Gottschalk kritisiert „Quotenfernsehen“

    Öffentlich-Rechtliche sollten sagen: „Die Quote geht uns am Arsch vorbei“

    Gottschalk kritisiert "Quotenfernsehen" – Öffentlich-Rechtliche sollten sagen: "Die Quote geht uns am Arsch vorbei" – Bild: BR/Oliver Maier
    Thomas Gottschalk

    Morgen Abend (19. März) geht Thomas Gottschalk um 22 Uhr mit seiner neuen Literatursendung „Gottschalk liest?“ im BR Fernsehen auf Sendung. Im Vorfeld gab der Entertainer der Augsburger Allgemeinen ein Interview, in dem er scharfe Kritik am Fernsehen übte: „Aus meiner Sicht sollten die Öffentlich-Rechtlichen viel häufiger einfach sagen: ‚Die Quote geht uns am Arsch vorbei‘“, lautet das Urteil des Moderators, der sich nach mehr als 40 Jahren von seine Frau Thea getrennt hat, wie heute bekannt wurde.

    Gottschalk zeigt durchaus Verständnis für die Programmmacher, die sich in einer „Zwittersituation“ befänden. „Fernsehen muss wahrgenommen werden. Wenn Sender nicht mehr wahrgenommen werden, werden sie abgeschafft. Und du wirst halt mit irgendwelchen Kitzbühel-Cops eher wahrgenommen, als wenn der Gottschalk in Augsburg sitzt und drei Bücher liest.“ Dies habe seiner Ansicht nach jedoch zu keinen allzu schönen Konsequenzen geführt. „Wir merken doch, dass es im Fernsehen die Flucht in den simplen Krimi gibt, weil der funktioniert. Dass es die Flucht ins noch banalere Quiz gibt, weil das auch funktioniert. Und die Öffentlich-Rechtlichen verkaufen das als Bildungsauftrag … “ Seine eigenen Kinder erreichen die Sender nicht mehr. „Denen geht das ZDF am Arsch vorbei.“

    Der Tatsache, dass sich das Fernsehen und die Sehgewohnheiten der Zuschauer geändert haben, blickt Gottschalk ohne viel Wehmut entgegen. „Ich mache mir nichts vor. Das Fernsehen, wie ich es gelebt und geprägt habe und von dem ich geprägt wurde, gibt es ja nicht mehr. Den Samstagabend, den hat man mir nicht weggenommen, und die Nation jammert ihm auch nicht nach. Es gibt das Samstagabend-Sofa, wie ich es gekannt habe, einfach nicht mehr. Bei mir saßen ein Michael Schumacher, die Spice Girls, der Placido Domingo und Günter Netzer… und jeder Zuschauer hat gewusst, wer das ist. Der Opa daheim vor dem Schirm hat gewusst, wer die Spice Girls sind, und die Tochter hatte vom Domingo auch schon gehört. Wenn ich heute mit einer Wette käme, dass irgendein Mädchen ‚Pippi Langstrumpf‘ auswendig kann und genau weiß, welches Wort auf welcher Seite steht, würden gleich 80 Kinder sagen, dafür müsse es doch eine App geben.“

    Über den BR findet Gottschalk lobende Worte: „Dass mir der Bayerische Rundfunk eine Büchersendung zutraut, darauf muss man erst mal kommen. Gut, dass wir darauf gekommen sind.“ Dass er mit „Gottschalk liest?“ voraussichtlich deutlich weniger Publikum erreichen wird als einst mit „Wetten, dass..?“, stört ihn nicht. „Ich freue mich jetzt über die paar hunderttausend, die mir zuschauen wollen, wenn ich mich über Bücher unterhalte. Es muss auch keiner motzen, dass sich das Fernsehen den teuren Gottschalk leistet. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht genau, was ich für die Sendung bekomme. Ein bisschen was bekomme ich schon. Aber meine Schuhe waren, glaube ich, teurer als das, was ich einspiele.“

    Bisher war Gottschalk nicht für Bildungs- oder Kulturfernsehen bekannt. Weshalb er nun dennoch Moderator einer Literatursendung wurde, dafür hat er eine einfache Erklärung: „Ich bin ja ohne eigenes Verschulden, einfach durch das Verblöden meines Umfelds, so ein bisschen in die intellektuelle Ecke gerutscht.“ Gottschalk selbst habe sich gar nicht so sehr verändert. „Die generelle Leichtigkeit meines Tuns wird sich nicht ändern, nur weil ich auf einmal mit Literatur zu tun habe. Und ich werde mit Herrn von Schirach nicht anders umgehen als etwa mit einem Justin Bieber, den ich übrigens vor fünf Jahren in Augsburg zum ersten Mal getroffen habe. Ich bin da angstfrei.“

    18.03.2019, 15:54 Uhr – Glenn Riedmeier/fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • Stefan_G (geb. 1963) am 24.03.2019 19:09

      Thomas Gottschalk hat v o l l k o m m e n Recht!!!!
      Was interessieren mich denn die Sch...-Quoten!?!
      Und dann dieser Quatsch mit dieser zielorientierten Gruppe "19 - 49"!!

      Und ja - mir hat seine neue Fernsehsendung sehr gefallen (auch wenn es der eine oder andere es wieder einmal anders sieht)...
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      • User 1179229 am 19.03.2019 23:20

        Nur eines noch, den Öffentlich Rechtlichen ist die Quote egal, da sie immer wieder tolle Unterhaltung (Quote bei "Bares für Rares" war immer höher als Gottschalk's ) bei monatlichen gesicherten Einnahmen bieten. Die Werbefinanzierten hingegen sind auf die Quote angewiesen, denn die Höhe ihrer Werbeeinnahmen richtet sich nun 'mal nach der Quote. Also nochmal, der "Oberlehrer" sollte in Würde in Rente gehen.
        • Mork-vom-Ork am 21.03.2019 02:56

          Natürlich ist den ÖR die Quote nicht egal. Zur Primetime laufen Serien und Filme, vorzugsweise Krimis. Während informative Dokus und Reportagen oft im Spät- und Nachtprogramm versenkt werden. Bildungsauftrag sieht für mich anders aus.
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      • Brigidde (geb. 1974) am 19.03.2019 09:53

        Dieser Quotenquatsch ging mir auch seit Jahren auf die Nerven. Ich bin auch absolut kein Fan von Krimis u. hatte schon lange das Gefühl, das rund 80% des Free-TV Programms nur noch aus Krimis und Doku-Soaps und der X-ten Wiederholung davon bestehen. Wenn ich tatsächlich mal was fand, wurde es schnell abgesetzt (meistens allerdings bei Pro7). ZDF schaffte es selten mich mit etwas zu fesseln, das letzte war Downton Abbey vor Jahren - aber zu so einer unglücklichen Uhrzeit, das ich nur wenig sehen konnte u. mich daher für die DVD entschieden hab und dabei auch blieb. Ich hab jahrelang wirklich fast nur DVDs geguckt, Fernsehen ist für mich schon lange die letzte Wahl und im Grunde zappte ich mich da eh nur duch und guckte dann doch wieder ins DVD-Regal. Vor einem Jahr entdeckte ich dann Netflix für mich u. das war genau das, was mir fehlte. Free TV wird höchstens noch für Nachrichten angemacht, ansonsten kann ich darauf vollkommen verzichten. Samstagabends kenn ich noch von früher, das da immer was gutest läuft - in den letzten Jahren bzw. Jahrzehnt dachte ich immer nur "ach samstags läuft doch eh nie was". So hat sich das Free Tv geändert - auf jeden Fall für mich. Absolut uninteressant und ich bin froh das ich jetzt endlich mal wieder unterhalten werde.
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        • Mork-vom-Ork am 19.03.2019 02:30

          Ich mag den Gottschalk nicht. U.a. auch deshalb nicht, weil er immer wieder meint sich eine Meinung über Deutschland und die Deutschen machen zu können, obwohl er schon seit vielen Jahren hier gar nicht mehr lebt. Und was die Quote angeht, da vergisst er leider, dass diese ihm über viele Jahre ein sehr üppiges Einkommen beschert hat. Recht gebe ich ihm aber, dass gerade die ÖR nicht auf die Quote schauen sollten, dies gar nicht dürften. Wobei das deutsche Quoten-Mess-System ohnehin schon veraltet war, als die Menschen noch nicht übers Internet fern gesehen haben. Seitdem erst recht. Dass die deutschen Sender immer noch auf diese mittlerweile völlig verfälschte Quote achten, ist daher einfach nur lächerlich. Hier müsste längst mal ein neues, modernes Mess-System her.
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          • User 1179229 am 18.03.2019 22:46

            Mann, Mann, Mann hört das denn nie auf? Immer wenn der Oberlehrer 'was Neues versucht (was wie alles nach "Wetten daß" in die Wicken geht) gibt es Schelte für die Öffentlich Rechtlichen. Früher selbst Quotengeil will er heute in Literatur machen und wenn es in die Hose geht (und das wird es) sind andere Schuld. Falls es wirklich eine andere Frau gibt, wäre es für ihn besser in Rente zu gehen als danach zu hecheln, vor eine deutsche Fernsehkamera zu kommen (in Amerika kennt ihn ja kaum jemand). Da, wo er angefangen hat (BR3) sollte er es auch beenden.
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            • DerLanghaarige am 18.03.2019 20:44

              @LegendenLebenEwig

              Naja, "Quincy" war nunmal ein Quotenerfolg, denn, man mag es kaum glauben, auch schon in den 70ern wurden Serien nur dann weitergeführt, wenn sich dessen Produktion lohnte.

              Hätte "Quincy" niemanden interessiert, wäre die Serie heute so obskur und vor allem kurzlebig wie "Supertrain" oder "After M*A*S*H*", bei denen die Autoren und Hauptdarsteller garantiert auch noch Bock auf mehr Staffeln gehabt hätten.

              Klar, natürlich kam es damals öfter vor, dass man eine Serie ihr Publikum finden ließ, anstatt sie nach drei Folgen abzusetzen, aber schon damals hieß es: "Was nicht gesehen wird, fliegt raus." Alles Andere ist rosarote Brille.
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              • cassiel am 18.03.2019 18:35

                Jamboree!
                Jamboree!
                Alles ist Polka Jamboree!
                  hier antworten
                • Tom_Cat am 18.03.2019 17:37

                  Recht hat er! Ich moniere schon seit Jahren, dass die Quoten Humbug sind. Man kann NICHT von ein paar Haushalten auf Gesamt Deutschland schließen.

                  @LegendenLebenEwig:
                  Ganz heißes Eisen mit den US-Serien wie Quincy! Und komplett am Thema vorbei.
                  ARD und ZDF haben damals pro Staffel einige Folgen gekauft und nach Lust und Laune ausgestrahlt. Viele Serien, wie Raumschiff Enterprise, Bonanza oder Mit Schirm, Charme und Melone wurden erst durch weitere Ausstrahlungen auf Sat.1 und co. komplettiert.
                  Die meisten Folgen wurden auch querbeet ausgestrahlt.
                  Lediglich Serien mit linearer Handlung wurden chronologisch gezeigt.
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                  • xy am 18.03.2019 17:14 via tvforen.de

                    TV Wunschliste schrieb:
                    -------------------------------------------------------
                    > "Und ich werde mit Herrn von Schirach
                    > nicht anders umgehen als etwa mit einem Justin
                    > Bieber, den ich übrigens [i]vor fünf Jahren in
                    > Augsburg [b]zum ersten Mal[/b][/i] getroffen habe. Ich bin da
                    > angstfrei."

                    Das kann ich gar nicht glauben. Justin Bieber war ja als Gast für die abgebrochene "Wetten, dass..?"-Ausgabe vom 04.12.2010 aus Düsseldorf vorgesehen. Obwohl es nicht mehr zum Auftritt kam, müsste er Thomas Gottschalk doch damals schon begegnet sein - wenigstens für einen kurzen Augenblick. Aber wahrscheinlich nehme ich wieder alles zu wörtlich.
                    • LegendenLebenEwig (geb. 1983) am 18.03.2019 16:59

                      Recht hat er, der Thomas!

                      Und jeder, der schon über den ein oder anderen meiner Kommentare hier gestolpert ist, weiß auch, daß es stimmt ...

                      Nehmen wir als Beispiel die Serie Quincy aus den 1970/80ern:
                      erst kam Staffel 1, dann Staffel 2, 3, 4, usw. - bis die Autoren und/oder die Darsteller entweder keine Fortsetzung mehr wußten oder die Darsteller keine Lust mehr auf ihre Rolle in der (Kult-)Serie hatten.

                      Hätten damals schon die TV-Sender einzig und alleine NUR auf die verdammte Quote gesetzt, wäre so manche Folge einfach mitsamt der begonnenen Staffel abgesetzt worden, nur um eines fernen Tages als Lückenfüller weiterzulaufen - wenn überhaupt.
                      Die wirklich Leidenden darunter wären aber die Zuschauer, die die Serie verfolgen, wie auch die Autoren, die Produzenten und nicht zuletzt die Darsteller, deren Job es ist zu UNTERHALTEN!!
                      Jedoch nicht irgendwelche breiten Hintern an der Spitze eines TV-Senders, die einzig und allein anhand der erhaltenen Quoten besser einschätzen können, ob sie sich die Finca auf Mallorca leisten können oder nicht doch eher die Villa am Starnberger See.

                      Zugegeben: hier rutsche ich ins Cliché, aber es sind so viele Serien durch diese asoziale Art des sog. Geldmachens aus dem Fernsehprogramm verschwunden (weltweit), daß es eigentlich nur logisch wäre, genau solche TV-Sender umzukrempeln und jene, die nur auf die Quote setzen zur Tür hinaus zu werfen.

                      Langjährige TV-Serien (des Abendprogramms) gibt's im TV der Republik ohnehin kaum noch, sieht man mal von "Alarm für Cobra 11" und "Um Himmels Willen" mal ab.

                      Vor dem anhaltenden Platzhirschen US-amerikanischer Serien macht dieser Umstand leider auch kein Halt; lediglich Navy CIS (NCIS) hält sich bemerkenswert lange - Leroy Jethrow Gibbs & sein Team ist inzwischen seit 16 Jahren im TV aktiv -, wodurch das NCIS-Franchise glücklicherweise profitiert. Aus britischer Sicht kann das nur Dr. Who übertreffen, aber sonst ...

                      Fazit: wer den Hals vor lauter Quote nicht schnell genug voll bekommt, darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann daran erstickt!
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