„#GoslingGate“: Funke kündigt neues Sicherheitskonzept für „Goldene Kamera“ an

    Organisatoren wollen Preis von Joko und Klaas zurück

    "#GoslingGate": Funke kündigt neues Sicherheitskonzept für "Goldene Kamera" an – Organisatoren wollen Preis von Joko und Klaas zurück – Bild: Screenshot ZDF
    Nun äußerte sich auch die Funke Mediengruppe zum „#GoslingGate“.

    Nach dem Coup von Joko und Klaas und ihren Kollegen der Produktionsfirma Florida TV bei der „Goldenen Kamera“ veröffentlichte ProSieben am gestrigen Montag erste Details zum „#GoslingGate“ (fernsehserien.de berichtete). Nun gaben auch die Opfer des Streiches in Gestalt der ausrichtenden Funke Mediengruppe ein Statement ab, um zu retten, was im Nachhinein eigentlich nicht mehr zu retten ist: Die Glaubwürdigkeit der Preisverleihung an sich.

    Nach einer detaillierten Erklärung, auf welcher Basis die Redaktion die Kategorien und Preisträger bestimmt, geben die Organisatoren darin unumwunden zu, der falschen Booking-Agentur des vermeintlichen Ryan Gosling auf den Leim gegangen zu sein. Ursprünglich hätte der Schauspieler bereits seit Ende letzten Jahres „ganz oben auf der Liste“ der gewünschten Preisträger gestanden, war für den Zeitpunkt der Gala aufgrund des weltweiten Hypes um „La La Land“ allerdings nicht verfügbar.

    Die kurzfristige Ankündigung der fiktiven Agentur Conrad, Hertz & Gravemann (CHG – die gleichen Initialen wie auch von „Circus HalliGalli“), Gosling sei doch in Hamburg, habe man daher mit Begeisterung aufgenommen. Da zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits Colin Farrell für den Preis als „Bester Schauspieler International“ vorgesehen war, bastelte man sich schnell noch die Kategorie „Bester Film International“, deren Trophäe Gosling dann in Empfang nehmen sollte. Laut der Funke Mediengruppe sei dies „kein ungewöhnliches Verfahren“.

    Auch für die Tatsache, dass es die Fake-Version des Hollywood-Schauspielers bis auf die Bühne schaffte, findet man Gründe: „Für Stars von diesem Kaliber nicht ungewöhnlich verlief dann auch das Eintreffen des vermeintlichen Ryan Gosling. Er kam in einem Tross von Mitarbeitern, wurde total abgeschirmt, bedurfte keiner Maske, blieb unerkannt bis unmittelbar vor den Gang auf die Bühne.“ Ebenso verweist der Verlag auf die hohen Sicherheitshürden, die nur mit umfangreichem Insiderwissen übersprungen werden konnten.

    Das Problem: Genau dieses Wissen hatte sich das Team von „Circus HalliGalli“ über sechs Wochen akribisch angeeignet, was auch Funke mit Zähneknirschen zugibt: „So wussten sie zum Beispiel genau, dass Stars und andere gefährdete Personen ihre eigenen Sicherheitsleute mitbringen und das Sicherheitskonzept der Goldenen Kamera hier nicht mehr zieht.“ Selbst eine kleine Anerkennung lässt sich die Mediengruppe in ihrem Statement abringen: „Sie haben viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitungen gesteckt, der Prank ist gelungen – Chapeau.“

    Dennoch soll der Vorfall Konsequenzen haben: So kündigte man an, das Sicherheitskonzept grundlegend überarbeiten zu wollen, um eine derart peinliche Situation für die Zukunft auszuschließen. Trotz der halbwegs warmen Worte für den Streich pochen die Organisatoren jedoch darauf, die so wörtlich „gestohlene“ Goldene Kamera von Joko und Klaas zurückzubekommen, um diese schließlich dem echten Ryan Gosling zu übergeben – die er streng genommen ja eigentlich gar nicht gewonnen hat.

    Wie man auch zu der Sache steht, eines ist den Spaßmachern von ProSieben mit der Aktion auf jeden Fall gelungen: Die Beliebigkeit von Preisverleihungen und deren Kategorien in den Fokus zu rücken, die hier nicht zum ersten Mal teils absurde Züge angenommen hat. Ob dem „#GoslingGate“ auch personelle Konsequenzen folgen werden, ist aktuell noch nicht bekannt.

    Das Statement der Funke Mediengruppe im Wortlaut

    Die GOLDENE KAMERA vergibt ihre Preise seit vielen Jahren zweigeteilt: Eine Jury wählt die Preisträger für folgende nationale Kategorien aus: Bester Schauspieler, Beste Schauspielerin, Bester Fernsehfilm, Beste Mehrteiler-/Miniserie, Bester Nachwuchsdarsteller. Die internationalen Preise werden von der Redaktion der GOLDENEN KAMERA bestimmt: Bester Schauspieler, Beste Schauspielerin, Lebenswerk Schauspiel, Beste Musik, Lebenswerk Musik. Hinzu kommen Preise für Beste Musik national, Lebenswerk national und Beste Information, die ebenfalls von der Redaktion vergeben werden. Ryan Gosling stand seit Ende 2016 ganz oben auf der Liste der Redaktion für eine GOLDENE KAMERA. Vor dem Hintergrund des Hypes um La La Land in den USA war es aber nicht möglich, ihn für die Veranstaltung in Hamburg zu gewinnen. Umso erfreulicher schien es, dass sich Anfang Februar eine Agentur meldete und anbot, den La La Land-Hauptdarsteller Ryan Gosling zu vermitteln. Die infrage kommende Kategorie Bester Schauspieler international war da allerdings bereits an Colin Farrell vergeben. Deshalb entschied sich die Redaktion der GOLDENEN KAMERA den Film La La Land auszuzeichnen und den Preis stellvertretend für die gesamte Film-Team Ryan Gosling zu übergeben. Das ist kein ungewöhnliches Verfahren.

    Für Stars von diesem Kaliber nicht ungewöhnlich verlief dann auch das Eintreffen des vermeintlichen Ryan Gosling. Er kam in einem Tross von Mitarbeitern, wurde total abgeschirmt, bedurfte keiner Maske, blieb unerkannt bis unmittelbar vor den Gang auf die Bühne.

    Die Sicherheitsanforderungen an die GOLDENE KAMERA sind hoch. Ausgehebelt werden konnten sie nur aufgrund detaillierten Insiderwissens. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf, die beide bereits an der GOLDENEN KAMERA teilgenommen haben, und ihre Produktionsfirma Florida TV verfügen über diese Kenntnisse. So wussten sie zum Beispiel genau, dass Stars und andere gefährdete Personen ihre eigenen Sicherheitsleute mitbringen und das Sicherheitskonzept der GOLDENEN KAMERA hier nicht mehr zieht. Für Außenstehende mag das Procedere der GOLDENEN KAMERA gutgläubig, ja, naiv wirken. Aber die hohen Sicherheitsanforderungen waren nur mit Insiderwissen zu überwinden. Die GOLDENE KAMERA wird ihr Sicherheitskonzept vor dem Hintergrund der nun gemachten Erfahrungen grundlegend überarbeiten.

    Der Prank schmerzt die Macher der GOLDENEN KAMERA: Zunächst weil er die Glaubwürdigkeit des Preises zu beschädigen droht. Aber auch, weil der Auftritt des Ryan Gosling-Doubles so gar nichts Unterhaltendes hatte. Da ist es ein schwacher Trost, dass Joko, Klaas und Pro7, wie es heute in einer Pressemitteilung heißt, die GOLDENE KAMERA für die „glamouröseste Preisverleihung des Landes“ halten. Sie haben viel Zeit und Arbeit in die Vorbereitungen gesteckt, der Prank ist gelungen – Chapeau.

    Auch wenn vieles noch geklärt werden muss, eines steht heute schon fest: die GOLDENE KAMERA wird aus diesem Vorfall lernen. Außerdem wird die Redaktion die gestohlene GOLDENE KAMERA zurückfordern. La La Land hat den Preis gewonnen, die Redaktion wird ihn dem echten Ryan Gosling übergeben.

    07.03.2017, 09:01 Uhr – Dennis Braun/fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • siebentöter am 25.03.2017 17:58 via tvforen.de

      Viel Lärm um "NICHTS"...!
      • Sveta am 25.03.2017 17:44 via tvforen.de

        Wie ich leider heute erst las https://www.dwdl.de/nachrichten/60734/halligalli_gibt_kamera_zurck__und_legt_umberto_dazu/ hat sich die Funke-Mediengruppe echt nicht entblödet ihren 0815-Preis zurückzufordern.
        Die Sache war inzwischen schon fast vergessen... jetzt werden wiederum einige Leute draufhauen. Anstatt still und leise davonzuschleichen geben sie noch mal eine Steilvorlage! Ich fass es nicht!
        • Sveta am 12.03.2017 16:10 via tvforen.de

          Ich muss das hier einfach nochmal posten weil mir der Journalist und Kommentator Hans Hoff aber sowas von aus der Seele spricht:

          "Das war über Stunden nichts anderes als ein riesiger Kaffeebecher, dessen Inhalt sich nicht über Mats Hummels ergoss, sondern über diese ganze verlogene Gala-Branche. Und in jedem Tropfen aus diesem Kaffeebecher spiegelte sich das dumme Gesicht eines Promis, der ganz offensichtlich nicht wusste, ob er sich mehr schämen sollte für das Geschehen auf der Bühne oder für die Tatsache, dass er an solch einem Gehummse überhaupt teilnimmt.
          Alle sind nun beschädigt. Der von Joko und Klaas übertölpelte und als komplett belanglos entlarvte Traditionspreis, der überforderte und extrem uncharmante Moderator, das ZDF, das nicht ernsthaft erklären kann, warum man solch einen Mist überträgt und dann auch noch sein Führungspersonal in den ersten Reihen postiert, auf dass sich ganz viel vom angerichteten Schaden auch in deren Gesichtern spiegele."

          Die komplette Kolumne steht hier: http://www.dwdl.de/hoffzumsonntag/60519/die_goldene_kamera_das_scheitern_der_anderen/
          • faxe61 am 18.03.2017 18:37 via tvforen.de

            Oder von Walulis in Bild und Ton.
            Treffer und versenkt.

            https://www.youtube.com/watch?v=M_bDyAlU0qM
        • User_929455 (geb. 1978) am 08.03.2017 00:29

          Habe ich das jetzt richtig verstanden: Ryan Gosling hätte bei der Goldenen Kamera eigentlich den Preis für den Besten Schauspieler International bekommen aber da er ursprünglich nicht da sein konnte hat ihn der zweitbeste Schauspieler Colin Farrell bekommen weil er dasein konnte? Hätte denn der Preis für Colin Farrell dann nicht "Zweitbester Schauspieler International" heißen müssen?
            hier antworten
          • Tom_Cat am 07.03.2017 22:46

            Wie ich in die Welt gesetztes Halb- oder Nichtwissen hasse!!!
            Die Sieger der Oscars stehen schon Wochen vor der Preisverleihung fest! Es gab, gibt und wird immer wieder Leute geben, die dort ihre Preise NICHT abholen!
            Das ist ein ganz anderes Preisverleihungssystem als bei der goldenen Kamera.
              hier antworten
            • Sentinel2003 (geb. 1967) am 07.03.2017 16:14

              Was bitte hat die Schwangerschaft von Frau Portman hiermit zu tun??
                hier antworten
              • linkin_park am 07.03.2017 09:55 via tvforen.de

                wunschliste.de schrieb:
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                >
                > Wie man auch zu der Sache steht, eines ist den
                > Spaßmachern von ProSieben mit der Aktion auf
                > jeden Fall gelungen: Die Beliebigkeit von
                > Preisverleihungen und deren Kategorien in den
                > Fokus zu rücken, die hier nicht zum ersten Mal
                > teils absurde Züge angenommen hat.


                Das ist doch Käse, als bei den Oscars in den Einblendungen klar war, das Natalie Portman gar nicht anwesend ist, war mir sofort klar, dass SIE diesen Preis nicht bekommt. Ist der Oscar "beliebig"? Ist das "schlimm"?

                Ganz davon ab, dass die beiden Zausel von CHG bei den Oscars oder Vergleichbarem wohl nie soweit gekommen wäre, resp. sich ob des dann drohenden Guantanamaaufenthalts wohl lieber verkniffen hätten.
                • Kate am 07.03.2017 11:07 via tvforen.de

                  linkin_park schrieb:
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                  > Das ist doch Käse, als bei den Oscars in den
                  > Einblendungen klar war, das Natalie Portman gar
                  > nicht anwesend ist, war mir sofort klar, dass SIE
                  > diesen Preis nicht bekommt. Ist der Oscar
                  > "beliebig"? Ist das "schlimm"?

                  In der langen Geschichte der Oscars gab es schon oft Beispiele von Preisträgern, die nicht selbst erschienen sind, um den Preis entgegen zu nehmen.
                  Katherine Hepburn hat keinen ihrer vier Oscars selbst entgegen genommen. Henry Fonda war schwer herzkrank und seine Tochter holte den Preis für ihn ab. Weitere Beispiele sind Woody Allen und Elisabeth Taylor.
                  Das sind nur die berühmtesten Beispiele, die ich zufällig weiß, weil ich vor der Oscarverleihung die Funfacts diverser Internetseiten gelesen habe. Vielleicht gibt es sogar noch mehr Beispiele.

                  Natalie Portman war zu diesem Zeitpunkt hochschwanger, dass man da nicht die anstrengende Veranstaltung besucht, ist nur logisch.
                  Mal ganz davon abgesehen, dass Emma Stone alles andere als ein Favorit für diese Kategorie war. Unwahrscheinlicher war nur Isabelle Huppert für Elle.
                • linkin_park am 07.03.2017 12:59 via tvforen.de

                  Du nennst Beispiele von Anno Tuck.
                  In letzter Zeit hat so gut wie niemand einen Preis bekommen, wenn er nicht persönlich anwesend war. Egal ob schwanger, hirntot oder gebrochenes Ohrläppchen. Das gilt übrigens nicht nur für die Oscars, sondern generell.

                  Ich habe langsam die Vermutung, du willst mich heute bewusst missverstehen.
                • Thinkerbelle am 07.03.2017 13:38 via tvforen.de

                  Also wenn du ein aktuelleres Beispiel haben willst: Der Iranische Regisseur, der in diesem Jahr den Oscar für den besten ausländischen Film bekommen hat, war auch nicht da. Alle anderen Nominierten in der Kategorie waren aber anwesend.

                  Und dass Natalie Portman hochschwanger war, das war ja auch bekannt. Ihr Kind kam glaube ich nur wenige Tage nach der Verleihung zur Welt.
                • Kate am 07.03.2017 16:34 via tvforen.de

                  linkin_park schrieb:
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                  > Du nennst Beispiele von Anno Tuck.
                  > In letzter Zeit hat so gut wie niemand einen Preis
                  > bekommen, wenn er nicht persönlich anwesend war.
                  > Egal ob schwanger, hirntot oder gebrochenes
                  > Ohrläppchen. Das gilt übrigens nicht nur für
                  > die Oscars, sondern generell.

                  Bestes Beispiel ist der iranische Regisseur dieses Jahr wie es Thinkerbelle schon erwähnt hat.

                  Nach deiner Logik müsste die Jury schon bei der Entscheidung Alternativen festlegen, falls jemand bei der Verleihung aus verschiedenen Gründen nicht anwesend sein kann.


                  > Ich habe langsam die Vermutung, du willst mich
                  > heute bewusst missverstehen.

                  Wieso?

                  Ich hinterfrage deine Aussage, dass sich Natalie Portman durch ihre Abwesenheit für den Oscar disqualifiziert hat. Was habe ich daran missverstanden?

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