Deutsche Erstausstrahlung: 26.12.1979 ZDF

    Nur wenige Wohnungen sind nicht von Bomben zerstört, an den meisten der unbeschädigten Häusern hängen weiße Fahnen – Rostock am 1. Mai 1945. Die Bevölkerung erwartet voller Angst die Sowjetarmee.

    Mutter Kempowski, Sohn Walter und Großvater de Bonsac haben sich auf dem Balkon bei einem Glas Wein zu einer privaten Friedensfeier versammelt. Das Schicksal des Vaters und des älteren Sohnes Robert, die als Soldaten am Krieg teilnahmen, ist ungewiß – die Familie hat keine Nachricht von ihnen. Plötzlich peitschen Gewehrschüsse durch die Straßen, und Maschinengewehrsalven knattern. Die Kempowskis flüchten in die Wohnung … 

    Auch die ersten Friedensjahre werden für die Familie eine Zeit voller Entbehrungen, Enttäuschungen und trauriger Ereignisse. (Text: Funk Uhr 51/1979)

    Fortsetzung von Tadellöser & Wolff

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    Friedrich (geb. 1972) am 11.08.2011: Ich hatte diesen Film erstmalig im Fruejahr 1989 im ZDF gesehen, ebenso davor auch "Tadloeser & Wolff", und ich finde, dass dieser Film sehr eindrucksvoll schildert, wie es vielen Menschen damals im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach ergangen war. Meine Eltern (Jahrgang 1927 und 1931) hatten beide den Zweiten Weltkrieg miterlebt. Mein Vater war sogar Soldat gewesen und hatte Glück gehabt, dass er in amerikanische Gefangenschaft kam, wo er gut behandelt wurde, und nicht in russische. Besonders interessant finde ich, wie hier im Film gezeigt wird, wie die Sowjetarmee Mitteldeutschland einnimmt und wie schnell sie dann damit begannen, ein kommunistisches Regime aufzubauen. Bei zwei Rostock-Besuchen war ich auch einmal durch die Augustenstrasse gegangen, wo sich die Wohnung der Kempowskis befand, und ich stellte fest, dass die Straße tatsächlich genauso aussieht wie im Film. Als ich mir das Kopfsteinpflaster betrachtete, musste ich an die Filmszenen denken, wie zuerst die Wehrmacht auf der Flucht vor den Russen durch diese Straße lief und hinterher dann, als die Sowjetarmee Rostock einnahm, dort der erste Russe mit einem Motorrad stand und hinterher dann die russischen Soldaten ueber die Straße in die Häuser liefen und dort plünderten. So wird es sich wohl damals 1945 dort tatsaechlich zugetragen haben. Am meisten hatte mich berührt, wie Walter und Robert Kempowski und dann auch deren Mutter verhaftet wurden und dann durch die verschiedenen Zuchthäuser und Lager kamen. Ich hatte mir vor einiger Zeit das frühere Zuchthaus Bautzen II angeschaut und konnte mir richtig vorstellen, was die Familie Kempowski damals durchgemacht hatte. An diesem Film und an dem Schicksal der Familie Kempowski kann man sehen, wie grausam und brutal damals die sowjetische Besatzungsmacht war und hinterher auch das DDR-Regime. Man sieht an diesem Film auch, wie damals die DDR entstanden war und wie die Teilung Dehtschlands damit besiegelt war. Ich hätte 1989, als ich den Film eben erstmalig sah, nie gedacht, dass noch im selbem Jahr die Mauer fallen würde und das DDR-Regime wenig später entmachtet wurde. Durch diesen Film war ich damals in dem festen Glauben, die Teilung Deutschlands wäre unumkehrbar. Niemals hätte ich es fuer möglich gehalten, dass ich bereits ein Jahr spaeter im Harz gefahrlos über den alten Todesstreifen spazieren wuerde. Im Sommer 1990 war ich erstmalig in Rostock und es war fuer mich interessant, ausgerechnet dort zu erleben, wie die Freiheit sich nach 40 Jahren wieder ausbreitete und die Menschen fröhlich und unbeschwert durch die Stadt gingen, nachdem ich ja in dem Film gesehen hatte, wie die sowjetische Besatzungsmacht damals eben auch in Rostock die Diktatur und damit die Unfreiheit aufbaute. Etwas bedauerlich finde ich, dass man in der Augustenstrasse fuer Walter Kempowski an der Stelle, wo sich frueher sein Elternhaus befand, keine Gedenktafel oder etwas Aehnliches errichtet hat, denn man kann wohl schon zurecht behaupten, dass er als beruehmter Schrftsteller, der sich auch sehr um seine alte Heimatstadt gekümmert hat, ein großer Sohn der Stadt ist. In der Augustenstrasse befindet sich auch ein früheres Stasiuntersuchungsgefaengnis, das auch zuvor von der sowjetischen Besatzungsmacht genutzt wurde. Ich hatte gehoert, dass auch Walter Kempowski dort zunächst gesessen hatte, bevor man ihn dann verurteilt und nach Bautzen gebracht hatte. Das Untersuchungsgefaengnis ist heute eine Gedenkstaette, die man besichtigen kann.
    Harry (geb. 1962) am 24.11.2004: Hoffe dass auch diese drei Teile bald als DVD erhaeltlich sind, schliesslich spiegeln sie in amuesanter Weise ein Stueckchen deutscher kleinbuergerlicher Zeitgeschichte wieder. Bei dem ganzen amerikanischem Muell, der sonst so angeboten wird, fragt man sich warum heimische Produktionen hierzulande nach wie vor wie Stiefkinder behandelt werden! Weiterhin verstehe ich nicht, weshalb deutsche Filme wenn sie dann als DVD erscheinen, nicht auch mit englischer oder franzoesischer Tonspur erstellt werden koennen. Als im Ausland lebender Deutscher wuerde ich mir wuenschen, diese Filme auch gemeinsam mit meiner Frau und meinen Freunden anzusehen, die leider der deutschen Sprache nicht maechtig sind. Dies wuerde sicherlich auch etwas mehr zum Verstaendnis des deutschen 'Wesens' beitragen.
    Wolfgang Halbherr (geb. 1948) am 18.11.2004: Eine äusserst gute Fernsehproduktion! Wann kommen(endlich) alle 3 Folgen auf DVD? Wir warten geduldig ...!
    Thomas Diekjobst (geb. 1966) am 30.09.2004: Ich habe damals als Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule in Lüneburg, zusammen mit ca. 250 Mitschülern, in "Ein Kapitel für sich" mitwirken dürfen. Es wurden einige Szenen in Lüneburg gedreht, u.a. auch in der Turnhalle unserer Schule. Deshalb warte ich auch dringend auf das Erscheinen einer entsprechenden DVD.
    Ludger Weßling (geb. 1967) am 04.09.2004: Bin sehr an einer DVD interessiert. Ich denke da ist eine kleiner Markt auf dem sich mal jemand stürzen sollte.

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    3-tlg. dt. Historienfilm von Eberhard Fechner (Buch und Regie) nach dem autobiografischen Roman von Walter Kempowski.

    Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind in Rostock die Probleme für Margarethe Kempowski (Edda Seippel), ihren Sohn Walter (Stephan Schwarz) und Großvater de Bonsac (Ernst von Klipstein) nicht gelöst. Zwar kehrt der ältere Sohn Robert (Jens Weisser) nach Hause zurück, doch Vater Karl ist im Krieg gefallen. Tochter Ulla lebt jetzt in Dänemark. 1947 flieht Walter in den Westen, kommt aber im nächsten Jahr zurück nach Rostock und wird wegen Spionage verhaftet. Im Gefängnis trifft er Robert wieder. Beide kommen ins Arbeitslager, und auch Margarethe wird verhaftet. Davon erfahren ihre Söhne jedoch zunächst nichts, weil der Kontakt unter den Gefangenen verboten ist.

    Der Dreiteiler setzte die filmische Umsetzung der Geschichte der deutschen Bürgerfamilie aus Walter Kempowskis Romanen fort, die mit Tadellöser & Wolff begonnen wurde. Er lief zum Jahreswechsel und wurde schon im folgenden Herbst wiederholt, weil bei der Erstausstrahlung das Konkurrenzprogramm so stark war: Eine Operette und eine Kleist-Verfilmung. Ein Kapitel für sich ist auf DVD erhältlich.

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