AT&T und Time Warner vollziehen, fällt Hulu aus Disney-Fox-Comcast-Deal?

    Weiter Bewegung auf dem amerikanischen Medienmarkt

    AT&T und Time Warner vollziehen, fällt Hulu aus Disney-Fox-Comcast-Deal? – Weiter Bewegung auf dem amerikanischen Medienmarkt – Bild: AT&T/Time Warner
    AT&T und Time Warner fusionieren

    Neuigkeiten zu den großen Veränderungen in der amerikansichen Entertainmentindustrie. Einerseits hat das amerikansiche Justizministerium von einer Berufung gegen ein Gerichtsurteil abgesehen, das die Fusion von AT&T mit Time Warner stoppen sollte. Unmittelbar darauf wurde die Fusion im Oktober 2016 begonnene Fusion vollzogen, wobei AT&T das führende Unternehmen bleibt. Daneben ist bekannt geworden, dass der Streaming-Dienst Hulu aus dem Aufkauf von großen Teilen von 21st Century Fox durch entweder The Walt Disney Company oder Comcast fallen könnte – beide Kaufinteressenten sind wohl bereit, die 30-Prozent-Anteile von Fox an Hulu weiterzuverkaufen, um Monopol-Bedenken entgegenzuwirken.

    AT&T und Time Warner
    Bereits im Oktober 2016 hatten die beiden Firmen Kurs auf Fusion gesetzt und einen Absichtsvertrag unterschrieben. Der hatte vorgesehen, dass die Fusion bis spätestens 20 Juni 2018 vollzogen werden muss – sonst würde der Vorgang als gescheitert angesehen und beendet. Knapp gemacht hatten es lange Einwände des amerikanischen Justizministeriums, das Kartellbedenken vorgebracht hatte. Das hatte zunächst freiwillige Verkäufe von wichtigen Unternehmensteilen gefordert und schließlich Klage eingereicht. US-Präsident Donald Trump hatte damals noch vor seiner Wahl gegen die Fusion gewettert – auch einer seiner „Erzfeinde“, der Nachrichtensender CNN, gehört zu Time Warner.

    Ein Bundesrichter hatte in einem Urteil Anfang der Woche deutlich gemacht, dass die vorgebrachten Bedenken in der vorliegenden Form keinerlei Stichhaltigkeit hatten. Sie bezogen sich darauf, dass der zweiterfolgreichste Kabelnetzbetreiber (der zuvor den Satellitenanbieter DirecTV gekauft hatte) nun mit einem sehr erfolgreichen Filmstudio (Warner Bros.) und dem erfolgreichsten Pay- und Kabel-TV-Betreiber (HBO, TNT, TBS, CNN) zusammenkommt. Der Richter machte deutlich, dass es keine Monopolbedenken gebe, wenn Unternehmen zusammengehen, die klar getrennte Geschäftsbereiche haben (also anders etwa, als wenn zwei Kabelnetzbetreiber zusammengehen). Das Argument von AT&T und Time Warner für die Fusion war, dass in der neuen Medienwelt ein Unternehmen nur bestehen kann, wenn es in allen Geschäftsfeldern aktiv ist (das Argument wurde als „survival of the fittest“ tituliert). Allerdings wurden im Zuge der Fusion gewisse Auflagen gemacht, die den Datenaustausch von Firmen des neu entstandenen Unternehmens untersagen. Formal wird Time Warner der Medienoperation von AT&T untergeordnet

    Obwohl das Urteil nicht rechtskräftig war, hatte der Richter das Justizministerium dazu gedrängt, keine Berufung einzulegen, da seine Argumentation auf sehr schwachen Füßen stünde und eben mehr als 18 Monate nach dem Beginn des Vorgangs auch die realistisch gesetzte Deadline nahte. Der Schaden, den eine Berufung anrichten würde, sei nicht wieder gut zu machen, so der Richter.

    Das Justizministerium hatte nun gestern nach kurzer Bedenkzeit bekannt gegeben, nicht gegen das Urteil in die Berufung zu gehen. Allerdings behält man sich ausdrücklich spätere Schritte vor – die dann allerdings die Zerschlagung der neuen Firmenallianz zum Ziel haben würde.

    Hulu
    Comcast und The Walt Disney Company haben beide dem Medienkonglomerat 21st Centruy Fox Angebote zur Übernahme weiterer Teile der Firma gemacht, vor allem des Kabelsenders FX, die Beteiligungen an Sky in Europa und Star india in Indien sowie den Film- und Fernseh-Produktionsstudios.

    Bei der Entscheidung, welches Angebot angenommen wird, müssen die Fox-Aktionäre neben dem reinen finanziellen Wert auch abwägen, ob die Angebote realistische Chancen haben, von den Kartellwächtern erlaubt zu werden. Comcast hat in seinem jüngsten Angebot deutlich gemacht, dass man anbietet, alle Einschränkungen anzunehmen, die auch Disney bietet, um Kartellbedenken zu zerstreuen. Dazu gehört etwa der Weiterverkauf von 22 regionalen Sportsendern, die Fox betreibt – Comcast hat bereits selbst neun, Disney den landesweit erfolgreichen Sportsender ESPN.

    Wie jetzt bekannt wurde, soll Disney sich bereit erklärt haben, die Fox-Anteile an Hulu weiterzuverkaufen. Bisher hat Hulu vier Anteilseigner: 21st Century Fox, Disney und NBCUniversal (eine Comcast-Tochter) halten als Hulu-Gründer je 30 Prozent, Time Warner hatte sich später mit zehn Prozent eingekauft. Ob nun Disney oder Comcast den Zuschlag von Fox erhält, der Käufer hätte somit zunächst einen Anteil von 60 Prozent an Hulu. Das hat in den letzten Jahren in Sachen Streamingdienst Versäumnisse der Vergangenheit aufgeholt und zählt nach jüngsten Angaben 20 Millionen Nutzer in den USA.

    15.06.2018, 15:00 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung