Tracks East Folge 160: Brasilien zwischen Gewalt und Lebensfreude
Folge 160
160. Brasilien zwischen Gewalt und Lebensfreude
Folge 160 (30 Min.)
Der Designer Abacaxi (Mi.) möchte mit seinem Modelabel der Ästhetik und Kreativität der Favelas Anerkennung und Respekt verschaffen.
Bild: Abacaxi
Auf Social Media sind brasilianische Favelas zum Sehnsuchtsort geworden: Videos von Partys und Barbershops dominieren die Feeds. Auch Outfits und Bikinis in Gelb und Grün sind schwer angesagt. Die Nationalfarben Brasiliens erfuhren unter Ex-Präsident Jair Bolsonaro eine Umdeutung, sie wurden zum Symbol des Rechtspopulismus. Der Modedesigner Abacaxi kämpft gegen diese Vereinnahmung. Mit seinem Label trägt er den Style der Favelas mit Stolz in die Welt: „Für mich steht ‚Brazilcore‘ für die Freude und den Mut, zu zeigen, wer wir sind und woher wir kommen.“ Doch in den Favelas herrscht nicht nur Lebensfreude.
Der Alltag ist geprägt von Gewalt, von kriminellen Banden und der Polizei. Im Oktober 2025 kam es in Rio de Janeiro zur tödlichsten Polizeirazzia in der brasilianischen Geschichte. Mehr als 110 Menschen
wurden getötet. Den Schusswechseln fallen immer wieder Unschuldige zum Opfer, auch abseits großer Einsätze. Wie die 24-jährige Kathlen Romeu: 2021 wurde die angehende Mutter von einer Polizeikugel getroffen. Bis heute kämpfen ihre Eltern für Gerechtigkeit.
Über 300 indigene Völker gibt es noch in Brasilien – ihre Vorfahren haben den Kolonialismus und die Versklavung durch die Portugiesen überlebt. Seit Jahrtausenden leben sie nach der Prämisse, eins mit der Natur zu sein und dem Land nicht mehr Ressourcen zu entnehmen, als sie zum Überleben brauchen. Damit sind die Indigenen der Agrar- und Bergbauindustrie ein Dorn im Auge. Die Fotografin Natália Tupi hält ihre Kämpfe fest. Für „Tracks East“ trifft sie die einflussreiche Aktivistin Txai Suruí und besucht ein Schamanen-Fest der Guaraní-Gemeinschaft. (Text: arte)
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