Lust auf anderes
- F 2000 (Le goût des autres, 112 Min.)
- Liebesfilm
- Komödie

Ein Provinznest in Frankreich: Fabrikant Castella bereitet sich auf wichtige Verhandlungen mit iranischen Geschäftspartnern vor. Sein Team besteht aus dem Manager Weber, dem Chauffeur Deschamps und dem Leibwächter Moreno. Vier Männer, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, müssen einige Wochen fast rund um die Uhr miteinander auskommen. Daraus ergeben sich bald erhebliche Reibereien, aber durchaus auch neue Einsichten – und bei allen die „Lust auf Anderes“: Der unbeholfene Kulturbanause Castella verliebt sich in die kunstbeflissene Theaterschauspielerin Clara, die als Nebenverdienst Englischstunden gibt und ihn – als einen eher hoffnungslosen Fall – unterrichtet.
Der Versuch des einfältigen Fabrikdirektors, aus seinem Milieu auszubrechen, bleibt jedoch nicht ohne Folgen für seine Ehe und sorgt natürlich auch für Aufruhr in den Kreisen der Schauspielerin. Deschamps hingegen, der auf Nachricht seiner seit sechs Monaten in den USA weilenden Verlobten wartet, trifft in einer Bar auf die Kellnerin Manie, mit der er einmal eine Nacht verbracht hat, und begehrt sie von neuem.
Doch Manie verliebt sich in den Macho und Frauenhelden Moreno, der zum ersten Mal in seinem Leben Lust auf mehr als nur eine weitere Eroberung spürt. Und Weber – Absolvent einer Pariser Eliteschule – muss auf die harte Tour lernen, dass seine Überheblichkeit gegenüber seinem bodenständigen Chef mehr als ungerechtfertigt ist. Nach dem erfolgreichen Geschäftsabschluss sind die vier Männer um einiges reicher – zumindest um viele bis dahin ungekannte Erfahrungen … (Text: arte)
Der Schauspielerin und Regiedebütantin Agnès Jaoui („Schau mich an“, „Das Leben ist ein Chanson“) gelang mit „Lust auf Anderes“ eine ebenso charmante wie pointierte Beziehungskomödie, die in ihrem Heimatland Frankreich für volle Kinosäle sorgte. Ein unterhaltsamer Film, der sich zugleich als unaufdringliche intellektuelle Studie über die Zwänge und Chancen des Lebens erweist. In dem rundum gelungenen Werk voller Wortwitz und versteckter Wahrheiten brilliert die Regisseurin selbst in einer der Hauptrollen. „Lust auf Anderes“ gehört zum Genre der wortreichen Gesellschaftskomödien, bei denen die Figuren zwar bisher ungekannte Erfahrungen machen, aber hinterher oft nicht schlauer sind als zuvor. Die Schwierigkeit der Inszenierung besteht darin, trotz einer ähnlich hohen Dialoglastigkeit wie beim Theater, einen natürlich fließenden und abwechslungsreichen Film entstehen zu lassen. Eric Rohmer war einer der ersten großen Regisseure, der diese französische Spezialität glänzend verstand. „Diese Parade der bürgerlichen Gesellschaft in ihren vielen Facetten spielt in Frankreich immer noch eine wichtige Rolle, und insofern ist ‚Lust auf Anderes‘ ein Film im traditionellen Stil, unbeeinflusst von der Nouvelle Vague und dem französischen Kino der 90er Jahre.“ (Filmdienst). Agnès Jaoui erhielt 2000 für „Lust auf Anderes“ den Europäischen Filmpreis in der Kategorie „Bestes Drehbuch“. 2001 wurde der Film in sieben Kategorien für den César nominiert und in vier von ihnen, „Bester Film“, „Bester Nebendarsteller“ (für Gérard Lanvin), „Beste Nebendarstellerin“ (für Anne Alvaro) und „Bestes Drehbuch“, ausgezeichnet. (Text: arte)
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