Egon Hoegen: Die Stimme des „7. Sinn“ ist tot

    Schauspieler und Fernsehsprecher wurde 89 Jahre alt

    Egon Hoegen: Die Stimme des "7. Sinn" ist tot – Schauspieler und Fernsehsprecher wurde 89 Jahre alt – Bild: WDR
    Egon Hoegen im Jahr 1986

    Egon Hoegen ist tot. Wie der Westdeutsche Rundfunk mitteilt, ist dessen langjähriger Mitarbeiter am 1. Juni 2018 im Alter von 89 Jahren verstorben. Für fast 40 Jahre lieh er der Verkehrserziehungssendung „Der 7. Sinn“ die Stimme. Auch, wenn heute vor allem manche Stilblüte oder nicht mehr zeitgemäße Aussage der zwischen 1966 und 2005 hergestellten Sendung für Erheiterung sorgen mag, so war sie doch in den Zeiten vor dem Internet ein wichtiges Informationsmittel für Autofahrer, das zu manchem Thema ein Bewusstsein bilden half – von der Einschätzung des Bremswegs bis zu den Herausforderungen einer winterlichen Passüberquerung. Das zweite, mehrere Dekaden überspannende Engagement des ausgebildeten Schauspielers war „Der internationale Frühschoppen“. Insgesamt wirkte er von 1956 bis 2003 beim WDR.

    WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte den Verstorbenen: „Egon Hoegens sonore Stimme kennt jeder, der in den vergangenen Jahrzehnten Fernsehen geschaut hat. Legendäre WDR-Sendungen wie ‚Der 7. Sinn‘ und Werner Höfers ‚Der internationale Frühschoppen‘ sind für immer untrennbar mit seiner Stimme verbunden. Mit Egon Hoegen haben wir einen feinen Menschen verloren, der entscheidend dazu beigetragen hat, im Massenmedium Fernsehen Unverwechselbares zu schaffen.“

    Hoegen war 1928 in Düsseldorf geboren worden, wuchs in Linz am Rhein auf. Schon zu Zeiten seines Abiturs war er an Journalistik interessiert, wie er es in einem interview zu seinem 85. Geburtstag ausdrückte: „Das hat mich eigentlich immer sehr interessiert, das Aktuelle, das Allerneueste, das ganz Heiße, das gerade gekocht oder gebacken ist.“

    Zunächst machte er jedoch eine Ausbildung am Theater, wo ihm Gustav Gründgens die Bühnenreifeprüfung abnahm. Zunächst hatte Hoegen dann am städtischen Theater in Münster gearbeitet, wo er auch seine späterer Frau kennenlernte.

    1956 wechselte Hoegen dann zum damaligen NWDR, aus dem bald darauf der WDR hervorging. Hier wirkte Hoegen als Nachrichtensprecher. Dabei wurde er auch zum Sprecher beim „Internationalen Frühschoppen“, der über 30 Jahre Woche für Woche live die Anmoderation zur Sendung von Werner Höfer beisteuerte. Zehn Jahre später wurde er dann Sprecher beim „7. Sinn“, bei dem er von der ersten bis zur letzten Sendung mitwirkte. Egon Hoegen

    Auch, wenn der Mann mit der sonoren Stimme für manche Aktion oder Aussage bekannt wurde: Er war eben hauptsächlich ein Sprecher, der im Wesentlichen das verlas, was die Redaktionen ihm vorlegten, wenn er im Studio erschien. Das galt etwa für die berüchtigte „7. Sinn“-Folge, die sich dem Thema „Frau am Steuer“ in einer schon damals als sexistisch auffallenden Weise widmete. „Ja, das war so eine Grenzsituation. Die Exposés zu den Sendungen kamen von der Deutschen Verkehrswacht. Der Autor Heinz Engels kam und sagte: ‚Wir sollten mal was machen zu Frauen am Steuer.‘ Er legte den Akzent gleich auf das Risiko, das damit verbunden sei. Dann kamen in der Sendung so Sätze wie: ‚Lassen Sie nie Ihre Frau ans Steuer zu Hauptverkehrszeiten!‘ oder ‚Frauen können nicht gut ein- und ausparken.‘ Das hat dann zu Recht den Widerstand der Damenwelt ausgelöst. Wir haben das nachher auch korrigiert und haben gesagt: Männer am Steuer sind oft viel gefährlicher als Frauen, weil sie sich alle wie kleine Rennfahrer aufführen. Also, wir konnten das wieder ein bisschen geradebiegen.“

    Weitere Ausnahme-Moderationen waren etwa die als Splatter-Kurzfilm inszenierte Arbeitssicherheits-Satire „Staplerfahrer Klaus“ oder das Verlesen eines anzüglichen Gedichts für die „Harald Schmidt Show“. Immer wieder, wenn Hoegen in solchen Fällen grenzwertigen Texte hinterfragte, hieß es von Produzenten abwiegelnd: „Ach, Herr Hoegen, wenn Sie das sagen, ist das nicht mehr so schlimm.“ Allerdings blieb Hoegen dann auch manchmal hart.

    Eine weitere markante und über Jahrzehnte im Gedächtnis gebliebene Moderation war ein Radiobeitrag zu Hasen in den 1970er Jahren, wo Kollegen ihn zu einem längeren Lachkrampf brachten.

    Für die Arbeit beim „7. Sinn“ erhielt Hoegen unter anderem das Bundesverdienstkreuz.

    Bis 2003 war Hoegen hauptberuflich beim WDR beschäftigt, auch im Ruhestand wurde er jedoch immer wieder als Sprecher gebucht.

    Radiobeitrag „Zwerghasen“, in dem Hoegen wegen Lachanfällen durch Benutzung der „Räuspertaste“ mehrfach für „dead air“ sorgte

    „Frau am Steuer“ – Der 7. Sinn im Jahr 1975

    Nichts für sanfte Gemüter: „Staplerfahrer Klaus – Der erste Arbeitstag“

    07.06.2018, 16:38 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • wolle64 am 10.06.2018 19:36 via tvforen.de

      Was auch noch erwähnt werden sollte, war sein Einsatz als Off-Sprecher bei "Starship Troopers".

      https://www.youtube.com/watch?v=KJITvq0iop0
      • Thinkerbelle am 09.06.2018 14:22 via tvforen.de

        Auch wenn es sexistische Episoden beim 7. Sinn gab - die meisten waren es nicht. Und ich fand sie - schon bevor ich selber Auto fahren konnte und durfte sehr interessant. Ich glaube, so eine Reihe würde auch heute noch einigen Autofahrern was bringen. Manches vergisst man doch wieder, wenn die Führerscheinprüfung schon länger zurück liegt. Grad gestern habe ich auf dem Polizeirevier eine Broschüre angeschaut, wo es darum ging wie man eine Rettungsgasse bilden soll. Ich war da immer unsicher, wenn ich auf dem mittleren von 3 oder mehr Fahrbahnen war, in welche Richtung ich da ausweichen soll. Ich hab mich da immer nur den anderen Fahrern angeschlossen und bin in dieselbe Richtung ausgewichen und habe gehofft, dass ich nicht mal diejenige sein muss, die anfängt die Gasse zu bilden. Für alle, die es auch nicht wussten: Man soll nach rechts ausweichen, nur die auf der ganz linken Spur sollen nach links.

        Aber die Stimme von Egon Hoegen habe ich noch im Ohr, von den 7. Sinn Folgen, die ich in meiner Kindheit und Jugend gesehen habe. Möge er in Frieden ruhen!
        • U56 am 09.06.2018 14:52 via tvforen.de

          Thinkerbelle schrieb: ------------------------------------------------------- > Auch wenn es sexistische Episoden beim 7. Sinn gab > - die meisten waren es nicht. Und ich fand sie - > schon bevor ich selber Auto fahren konnte und > durfte sehr interessant. Ich habe die Sendereihe auch schon lange vor meiner Führerscheinprüfung verfolgt. Wann ich sie zum ersten Mal gesehen habe, weiß ich nicht mehr. Erinnern kann ich mich aber noch an den roten, den gelben und den grünen Punkt im Vorspann, als diese Punkte noch grau waren, weil wir noch keinen Farbfernseher hatten. Auch andere Sendungen, die mit Autos zu tun hatten, habe ich regelmäßig verfolgt: "Das Rasthaus" am Samstagnachmittag in der ARD und den Autotest im ZDF. Die Programmgestalter sind leider nicht immer sorgfältig mit der Sendung "Der 7. Sinn" umgegangen. Bei einer Programmreform wurde sie mal abgesetzt und nach Zuschauerprotesten wieder eingeführt. Für mich war das damals nicht nachvollziehbar, weil eine Folge immer nur drei oder vier Minuten dauerte und es aus meiner Sicht ein Leichtes war, sie irgendwo dazwischenzuschieben.
      • villeneuve am 09.06.2018 12:57 via tvforen.de

        Egon Hoegen war auch der deutsche Sprecher auf jeden Fall für die ersten vier, wenn nicht sogar fünf Teile der Computerspielreihe (Then) Need for Speed.
        Hier ein Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=oM7YbCc-wGg
        • Ornella (geb. 1947) am 09.06.2018 10:14

          Kann die Ausführungen über die Zwerg-Kaninchen - mit allen "Reaktionen" - nur bestätigen...
            hier antworten
          • Snake Plissken am 07.06.2018 21:18 via tvforen.de

            89 Jahre ist er gewesen? Das ist ja ein stolzes Alter.
            Mir ist die Stimme seit meiner Kindheit ein Begriff.

            Auf Wiedersehen :-(
            Snake
            • Sir Hilary am 07.06.2018 22:33 via tvforen.de

              Ein schönes Alter hat er erreicht, dennoch traurig . Neben "seinem" 7 Sinn , den wohl jeden von uns irgendwie geprägt hat, denke ich auch gerne an seine Auftritte in der Harald Schmidt Show, das hat ihm nach seiner Rente noch mal sichtbar Spaß gemacht . Danke ! Gruß Sir Hilary

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