bisher 63 Folgen, Folge 43–63
43. Lokalaugenschein Grenze. Der Preis für Sicherheit
Folge 43 (35 Min.)
Korrespondentin Isabella Purkart mit Thanassis Marmarinos, einem der Fischer, die 2015 auf Lesbos hunderte Flüchtlinge aus Seenot retteten.Bild: ORFEuropas Flüchtlingspolitik ist nach den Erfahrungen von 2015 eine Politik der Abschottung. Um die sogenannte „Festung Europa“ zu halten, werden Länder mit EU-Außengrenzen stärker in die Rolle von „Torwächtern“ gedrängt – mit erheblichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen, von den politischen Spannungen einmal abgesehen. Und der verstärkte Grenzschutz hat auch etwas mit den jeweiligen Regionen gemacht: vermehrte militärische Einsätze, der Bau von Zäunen und Mauern, die Verwendung von Überwachungstechnologie, all das hinterlässt deutliche Spuren nicht nur bei den Menschen vor Ort.Benedict Feichtner ist im Grenzgebiet zwischen Polen und Belarus unterwegs. Das mit Russland verbündete Belarus schickt Flüchtlinge zur Grenze und nutzt so die illegale Migration als Druckmittel gegen die EU. Warschau hat inzwischen den Grenzschutz massiv ausgebaut, mit weitreichenden Folgen für das dort befindliche letzte große Urwaldgebiet Europas. Ein meterhoher Stahlzaun verläuft mitten durch das UNESCO-Weltnaturerbe, blockiert die Wanderwege von Luchsen, Wölfen, Bisons und zerstört den sanften Tourismus in den umliegenden Dörfern, da große Teile der Gegend zu militärischem Sperrgebiet erklärt wurden. Ein vier Meter hoher Stacheldrahtzaun mit Kameras, Bewegungsmeldern und Wärmebildgeräten hat die serbisch-ungarische Grenze in eine Hochsicherheitszone verwandelt. Rund 1,5 Milliarden Euro hat das Bollwerk der EU bisher gekostet. Ernst Gelegs begleitet Beamte der ungarischen Grenzpolizei sowie des österreichischen Polizei-Kontigents und erfährt, wie gefährlich ihr Dienst geworden ist. Die Menschen in den ungarischen Grenzdörfern leben im ständigen Ausnahmezustand. Auf serbischer Seite warten zahllose Flüchtende in improvisierten Camps oder verlassenen Häusern auf eine Gelegenheit – oft mithilfe skrupelloser Schlepper – , die 175 Kilometer lange Grenzbefestigung auf der sogenannten Balkanroute mit Gewalt zu durchbrechen. Mit seiner Lage – nur wenige Kilometer von der türkischen Küste entfernt – ist Lesbos seit 2015 ein Hauptankunftsort für Flüchtende aus Kriegs- und Krisengebieten. Die griechische Insel ist ein Symbol für Solidarität und Hilfsbereitschaft, aber auch für Überforderung und das Scheitern der europäischen Flüchtlingspolitik geworden. Der Flüchtlings-Deal mit der Türkei hat zwar die Zahl der Ankommenden gesenkt, dennoch fühlen sich viele Inselbewohner von der EU im Stich gelassen. Isabella Purkart geht der Frage nach, wie sehr der eingebrochene Tourismus die Insel verändert hat und warum der Schutz der EU-Außengrenze Griechenland bis heute spaltet, denn politisch symbolisiert Lesbos das Dilemma der EU: Außengrenzschutz versus Menschenrechte. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 25.09.2025 3sat Original-TV-Premiere Fr. 12.09.2025 ORF 2 44. Nahost. Grenzen der Berichterstattung
Folge 44 (30 Min.)Bild: ORF„Seit mehr als 35 Jahren berichte ich aus Kriegs- und Krisengebieten“, sagt Karim El-Gawhary, ORF-Korrespondent im arabischen Raum, „aber ich war noch nie aus einem Krieg ausgesperrt“. Der Umstand, dass unabhängigen JournalistInnen der Zugang zum Gazastreifen verwehrt wird, macht diesen Krieg auf tragische Weise einzigartig. Die Weltöffentlichkeit ist auf lokale Kameramänner und ReporterInnen angewiesen – auf Männer wie den 28-jährigen Abdel Khadr Hassouna, der seit eineinhalb Jahren mit Karim El-Gawhary zusammenarbeitet und für diese Arbeit tagtäglich sein Leben riskiert.Der Krieg ist abseits von Zerstörung und Tod am Boden ein Krieg der Bilder und eine Propaganda-Schlacht geworden. Das erlebt auch ORF-Israel-Korrespondent David Kriegleder. Tag für Tag stößt er an journalistische Grenzen. Als sogenannter „embedded journalist“ konnte er die israelische Armee bei einer Presse-Tour nach Gaza begleiten. Doch nach nur zwei Kilometern und einer knappen Stunde endete die Reise: „Die Eindrücke aus Gaza waren sehr bescheiden. Palästinenser haben wir keinen einzigen zu Gesicht bekommen“, resümiert Kriegleder am Ende. Für „WeltWeit“ spricht er auch mit israelischen Journalisten und Bewohnern des Grenzgebiets zu Gaza und bekommt so einen tieferen Einblick in den schwierigen Umgang mit Information und Propaganda in Israel selbst. An die Grenzen des Berichtens gelangt auch ORF-Korrespondent Nikolaus Wildner, als er für seine „WeltWeit“-Reportage ins von Israel besetzte Westjordanland fährt. Der Krieg in Gaza dominiert seit fast zwei Jahren die Medien, was die Berichterstattung über das Westjordanland in den Hintergrund gedrängt hat. Doch mehr denn je ist die Region ein Pulverfass. „Wenn man den Checkpoint einmal passiert hat, ist man als Reporter unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt, es hängt davon ab, ob man sich im arabischen Ramallah oder in den Gebieten der radikalen israelischen Siedler aufhält“, sagt Wildner. Und Gefahr für Medienvertreter geht im Westjordanland immer öfter auch von israelischen Soldaten aus. Erst vor wenigen Tagen wurde ein Team der „Deutschen Welle“ bei Dreharbeiten in Ramallah vom israelischen Militär mit Waffen bedroht und gezielt mit Tränengas beschossen – trotz klarer Kennzeichnung als Presse“, teilte der deutsche Auslandssender mit. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 16.10.2025 3sat Original-TV-Premiere Fr. 19.09.2025 ORF 2 45. Katerkultur. Kampftrinken oder neue Nüchternheit?
Folge 45Bild: ORFBerichte rund um das traditionelle Münchner Oktoberfest beginnen seit Jahren mit Sätzen wie „Trinken bis der Arzt kommt“, „Erstes Bier-Opfer auf der Wies’n nach nur einer Stunde“ oder „Alkoholbedingter Totalausfall – 450 Sanitäter im Dauereinsatz“. Alkohol ist in unseren Breiten ein fixer Bestandteil bei Festen und Feierlichkeiten – von Geburtstagen, Hochzeiten oder Weihnachtsfeiern ist er für viele nicht wegzudenken. Wer auf solchen Anlässen keinen Alkohol trinkt, muss sich meist erklären. Doch inzwischen macht sich auch ein Wandel bemerkbar. Begriffe wie „Dry January“ oder „Sober Curiosity“, eine Bewegung, die Lust am Alkoholverzicht propagiert, begegnen uns häufiger.Laut Studien greift die „Gen Z“ immer seltener zum Alkohol. Die WeltWeit-Reporter:innen schauen sich an, wie es um die neue Nüchternheit steht. Großbritannien ist das Land der „Binge-Trinker“. Das gilt besonders auch für Frauen. Jede vierte Britin betrinkt sich regelmäßig, das ist ein weltweiter Rekord. Die Zahl der tödlichen Lebererkrankungen in Folge von Alkohol nimmt weiter zu. Vom „silent killer“ ist die Rede. Jörg Winter trifft eine 40-jährige Frau, die eine Lebertransplantation hinter sich hat, und spricht mit einem ehemals alkoholkranken Banker, der Einblicke in die Trinkexzesse der Londoner Finanzwelt gibt. In Frankreich gilt Wein nach wie vor als nationales Kulturgut, ein Klischee, von dem sich die jüngere Generation jedoch zunehmend abwendet. Der Weinkonsum hat im Weinland Frankreich drastisch abgenommen. Dazu trägt auch ein langsam wachsendes Bewusstsein für die Gefahren von Alkohol bei. Ein Familienweingut im Languedoc setzt daher auf die Produktion von alkoholfreiem Wein. Cornelia Primosch begleitet die Winzer bei der Weinlese und beobachtet, wie sich in der Weinnation Frankreich ein neuer gesellschaftlicher Trend etabliert. Island gilt heute als Vorbild, wenn es um erfolgreiche Alkohol-Prävention bei Jugendlichen geht. In den 1990ern noch berüchtigt für exzessiven Alkoholkonsum junger Menschen zeigt das Land inzwischen ein völlig anderes Bild: nur noch ein Bruchteil greift regelmäßig zu Bier, Wein oder Hochprozentigem. Benedict Feichtner schaut sich die Maßnahmen genauer an, mit denen Island diesen Wandel geschafft hat: ein Verbot von Alkoholwerbung, beschränkter Verkauf alkoholischer Getränke und eine strikte Einbindung der Eltern in den Erziehungsprozess. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 26.09.2025 ORF 2 46. Exit-Strategie. Wo lässt es sich noch leben?
Folge 46 (30 Min.)ORF-Korrespondentin Isabella Purkart mit Freiwilligen auf dem Marina Reservoir.Bild: ORFTeure Mieten, enorm hohe Lebenshaltungskosten durch die steigende Inflation und obendrauf eine gefühlte Unsicherheit, ausgelöst durch zahlreiche globale Krisen: von Kriegen über Klimawandel bis zur Situation in den USA, die seit Amtsantritt von Donald Trump zunehmend unvorhersehbar wird. Die „WeltWeit“- Reporter:innen haben sich angeschaut, wie sich Menschen auf die Herausforderungen einstellen, und welche Exit-Strategien funktionieren. In den USA zeigt sich – wie so oft -, wer Geld hat, kann es sich richten. Von der atomaren Katastrophe bis zu einem Bürgerkriegs-Szenario im Land, wenn Milliardäre über Exit-Strategien nachdenken, dann geht es nicht um Konserven im Keller, sondern um unterirdische Luxusvillen mit Heimkino, Hightech-Luftfiltern und Waffenschränken.Christophe Kohl taucht für seine Reportage ein in die geheime Welt der Bunkerindustrie in Texas. Ron Hubbard, Gründer von „Atlas Survival Shelters“, gewährt ihm einen exklusiven Einblick in sein Unternehmen, das Schutzräume aller Art für die Reichen dieser Welt baut. Eine hohe Lebensqualität für alle Bewohnerinnen und Bewohner zu schaffen, steht ganz oben auf der Agenda der Regierung in Singapur. Die südostasiatische Metropole verfügt aufgrund ihrer exponierten Lage an der Südspitze der Malaiischen Halbinsel über kaum natürliche Wasserquellen und ist zu 90 Prozent auf Lebensmittelimporte angewiesen. Das schafft eine hohe Unsicherheit und die will das kleine Land verringern. Isabella Purkart schaut sich an, wie urbane Farmen auf Hochhausdächern und Projekte wie „Edible Garden City“ ungenutzte Flächen in Gärten verwandeln und innovative Ansätze die Wasserversorgung revolutionieren. Panama zählt zu den modernsten Ländern Lateinamerikas und ist mittlerweile ein beliebter Alterswohnsitz für ausländische Pensionistinnen und Pensionisten geworden. Nicole Kampl hat eine Kanzlei besucht, die sich auf deutschsprachige Auswanderungswillige spezialisiert hat. Die Anfragen werden immer mehr, denn Panama punktet neben seiner stabilen Wirtschaft und einem guten Gesundheitssystem vor allem mit dem sogenannten „Pensionado-Visum“: „Es ermöglicht großzügige Steuererleichterungen, Rabatte in Restaurants sowie bei Ärzten und in Apotheken“, erzählt Kimberly Kelley. Die US-Amerikanerin lebt seit zwei Jahren an der Pazifikküste und ist glücklich, weil sie sich hier ein Leben ganz nach ihrem Geschmack leisten kann. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 23.10.2025 3sat Original-TV-Premiere Fr. 03.10.2025 ORF 2 47. Alt und gut? Leben mit Traditionen
Folge 47 (30 Min.)Leonie Heitz begleitet junge afrikanische Frauen im Kampf gegen eine Jahrhunderte alte Tradition.Bild: ORFKochen und Backen gehören zum beliebtesten Content auf Instagram oder TikTok. Durch sogenannte DIY-Videos – kurze, leicht verständliche Arbeitsanleitungen – haben Handwerk, Basteln und Co ein riesiges Comeback erlebt. Einzelne Trends gehen durch Hashtags und Memes viral. Auch tauchen regionale Traditionen in Form von „Challenges“ wieder auf und verbreiten sich global. Die „WeltWeit“-Reporter:innen haben sich neben dem Wiederaufleben von Traditionen durch die sozialen Netzwerke angeschaut, wie Menschen im echten Leben gegen die Zwänge oder für den Erhalt einer Tradition kämpfen.Auf der spanischen Balearen-Insel Mallorca trifft Diana Weidlinger eine sogenannte Tradwife. Das sind Frauen, die bewusst ein traditionelles Rollenbild leben: Hausfrau, Ehefrau, Mutter. Und dieses Leben wird auf Instagram, TikTok und YouTube inszeniert. Die Kritik, dass sie damit die Rückkehr zu klaren Geschlechterrollen propagiert, sieht die gebürtige Deutsche nicht gerechtfertigt. Anders die ehemalige Präsidentin des Deutschen Hausfrauenbundes, sie warnt davor, dass damit Errungenschaften der Frauenbewegungen torpediert werden. In Mauretanien werden junge Frauen immer noch nach einer Jahrhunderte alten Tradition gemästet. Denn nur eine sehr wohlgenährte Frau gilt als schön und hat damit gute Chancen, einen Ehemann zu finden. Um die 9.000 Kalorien täglich müssen Mädchen zu sich nehmen, mehr als viermal so viel wie eine durchschnittliche Erwachsene, erfährt Leonie Heitz auf ihrer Reise durch das Land im Nordwesten Afrikas. Eine Tradition, gegen die sich Frauen vor allem in der Hauptstadt immer öfter zur Wehr setzen, die aber auch in einer „adaptierten Form“ weiterlebt: Gewichtszunahme durch Medikamente, mit schweren gesundheitlichen Folgen für die Mädchen. Die schwedische Arktis ist eine praktisch menschenleere Gegend. Jahrtausende lang leben dort nur die Sami. Ein indigenes Volk, dessen Lebensweise eng verwurzelt ist mit dem Land und seinen Tieren, den Rentieren. Leon Hoffmann-Ostenhof begleitet Henrik Andersson, einen Rentierhirten, bei der Arbeit und lernt seine Familie kennen. Nur mehr wenige Sami können nach ihren alten Traditionen leben, denn Schwedens Ausbau der grünen Energie zerstört das Weideland der Rentiere. Es ist ein Kampf um den Erhalt der Traditionen eines ganzen Volkes geworden, denn Lebensweise und Sprache der Sami drohen zu verschwinden. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 27.11.2025 3sat Original-TV-Premiere Fr. 10.10.2025 ORF 2 48. Dauerbrenner Plastikmüll. Wer zahlt den Preis?
Folge 48 (35 Min.)Kenia importiert 180.000 Tonnen gebrauchte Textilien jedes Jahr, ein Großteil landet auf der Dandora-Mülldeponie. Textilmüll-Aktivistin Janet Chemitei und WeltWeit-Reporter Patrick A. Hafner.Bild: ORFRund 400 Millionen Tonnen Plastikmüll fallen jährlich weltweit an, nur ein sehr kleiner Teil davon wird recycelt. Auch Österreich ist meilenweit davon entfernt, die 50 Prozent-Vorgabe der EU für das Jahr 2025 zu erfüllen. Die Einführung des Einwegpfands auf Flaschen und Dosen Anfang des Jahres zeige positive Effekte, sagen erste Umfragen. Größtes Problem beim Recycling: es gibt hunderte verschiedene Kunststoffsorten, deshalb muss Plastikmüll aufwendig sortiert werden, das ist teuer und auch fehleranfällig. Deshalb ist es billiger, neues Plastik aus Erdöl herzustellen, als Altstoffe wiederaufzubereiten.Kenia steht seit ein paar Jahren vor einer neuen Herausforderung. Hier landet ein großer Teil unserer Altkleider-Spenden. Durch den stark gestiegenen Kunstfaseranteil wie Polyester oder Acryl handelt es sich bei einem Großteil der Kleider-Exporte inzwischen eigentlich um Plastikmüll. Patrick A. Hafner beginnt seine Recherchereise im Sortierlager der Caritas in Vorarlberg und erfährt, dass die gesamte Branche mit synthetischer Billigmode aus China zu kämpfen hat. Unser exzessives Shopping-Verhalten kurbelt die Massenproduktion immer weiter an und lässt Kenias Müllberge in den Himmel wachsen. Jährlich gelangen tausende Tonnen Plastikmüll aus EU- und Drittstaaten nach Rumänien. Nur ein Bruchteil davon ist tatsächlich recycelbar. Der Großteil besteht aus nicht verwertbaren Materialien, die teilweise illegal importiert werden. Statt in Recyclingzentren landet der Abfall auf wilden Deponien, wo er verbrannt wird. Isabella Purkart macht sich ein Bild davon, wie sehr diese Praxis die Umwelt belastet und die Gesundheit der Bevölkerung gefährdet. Auf den Philippinen ist Plastikmüll allgegenwärtig – in den Städten, auf den Stränden, im Meer. Viele der riesigen Müllberge sind auch eine Folge des boomenden Tourismus. Die Insel Siquijor, die als eines der am schnellsten wachsenden Reiseziele des Landes gilt, ist dabei eine rühmliche Ausnahme. Das Ziel: die erste Müll-freie Insel der Philippinen zu werden. Schrittweise wird das Abfallsystem umgestellt, Einwegplastik ist bereits verboten. Eva Pöcksteiner taucht ein in ein vielversprechendes „zero waste“-Projekt. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 30.10.2025 3sat Original-TV-Premiere Fr. 17.10.2025 ORF 2 49. Jung, erfolgreich, einsam. Leben zwischen Likes und Leere
Folge 49 (30 Min.)Isabella Purkart mit Akihiko Kondo, der mit der virtuellen Figur Miku verheiratet ist.Bild: ORFKontakt zu Freunden und Familie läuft vorrangig über Telefon oder Soziale Netzwerke, immer weniger Menschen treffen einander persönlich. Eine aktuelle OECD-Studie warnt vor einer wachsenden Einsamkeit in den Industrieländern. Inzwischen sind nicht nur ältere Menschen betroffen. Die Zahl der jungen Erwachsenen ist alarmierend: 57 Prozent der zwischen 18 und 35-Jährigen geben an, sich immer wieder einsam zu fühlen, zu diesem Ergebnis kommt eine EU-weite Jugendstudie der Bertelsmann Stiftung. Einsamkeit wird zur wachsenden gesellschaftlichen Herausforderung, auch weil mit ihr ein hohes Gesundheitsrisiko einhergeht: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Angststörungen.Die digitale Einsamkeit, der Widerspruch zwischen „ständig online und doch allein“, wird für immer mehr junge Leute zur Lebensrealität. Die WeltWeit-Reporterinnen treffen neben Menschen, die Strategien gegen die ungewollte Einsamkeit suchen, auch Menschen, die in einer Welt, die pausenlos vernetzt ist, bewusst den Weg in die Einsamkeit wählen. In Frankreich sind fast zwei Drittel der Jungen von Einsamkeit betroffen. Doch im Land besteht ein hohes Problembewusstsein, junge Französinnen und Franzosen sprechen offener über ihre Einsamkeit. Cornelia Primosch trifft in Paris den 19-jährigen Louis Aberegg, einen Neuankömmling in der französischen Hauptstadt. Er nutzt aktiv Social Media gegen das Alleinsein. Stefania Tsakiraki hingegen sperrt Handys weg und hilft jungen Menschen in der urbanen Umgebung wieder zwischenmenschliche Beziehungen im Offline-Modus aufzubauen. Tokio ist eine der größten Städte der Welt, doch inmitten einer Millionenbevölkerung fühlen sich viele Japanerinnen und Japaner zunehmend einsam. Viele leben stark individualistisch und erledigen alles allein – vom Restaurantbesuch bis zum Solo-Karaoke. Nähe und Verbindlichkeit geraten dabei immer öfter ins Hintertreffen. Isabella Purkart ist zu Besuch bei Akihiko Kondo. Der junge Mann hat eine virtuelle Figur geheiratet, mit der er nun seinen Alltag teilt. Und sie erfährt, dass viele bei einem Mietservices geduldige Zuhörer buchen, weil – wie eine Kundin erzählt – sie dort freier als im Gespräch mit Freunden reden kann. Ein anderes Bild in Schottland: vor fünf Jahren hat die Frankfurterin Leonie Gillies die Großstadt hinter sich gelassen und ist auf die abgeschiedene schottische Insel Raasay ausgewandert. Diana Weidlinger besucht die gebürtige Deutsche in ihrer neuen Heimat und erlebt einen Alltag ohne Hektik, Termindruck und Straßenlärm. Und sie erfährt, was für die junge Frau den Reiz der Abgeschiedenheit ausmacht. Ihr 72-jähriger Nachbar, ein Schafhirte, verrät, warum er sich auf der Insel mit gerade einmal 186 Bewohnern niemals einsam fühlt. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 20.11.2025 3sat Original-TV-Premiere Fr. 31.10.2025 ORF 2 50. Natur am Limit. Vom Umdenken und Anpacken
Folge 50Bis 2030 plant Singapur, eine Million Bäume zu pflanzen.Bild: ORFAm 10. November beginnt die UN-Klimakonferenz in Belém, Brasilien. Die Wahl des Gastgeberorts – inmitten des Amazonas Gebiets – hat im Vorfeld viel Kritik hervorgerufen. Der Ort sei bewusst gewählt, um den Fokus auf den Schutz der Wälder zu lenken, verteidigt der brasilianische Präsident Lula da Silva die Entscheidung. Wie sehr die Natur inzwischen allerorts unter Druck geraten ist, zeigen Artensterben, Wassermangel, Erderwärmung und vieles mehr. Die Wissenschaft warnt eindringlich vor sogenannten Kipppunkten, die zu unumkehrbaren Veränderungen führen. Inzwischen ist vielen klar geworden, wir müssen rascher ins Handeln kommen, denn die Zeit drängt.Die WeltWeit-Reporter:innen haben sich angesehen, wo Umdenken schon erste Veränderungen bringt und die Natur wieder Raum bekommt. Patrick A. Hafner ist in Ostdeutschland unterwegs. Zwischen Sachsen und Brandenburg entsteht derzeit die größte Seenlandschaft Deutschlands – und zwar durch das Fluten ausgedienter Kohlegruben. Viele Milliarden Euro sollen aus der kargen, staubigen Landschaft eine Tourismusregion machen und einen Strukturwandel herbeiführen – ganz nach dem Vorbild der Gegend um die Kleinstadt Großräschen. Hier wurde auf einer Fläche, zehn Mal so groß wie der New Yorker Central Park, Kohle abgebaut. Heute ist die Grube ein See, der den Menschen als Naherholungsgebiet dient. Die Niederlande haben durch den Bau von Dämmen und Deichen dem Meer über viele Jahre Land abgetrotzt – die Natur leidet bis heute unter den Folgen. Benedict Feichtner begleitet in der Provinz Zeeland die Meeresökologin Karin Didderen. Früher war der Meeresboden hier mit sogenannten Salzwiesen bedeckt. Sie will Didderen wiederherstellen, denn die kleinen Pflanzen können Großes leisten: sie verhindern die Bodenerosion, können große Mengen an Kohlenstoff speichern und spielen so eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Singapur will trotz seiner dichten Bebauung eine der grünsten Städte der Welt sein. Isabella Purkart ist auf Lokalaugenschein in der südostasiatischen Metropole, die unter dem Motto „City in a Garden“ urbane Entwicklung mit systematischer Begrünung verknüpft: vertikale Gärten, bepflanzte Dächer und gesetzlich vorgeschriebene Grünstreifen sollen das Gleichgewicht zwischen Beton und Natur wahren. Mitten im städtischen Trubel finden sich grüne Oasen. Bis 2030 plant Singapur eine Million neue Bäume zu pflanzen als weiteren Beitrag im Kampf gegen die Hitze. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 07.11.2025 ORF 2 51. Vorwärts zurück. Liegt unsere Zukunft in der Vergangenheit?
Folge 51 (30 Min.)Barbara Wolschek trifft den republikanischen Abgeordneten Ronald „Jaron“ Crane im Kapitol von Idaho.Bild: ORFHistorisch gesehen ist es nichts Ungewöhnliches: auf politisch liberale Phasen folgt oft eine konservative Reaktion. Der sogenannte Backlash folgt. Er drückt, in Zeiten der Veränderung, den Wunsch der Menschen nach Sicherheit, Stabilität und Orientierung an traditionellen Werten aus. Doch diese Rückwärtsgewandtheit ist auch gefährlich, denn oft werden mit ihr autoritäre Tendenzen verstärkt. Diese autoritären und demokratiegefährdenden Tendenzen werden derzeit auch in den USA sichtbar. Donald Trump hat der Backlash-Bewegung ein Gesicht gegeben und seine Politik der Feindbilder wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die gesellschaftliche Spaltung, die sich auch in anderen Ländern der Welt immer öfter zeigt.Idaho ist einer der konservativsten Bundesstaaten der USA. Barbara Wolschek trifft den jungen republikanischen Abgeordneten Ronald „Jaron“ Crane. Er hat ein Gesetz initiiert, das Bibliotheken verbietet, Minderjährigen Bücher mit „schädlichem Inhalt“ zu überlassen. Inhalte wie im Kinderbuch „Itty-Bitty Kitty-Corn“, in dem eine Katze ein Einhorn sein will. „Das wird als transsexuell eingestuft“, erzählt Rebecca Crosswhite. Die Buchhändlerin macht sich große Sorgen über die Entwicklung im Land, denn Gesetze wie dieses greifen tief in das Leben der Menschen ein. Pressefreiheit ist einer der wichtigsten Indikatoren für Demokratie. In der Slowakei geraten seit der Rückkehr von Premierminister Robert Fico unabhängige Medien immer stärker unter Druck: politische Einflussnahme, Desinformationskampagnen, Drohungen gegen Journalistinnen und Journalisten. Paul Pant erfährt an der Universität in Bratislava, dass immer weniger junge Leute sich für ein Journalismus-Studium entscheiden. Der renommierte Investigativ-Journalist Lukáš Diko spricht im Interview über seinen Kampf gegen Fake News und Korruption. Sein Engagement steht exemplarisch für eine ganze Reihe von Journalistinnen und Journalisten, die sich gegen eine anti-demokratische Entwicklung in ihren Ländern wehren. Unter dem Hashtag „Szon Patrol“ – auf Deutsch: „Schlampen-Kontrolle“ – sorgt in Polen ein Trend für Aufsehen: junge Burschen filmen heimlich Mädchen, die in ihren Augen „zu freizügig“ gekleidet sind, und stellen die Videos online. Lena Hager trifft in Warschau die 19-jährige Sam Kieszkowska, die als Content Creatorin selbst auch Hass und Sexismus in den sozialen Netzwerken erlebt. Sie warnt davor, „Szon Patrol“ als schlechten Scherz abzutun. Jugendlichen fehle es an positiven Vorbildern, erklären Mateusz Kowalski und Robert Konecki das Phänomen. Die beiden wollen mit ihrem Podcast gegen ein toxisches Männerbild kämpfen. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 18.12.2025 3sat Original-TV-Premiere Fr. 21.11.2025 ORF 2 52. Superfoods. Wenn Essen zum Hype wird
Folge 52 (30 Min.)Island: Wildlachsfischer Gunnar Örn Petersen warnt: Entkommene Zuchtfische bedrohen den Wildlachsbestand.Bild: ORFSuperfoods. Wenn Essen zum Hype wird. Die Message ist eindeutig: gesunde Ernährung trifft trendigen Lifestyle. Wer auf Instagram dem Hashtag #Superfoods folgt, taucht ein in eine Welt aus Gemüse, Getreide, Beeren, Samen & Co. Und jedes Foto oder Reel transportiert dieses „Look & Feel“. Superfoods sind reich an sogenannten Mikronährstoffen und gelten deshalb als besonders gesund. Dank perfektem Marketing wird aus den meist exotischen Nahrungsmitteln eine Wunderwaffe gegen Müdigkeit, ein Schlankheitsmittel oder Anti-Aging-Elixier.Die „WeltWeit“-Reporter:innen gehen der Frage nach, welche Folgen es hat, wenn Essen zum Hype wird. Neuester Trend: Matcha. Dem gemahlenen Grüntee aus Japan wird nachgesagt, er würde besonders lange und wirkungsvoll wachhalten und die schrei-grüne Farbe von Matcha-Latte trägt wohl auch zum Instagram-Boom bei. Im realen Leben sind junge Menschen bereit, lange Schlange zu stehen für das Getränk aus Matcha und Milch. In Japan sieht man den Boom allerdings mit gemischten Gefühlen, erfährt Alexandra Siebenhofer bei ihrer Recherche vor Ort. Denn immer mehr findige Geschäftemacher versuchen an das begehrte Produkt zu kommen, um am Hype mitzuverdienen. Japanerinnen und Japaner müssen jetzt oft das doppelte für ihren Tee bezahlen, weil die Ernten aufgrund der enormen Nachfrage knapp werden. Die Avocado ist seit langem in der Reihe der Superfoods, doch sie hat eine umstrittene Ökobilanz durch lange Transportwege und hohen Wasserverbrauch. Weil die Nachfrage aber ungebrochen ist, spezialisieren sich Produzenten immer öfter auf die Super-Frucht. Israel baut inzwischen Avocados im großen Stil an und ist zu einem der Hauptexporteure nach Europa geworden. David Kriegleder hat sich angesehen, wie die wasserhungrige Pflanze in einer so trockenen Region kultiviert wird. Und wie auch palästinische Bauern von der großen Nachfrage profitieren, allerdings unter erschwerten Bedingungen. Als Top-Omega-3-Lieferant hat Lachs den Einzug in die Riege der Superfoods geschafft, mit teils dramatischen Folgen für Island. Hier entzündet sich ein erbitterter Streit um die Lachszuchten. Während internationale Konzerne neue Farmen planen, wehren sich Bewohnerinnen und Bewohner gegen die drohende Umweltzerstörung. Benedict Feichtner spricht auch mit Wildlachsfischern, die vor entkommenen Zuchttieren warnen, die die Wildbestände gefährden. Sogenannte „Zombie-Lachse“, die verkrümmt aufgrund des schnellen Wachstums, krank und anfällig für Parasiten sind, werden zusehends in den intensiven Zuchtfarmen im Atlantik zum Problem. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 12.03.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 05.12.2025 ORF 2 Deutsche TV-Premiere ursprünglich angekündigt für den 22.01.202653. Aberglaube. Zwischen Kulturgut und Geschäftemacherei
Folge 53IslandBild: ORFRund um den Jahreswechsel gibt es zahlreiche Rituale und Glücksbräuche: Wir verschenken Kleeblätter, Rauchfangkehrer oder Glücksschweinchen, deuten die Zukunft beim Wachsgießen und auch die Feuerwerke und Böller der Silvesternacht waren ursprünglich zum Vertreiben der bösen Geister gedacht. Aberglaube in all seinen Ausformungen gibt es in so gut wie jeder Kultur. Doch warum halten Menschen seit Jahrhunderten an Ritualen fest, deuten Zeichen oder folgen magischen Versprechen? Welchen Platz Aberglaube in unserer modernen Welt einnimmt – zwischen Kulturgut und Geschäftemacherei – haben sich die WeltWeit-Reporter:innen angeschaut.In Island ist der Glaube an Elfen und Trolle fest in der Kultur der Insel verankert. Diese menschenähnlichen Wesen leben angeblich in Felsen und Hügeln und setzen sich zur Wehr, wenn ihr Lebensraum bedroht ist. Lena Hager trifft eine junge Frau, die als Medium mit Elfen kommuniziert und regelmäßig Zeremonien abhält. Während diese Bräuche für viele Isländerinnen und Isländer mittlerweile für den nostalgischen Blick zurück stehen, hat der Tourismus die alten Traditionen für sich entdeckt. Das Angebot reicht von Souvenirs über Elfentouren bis hin zu Tattoos im Runen-Design. In Ägypten verschwimmt die Grenze zwischen Glauben und Aberglauben. Karim El-Gawhary hat die seltene Gelegenheit, einem sogenannten „Zar“ beizuwohnen. Hier wird mit speziellen Ritualen und rhythmischen Gesängen Kontakt zu den Dschinn, den Geistern aus der alten arabischen Mythologie, aufgenommen. „Es ist, als ob ich zum Psychotherapeuten gehe, nach der Sitzung fühle ich mich einfach besser“, sagt eine der Teilnehmerinnen im Interview. Im letzten verbliebenen Stadttor Kairos soll der Geist eines islamischen Heiligen wohnen. Bei der Restaurierung sind unzählige Fundstücke zum Vorschein gekommen, die belegen, wie sehr die Menschen an seine Existenz glauben. In Italien ist Neapel die Stadt, in der der Aberglaube zu Hause ist. Nichts geht ohne das Corno oder Cornicello, ein Amulett, das Missgunst und Neid von einem abhalten soll. Die Einheimischen verschenken es bei jeder Gelegenheit, denn in der Stadt gilt das Motto: Es ist zwar nicht wahr, aber ich glaube daran. Und in der Zwischenzeit haben die Menschen auch entdeckt, dass sich mit dem Aberglauben ein gutes Geschäft machen lässt. Cornelia Vospernik taucht ein in die Mysterien der Stadt und erfährt, dass es hier den einzigen Totenschädel mit Ohren gibt, weil er sich so viele Gebete und Fürbitten anhören muss, sagt die Überlieferung. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 02.01.2026 ORF 2 54. Drohnen-Boom. Waffe, Werkzeug, Wendepunkt
Folge 54 (35 Min.)Auf den abgelegenen schottischen Orkney-Inseln werden die Post, Medikamente und viele Lebensmittel von Drohnen geliefert.Bild: ORFSie sind klein, flink, präzise und deshalb aus vielen Bereichen unseres Lebens nicht mehr wegzudenken. Doch die rasante Entwicklung im Bereich der Drohnen-Technologie hat auch etwas Beängstigendes. Nicht nur, weil sie als Kriegsgeräte eine neue Form der Vernichtung hervorgebracht haben, sonern auch, weil Drohnen in Kombination mit künstlicher Intelligenz neue Bedrohungsszenarien schaffen. Die Vorfälle rund um Flughäfen und andere kritische Infrastruktur in den vergangenen Monaten haben die Gefahren für Europas Sicherheit deutlich gemacht. Die WeltWeit-Reporter haben sich die zivile und militärische Nutzung von Drohnen angeschaut.Welche tödliche Gefahr Drohnen im Ukraine-Krieg darstellen, hat Christian Wehrschütz vor kurzem am eignen Leib erlebt: Beinahe wäre er selbst Opfer eines Drohnenangriffs geworden. Während der Dreharbeiten geraten er und sein Team ins Visier einer Kampfdrohne. Die Rettung gelingt in letzter Sekunde. Nirgendwo sonst in Europa hängen Leben und Überleben so eng mit der Produktion von Drohnen und deren Abwehr zusammen wie in der Ukraine. Wie nutzt ein vom Krieg gebeuteltes Land Erfindergeist und Innovation, um dem zahlenmäßig überlegenen Angreifer Russland schon seit Jahren zu trotzen? „Wir haben ein Monster geschaffen“, sagt ein Entwickler autonomer Drohnen im Interview über sein eigenes Produkt. Die Ukraine ist zum Versuchslabor für die Zukunft des Krieges geworden – und es liegt vor unseren Toren. Estland setzt mit einem umfassenden zivilen und militärischen Drohnenprogramm neue Maßstäbe in der Sicherheits- und Bildungspolitik in Europa. Drohnenkompetenz gilt dort als Teil der nationalen Verteidigungsstrategie, grenzt das Land doch direkt an Russland. Technologischer Fortschritt wird in Estland als eine nationale Existenzfrage verstanden. Paul Pant taucht ein in die florierende Start-up-Szene militärischer Drohnen- und Abwehrsysteme und schaut sich bei den sogenannten „Unicorn Squads“ an, wie Mädchen bereits ab acht Jahren lernen, Drohnen zu bauen und zu fliegen. Gründer Taavi Kotka hat das Konzept inzwischen ausgeweitet: Im Rahmen des Zivilschutzes erwerben nun auch Erwachsene grundlegende Kenntnisse im militärischen Drohnenflug. In Großbritannien hat man den Nutzen von Drohnen im Alltag längst erkannt. Ob Medikamente für Mensch und Tier, Blutkonserven, Briefe oder Lebensmittellieferungen – von einer Flugzentrale in London überwacht liefern Drohnen Bestellungen aller Art in ganz Europa aus. Dabei landen die kleinen Fluggeräte auch an Orten, die sonst nur schwer zu erreichen sind. Jörg Winter besucht die Zentrale der ersten Drohnen-Airline und reist in den Norden Schottlands, wo die Postzusteller auf den abgelegenen Orkney-Inseln zunehmend auf einen autonomen Zustelldienst setzen. Gerade in den abgelegenen Ecken des Landes ermöglichen Drohnen verlässliche Lieferungen wichtiger Güter des täglichen Lebens. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 26.02.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 09.01.2026 ORF 2 55. Machtgier. Trumps Griff nach fremden Ländern
Folge 55 (30 Min.)Grönland: Korrespondent Michael Mayrhofer trifft die Schiffskapitänin Pakkutannguaq Larsen in Grönlands Hauptstadt Nuuk. Sie will vor allem eines: die Unabhängigkeit ihres Landes.Bild: ORFMachtgier. Trumps Griff nach fremden Ländern. Seit fast einem Jahr ist Donald Trump wieder im Amt und als Präsident der USA der mächtigste Mann der Welt. Seine Politik orientiert sich am „Recht des Stärkeren“, damit bringt er gerade die gesamte Weltordnung ins Wanken. Sein letzter Coup: eine militärische Blitzaktion in Venezuela und die Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro. Auch in Grönland schließt Trump einen Militäreinsatz nicht aus, denn die Insel sei für die nationale Sicherheit der USA entscheidend, um Gegner in der Arktis abzuschrecken.Die WeltWeit-Reporter:innen haben sich in den Ländern umgesehen, nach denen Trump so gierig greift. Es sind die enormen Ölreserven, die Venezuela für Trump so begehrenswert machen. Lange galt das Land als eines der reichsten Länder Lateinamerikas. Doch Jahre der Misswirtschaft haben es in eine tiefe Krise gestürzt. Es gab kaum Berichte aus Venezuela, denn unabhängigen Journalist:innen hat das Land meist die Einreise verweigert. Isabella Purkart ist es vor wenigen Monaten gelungen, hinter die Kulissen des bröckelnden Regimes zu blicken und mit den Menschen im Land zu sprechen: Sie trifft Lisandro Pérez, ein glühender Chavist, der sein Land auf dem richtigen Weg sieht und die Politikwissenschaftlerin Iris, die sich für die Opposition engagiert und deshalb fürchtet verhaftet zu werden. Seit Jahren ist das Land geprägt von politischer Instabilität und einer anhaltenden humanitären Notlage. Grönland, das zu Dänemark gehört, ist ebenfalls reich an Bodenschätzen und noch dazu geopolitisch und strategisch für die USA bedeutend. Schon kurz nach seinem Amtsantritt 2025 hat Trump seine Absicht, die Insel kaufen oder einnehmen zu wollen, kundgetan. Michael Mayrhofer hat sich damals ein Bild davon gemacht, wie es den Einwohnerinnen und Einwohnern damit geht. Selbst der größte Trump-Fan Grönlands lehnt einen Ausverkauf seiner Heimat ab. Die Menschen haben schon damals gefürchtet, dass ihre Insel zum Spielball politischer und wirtschaftlicher Interessen wird. Wie sieht es heute damit aus? Spitzbergen gehört offiziell zum NATO-Land Norwegen. Die Region knapp unter dem Nordpol hat große strategische Bedeutung nicht nur für Trump, sondern auch für Russlands Präsident Putin: die Arktis gilt als geopolitische Arena im Kampf um Macht und Einfluss der Großmächte. Russland will über die Nordostpassage maßgeblich seine Rolle als Energiegroßmacht bewahren. Vanessa Böttcher war in Longyearbyen, dem nördlichsten Ort der Welt, an dem noch Menschen leben, unterwegs und hat herausgefunden, dass – obwohl hier mehr Eisbären als Menschen leben – viele fürchten, der hohe Norden könne bald Schauplatz eines neuen Krieges werden. (Text: ORF) Deutsche TV-Premiere Do. 22.01.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 16.01.2026 ORF 2 56. Selbst-Optimierung. Wohin führt der Wunsch nach Perfektion?
Folge 56 (35 Min.)Korea: In Seouls Luxusviertel Gangnam sind riesige Werbeflächen für K-Beauty überall zu sehen.Bild: ORFWie viel ist geblieben von den guten Vorsätzen für 2026? Gesünder essen, regelmäßig Sport betreiben, „Dry January“ oder vielleicht ganz auf Alkohol verzichten? Viele Menschen starten im Januar motiviert ihr Leben in neue Bahnen zu lenken, doch nur wenigen gelingt es, dranzubleiben. Dennoch, Selbstoptimierung liegt im Trend, immer mehr Menschen wollen das Beste aus sich herausholen. Wohin führt der Wunsch nach Perfektion? In Amsterdam begleitet Isabella Purkart den „Biohacker“ Jorn Kirkels, der seinen Alltag kompromisslos auf maximale Leistungsfähigkeit ausrichtet. Nach dem Aufstehen ist alles durchgetaktet: ein mehrstufiges Körperprogramm mit Infrarotlicht, eiskalter Dusche, „Kettlebell-Swings“, Atem- und Dehnungsübungen.Nichts bleibt dem Zufall überlassen und so gut wie alles wird getrackt: Schlaf, Bewegung, Ernährung. Und in den Niederlanden setzt sich noch ein weiterer Optimierungsboom durch: „Microdosing“, wovon sich Befürworter mehr Konzentration und Kreativität versprechen. In Südkorea wird Schönheit nicht als Geschenk der Natur, sondern als das Ergebnis harter Arbeit und ständiger Optimierung gesehen. Diana Weidlinger recherchiert in der Hauptstadt Seoul in Sachen „K-Beauty“. Hinter dem Phänomen steckt eine milliardenschwere Kosmetikindustrie, deren Produkte mittlerweile weltweit Trends setzen. Die Schönheitsphilosophie basiert auf natürlichen Inhaltsstoffe wie Schneckenschleim, Grüntee und Ginseng. Kritikerinnen und Kritiker fürchten aber, dass K-Beauty über die Social-Media-Stars großen Druck auf Frauen im Alltag ausübt. „Longevity“ ist ein weiteres Schlagwort der Selbstoptimierungsszene. Lena Hager trifft in Frankfurt am Main einen überzeugten Anhänger: Vimal Kamaraj wird sich nach seinem Tod einfrieren lassen. Der 26-Jährige hofft, dass die Medizin eines Tages so weit ist, dass er wiederbelebt, ewig leben kann. Seinen Alltag hat er bereits im Sinne der Langlebigkeit optimiert. Doch der Selbstoptimierungstrend hat auch Schattenseiten: „Ich war irgendwann so weit, dass ich es als unproduktiv angesehen habe, Zeit mit meinen Freunden zu verbringen“, sagt die 25-jährige Influencerin Julia Barabasch. Sie warnt vor einem extremen Streben nach dem „perfekten Ich“, wie es oft auf Social Media gehypt wird. Drei Reporter auf Spurensuche. Jeweils ein Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und aus verschiedenen Regionen der Welt. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Do. 19.03.2026 3sat Original-TV-Premiere Fr. 23.01.2026 ORF 2 57. Teurer Spaß. Skifahren um jeden Preis?
Folge 57Alte Bergstationen in teils entlegenen Gebieten rückzubauen, ist mit hohen Kosten verbunden: vielen Gemeinden fehlt dafür das Geld.Bild: ORFAb 6. Februar werden in Italien die 25. Olympischen Winterspiele stattfinden. An die zwei Millionen Besucherinnen und Besucher werden erwartet. Doch Cortina droht ein Desaster: es fehlt sowohl natürlicher Schnee als auch Wasser für die Schneekanonen. Wintersport ist ein riesiger wirtschaftlicher Faktor, doch der Klimawandel und die damit einhergehenden unberechenbaren Winter machen die Situation immer schwieriger. Kleinere Skigebiete müssen oft aufgeben, in höhergelegenen steigen die Preise für Unterkunft und Liftkarte in astronomische Höhen und machen Skifahren für viele zum unbezahlbar teuren Spaß.Im vergangenen Jahr war Cornelia Vospernik für einen Lokalaugenschein bei den Vorbereitungen in Cortina, hatte man doch versprochen „die nachhaltigsten Olympischen Winterspiele“ veranstalten zu wollen. Jetzt – zwei Wochen vor der großen Eröffnung – ist sie noch einmal vor Ort: Von Olympiastimmung ist auch wegen des akuten Schneemangels wenig zu spüren, vielmehr gleicht der kleine Ort einer riesigen Baustelle. Und die versprochene Nachhaltigkeit springt – zwischen Schneekanonen, Bobbahn und Olympiadorf – nicht gleich ins Auge. Im geschichtsträchtigen Skigebiet Vail im Bundesstaat Colorado gibt es erstmals wegen der schlechten Schneelage Rabatte bei den Skikarten. Christophe Kohl geht der Frage nach, was die Preise derart in die Höhe getrieben hat: „Vail Resorts“ ist mit 42 Skigebieten der größte Liftbetreiber in den USA und macht Milliarden-Umsätze. Die Strategie: die Preise von Tageskarten werden stetig angehoben, um den Verkauf von Saisonkarten anzukurbeln. Europäische Skigebiete sehen die enormen Kosten für ein Skivergnügen in den USA als Chance und werben gezielt im Land, um amerikanische Skiurlauberinnen und Urlauber anzulocken. „In der Schweiz ist Skifahren mittlerweile teurer als Golfspielen“, sagt Alain Bosco, der das kleine Skigebiet Télégiettes im Kanton Wallis betreibt. Lena Hager trifft den Mann, der nicht nur Zeit und Energie, sondern auch eigenes Geld in den Erhalt der Anlage steckt, um Skifahren gratis anbieten zu können. Heuer macht ihm der massive Schneemangel zu schaffen, und damit ist er im Land nicht allein: Stillgelegte Skigebiete werden ein wachsendes Problem für die Natur und haben auch negative Folgen für die betroffenen Gemeinden. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 06.02.2026 ORF 2 58. Goldrausch. Wer zahlt den Preis für den Boom?
Folge 58Wer zum Valentinstag heuer ein Goldkettchen oder einen Ring schenken möchte, muss ganz schön tief in die Tasche greifen. Auch wenn gerade von einem historischen Absturz bei Edelmetallen gesprochen wird, so hat der Goldpreis in den vergangenen zwei Jahren einen Rekordhöhenflug hingelegt: innerhalb von zwölf Monaten hat Gold knapp 65 Prozent zugelegt, der Preis pro Unze ist auf ein Allzeithoch von fast 5.600 Dollar geklettert. Politische Instabilität, Inflationssorgen und geopolitische Spannungen bereiten den Boden dafür, dass die Nachfrage steigt.Die „WeltWeit“-Reporter:innen haben sich angesehen, was der neue Goldrausch mit den Menschen in den unterschiedlichen Regionen der Erde macht. Auf den Philippinen begleitet Isabella Purkart den 42-jährigen Familienvater Zaldy, der seit mehr als 15 Jahren unter extrem gefährlichen Bedingungen Gold schürft: in einem Schlammloch taucht er nach feinen Goldpartikeln und wird dabei nur über einen alten Kompressor mit Luft versorgt. Jeder Tauchgang ist ein großes Risiko, das er eingeht, um seine Familie zu ernähren. Der aktuell hohe Goldpreis treibt auch Zaldy und seine Kollegen an, noch härter zu arbeiten, denn meist verdienen sie trotzdem nicht mehr als ein paar Euro am Tag. Die Schweiz ist seit Jahrzehnten eine Drehscheibe im internationalen Goldhandel. Auch „dreckiges“ Gold, sogenanntes Blut- und Raubgold, wurde hier zu Barren verarbeitet. Vier der größten Raffinerien der Welt befinden sich im Land und gehen – geschützt hinter Kameras und Stacheldraht – diskret ihren Geschäften nach. Ein kürzlich beschlossenes Zollgesetz verlangt nun, dass die Raffinerien ihre Lieferketten bis zum Ursprung zurückverfolgen. Marion Flatz-Mäser taucht ein in die Welt der großen Goldhändler. Eine Welt, in der es Menschen gibt, die sich um viele Millionen Franken mit Gold eindecken, um sich damit auch in unsicheren Zeiten Sicherheit zu erkaufen. „Sie werden entweder Söhne aus ärmeren Familien oder ältere Männer heiraten müssen“, sagt der Vater von fünf Töchtern. In Indien wird die Mitgift in Form von Gold und teurem Brautschmuck verlangt. Beim aktuellen Preis können sich das immer weniger Brautväter leisten. Patrick A. Hafner trifft eine Familie mit fünf Töchtern, von denen drei in nächster Zeit verheiratet werden sollen. Das stellt sie vor eine große Herausforderung. Indiens Goldhändler haben auf das Rekordhoch beim Goldpreis reagiert und bieten Familien einen Ausweg: weniger Karat und statt Voll-Gold wird vergoldeter Schmuck angeboten. So lässt sich wenigstens der Schein von Glanz und Glamour wahren. Doch das birgt eine große Gefahr, denn traditionell ist der Brautschmuck zur finanziellen Absicherung der Frau gedacht, die nach ihrer Hochzeit auf das Wohlwollen der Familie ihres Ehemannes angewiesen ist. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 13.02.2026 ORF 2 59. Problemstelle Mann. Braucht es neue Rollenbilder?
Folge 59Frankreich: Der Manfluencer Ryan Mehsein aus Cannes verdient seinen Lebensunterhalt mit Ratschlägen für Männer: „Eine Beziehung kann nur dann gut funktionieren, wenn der Mann der Frau überlegen ist.“Bild: ORFIn einer Welt, in der der mächtigste Mann, der Präsident der USA, toxische Männlichkeit salonfähig gemacht hat, ist ein deutlicher Anstieg an Frauenfeindlichkeit nicht überraschend. Mädchen sehen sich immer öfter mit sexualisierter Gewalt und mit Hass im Netz konfrontiert. „Patriarchat tötet“ ist auf einem Schild bei einem Gedenk-Marsch für die Opfer männlicher Gewalt zu lesen. 3 Frauen wurden in Österreich allein seit Anfang des Jahres getötet. Vor allem rechte Bewegungen verbreiten die alte Vorstellung von den Geschlechterrollen, vielen jungen Burschen fehlen alternative Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.Starker Mann – schwache Frau: Der „Maskulinismus“ ist eine neue, reaktionäre Bewegung, die in Frankreich offiziell als Gefahr für die Demokratie und Gleichstellung gesehen wird. Maskulinisten verbreiten ihre weitgehend frauenfeindlichen Positionen bevorzugt online ? manche verdienen damit sogar ihren Lebensunterhalt. Cornelia Primosch hat in Cannes den 33-jährigen Ryan Mehsein getroffen, der als „Manfluencer“ Ratschläge für „echte“ Männer liefert. Doch „Manfluencer“ können auch unmittelbar Schaden anrichten, wie im Fall der Künstlerin Marion Séclin: nach einem feministischen Video erhielt sie 40.000 Hassbotschaften und Vergewaltigungsdrohungen. Spanien ist Vorzeigeland in Sachen Gleichstellung. Lena Hager besucht in einem Vorort von Sevilla einen Workshop für junge Fußballspieler, in dem ein faires, kooperatives Männlichkeitsbild und ein gleichberechtigter, respektvoller Umgang vermittelt werden. Workshop-Leiter Juan Moreno will den Burschen neue Wege aufzeigen und sie zu selbstständigem Denken erziehen. Für ein alternatives Männlichkeitsbild setzt sich auch der Österreicher Jakob Horvat ein. Im entspannten Umfeld Südspaniens bietet er sogenannte „Männer-Kreise“ an, in denen es viel um den Kontakt zu den eigenen Emotionen und um Männerfreundschaften geht. Auch die „Vaterrolle“ wird immer öfter zum Thema. Auf den Philippinen sind die Rollenbilder oft noch klar verteilt: Männer sorgen für das Einkommen, Frauen für den Haushalt und Kinder. Doch die Mehrheit der zwei Millionen im Ausland Arbeitenden sind inzwischen Frauen. Sie sind als Pflegekräfte, Hausangestellte oder im Servicebereich tätig. Viele sehen ihre Familien nur selten. Damit beginnt sich auch die traditionelle Rollenverteilung zu verändern. Isabella Purkart besucht im Großraum Manila den vierfachen Vater Alexander Carina. Seit seine Frau in Dubai arbeitet, ist er für Haus und Kinder verantwortlich. Was anfangs eine große Umstellung war, ist heute Teil seiner täglichen Routine. Eine neue Erfahrung für Alexander, der sich viele Jahre über seine Rolle als „Familien-Ernährer“ definiert hat. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 06.03.2026 ORF 2 60. Ungleichheit. Ein Problem, viele Gesichter.
Folge 60Panama: Der berühmte Panama-Kanal hat das Land reich gemacht. Aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung profitiert davon.Bild: ORFEin Prozent der Weltbevölkerung besitzt inzwischen fast die Hälfte des Weltvermögens, zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Oxfam-Bericht zur sozialen Ungleichheit. Und die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre nimmt weiter zu. Der enorme Reichtum einiger weniger ist ein strukturelles Problem unserer Zeit und gefährdet zunehmend Demokratie und den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ungleichheit existiert aber nicht nur bei der Verteilung von Vermögen, vielmehr beeinflusst sie Lebensrealitäten, Gesundheit, Bildung und damit die Chancengleichheit der Menschen.In Südafrika lässt sich Ungleichheit bildstark aus der Luft erkennen. In Kapstadt trennt oft nur eine Straße zwei Welten – rechts der wohlhabende Bezirk Pinelands mit Villen, großen Gärten und Pools, links das Township Langa mit Wellblechhütten und einer Arbeitslosenquote von 60 Prozent. Patrick A. Hafner trifft die zweifache Mutter Faith, die zwischen diesen beiden Welten pendelt. Ihr Leben zeigt, dass es Südafrika bis heute nicht gelungen ist, seiner Bevölkerung – unabhängig von der Hautfarbe – gleiche Aufstiegschancen zu bieten. Obwohl die Apartheidpolitik seit 1994 formell beendet ist, liegt die wirtschaftliche Macht nach wie vor bei der weißen Minderheit. Der Bau des Kanals hat Panama zu einem des reichsten Länder Lateinamerikas gemacht, doch gleichzeitig die soziale Ungleichheit gefördert. Das hat sich seit seiner Eröffnung 1914 kaum verändert. Nicole Kampl ist im berüchtigten Armenviertel El Chorrillo unterwegs, auf den Spuren der Nachkommen jener Einwanderer, die den Kanal gebaut haben: „Mir bleiben im Monat 200 Dollar zum Leben“, erzählt Cristobal, einer der Pensionisten, die sich zum Dominospiel am Parque de los Aborridos treffen. Im vergangenen Jahr hat der Panamakanal, der den Atlantik mit dem Pazifik verbindet und damit einen der wichtigsten Handelswege darstellt, drei Milliarden Dollar in die Staatskasse gespült. Ein neuer Rekord. In der Republik der Gleichheit herrscht in Sachen Bildung massive Ungleichheit, denn in kaum einem anderen europäischen Land bestimmt der soziale Hintergrund über den Schulzugang wie in Frankreich. Leonie Heitz ist in Clichy-sous-Bois, im Département Seine-Saint-Denis nordöstlich von Paris gelegen, wo 2005 die Aufstände in der Banlieue begonnen haben. Sie trifft die 17-jährige Myriem Alimi, die um ihren Platz in der Schule hart gekämpft hat. Und das Problem zieht sich durch den gesamten Ausbildungsweg. In den sozial benachteiligten Vierteln bekommen weniger als zehn Prozent der Maturantinnen und Maturanten einen Platz an einer Eliteuniversität einer „Grande Ecole“. In privilegierteren Gegenden schaffen es drei- bis viermal so viele. Dabei entscheidet in Frankreich der Name der Hochschule maßgeblich über den Zugang zu guten Jobs und damit zu einer erfolgreichen Zukunft. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 13.03.2026 ORF 2 61. Digitale Welt. Licht und Schatten einer Technologie?
Folge 61Ein Handyverbot gilt für unter 14-Jährige an Schulen seit vergangenem Mai, noch in diesem Jahr soll ein Gesetz für ein Social-Media Verbot in Österreich folgen. Seit Australien Jugendlichen unter 16-Jahren den Zugang zu den Sozialen Netzwerken gesperrt hat, folgen viele Länder mit ähnlichen Maßnahmen. Es geht darum, die jungen Menschen zu schützen, denn inzwischen ist die Online-Welt ein wesentlicher Bestandteil unseres Alltags geworden. Immer wichtiger wird Medienkompetenz. Die WeltWeit-Reporter:innen haben sich angeschaut, wie Digitalisierung Licht und Schatten in unser Leben bringt.Dänemark galt lange als digitales Vorzeigeland: Doch jetzt zieht das Land die Notbremse. Hintergrund sind alarmierende Zahlen zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Michael Mayrhofer erfährt, dass die Debatte inzwischen längst über Handy-Verbote an Schulen hinausreicht: Auch aus Jugendzentren werden Smartphones immer öfter verbannt. Mittlerweile gibt es sogar eigene „No-Phone-Days“ und die digitale Euphorie wird im Land grundlegend hinterfragt. Die portugiesische Insel Madeira im Atlantik ist ein Hotspot für Menschen, die eine neue Lebensweise für sich entdeckt haben: sogenannte „digital nomads“. Sie sehen die vernetzte Welt als Chance, ihre Form von Work-Life-Balance zu leben. Patrick A. Hafner trifft Menschen wie den deutschen Programmierer Tobias Hug, der dem Großraumbüro seines Arbeitgebers Adieu gesagt hat und von Orten aus arbeitet, wo andere Urlaub machen. Seit 17 Jahren ist er zwischen Thailand, Indonesien, Marokko und Portugal unterwegs. Inzwischen buhlen Staaten um die Gunst der digitalen Nomaden mit Steuervorteilen, stabilen Internetverbindungen oder speziellen Aufenthaltsgenehmigungen. Besonders beliebt sind Destinationen am Meer mit viel Sonne, die in der gleichen Zeitzone liegen wie die Arbeitgeber. Auf den Philippinen spielt sich ein großer Teil des Alltags online ab. Hunderttausende arbeiten als digitale Dienstleister für ausländische Unternehmen. Isabella Purkart besucht die 37-jährige Annie Arguelles und ihre Familie, die ihren Tagesablauf stark an die USA angepasst haben: Annie arbeitet von ihrem Wohnzimmer in Manila aus als virtuelle Assistentin für ein Immobilien-Unternehmen mit Sitz in Memphis. Der Job bringt der Familie ein nach philippinischen Maßstäben überdurchschnittlich gutes Einkommen. Gleichzeitig stellt er ihren Alltag auf den Kopf. Auch die beiden Söhne leben größtenteils digital mit Online-Homeschooling an einer amerikanischen Schule. Die Familie versteht all das als Chance und Investition in eine bessere Zukunft. (Text: ORF) Original-TV-Premiere Fr. 20.03.2026 ORF 2 Folge 62
Original-TV-Premiere Fr. 27.03.2026 ORF 2 Folge 63
Original-TV-Premiere Fr. 10.04.2026 ORF 2
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