Abstürze, Notrufe, Rettungsaktionen: Bergsport boomt und damit auch die Zahl der Einsätze für die Bergwacht. Längst geht es dabei nicht nur um Hochgebirgstouren. Auch in den heimischen Mittelgebirgen geraten Wanderer und Kletterer in teils lebensgefährliche Situationen. Seit 2019 hat sich die Zahl der Bergwachteinsätze nach Wanderunfällen in der Sächsischen Schweiz fast verdoppelt. „Leute, die hier wandern gehen, sind häufig unvorbereiteter, als sie es früher waren. Früher waren sie sich der Sache ein bisschen mehr bewusst,“ beobachtet Anne Lochschmidt von der Sächsischen Bergwacht.
Outdoorsport liegt im Trend. Immer mehr Menschen zieht es hinaus in die Natur und die Berge. Dafür sprechen auch die wachsenden Mitgliederzahlen der Alpenvereine. Mehr Menschen verursachen auch mehr Unfälle. Aber woran liegt es, wenn doch Ausrüstung immer besser, Informationen immer genauer und scheinbar immer leichter zugänglich werden? Exactly-Reporterin Julia Schönfeld, selbst leidenschaftliche Bergsportlerin, und ihr Team gehen der Faszination Berge auf den Grund, beleuchten aber auch die Schattenseite des Booms.
Ihre Suche nach Antworten beginnt bei der Bergwacht in der Sächsischen Schweiz. Dort ist auch Stefanie vor einem Jahr verunglückt. Die geübte Kletterin stürzte damals mehrere Meter tief und musste per Helikopter gerettet werden. Mit ihren Seilpartnern geht sie nun zum ersten Mal wieder zurück an den Fels und den Ort des Unglücks. Auch die Schwestern Anne und Judith packte vor wenigen Jahren das Bergfieber. Höher, schneller, weiter – so das Motto anfangs, bis ein Absturz die Gipfeljagd unterbrach und ihren Blick auf die Berge und ihren Umgang damit verändert hat.
Aber wie reagiert man richtig bei einem Ernstfall, wenn es keinen Handyempfang gibt, keine rettende Hütte in der Nähe ist? Inzwischen gibt es spezielle Outdoor Erste-Hilfe-Kurse und Reporterin Julia Schönfeld hat einen solchen absolviert. Zunehmend wird auch die Nutzung von Navigations-Apps als Grund für Unfälle und Notfälle genannt. Weil sie trügerische Sicherheit vermitteln und unerfahrene Personen auf Wege führen, die sie schnell überfordern. Woher genau kommen diese Routen? Und wer trägt Verantwortung, wenn die Technik in die Irre führt? Im Video kommen auch Hersteller von Navigationsapps zu Wort und sprechen darüber, welche Rolle künstliche Intelligenz zukünftig beim Bergsport haben wird.
Nicht zuletzt verändert auch Social Media unsere Wahrnehmung der Berge. Spektakuläre Bilder machen Gipfel zum Erlebnisziel, die Risiken bleiben dabei oft unsichtbar. Einige Regionen haben bereits reagiert. So wurde auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, vor einem Jahr ein zweites Gipfelkreuz errichtet, welches für alle gefahrenlos erreichbar ist.
Mehr als 16-mal ist Content Creator Adrian Fusco alias „Alpine Summits“ bereits am Original gewesen. „Die Videos laufen gut, muss man sagen, weil einfach viel Aufmerksamkeit auf dem Berg liegt.“ Er dokumentiert Bergtouren für seine Follower. Doch was sagt er zu Social Media Trends, die dazu aufrufen, den Berg ohne Vorbereitung zu besteigen? „Unfälle am Berg“ – eine exactly-Reportage über die Sehnsucht nach dem Gipfel, die Schattenseiten des Bergbooms und die eigene Verantwortung, die mit jedem Schritt in die Natur einhergeht. (Text: MDR)