Netflix: Mit Zufallswiedergabe und Zappen zurück zum linearen Feeling?

    On-Demand-Dienst testet neue Funktionen gegen Auswahl-Frust

    Bernd Krannich – 13.12.2019, 17:30 Uhr

    Jeder, der sich in den letzten Jahren mit anderen über Streaminganbieter wie Netflix unterhalten hat, hat schon gehört, dass Menschen bei der ganzen Programmauswahl sich einfach nicht entscheiden können, was sie nun konkret schauen sollen. Oder man hat diese Beobachtung schon selbst geteilt, dass man statt etwas zu schauen, sich Minute um Minute durchgeklickt hat, ohne etwas zu finden.

    Netflix testet aktuell laut Variety eine Abhilfe für diese Entscheidungsunfähigkeit. Einerseits einen „Watch Now“-Button, mit dem einfach ein zufällig ausgewähltes, „passendes“ Programm für das Profil abgespielt wird. In einem zweiten Schritt können die Zuschauer sich durch die Benutzung eines „Play Something Else“-Buttons („Spiele etwas anderes“) durch das Angebot „zappen“.

    Der aktuelle Test betrifft nur eine kleine, ausgewählte Gruppe und ist auf Apps beschränkt, die an ein Fernsehgerät angeschlossen sind (also nicht auf mobilen Endgeräten). Ob die Funktion danach generell eingebaut wird, steht noch in den Sternen.

    Watch Now

    Entweder direkt mit der Auswahl des Profils oder auch später verfügbar, kann man, statt sich selbst für eine Sendung zu entscheiden, Netflix die Wahl überlassen: Beim Betätigen des Buttons wird einfach ein „passendes“ Programm gestartet.

    „Passend“ heißt in diesem Fall, dass zufällig entweder die nächste Episode einer Serie gestartet wird, die über das betreffenden Nutzerprofil schon geschaut wurde, eine Serie, die bei dem Profil auf „Meine Liste“ gesetzt wurde oder aber ein Format, das Netflix auf Basis des bisherigen Konsums des Profils auch in Vorschlagslisten hervorgehoben hat. Bei Letzterem soll der Zuschauer zudem kurz informiert werden, warum Netflix diese neue Sendung für diesen Zuschauer passend hält (in der Regel eine oder mehrere andere Sendungen, die mit dem Profil vorher geschaut wurden).

    Die „Play Something Else“-Funktion simuliert das „Weiterzappen“, bei dem man sich wiederum überraschen lässt, was als nächstes gezeigt wird – wobei hier wirklich nur neue, dem Nutzer unbekannte Formate in die Zufallsauswahl kommen.

    Ironisch an der neuen Funktion ist natürlich, dass Netflix durchaus mit dem Ansatz angetreten war, den Zuschauern genau das zum Abruf zur Verfügung zu stellen, was diese sehen wollte. Doch die Zuschauer wollen anscheinend gelegentlich diese Kontrolle wieder abgeben, sich halt häufig auch einfach nur berieseln lassen oder sich auch mal überraschen lassen.

    Beispiel zur Benutzung von „Watch Now“ und „Play Something Else“

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am melden

      @U56:
      Also ich bin sicher, dass sich das Konsumverhalten bei den meisten Menschen bei Radio und Fernsehen stark unterscheidet und Dein Vergleich daher nicht passt. Radio, sofern nicht gezielt zur Information genutzt, ist ein eher berieselndes Medium, wo man gar nicht groß darauf achtet, während man Filme und Fernsehbeiträge gewöhnlich bewusst und aufmerksam verfolgt. Ich kenne zwar auch selbst welche, die sich vom Fernseher berieseln lassen und für die ist einen solche Funktion wohl auch gedacht.

      Ich und viele, die hier oder auf einer ähnlichen Seite auf dem neuesten Stand bleiben, wissen sicher schon lange vorher, welche Inhalte sie sehen wollen und welche nicht. Meine persönliche Qual der Wahl ergibt sich also daraus, dass ich immer entscheiden muss, was aus meiner langen Wiedergabeliste ich jetzt sehen will. Für mich ist eine solche Funktion daher obsolet. Würde ich mich nach linearem Fernsehen sehnen, hätte ich keinen VoD-Anbieter.
        hier antworten
      • am via tvforen.demelden

        Nach einem ähnlichen Prinzip, mit Zufallswiedergabe und Zappen, höre ich schon seit über vierzig Jahren Radio.

        Wenn ich kein bestimmtes Programm hören will, schalte ich einfach das Radio ein und höre den aktuell eingestellten Sender. Sollte etwas gesendet wird, was auf meiner roten Liste steht (oder ist es die schwarze Liste?), werfe ich einen Blick auf die Uhr. Die angezeigte Sekundenzahl zeigt mir dann, wie bzw. zu welchem Sender ich umschalte.

        Zwischendurch habe ich mal versucht, wieder auf "normale" Weise Radio zu hören. Doch nach ein paar Wochen bin ich wieder zum alten Prinzip zurückgekehrt, weil ich nicht die Qual der Wahl haben wollte.

        Wenn ich allerdings etwas Bestimmtes hören will, so wie jetzt gerade das Medienmagazin in WDR 5, schalte ich den gewünschten Sender zur rechten Zeit ein.

        Auf diese Weise kann ich ein abwechslungsreiches Programm hören, das mir verschiedene Musikrichtungen bietet, auch wenn mir nicht alles gefällt.

        weitere Meldungen

        weitere Meldungen

        weitere Meldungen

        weitere Meldungen