• ESC-Punktebilanz: Deutsche Jury votete Österreich nur auf Platz 11

    Conchita Wurst hat ihren Sieg den Zuschauern zu verdanken

    Michael Brandes – 11.05.2014, 14:09 Uhr

    Conchita Wurst – Bild: Eurovision
    Conchita Wurst

    Die fünf Mitglieder der deutschen „Eurovision Song Contest“-Jury haben sich offenbar in Kopenhagen richtig wohl gefühlt. Geschlossen voteten sie Dänemark auf Platz 1 und lieferten damit eine recht eigenwillige Form der Gastfreundschaft ab. Denn nirgendwo sonst, weder bei den Zuschauer- noch Fachjurys, kam der eher unauffällige dänische Beitrag so gut an.

    Zu jeweils 50 Prozent setzen sich die im Finale verkündeten Ländervotings aus den Stimmen der Zuschauer und der Fachjury zusammen. Die fünf deutschen Jury-Mitglieder (Madeline Juno, Jennifer Weist, Sido, Andreas Bourani und A&R-Manager Konrad Sommermeyer) erstellen dabei jeweils ein eigenes Ranking von Platz 1 bis 25, das später zum Juryvoting addiert wird. Große Unterschiede in ihrem Urteil gab es dabei nicht: Abgesehen von der Begeisterung für den dänischen Beitrag hatten alle die Niederlande, Polen und Finnland weit vorn. Für Conchita Wurst reichte es nur für Platz 11 im deutschen Juryvoting.

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    Ganz anders sah das Ergebnis der deutschen Zuschauer aus: Hier lag Österreich vor Niederlande und Polen. Überraschend gut kam auch der russische Beitrag an, der auf Platz 5 landete. Die Jury-Lieblinge aus Dänemark belegten nur Platz 10, womit die deutschen Fans im internationalen Trend lagen. Einig waren sich Jury und Zuschauer beim Verzicht auf Schützenhilfe für Ralph Siegel. Sein für San Marino komponierter Song lag bei den Fans auf Platz 22, bei der Jury war er sogar Schlusslicht.

    In anderen Teilnehmerländern war die Uneinigkeit zwischen Jury und Zuschauern allerdings noch größer. Die britische Jury etwa votete Polen, die Nr. 1 der britischen Grand-Prix-Fans, auf den letzten Platz und bugsierte den Beitrag somit aus der Punkteskala.

    Conchita Wurst wiederum hat ihren Sieg vor allem dem bemerkenswert einheitlichen Zuschauervoting in nahezu allen Ländern zu verdanken. Dabei kam ihr Song in West- wie Osteuropa ähnlich gut an. Die Zuschauer aus Russland und Aserbaidschan voteten sie beispielsweise auf den dritten Platz, die Armenier auf den zweiten Platz.

    Ein detaillierter Blick in die Votingtabellen zeigt allerdings auch deutliche Animositäten zwischen einzelnen Ländern. Die oft beklagten nachbarschaftlichen Verhältnisse können zwar einige zusätzliche Punkte bringen, allerdings auch das Gegenteil bewirken. So setzten sowohl die Zuschauer als auch die Fachjury Armeniens das ungeliebte Aserbaidschan auf den letzten Platz – was allerdings auf Gegenseitigkeit beruhte.

    Das deutsche Televoting:

    1. Österreich: Conchita Wurst
    2. Niederlande: The Common Linnets
    3. Polen: Donatan & Cleo
    4. Griechenland: Freaky Fortune feat. Risky Kidd
    5. Russland: Tolmachevy Sisters
    6. Armenien: Aram Mp3
    7. Schweiz: Sebalter
    8. Island: Pollapönk
    9. Norwegen: Carl Espen
    10. Dänemark: Basim
    11. Malta: Firelight
    12. Finnland: Softengine
    13. Spanien: Ruth Lorenzo
    14. Ukraine: Maria Yaremchuk
    15. Ungarn: András Kállay-Saunders
    16. Schweden: Sanna Nielsen
    17. Rumänien: Paula Seling & Ovi
    18. Italien: Emma Marrone
    19. Großbritannien: Molly Smitten-Downes
    20. Frankreich: Twin Twin
    21. Weißrussland: Teo
    22. San Marino: Valentina Monetta
    23. Slowenien: Tinkara Kovac
    24. Montenegro: Sergej Cetkovic
    25. Aserbaidschan: Dilara Kazimova

    Das deutsche Juryvoting (Gesamt):

    1. Dänemark: Basim
    2. Niederlande: The Common Linnets
    3. Finnland: Softengine
    4. Polen: Donatan & Cleo
    5. Norwegen: Carl Espen
    6. Armenien: Aram Mp3
    7. Schweden: Sanna Nielsen
    8. Großbritannien: Molly Smitten-Downes
    9. Aserbaidschan: Dilara Kazimova
    10. Spanien: Ruth Lorenzo
    11. Österreich: Conchita Wurst
    12. Schweiz: Sebalter
    13. Malta: Firelight
    14. Island: Pollapönk
    15. Italien: Emma Marrone
    16. Rumänien: Paula Seling & Ovi
    17. Ungarn: András Kállay-Saunders
    18. Ukraine: Maria Yaremchuk
    19. Russland: Tolmachevy Sisters
    20. Frankreich: Twin Twin
    21. Slowenien: Tinkara Kovac
    22. Griechenland: Freaky Fortune feat. Risky Kidd
    23. Weißrussland: Teo
    24. Montenegro: Sergej Cetkovic
    25. San Marino: Valentina Monetta

    Die Jury-Einzelvotings (Top 5):

    Jennifer Weist: 1. Dänemark 2. Niederlande 3. Norwegen 4. Finnland 5. Armenien
    Madeline Juno: 1. Dänemark 2. Finnland 3. Niederlande 4. Polen 5. Schweiz
    Konrad Sommermeyer: 1. Dänemark 2. Niederlande 3. Finnland 4. Polen 5. Schweden
    Sido: 1. Dänemark 2. Niederlande 3. Norwegen 4. Armenien 5. Polen
    Andreas Bourani: 1. Dänemark 2. Niederlande 3. Polen 4. Aserbaidschan 5. Finnland

    Deutsche Gesamtvoting (je 50% Jury- und Zuschauerstimmen):

    1. Niederlande – 12 Points
    2. Polen – 10 Points
    3. Dänemark – 8 Points
    4. Österreich – 7 Points
    5. Armenien – 6 Points
    6. Norwegen – 5 Points
    7. Finnland – 4 Points
    8. Schweiz – 3 Points
    9. Island – 2 Points
    10. Spanien – 1 Point

    Zum Vergleich: Das Song Contest – Finalergebnis:
    1. Österreich: Conchita Wurst
    2. Niederlande: The Common Linnets
    3. Schweden: Sanna Nielsen
    4. Armenien: Aram Mp3
    5. Ungarn: András Kállay-Saunders
    6. Ukraine: Maria Yaremchuk
    7. Russland: Tolmachevy Sisters
    8. Norwegen: Carl Espen
    9. Dänemark: Basim
    10. Spanien: Ruth Lorenzo
    11. Finnland: Softengine
    12. Rumänien: Paula Seling & Ovi
    13. Schweiz: Sebalter
    14. Polen: Donatan & Cleo
    15. Island: Pollapönk
    16. Weißrussland: Teo
    17. Großbritannien: Molly Smitten-Downes
    18. Deutschland: Elaiza
    19. Montenegro: Sergej Cetkovic
    20. Griechenland: Freaky Fortune feat. Risky Kidd
    21. Italien: Emma Marrone
    22. Aserbaidschan: Dilara Kazimova
    23. Malta: Firelight
    24. San Marino: Valentina Monetta
    25. Slowenien: Tinkara Kovac
    26. Frankreich: Twin Twin

    Weitere Einzelergebnisse sind transparent gelistet auf der offiziellen Eurovision-Website.

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    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am

      In meinem persönlichen Ranking war das Lied - und nur das unterlag der Bewertung - der Wurst an 7. Stelle. Ich fange mit Akrobatik, Eislaufen, Rhönrad oder Travestietheater bei dieser Veranstaltung nichts an.
      Aber jeder, der das Lied jetzt nicht als das beste findet ist homophob! Derzeit sind in Wien zigtausende Plakate einer Tansvestitin mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen aufgehängt. Mann oder Frau zu sein ist jetzt nicht mehr wichtig, davon müsse man sich lösen, meinen die Schwulenverbände.
      • am

        2015 ohne Expertenjurys ??? Ich wäre auch dafür !!! Na, mal sehen .......
        • (geb. 1966) am

          Das (James-Bond-)Lied aus Österreich war weder schlecht noch so gut, dass es unter die ersten 10 Plätze gehörte - fand den Sieg NICHT verdient (hat nichts mit "Diskriminierung" zu tun, nicht falsch verstehen)!. Der Song aus den Niederlanden war sehr schön und hat es verdient, unter die ersten drei Plätze zu landen (ich fand allerdings noch zwei andere besser - meiner "Meinung" nach).
          • (geb. 1967) am

            Aus meiner Sicht hat die Wurst (oder heisst das jertzt "der Wurst" ;) ) verdient gewonnen. Ihr Auftritt war der Glamouröseste der Show.
            • (geb. 1978) am

              Ich hätte Conchita Wurst auch eher im Mittelfeld gesehen. Den niederländischen Beitrag fand ich deutlich besser und der ist bei beiden Abstimmungen auf Platz 2 gelandet. Die Experten-Jury stellt (hoffentlich!) wenigstens sicher, dass auch ein bisschen nach Qualität und nicht nur nach Show, Politik und exotischem Erscheinungsbild (nicht nur Conchita!) gewertet wird.
              • am

                Ich sage es gerne immer wieder: Die "Expertenjurys" gehören abgeschafft. In allen Ländern.

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