Der letzte Cowboy

    Sympathische Comedy um einem Klinkenputzer mit Kater und 60 Staubsaugern – von Annick Peters

    Die Erlebnisse von Hasso Gründel im Job hauen selbst den stärksten Staubsaugervertreter von der Couch …

    Zu den Feiertagen beschert der WDR seine Zuschauer – und zwar mit seiner Comedy-Miniserie „Der letzte Cowboy“. Sechs Folgen entstanden unter der Regie von Lars Jessen („Tatort“, „Fraktus“).
    Sie werden ab dem zweiten Weihnachtstag in schneller Folge im WDR-Fernsehen ausgestrahlt und sind auch bereits seit dem 12. Dezember 2016 in der WDR-Mediathek verfügbar.

    Innerhalb von knapp zwei Minuten wird der Inhalt der Serie dem Zuschauer schnell erklärt: Hauptfigur Hasso Gründel – gespielt von Peter Jordan – stellt sich seinem neuen Chef bei einer Staubsugerfabrik vor – und somit auch zugleich dem Zuschauer. Kurz darauf verkündet der neue Chef bei einer Mitarbeiterbesprechung, dass der komplette Außendienst, und somit auch Gründels Job, abgeschafft werden soll: „Allein in den letzten 5 Jahren hat die Firma mehr mit Staubsaugerbeutel-Duftsäckchen verdient, als mit dem Außendienst!“, ist nur eines von gleich mehreren Argumenten.

    Das kann und will Gründel nicht auf seinen Kollegen sitzen lassen und verlangt von seinem neuen Chef eine Chance, den Job der Außendienstler zu retten. Der Chef willigt nach kurzer Beratung ein und stellt Gründel ein Ultimatum: Wenn er es schafft, innerhalb der nächsten drei Wochen 60 Exemplare des Staubsauger-Luxusmodels Panther 2000 zu verkaufen, bleibt die Abteilung erhalten. Gründel, der vorher nur den Außendienst vom Schreibtisch aus koordiniert hat, muss nun in Aktion treten und den Staubsauger selbst an den Mann bringen.

    Gründel lernt beim Klinken putzen jede Folge einen neuen Haushalt und dessen BewohnerInnen kennen. Dabei wird er meist zunächst abgewiesen, schafft es aber dann doch, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Der eigentliche Grund seiner Anwesenheit – der Verkauf eines Staubsaugers – tritt immer schnell in den Hintergrund und wird von abstrusen Situationen abgelöst.

    Gründel freundet und feindet sich mit den Figuren an. Er hilft ihnen aus ihren noch so abstrusen und misslichen Lagen heraus: sei es ein Musikproduzent, der von einer Frau mit einer Waffe bedroht wird, nachdem er diese zuvor in einer Talent-Show Dieter-Bohlen-Like verspottet hatte – oder eine Frau die von ihrem Mann im Keller eingesperrt wurde – weil sie ihn um diese Hilfe beim Abnehmen gebeten hatte.
    Während langen Dialogen mit den potenziellen Kunden, nimmt Gründel dabei so ziemlich jedes Fettnäpfen mit. Er wird immer beschuldigt und ihm werden Dinge unterstellt, woraufhin er sich mehr oder weniger elegant verteidigt und selbst in skurrile Lagen gerät.

    Einen Rahmen um die Folgen bilden die Telefonate, die Gründel mit seiner Frau Melanie führt, meist zum Anfang und Ende seiner Einsätze. Melanie ist in Kur und erkundigt sich jedes Mal nach dem Wohlergehen ihrer geliebten Katze Samson, die sie während des Kuraufenthalts in Gründels Obhut lassen musste. Samson ist mehr oder weniger Gründels Sidekick, den er mit zu den Kunden nehmen kann, um zum Beispiel zu demonstrieren, wie gut der Panther 2000 Katzenhaare weg saugt – ob der Kunde selbst eine Katze hat, ist dabei nebensächlich.

    Hasso Gründel, immer Samson und den Panther 2000 an seiner Seite

    Gründel lernt die unterschiedlichsten Haushalte und Persönlichkeiten der rheinischen Provinz kennen. Er findet in den Episoden neue Freunde und Feinde – doch einen Staubsauger wird er dabei nicht los. „Der letzte Cowboy“ wird somit auch dadurch definiert, in welchen Haushalt Gründel gerät und mit welchen Personen und Problematiken er sich dort auseinandersetzen muss.
    Dies erinnert nicht zuletzt auch an die Struktur der deutschen Erfolgscomedy „Der Tatortreiniger“, bei welcher ebenfalls der Beruf der Hauptperson diese pro Folge in einen neuen Haushalt führt und dort mit einem Fall konfrontiert.
    Zum Beispiel ähneln sich auch die beiden Nebenfiguren der Fälle der jeweils zweiten Folge der Formate. Schotty (Bjarne Ingmar Mädel – Der Tatortreiniger) trifft auf einen eingebildeten Autor mit einer Schreibblockade und Gründel muss in der zweiten Folge die Muse für einen ebenfalls schnöseligen Musikproduzenten spielen, da dieser ohne Hilfe seinen Song nicht zu Ende schreiben kann.
    Obwohl sich doch einige Ähnlichkeiten zwischen „Der letzte Cowboy“ und dem „Tatortreiniger“ feststellen lassen, sollte man sich nicht versteigen, eine Abkupferung zu unterstellen.

    Das andere Berufsfeld, andere Figuren und vor allem Peter Jordan in der Rolle des Hasso Gründel geben dem Format seinen ganz eigenen Charme. Jordan spielt die Rolle überzeugend und wirkt sehr sympathisch. Hasso Gründel wirkt menschlich, da er tollpatschig und manchmal aufbrausend ist. Seine Sprüche sind oft aufgrund seiner Ironie und/oder seiner Unwissenheit sehr amüsant.

    Mit Gründel kann man sich als Zuschauer sehr gut identifizieren, insbesondere deswegen, weil man mit ihm gemeinsam hofft, dass er es schafft, endlich die Staubsauger zu verkaufen.

    Was allerdings in manchen Folgen doch ziemlich überspitzt wirkt, sind die anhaltenden Reihen von unglücklichen Zufällen. Etwa in der ersten Folge, als nicht nur die Türklinke der Kellertür fehlt, dann niemand im Haus ist, um die Tür von außen aufzumachen und darauf auch noch der Akku des Handys sich verabschiedet.

    Insgesamt bietet „Der Letzte Cowboy“ ein spaßiges Programm für die Feiertage. Die Folgen sind trotz gleichbleibenden Schemas sehr unterschiedlich, weil sie durch die wechselnden Haushalte und wechselnden Nebenfiguren verschiedene Themen behandeln. Die Folgenhandlungen sind in sich abgeschlossen und erzeugen alle auf ihre eigene Art und Weise durch ihre jeweilige Situation Komik. Fans des Tatortreinigers sollten auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, aber auch alle anderen sollten sich ermutigt fühlen mal reinschauen, denn es lohnt sich.

    Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten zwei Episoden der Serie.

    Meine Wertung: 3,5/5


    © Alle Bilder: Willi Weber/WDR

    24.12.2016, 08:30 Uhr – Annick Peters/fernsehserien.de

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