Umstrittene Church of Scientology startet TV-Sender in den USA

    Organisation will eigene Außendarstellung fördern

    Umstrittene Church of Scientology startet TV-Sender in den USA – Organisation will eigene Außendarstellung fördern – Bild: @ScientologyTV
    Scientology Network

    Die in den USA als Religionsgemeinschaft anerkannte Church of Scientology hat bisher mit dem Problem zu kämpfen, dass ihre äußere Wahrnehmung vor allem durch ihre Gegner bestimmt wird. Um dem entgegenzuwirken wird die Organisation, wie kurzfristig bekannt wurde, am heutigen Montag einen eigenen TV-Sender starten – was zugegeben in der heutigen Zeit nicht mehr eine ganz so hohe Hürde ist, wie noch vor zehn Jahren. Der Satellitenanbieter DirecTV wird den Sender linear anbieten, dazu kommt die Verbreitung über mehrere Streaming-Dienste.

    Nach einem eigenen Trailer wird das Angebot ab 20 Uhr Ostküstenzeit (2 Uhr morgens MEZ) starten. Auf dem Sender sollen laut TV Line unter anderem Reality-Eigenproduktionen wie „Meet a Scientologist“, „Voices for Humanity“ und „L. Ron Hubbard: In His Own Voice“ laufen. Generell will der Sender auch die philosophischen Eigenheiten der Organisation in seinen Produktionen vorstellen.

    In Sachen Scientology hatte zuletzt vor allem Aussteigerin Leah Remini größere Wellen geschlagen, deren Doku-Format „Leah Remini: Ein Leben nach Scientology“ im letzten Jahr einen Emmy gewann. Darin zeichnet sie ein unschönes Bild vom internen Umgang mit Kritikern der Organisation. Verfassungsschutzbehörden in Deutschland haben ein kritisches Auge auf die hier als Scientology-Organisation bekannte lokale Organisation: „Aus einer Vielzahl von Informationsquellen ergibt sich, dass die SO wesentliche Grund- und Menschenrechte wie die Menschenwürde, das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und das Recht auf Gleichbehandlung außer Kraft setzen will. Sie strebt darüber hinaus eine Gesellschaft ohne allgemeine und gleiche Wahlen an“, heißt es aktuell beim behördlichen Webauftritt Verfassungsschutz.de.

    In der Medienwelt der USA hat sich in den letzten Jahren sehr stark eine Klientel-Politik durchgesetzt, bei der sich gewisse Sender gebildet haben, die bestimmte Subkulturen gezielt ansprechen und deren Weltbild unterstützen, nicht selten mit finanziellen Motiven. Zuletzt in die Schlagzeilen gekommen war NRA TV, ein ebenfalls digital verbreitetes Angebot der amerikanischen National Rifle Association, einem Interessenverband von Verfechtern des freien Zugangs zu Schusswaffen, zu dem auch die Industrie massiv beiträgt. Nach dem Anschlag auf eine Schule in Parkland, Florida, bei dem mit 17 Todesopfern ein trauriger neuer Rekord aufgestellt wurde, wandten sich Bestrebungen auf eine Reform der Schusswaffen-Gesetzgebung auch auf eine Eindämmung der politischen Macht der NRA, die durch Wahlkampfspenden erfolgreiche Lobby-Arbeit betreibt. So gab es einen Boykott-Aufruf gegen Firmen, die eng mit der NRA zusammenarbeiten oder dieser vorteilhafte Konditionen einräumen – und auch gegen die Plattformen, die NRA TV verbreiten.

    John Oliver stellte in seiner Sendung „Last Week Tonight with John Oliver“ am Beispiel von NRA TV vor, wie solch ein Klientel-Sender funktioniert.

    Last Week Tonight: NRA TV (englisch)

    12.03.2018, 11:13 Uhr – Bernd Krannich/fernsehserien.de

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • pumpkins (geb. 1980) am 16.03.2018 15:55

      @ lordmark

      Sorry - aber das ist alles Falsch!

      Scientology ist einer gefährliche Sekte die auch verantwortlich ist für den Tod von vielen Ex-Mitgliedern
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      • lordmark (geb. 1969) am 14.03.2018 09:52

        Besten Dank für den ungewöhnlich sachlich formulierten Text.

        Der neue Fernsehkanal dient in erster Linie dazu Scientology einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und zu zeigen, was Scientologen eigentlich machen. Das ist angesichts einer sehr einseitigen und sensationsgeilen Berichterstattung von Medien sicherlich auch gerechtfertigt. Es ist also kein Klientelsender.

        Was die Verfassungsschutzbehörden angeht, so haben diese bis heute leider keinerlei Belege für ihre Behauptungen vorgelegt. Das ganze hat eher den Geruch von pauschaler Anti-Sekten-Poropaganda als von wirklicher Aufklärung. Im übrigen findet sich im Internet eine Grundsatzerklärung von Scientology mit einem ausdrücklichen Bekenntnis zum Grundgesetz und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Vorwürfe, Scientology sei gegen die Demokratie gerichtet, stimmen also nicht.

        Aber man kann sich ja jetzt ein eigenes Bild machen: www.scientology.tv
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