Seit Ende vergangener Woche erhitzt eine Entscheidung des ZDF die Gemüter: Äußerst kurzfristig wurde der linke Liedermacher und Rapper Danger Dan aus der Jubiläumssendung von „Die Anstalt“ wieder ausgeladen. Eigentlich sollte er dort zusammen mit dem Pianisten Igor Levit den Song „Keine Angst“ präsentieren. Dies sorgte nicht nur bei einigen Zuschauern für Unmut, auch die drei Moderatoren der Satiresendung – Max Uthoff, Claus von Wagner und Maike Kühl – kritisierten massiv den ihrer Ansicht nach ungerechtfertigten Eingriff ihres Arbeitgebers. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung verteidigt nun ZDF-Intendant Norbert Himmler die Entscheidung – räumt aber gleichzeitig Fehler ein.
Die Kurzfristigkeit der Ausladung müssen wir uns vorwerfen lassen, äußert sich Himmler selbstkritisch. Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung. Die Entscheidung, Danger Dan auszuladen, hält der Intendant hingegen für richtig.
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Himmler: „Unzweifelhaft Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand“
Himmler erläutert in der SZ: Wir haben es hier meiner Ansicht nach unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun, der in ‚freundliche Grüße‘ an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet. Spätestens bei der letzten Strophe ist klar, dass es keine zweite Ebene, dass es keine Ironie, keine Konjunktive gibt, auf die man sich zurückziehen könnte. Es habe sich herauskristallisiert, dass in dem Auftritt illegale Aktionen und Gewalt denkbare Optionen zu sein scheinen.
Aus diesem Grund entschied das ZDF kurz vor der Aufzeichnung, den Auftritt von Danger Dan und Igor Levit zu streichen. Der Liedtext könne als Aufruf zu Gewalt verstanden werden. Ein solcher Aufruf steht im Gegensatz zu unseren Programmrichtlinien, erläuterte Oliver Heidemann, Leiter ZDF-Hauptredaktion Show. Zuvor habe es eine intensive redaktionelle Bewertung des Songs gegeben, in die auch das Justitiariat des ZDF eingebunden war.
Himmler: „Uns redet niemand in unsere Arbeit rein“
Im SZ-Interview widerspricht ZDF-Intendant Norbert Himmler der von Danger Dan und Igor Levit via Instagram getätigten Behauptung, dass das Justitiariat den Liedtext zunächst durchgewunken habe: Diese Darstellung ist schlicht falsch. Das Justitiariat hat die Entstehung der Sendung begleitet und frühzeitig und eindeutig davor gewarnt, das Lied ununterbrochen bzw. unwidersprochen auf der Bühne zu inszenieren. Man habe in enger Absprache mit drei Moderatoren versucht, den Auftritt so zu gestalten und einzuordnen, dass er vertretbar gewesen wäre. Auf der Zielgeraden sei auf der Grundlage der Hinweise des Justitiariats die Geschäftsleitung eingebunden worden. Man sei dann zu dem Schluss gekommen, dass das Dilemma im Format ‚Die Anstalt‘ nicht zu lösen war.
Dem Vorwurf, dass das ZDF seine Programm-Entscheidungen nicht unabhängig treffen würde, widerspricht Himmler deutlich: Uns redet niemand in unsere Arbeit rein und das ist auch gut so. Dafür sind wir staatsfern und unabhängig finanziert. Was das ZDF soll, was es darf und was es nicht darf, steht in unseren Programm-Richtlinien.
„Das ZDF hatte lange genug Zeit, sich den Text anzuschauen“
Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl (v. l.) ZDF/Jens Hartmann
Max Uthoff, Claus von Wagner und Maike Kühl sehen dies logischerweise völlig anders und äußerten sich in einem Interview mit dem Branchendienst DWDL „fassungslos“, „ungläubig“ und „wütend“. Es sei vor allem unprofessionell gewesen. Das ZDF hatte lange genug Zeit, sich den Text anzuschauen, stellte von Wagner klar. Die Songzeilen, die eine Anleitung zum Widerstand gegen rechtsextreme Strukturen und Zeilen enthalten, hätte man als Anlass für eine Diskussion nehmen können und darüber diskutieren können, wie weit Kunstfreiheit reicht und wo vielleicht eine Grenze durch die Lyrics des Songs überschritten wurde, so Kühl. Das alles habe das ZDF aber nicht gewollt und den Künstler eigenständig, gegen unseren Protest, wieder ausgeladen.
Auch Danger Dan selbst sieht in der Ausladung einen Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Gegenüber dem Spiegel meinte der Sänger, der bürgerlich Daniel Pongratz heißt, er rufe niemanden dazu auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Stattdessen gehe es darum, wie wirksame Antifaschismusstrukturen aufgebaut werden können. Ich verabscheue Gewalt und Im besten Fall gäbe es gar keine Gewalt, sagt Danger Dan. Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität. Über seinen Song „Keine Angst“ sagt er: Dieses Lied ist nicht lustig, es ist nicht im Konjunktiv geschrieben. In diesen letzten fünf Jahren hat sich die Situation so zugespitzt, dass nicht mehr viel Raum ist, um noch Witze zu machen. Genau dieser Umstand dürfte allerdings das Problem gewesen sein, das schließlich zur Ausladung geführt hat.
Die 100. Folge von „Die Anstalt“, die unter dem Titel „Die AntifAnstalt“ läuft, wurde bereits am Wochenende online auf ZDF.de bereitgestellt und wird am heutigen Dienstagabend um 22:15 Uhr linear im ZDF ausgestrahlt. Darin nehmen die drei Moderatoren direkt Bezug auf die Ausladung von Danger Dan und bringen ihre Enttäuschung und Betroffenheit darüber zum Ausruck. Das ZDF wiederum bezog bereits am Samstag in einer Sonderausgabe des Kulturmagazins „aspekte“ Stellung zu der Entscheidung.
Ein wirkliches Armutszeugnis für das ZDF. Unglaublich!
Old School am
👍👏🏼 Wurde auch mal Zeit! Es kann nicht sein das linker Terror salonfähig ist und man ungestraft nach der RAF singen darf, aber die AFD verbieten wollen! Dann muß man auch sagen weg mit der SED-Nachfolgepartei Die Linke.
upsi (geb. 1984) am
Im Text steht „einige Zuschauer“ hätten sich an der Ausladung gestört. Da frag ich mich, wie man „einige“ definiert.
Desweiteren beteuert Dr. Himmler, man ließe sich nicht reinreden, ins Geschäft. Das wiederum krieg ich nicht zusammen damit, dass das ZDF sich an Sanktionslisten hält, die von der USA vorgeschrieben wurden.
Das sind schräge Zeiten inzwischen und ich hoffe, viele lassen sich von Danger Dan und Igor Levit zu Widerspruch und Widerstand inspirieren.
Nicht, dass in einiger Zukunft für die jetzigen Widerständler Kränze niedergelegt werden, so wie gestern für Staufenberg.