Drama am 8000er – Was geschah an der Shishapangma?
Folge 313 (30 Min.)Martin Maier lässt bis heute nicht los, was 2014 an der Shishapangma in Tibet passiert ist, am kleinsten Berg der 14 Achttausender. Es ist die Geschichte einer der größten Katastrophen im deutschen Bergsport und wie danach die Wahrheit verdreht wurde. In Rekordzeit die höchsten Berge hinaufrennen, das war das große Thema im Alpinismus der 2010er-Jahre. Zwei Deutsche mischten damals mit: Sebastian Haag und Benedikt Böhm. Als Haag und Böhm 2014 an die Shishapangma reisten, um dort einen Speed-Rekord aufzustellen, gab es einen medialen Hype: Deutschlands Zeitungen und Magazine waren voll von der Geschichte.Vor allem wegen Benedikt Böhm „Deutschlands, sportlichstem Manager“, wie einige Medien schrieben; war er doch damals CEO der Outdoor Firma Dynafit. Der Versuch von insgesamt fünf Bergsteigern, die Shishapangma in unter 24 Stunden zu besteigen und mit Skiern wieder abzufahren, endete in einem Fiasko. Sebastian Haag und Andrea Zambaldi starben, als sich am frühen Morgen des 24. September 2014 eine riesige Lawine kurz unterhalb des Gipfels löste. Martin Maier geriet damals auch in die Lawine, blieb aber wie durch ein Wunder oben auf, bis die Schneemassen zum Stoppen kamen. Danach entspann sich eine Geschichte voller Lügen, die ein Schlaglicht darauf wirft, wie es wirklich steht um Kameradschaft und Ethik am Berg. Benedikt Böhm, der das Unglück zusammen mit dem Schweizer Spitzenkletterer Ueli Steck unverletzt überlebte, verbreitete in der Folgezeit eine Version des Hergangs, die nicht den Tatsachen entsprach. Er erfand eine Reihenfolge der fünf beteiligten Bergsteiger, die es nie gegeben hat und behauptete, ausgerechnet sein verstorbener Jugendfreund Sebastian Haag habe die Gruppe angeführt. Dabei war er selbst derjenige, der im Augenblick des Lawinenabgangs die Richtung vorgab. Martin Maier trug damals ein schweres Schädel-Hirn-Trauma davon, dessen Folgen ihn noch heute beeinträchtigen. Er hat lange gebraucht, bis er alles, was damals passierte, in eine logische Reihenfolge bringen konnte. Er hat das original Video- und Fotomaterial, das ein griechischer Filmer damals erstellt hat, immer wieder analysiert und erzählt jetzt seine Version der Geschichte. Auch der Kameramann Christos Tsoutsias und Sebastian Haags Freundin Magdalena Martini sind bis heute verstört über die falschen Aussagen rund um das Bergdrama. Jetzt formulieren sie zum ersten Mal ihre Vorwürfe. Bisher unveröffentlichtes Material, das diese Expedition genau dokumentiert, steht jetzt zur Verfügung. Es belegt eindeutig: Dass Martin Maier noch lebt, ist keineswegs das Verdienst seiner Expeditionspartner. Er ist aus eigenem Antrieb mit schwerem Hirnschaden auf allen vieren bis in ein rettendes Lager gekrochen. Der Einzige, der nicht gezögert hat, ihm zur Hilfe zu eilen, war der einheimische Norbu Sherpa. (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere So. 12.04.2026 NDR Stärker als der Staat – Die Bodybuilder in der DDR
Folge 314 (30 Min.)Sie schweißen ihre Hanteln selbst, trainieren auf Dachböden, in Kellern, in Räumen Marke Eigenbau: Bodybuilder in der DDR. Ihr Sport – nicht olympisch, nicht gefördert – ist dem Staat höchst suspekt, die Staatssicherheit überwacht fast jede Sektion. Aufhalten lassen sich die Bodybuilder davon nicht. Im Gegenteil. Die „Sportclub Story“ erzählt die Geschichte von Sportlern, die Meister im Improvisieren sind. Gegen alle Widerstände. „Es gab keine Studios“, sagt der Sporthistoriker Dr. Andreas Müller. Selbst der Name – Bodybuilding – sei offiziell tabu gewesen.Zu westlich. „In der DDR hieß es Körperkulturistik.“ Die Sportler kümmern sich selbst. Bauen Barracken zu Trainingsräumen aus, tauschen Schallplatten gegen Eisen und Stangen, schmuggeln Fachmagazine aus dem Westen, um an Trainingspläne zu gelangen. Und sie sind äußerst erfinderisch, wenn es um die Beschaffung von Dopingmitteln geht. Was sind das nur für Leute? Die Staatssicherheit kann diese Frage nie richtig beantworten. Trotz aller Versuche, die Kraftsportler systematisch auszuspionieren. Inoffizielle Mitarbeiter suchen Kontakt, melden sich in Sektionen von Betriebssportgemeinschaften und Sportclubs an, trainieren mit. Telefonate werden abgehört, manchen Sportlern werden Pornohefte untergeschoben, „um zu provozieren“, so Müller. „Der Besitz war in der DDR streng verboten.“ In ihren Stasiunterlagen habe sie gelesen, dass ihre Wohnung überwacht wurde, sagt Gabi Romanik. In den 1980er-Jahren heißt sie noch Gabi Otto und ist eine Pionierin des Frauen-Bodybuildings. „Wahrscheinlich hat die Stasi auch einen Schlüssel gehabt, um hineinzukommen.“ Der Kraftsport wächst im Schatten des staatlich organisierten Leistungssports heran. Wettkämpfe im Westen sind streng untersagt, bei Turnieren im befreundeten Ostblock dürfen DDR-Mannschaften nicht teilnehmen, wenn Sportler aus dem nichtsozialistischen Ausland dabei sind. Das sei uns aber völlig egal gewesen, sagt Dr. Hans-Jörg Kloss, der als stärkster Zahnarzt der DDR gilt und einen Rekord im Bankdrücken hält. „Ich bin mit meinen Leuten drei Tage mit der Bahn zum Turnier nach Bulgarien gefahren und wusste nicht, wer am Start ist. Nie und nimmer wäre ich wieder zurückgefahren.“ Die Bodybuilder entziehen sich der staatlichen Kontrolle. „Den Weg, den ich gehen will, den gehe ich“, sagt Hans Löwe, der zu den Legenden im Kraftsport der DDR zählt. Die Staatssicherheit verzweifelt zunehmend am Eigensinn der Athleten. Und dann steigt und steigt auch noch die Zahl der Ausreiseanträge … Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit hätten schließlich berichtet, „man muss im DDR-Kraftsport etwas verbessern, weil die Sportler ungerecht behandelt werden“, sagt Historiker Dr. Andreas Müller. Ausgerechnet Spitzel als Fürsprecher. Bald darauf gibt es richtige DDR-Meisterschaften und Kraftsportler können Meister des Sports werden. Eine hohe staatliche Auszeichnung. „Das war der Hammer!“ (Text: NDR) Deutsche TV-Premiere So. 26.04.2026 NDR
