Die 10 besten Dystopie-Serien

Zum Start von „The Testaments – Die Zeuginnen“ nehmen wir uns bedrückende Zukunftsvisionen vor

Christopher Diekhaus
Christopher Diekhaus – 06.04.2026, 12:14 Uhr

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Platz 5: „Silo“ (2023-heute)

Eine toxische Luft macht das Leben auf der Oberfläche unseres Planeten unmöglich. Das glauben in der Verfilmung einer Romanreihe nach Hugh Howey zumindest die Menschen, die in einem riesigen vertikalen Bunker unter der Erde residieren. Nach einem persönlichen Verlust macht sich eine Ingenieurin (Rebecca Ferguson) allerdings daran, die offiziellen Erzählungen und das Regelsystem des Silostaates genauer zu ergründen. Ausgehend von einer griffigen Wahrheit-oder-Lüge-Konstellation, nimmt uns die von Graham Yost entwickelte Serie mit ihrem klaustrophobischen Szenario, einer facettenreich gezeichneten Protagonistin und einer eindringlich agierenden Hauptdarstellerin gefangen. In „Silo“ jagt zwar nicht eine Wendung die nächste. Wirkungsvoll drehen die Macher in ihrem von Machtspielen und Manipulation durchdrungenen Universum aber die Spannungsschraube kontinuierlich ein kleines Stück weiter.

Platz 4: „Station Eleven“ (2021)

Vor allem in Krisenzeiten haben Untergangspropheten und sektiererische Narrative – siehe Corona! – Hochkonjunktur. Dieser Erkenntnis trägt die Miniserie „Station Eleven“ nach dem gleichnamigen Roman von Emily St. John Mandel Rechnung. Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist eine kleine Schauspieltruppe, die 20 Jahre nach dem Ausbruch einer verheerenden Pandemie auf einen gewalttätigen Kult trifft. Verschiedene Zeitebenen kunstvoll verwebend, bringt es die von Patrick Somerville besorgte Literaturadaption fertig, den Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation mit Hoffnung aufzuladen. Ein komplex arrangierter, tiefschürfender Zehnteiler ohne billige Erklärungen. Eine echte Perle im Meer des dystopischen Serienschaffens!

Platz 3: „The Handmaid’s Tale“ (2017⁠–⁠2025)

Margaret Atwoods beklemmender Roman „Der Report der Magd“ (im Original: „The Handmaid’s Tale“) von 1985 erfährt in Bruce Millers Serienversion eine ebenso mitreißende wie schockierende Neuinterpretation. Das Grundkonzept: Auf US-amerikanischem Boden hat sich ein diktatorischer Staat namens Gilead etabliert, in dem sich Frauen wie Desfred (Elisabeth Moss) der Elite als Gebärmaschinen hingeben müssen. Dass der emanzipatorische Stoff nichts von seiner Brisanz verloren hat, zeigt ein Blick auf die frauenfeindlichen Parolen, die manche Politiker heute ganz offen formulieren. Nach der grandiosen, vielfach prämierten Auftaktstaffel spinnt das Hulu-Drama die Geschichte der Buchvorlage sinnvoll fort und kann immer wieder mit der furchtlosen Darbietung von Elisabeth Moss punkten. Romanschöpferin Atwood, die beratend an der Adaption mitwirkte, berücksichtigte diverse der in den späteren Runden hinzugefügten Elemente in ihrem Nachfolgewerk „Die Zeuginnen“, dessen Verfilmung ab dem 8. Januar auf Disney+ verfügbar ist.

Platz 2: „The Last of Us“ (2023-heute)

Die vielleicht beste Videospieladaption bislang! „The Last of Us“ tariert Action, Spannung und Charaktermomente raffiniert aus, scheut nicht vor drastischen Wendungen zurück und nimmt sich Zeit für Abstecher, die ein vielschichtiges Bild der am Anfang stehenden, die Welt in eine Kampfzone verwandelnden Pilzepidemie entwerfen. Exemplarisch für die manchmal überraschend leisen Zwischentöne ist die dritte Folge der Auftaktstaffel, in der zwei Menschen inmitten der Verheerung zueinander finden, die eigentlich nicht zusammenzupassen scheinen. Bleibt nur zu hoffen, dass das postapokalyptische Drama nach einigen Veränderungen auf kreativer Ebene auch in der kommenden dritten Runde seine hohe Qualität halten kann.

Platz 1: „Severance“ (2022-heute)

In Dan Ericksons dystopischer Thriller-Serie ermöglicht ein medizinisches Verfahren den Mitarbeitern einer Großkonzerns, ihre Erinnerungen aufzuspalten. Nichts, was sie zu Hause erleben, können sie nach dem Betreten des Firmengebäudes abrufen. Und alles, was im Büro passiert, bleibt nach dem Verlassen des Arbeitsplatzes dort. Eine Work-Life-Balance zum Gruseln, wie der zum Leiter einer undurchsichtigen Abteilung ernannte Mark (Adam Scott) langsam begreift. Fans knalliger, Spannungsgeschichten schauen in die Röhre. Begeistern wird die originelle Apple-Eigenproduktion dafür Zuschauer, die sich auf leises Grauen, satirische Spitzen und eine eigenwillige, ausdrucksstarke Bildsprache verstehen. Zwischen Absurdität und Beklemmung pendelnd, skizziert „Severance“ ein furchteinflößend totalitäres System, das seine Mitglieder zu unkritischen Befehlsempfängern erzieht. Viel besser hätte das wohl selbst David Lynch, der 2025 verstorbene Meister des surrealen Unbehagens, nicht in Szene setzen können. Großen Anteil an Look und Wirkung hat der vor allem für seine komischen Arbeiten bekannte Ben Stiller, der in diesem Fall als Regisseur und ausführender Produzent involviert ist.

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Über den Autor

Christopher Diekhaus, Jahrgang 1985, erlebte seine TV-Sozialisation in den 1990er-Jahren. Seine echte Liebe für den Flimmerkasten entbrannte allerdings erst gegen Ende der Schulzeit. Nach seinem Studium landete er zunächst in einer Film- und Fernsehproduktionsfirma. Seit 2013 schreibt Christopher als Freiberufler Film- und Serienkritiken. Das Portal fernsehserien.de unterstützt er seit Ende 2019. Im Meer der Veröffentlichungen die Perlen zu entdecken – diese Aussicht spornt ihn immer wieder an. Insgeheim hofft er, irgendwann eines seiner in der Schublade liegenden Drehbücher zu verkaufen. Bis er den Oscar in Händen hält, sichtet und rezensiert er aber weiter fleißig die neuesten Serien.

Lieblingsserien: Devs, Lass es, Larry!, Severance

Kommentare zu dieser Newsmeldung

  • (geb. 1966) am

    Dystopien – war da nicht was?

    Bei dem Hang moderner TV- Produzenten x-beliebige Romane zu Serien umzuschreiben wundert mich, dass sich noch niemand an 1984, Brazil, oder Brave New World vergriffen hat.

    Obwohl – Brazil, die Serie würde ich wohl gucken. 🤪
    • am

      Brave new world haben sie doch vor ein paar Jahren pseudoversucht und sind damit baden gegangen. Zurecht.....
  • am

    Und niemand erwähnt oder kennt Jeremiah.....
    • (geb. 1978) am

      Für mich gehören noch die US-Serien „Revolution“ (2012) und „Jericho“ (2006) auf die Liste. Trotz eher schlechter Kritiken fand ich auch das deutsche Format „8 Tage“ ganz unterhaltsam.

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