Im Einsatz für Nepals bedrohte Krokodile
Folge 684 (35 Min.)
Einjährige Gaviale bei der Fütterung: Im staatlichen Naturschutz- und Aufzuchtzentrum werden junge Gaviale so lange gepflegt, bis sie groß und stark genug sind, in die freie Wildbahn ausgesetzt zu werden.Bild: MedienKontor/Christopher RoweDie Bemühungen der einheimischen Bevölkerung, die Überlebenschancen der Gaviale zu erhöhen, sind immens. Vor allem im Frühjahr, wenn eine neue Generation der selten gewordenen Krokodilspezies das Licht der Welt erblicken soll. Im Norden Nepals ragen die Gipfel des Himalayas in die Höhe und ziehen Wanderer und Bergsteiger aus der ganzen Welt an. Weniger bekannt ist Nepals Landschaft im Süden, wo die Berge auslaufen und im Tiefland ein warmes, subtropisches Klima herrscht. Die weite Flusslandschaft des Chitwan-Nationalparks ist ein Paradies für Wildtiere. In den 1970er Jahren wurde die Region um den Fluss Rapti vor allem zum Schutz der dort lebenden Nashörner und Elefanten zum Reservat erklärt.In der Graslandschaft am Flussufer und in den angrenzenden Wäldern ist die Biodiversität hoch. Hier leben über 500 Vogelarten und eine Vielzahl von Säugetieren, Reptilien und Fischen. Zu den seltensten und ungewöhnlichsten Bewohnern gehören die Gaviale. Ende März haben die Muttertiere ihre Eier auf Sandbänken am Fluss vergraben, in jedem Nest bis zu 60 Stück. Wildhüter wie Prakash Basnet kümmern sich darum, dass während der Brutzeit die Eier nicht beschädigt werden. Am Ende der Brutzeit im Mai gräbt das Muttertier seine Eier wieder aus, bis dahin wartet es in der Nähe der Brutstätte. Der Schlupf der Krokodil-Babys könnte jederzeit losgehen. Bei der Kontrolle der Nester bekommt Prakash tatkräftige Unterstützung. Phoebe Griffith aus England ist eine renommierte Reptilienforscherin. Sie hat viele Jahre ihrer Kindheit in Nepal verbracht und für ihre Doktorarbeit über Verbreitung und Bewegungsmuster von Gavialen in Chitwan geforscht. Gemeinsam wollen die engagierten Natur- und Reptilienschützer alles dafür tun, die seltenen und einzigartigen Gaviale vor dem Aussterben zu bewahren. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere So. 11.10.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere So. 18.10.2026 arte Die bunten Särge von Ghana
Folge 685 (32 Min.)In seiner Werkstatt in Accra baut der Sargschreiner Eric (li.) im Auftrag seiner Kunden Fantasiesärge.Bild: Medienkontor/Anna WendtIn Accra, der Hauptstadt Ghanas, gibt es eine inzwischen weltweit bekannte Bestattungskultur, die auf die Traditionen der Ga – der größten indigenen Gemeinschaft im Großraum Accra – zurückgeht. Das Leben der Verstorbenen wird ein letztes Mal durch die Form der eigens für sie entworfenen Särge gefeiert. Die bunten und originellen Fantasiesärge stehen für Berufe, Erinnerungen oder Symbole: Fische, Zigarettenschachteln, Handys, Kakaoschoten, Bananen oder Busse – je nachdem, welches Motiv zum Leben der Verstorbenen passt. Eric Kpakpo Adotey baut die exquisiten Särge in dritter Generation in seiner kleinen Werkstatt an der Küste von Accra.In seiner Werkstatt baut der Sargschreiner im Auftrag seiner Kunden Fantasiesärge – seine Designs reichen von Fischen, Krabben, Maurerkellen, Chilischoten bis zu riesigen Handys, mit seinen Mitarbeitern erfüllt er jeden Wunsch der Familien. „Ich weiß schon bevor ich anfange, wie der Sarg am Ende aussehen wird. Wenn ein Ghanaer zu mir kommt, um den fertiggestellten Auftrag zu sehen und nicht lacht, dann bin ich gescheitert. Er wird nicht wiederkommen. Ich möchte meine Kunden immer lächeln sehen, darin sehe ich meine Berufung: Menschen mit meinen Särgen glücklich zu machen“. Gerade ist ein Tro-Tro, wie die typischen Kleinbusse in Ghana heißen, in Arbeit, denn der Verstorbene war Busfahrer. Jedes Detail wird detailliert in wochenlanger Arbeit gefertigt – selbst die Sitze im Innenraum werden mit den typisch bunten Kente-Stoffen bezogen und auf dem Nummernschild prangt der Name des Toten – Big Aziz. Nachdem die Familie den Sarg abgenommen und für gut befunden hat, beginnt eine bunte und laute Totenfeier, schaukelnd und von Freunden und Kollegen getragen, geht es für Big Aziz in seinem Tro-Tro-Sarg in Richtung Friedhof. Und auf Eric wartet schon der nächste Auftrag, mit der Bestellung des eigenwilligen Motivs beginnt der Countdown zur letzten Feier des Lebens. (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere So. 25.10.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere So. 01.11.2026 arte Indien: Die Idolmaker der Sunderbans
Folge 686 (51 Min.)Im äußersten Osten Indiens gibt es ein fast 5.000 Jahre altes Handwerk, das tief in der hinduistischen Tradition verwurzelt ist: den Bau von Götterstatuen.Bild: MedienKontor/Heiko AufdermauerDie Sunderbans sind das größte zusammenhängende Mangrovengebiet der Erde, das sich von Indien bis nach Bangladesch erstreckt. Das Leben hier ist eng mit dem beizeiten tückischen Rhythmus von Ebbe und Flut und den hier lebenden Tieren verbunden – wozu auch der Bengalische Tiger gehört. Götterfiguren spielen eine große Rolle im Leben der Menschen, so auch die Göttin Shitala, die vor Krankheiten schützen soll. In einer dreitägigen Feier ihr zu Ehren steht die Göttin im Mittelpunkt der Riten, bevor sie im Beisein des ganzen Dorfes im Fluss versenkt wird. Mehr als eine Woche wird die Familie Roy an der Figur aus Lehm, Stroh und Holz arbeiten – nach streng hinduistischer Tradition. Anita würde sich gerne in den Bau der Götterstatue einbringen, doch die gesellschaftliche Position als Schwiegertochter, Ehefrau und Mutter verlangt, dass sie sich ausschließlich um den Haushalt kümmert.Nur mit viel Überzeugungskraft und der Unterstützung ihrer Freundinnen und ihres noch jungen Ehemannes gelingt es ihr, langsam und sehr diplomatisch die gewachsenen Strukturen aufzubrechen. Da die Einkünfte der Familie gering sind, will Anita ihre männlichen Angehörigen davon überzeugen, selbst etwas zum Verdienst der Familie beizusteuern. Könnte dies der Schlüssel zu mehr Selbstständigkeit sein und Schwiegervater und Ehemann am Ende sogar davon überzeugen, die engagierte junge Frau beim Bau der Götterstatuen mitwirken zu lassen? (Text: arte) Deutsche Streaming-Premiere Sa. 31.10.2026 arte.tv Deutsche TV-Premiere Sa. 07.11.2026 arte Comadronas, Guatemalas indigene Hebammen
Folge 687 (52 Min.)Angelina Sacbajá und Fidelia Gonzalez sind beide „Comadronas“ aus dem Volk der Kaqchikel-Maya. Sie leben im westlichen Hochland Guatemalas und nehmen eine zentrale und angesehene Stellung in ihren Gemeinschaften ein. Fidelia lebt in Chapata und ist zu ihren Patientinnen bisweilen anderthalb Stunden unterwegs. Angelina ist seit 47 Jahren als Hebamme tätig. Sie begleitet Frauen weit über die Geburtsbegleitung hinaus und verbindet dabei medizinisches Wissen, emotionale Unterstützung und spirituelle Praktiken. Hier unterstützt sie Belsi, eine 21-Jährige, die mit ihrem zweiten Kind schwanger ist, nachdem sie ihr erstes verloren hatte.Gemeinsam besuchen sie Iximché – die einstige Hauptstadt der Kaqchikel-Maya und ein heiliger Ort, an dem bis heute Zeremonien abgehalten und überlieferte Traditionen gepflegt werden. Aufgrund ihrer Identität als indigene Frauen und ihrer fehlenden institutionellen medizinischen Ausbildung sind die „Comadronas“ im offiziellen Gesundheitssystem Guatemalas Rassismus, Verachtung und Misstrauen ausgesetzt. Ihre Zahl schwindet von Jahr zu Jahr – und das, obwohl die von ihnen betreuten Frauen im medizinischen System ebenfalls Diskriminierung und mangelnden Respekt erfahren. Die „Comadronas“ bieten weit mehr als nur medizinische Versorgung: Sie schaffen einen Raum, in dem Frauen Gehör finden, sich in ihrer eigenen Sprache ausdrücken und gebären können, ohne ihre Kultur, Identität oder Traditionen aufgeben zu müssen. Mit ihrem Engagement setzen sich Angelina und Fidelia für weit mehr ein als nur für eine medizinische Praxis. Sie tragen dazu bei, eine bedrohte Kultur und Identität zu bewahren. (Text: arte) Deutsche TV-Premiere Sa. 28.11.2026 arte
