und im Idealfall sogar weitergehende Zusagen macht, etwa dass ein Serienpilot produziert wird. Da ist es natürlich hilfreich, wenn man noch weitere Vorzüge in sein „Paket“ packen kann. Etwa einen bekannten Produzenten im Hintergrund („ … von den Machern von ‚Grey‘s Anatomy’“). Oder einen Regisseur mit Erfahrung/Auszeichnungen für den Serienpiloten. Oder sogar einen namhaften Hauptdarsteller. Das steigert den Marktwert des eigenen Angebots beträchtlich.

    Gut, dass du einen Agenten hast, der für eine Managementagentur arbeitet, die auch andere Künstler(-gruppen) vertritt und vielleicht etwas „deichseln“ kann. Normalerweise kassiert der Agent „zehn Prozent“ der späteren Einnahmen der Klienten für seinen Job, seinem Klienten neue Arbeitsmöglichkeiten zu vermitteln. Wenn Packaging Fees erhoben werden, wird die Abrechnung mit dem eigentlichen Kunden nach den aktuell gültigen Regelungen fallen gelassen, dafür erhält die Agentur direkte Belohnungen.

    Die WGA stellt dabei ein gängiges Modell vor, dass als 3%-3%-10% üblich sei und auf die meisten von 300 in den USA produzierten Serien Anwendung findet. Zunächst erhält die Agentur satte 3 Prozent des Budgets jeder(!) Episode („30.000 bis 75.000 US-Dollar“). Danach 3 Prozent der Lizenzgebühr des Heimatsenders (wird nur ausgezahlt, wenn die Serie Profit macht) sowie 10 Prozent von den „Profiten“ insgesamt (sogenannte „modified gross profits“).

    Die Nachteile lassen sich auch schnell aufzählen: Der Griff direkt ins Budget lässt weniger Geld für andere Zwecke, unter anderem auch die Gehälter der angestellten Autoren. Die besagten Gewinnanteile gehen natürlich zu Lasten der Gewinnanteile der anderen (Serienschöpfer, Produzenten) – je mehr „Anteile“, desto kleiner das Stück, das jeder abbekommt. Daneben fungieren Agenturen auch als „Wächter“, die den Zugang zu ihren Klienten (eben Regisseure, Darsteller) kontrollieren – Managementagenturen bilden in der Film- und Fernsehwelt ein Oligopol. Dazu kommt, dass diese Packaging Fees für die Agenturen lukrativer sind, als die Vertretung ihrer eigentlichen Kunden, was zweifellos zu Interessenkonflikten führen kann und hat.

    Dazu kommt, dass es mittlerweile so üblich ist, Packaging Fees zu erheben, dass etwa „Die Simpsons“-Produzent Mike Scully zu berichten wusste, dass seine Agentur bei einem Deal, den er persönlich eingefädelt hatte, einfach Packaging Fees veranschlagt hatte.

    WGA vs. ATA

    Der Kampf zwischen den beiden Gruppen heizt sich schon seit einer Weile auf, am 6. April ist die aktuell gesetzte Deadline für eine Entscheidung. Letztendlich kann die WGA selbst natürlich niemanden feuern und ist darauf angewiesen, dass ihre Mitglieder ihre Entscheidung mittragen und umsetzen. Am vergangenen Wochenende gab es eine Urabstimmung, die das nahelegt: knapp 95 Prozent der Autoren (7882 Stimmen) votierten dafür, den Agenten aufzuerlegen, einen vorgeschlagenen „Verhaltenskodex“ zu akzeptieren, oder ihren Repräsentationsauftrag zu verlieren. 800 Autoren – darunter erfolgreiche Showrunner – haben sich namentlich dazu bekannt, im Falle einer Aufforderung der Gewerkschaft ihre Agenten zu entlassen.

    Auch auf der anderen Seite stehen keine Einzelpersonen, sondern die vier großen Managementagenturen WME, CAA, UTA und ICM. Auch hier hat ein Großteil der Mitglieder sich bereits positioniert und erklärt, dass man den vorgeschlagenen Verhaltenskodex nicht unterschreiben wird. So verhärten sich die Fronten.

    Die WGA will im Fall der Ablehnung ihrer Forderung die Rechtsanwälte und persönlichen Manager der Autoren mit der Übernahme der bisherigen Agententätigkeit beauftragen: Neue Jobs finden. Etwas, was manche Autoren bisher auch schon so handhaben.

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