Opa, ledig, jung

    D 2015
    Spielfilm (88 Min.)
    Auch auf dem Kinderspielplatz macht Werner (Steffen Groth) einen auf lässig. – Bild: SWR/NDR/Degeto/BR/Stephan Rabold
    Auch auf dem Kinderspielplatz macht Werner (Steffen Groth) einen auf lässig. – Bild: SWR/NDR/Degeto/BR/Stephan Rabold
    Werner ist 45 und sollte mit den Jahren eigentlich gereift sein. Stattdessen hält er sich für einen alterslosen Womanizer und ignoriert trotzig die Tatsache, verkrachte Familienverhältnisse hinter sich gelassen zu haben. Bis die fünfjährige Zora in seinem Durcheinander erscheint. Werners entfremdete Tochter Julia hat ihm die Enkelin notgedrungen zum Aufpassen anvertraut. Auf dem Spielplatz merkt der Filou, dass man als angeblicher Vater Beute machen kann: Die reizende Kathie hat es ihm besonders angetan. Um sie zu umgarnen, zieht Werner alle Register und verstrickt sich in ein Gebilde aus kleinen Not- und handfesten Lebenslügen. Werner (Steffen Groth) war gerade 18, als er gemeinsam mit Tine (Winnie Böwe) seine einzige Tochter Julia (Julia Hartmann) zeugte. Damals stand der ambitionierte Maler vor einer großen Künstlerkarriere, bis er im letzten Moment alles hinschmiss. Auch die Beziehung zu Tine ging in die Brüche, von seiner Familie zog er sich zurück. Durchhaltevermögen war noch nie seine Stärke. Inzwischen ist Julia erwachsen, verheiratet, erfolgreiche Projektmanagerin und hat eine fünfjährige Tochter, Zora (Laura Graser, Tamara Graser). Werner dagegen hat sich für eine Karriere als langsam in die Jahre kommender Berufsjugendlicher entschieden, der, trotzig sein früheres Leben ignorierend, auch noch im Alter von 45 in einem Berliner Hostel jobbt und eifrig damit beschäftigt ist, die weiblichen Übernachtungsgäste flachzulegen. Er gefällt sich in der Rolle des Womanizers, doch nicht nur sein Mitbewohner verlässt genervt ob seines Mangels an Verantwortungsgefühl die gemeinsame Männer-WG. Auch Julia nimmt nur im äußersten Notfall Kontakt zu ihrem Vater auf. Der ist jetzt gekommen, als sie aus beruflichen Gründen kurzfristig einen Aufpasser für Zora sucht. Werner ist alles andere als erfreut, als Tochter und Enkelin ihre überraschende Aufwartung machen und stimmt zähneknirschend zu, sich um die Kleine zu kümmern. Doch schon auf dem Spielplatz merkt er, welche Vorteile seine neue Rolle als unfreiwilliger Erziehungsberechtigter mit sich bringt: Hier lernt er die reizende Kathie (Nike Fuhrman) nebst Söhnchen Finn (Moritz Nitschke, Jonas Nitschke) kennen, prompt ist es um ihn geschehen. Die Coolness verbietet es jedoch, sich als Opa zu outen, weshalb er sich lieber als Zoras Vater ausgibt. Von nun an ist es Werner ein tägliches Vergnügen, Zoras „Papa“ zu spielen, denn so kommen Kathie und er sich langsam näher. Das Verhältnis zu seiner Enkelin vertieft sich dabei zusehends, was Julia nicht verborgen bleibt. Langsam versucht auch sie, sich ihrem entfremdeten Vater wieder zu nähern. Doch als dieser nach einer zufälligen Begegnung mit seinem früheren Freund und Künstlerkollegen Holger (Alexander Hörbe) mit der eigenen verdrängten Vergangenheit konfrontiert wird und er sich bei Kathie immer mehr in seinem eitlen Lügenkonstrukt verheddert, beginnt die wohl gehütete Fassade des schmucken „Mister Charming“ mächtig zu bröckeln. Wenn ein smarter Lebenskünstler, der sich für alterslos hält, es mit seinen 45 Jahren aber eigentlich besser wissen sollte, endlich lernt, Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden, dann ist heitere Komödienunterhaltung mit Tiefgang angesagt. „Opa, ledig, jung“ zeigt das hintersinnige Porträt eines Bilderbuch-Machos mit softem Kern, der viel zu früh Vater wurde und nicht gewillt war, sich den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen – darunter auch dem Verlust der jugendlichen Unbeschwertheit. Ein großes Thema für viele Männer aus der „Generation Werner“. Dass man diesen Kerl trotz all seiner Fehler, Macken und Allüren dennoch lieb gewinnt, dafür sorgt Charmebolzen Steffen Groth, der hier mit Witz, Sensibilität und getönter Sonnenbrille durch sein unaufgeräumtes (Familien-)Leben führt. (Text: mdr)
    Deutsche TV-Premiere: 13.03.2015 Das Erste
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