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    Dokumentation in 6 Teilen, Folge 1–6

    • Folge 1
      Der Aufbruch ins 20. Jahrhundert verändert die darstellenden Künste stärker als je zuvor in ihrer mehr als zweitausendjährigen Geschichte. Was Ibsen und Strindberg für das realistische Drama vorbereitet haben, setzt Arthur Schnitzler unter dem Eindruck Freuds und der Psychoanalyse fort: Die mensch­liche Psyche wird erstmals interpretiert – auch auf der Bühne. Das Theater entwickelt sich von der verkörperten Deklamation hin zur vielschichtigen Inszenierung. Es ist die Geburtsstunde des Regisseurs, es sind die großen Theaterjahre von Max Reinhardt in Deutschland und Konstantin Stanislawski in Russland, dessen Schauspieltheorien bis heute zur Grundlage jeder Bühnenaus­bildung gehören. Die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution sprengen im Theater dann die letzten Grenzen der traditionellen bildungsbürgerlichen Erbauung. Eisenstein, Meyerhold, Piscator, Jessner und Brecht bescheren den szenischen Künsten trotz Wirtschaftskrisen einen nie gekannten Boom.
      Erstmalig zeigt das Fernsehen die Geschichte des Theaters im 20. Jahrhundert im Zusammenhang, lebendig und anschaulich erzählt, mit zahlreichen Szenen­ausschnitten, bedeutenden Zeitzeugen und seltenen Dokumenten der Zeitge­schichte. Eine Geschichte in Bildern, wie sie nur das Medium Fernsehen erzählen kann: eine visuelle Theatergeschichte, die das flüchtigste Medium der schönen Künste in seinen aufregendsten Momenten festhält. (Text: 3sat)
      Deutsche TV-PremiereSa 06.04.2002ZDFtheaterkanal
    • Folge 2
      Unter dem Druck der totalitären Regime des Stalinismus und des Faschismus gerieten Theaterkünstler in Spanien, Russland und Deutschland zunehmend in den Konflikt zwischen Widerstand und Anpassung. Zahlreiche Dramatiker und Regisseure gingen ins Exil. Doch die meisten von ihnen blieben in ihrer Heimat und begannen, sich mit den Nazis zu arrangieren, da sie keiner anderen Sprache als ihrer Muttersprache mächtig waren. Fortan durften keine jüdischen oder „linken“ Autoren mehr gespielt werden, nur Klassiker und unpolitische Unterhaltungsstücke waren weiterhin erlaubt. Gustaf Gründgens, Bühnenstar des Jahrhunderts, wurde trotz seiner Verbindungen zu „linken“ Künstlern Generalintendant des Berliner Staatstheaters und inszenierte – nicht nur auf der Bühne – ein geschicktes Doppelspiel. Währenddessen bediente sich das System selbst theatraler Mittel und machte den Staat zum monumentalen und grausamen „Staatstheater“. (Text: 3sat)
      Deutsche TV-PremiereSo 14.04.20023sat
    • Folge 3
      Deutschland liegt in Trümmern, doch schon im Mai 1945 wird wieder Theater gespielt. Die Menschen suchen nach Unterhaltung und moralischer Erbauung. Unter dem Eindruck des Kalten Krieges taumelt dann das Theater zwischen den Welten: zwischen Erneuerung und Restauration, zwischen Atemholen und prote­stierendem Aufschrei. Gustaf Gründgens „Faust“ mitsamt seiner Filmversion wird zur Legende. Brechts Arbeiten am Berliner Ensemble prägen über Jahr­zehnte das Theater der DDR. Im westdeutschen Theater fasziniert und provo­ziert vor allem der zurückgekehrte Emigrant Fritz Kortner. Seine Inszenie­rungen prägen ab Mitte der 60er Jahre eine neue Generation von Regisseuren. In Italien gründet ein ehemaliger junger Partisan, Giorgio Strehler, das Piccolo Teatro im früheren Quartier der faschistischen Geheimpolizei. Das neue Menschen-Theater im einstigen Folterhaus will politisches Bewusstsein mit höchst artistischen und ästhetischen Ambitionen verbinden. (Text: 3sat)
      Deutsche TV-PremiereSo 21.04.20023sat
    • Folge 4
      Bertolt Brecht und Samuel Beckett waren die Antipoden des Theaters nach 1945. Als letzter großer Dichter der Aufklärung aktualisierte Brecht sein Stück „Das Leben des Galileo Galilei“, das noch im amerikanischen Exil zur Uraufführung kam, nach dem Schock der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki. Zurück in Deutschland gründete er in Ostberlin sein eigenes Theater: Das Berliner Ensemble, das neue Maßstäbe für die internationale Szene setzte. In dieser Zeit begann auch der Aufstieg Becketts, 1953 wurde „Warten auf Godot“ uraufgeführt. Beckett verkörperte den radikalen Gegenentwurf zum politisch engagierten Theater Brechts: Er verwandelte die ästhetischen und geschicht­lichen Erfahrungen des Jahrhunderts in reines, existentielles Spiel. Brecht und Beckett wurden mit ihren Inszenierungen zu Ikonen ihrer Zeit. Erst das neue Regietheater trat aus dem Schatten der beiden Künstler heraus, indem die Regisseure selbst immer mehr zu „Autoren“ der Szene wurden. (Text: 3sat)
      Deutsche TV-PremiereSo 28.04.20023sat
    • Folge 5
      Die Kuba-Krise, der Vietnam-Krieg, die Revolten in Paris und in Prag bewirken ein neues politische Bewusstsein, führen zu Demonstrationen und auch zu künstlerischen Provokationen. Performancegruppen wie „Living Theatre“ und „Bread and Puppet“ aus New York öffnen dem Theater neue Räume und Spielplätze – unter anderem auch die Straße. In Paris bringen Ariane Mnouchkine und ihr „Théâtre du Soleil“ die Revolution mit „1793“ grandios auf die Bühne und später auf die Leinwand. Damit beginnt auch eine Erneue­rung des politischen, populären Volkstheaters, das sich vor allem in dem Theater von Dario Fo zeigt. In Deutschland wird das Theater in Bremen zur Quelle der Erneuerung: die Regisseure Peter Zadek, Peter Stein und Klaus Michael Grüber machen Klassiker wie Goethe und Schiller zu Zeitgenossen.
      Peter Weiss verkündet „Keine Revolution ohne allgemeine Kopulation“ in seinem „Marat/​Sade“-Stück, das auf der Bühne und in Peter Brooks Theaterver­filmung ein Welterfolg wird. Mit der Gründung der Schaubühne in Berlin durch Peter Stein übernehmen die „Revolteure“ dann die Macht im Theater. (Text: 3sat)
      Deutsche TV-PremiereSo 05.05.20023sat
    • Folge 6
      Das Theater am Ende des 20. Jahrhunderts drängt die zeitgenössische Dramatik an den Rand. Aber es gibt auch Ausnahmen: Thomas Bernhards Stücke werden vor allem in Claus Peymanns Inszenierungen mit Bernhard Minetti, Marianne Hoppe, Kirsten Dene und Gert Voss zu Schauspieler-Festen. Botho Strauß entwickelt brillante Formen der intellektuellen Gesellschaftskomödie. Franz-Xaver Kroetz erneuert das dialekt-kritische Volksstück. Die Bühne dient immer weniger als Tribunal der Aufklärung, die neuen Medien sind zu rasant für das Theater, lassen aktuelle Zeitstücke kaum noch zu. Peter Stein setzt seinen eigenen wilden Anfängen eine neue Werktreue entgegen. Daneben blüht aber auch das Theater der Dekonstruktion gegebener Texte bei Frank Castorf und seinen Jüngern.
      Entschiedener noch entgrenzen Regisseure wie Robert Wilson und Christoph Marthaler das literarisch-dramatische Theater und öffnen die Bühne für Musik, Tanz und Video. Damit nähert sich das Theater seinem älte­sten Traum: dem Traum vom Gesamtkunstwerk. (Text: 3sat)
      Deutsche TV-PremiereSo 12.05.20023sat

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