Nächster KI-Synchro-Eklat: Amazon nimmt Film „Deadly Patient“ aus dem Angebot

Minderwertige Synchronfassung sorgt für Hohn und Spott

Glenn Riedmeier
Glenn Riedmeier – 06.07.2026, 17:41 Uhr

Nächster KI-Synchro-Eklat: Amazon nimmt Film "Deadly Patient" aus dem Angebot – Minderwertige Synchronfassung sorgt für Hohn und Spott – Bild: Prime Video/Cartel Pictures

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Film- und Fernsehbranche sorgt immer wieder für verärgerte Reaktionen. Schon mehrfach sind in den vergangenen Monaten Fälle billig angefertigter KI-Synchronfassen publik geworden. Nun folgt das nächste Beispiel, das einem Totalausfall gleicht: Der Film „Deadly Patient – Tödlicher Patient“ erschien im deutschen Angebot von Prime Video mit einer unfassbar miserablen deutschen Synchronfassung. Nachdem dies am Wochenende in den sozialen Netzwerken viral ging, zog Amazon nun die Reißleine und hat den Film kurzerhand wieder aus dem deutschen Streamingangebot genommen.

Der US-Thriller stammt aus dem Jahr 2018, wurde hierzulande jedoch erst in diesem Jahr veröffentlicht. Ganz offensichtlich wurde die deutsche Synchronfassung komplett mit KI erstellt – und diese war so hundsmiserabel, dass schlechte Bewertungen auf den Dienst einprasselten. Bekannt machte den Fall unter anderem der Synchronsprecher Sven Plate, der sich in einem Facebook-Video darüber ausließ:

Auch auf unserer Seite zum Film kommentierte ein User: „Das ist der am schlechtesten synchronisierte Film, den ich jemals gesehen habe. Der Tonfall der Beteiligten ist einförmig bis emotionslos, roboterhaft, Alles klingt wie abgelesen und es fallen diverse falsche Wortbetonungen auf.“ Zudem ist das gesprochene Deutsch teilweise grammatikalisch nicht korrekt. So fallen hirnrissige Sätze wie „Ich sollte da gestorben haben“, „Ich bin einfach froh, er ist weg“ und „Ich kümmere mich darum. Komme gleich da.“ Außerdem wird uneinheitlich geduzt und gesiezt.

Das führte zu viel Gelächter und Spott in den sozialen Netzwerken, wo von mehreren Usern Ausschnitte mit Stilblüten aus der Synchro gepostet wurden:

Dies sind Belege dafür, wie sehr KI-Synchronisationen zumindest derzeit noch an ihren Grenzen stoßen und eben längst keinen qualitativ vergleichbaren Ersatz für professionelle Synchronfassungen mit realen Sprechern darstellen.

DWDL fragte bei Prime Video nach und erhielt folgende Auskunft: Die deutsche Synchronisation des Films ‚Deadly Patient – Tödlicher Patient‘ entsprach nicht den Qualitätsstandards von Prime Video. Der Film ist vorerst nicht mehr bei Prime Video verfügbar. Unklar ist, wer die verhunzte Synchronfassung in Auftrag gab und weshalb offenbar niemand deren Veröffentlichung verhinderte. Der Streamingdienst weist darauf hin, dass sie nicht im Auftrag von Amazon entstanden sei. Stattdessen ist Film vermutlich über „Prime Video Direct“ veröffentlicht worden.

Miserable KI-Synchro auf Prime Video offenbar kein Einzelfall

Doch der Film „Deadly Patient“ ist offenbar kein Einzelfall. Schauspieler und Synchronsprecher Raphael Galuska weist auf Instagram darauf hin, dass auf Prime Video noch weitere Filme mit mieser, offensichtlicher KI-Synchro zu finden sind, etwa jene aus dem Hause Reel One International. In deren deutschen Synchronfassungen fallen so glorreiche Sätze wie: „Ich bin mehr als nur Pinguine.“ – „Na, gut es gibt auch Kuchen.“ oder auch „Ich würde gerne kommen und dich singen hören. Aber ich bin Hausarrest.“

Mit der Anfertigung billiger KI-Synchronfassungen wollen Anbieter dem zunehmenden Kosten- und Zeitdruck entgegenwirken – ungeachtet der extrem minderwertigen Qualität. Für professionelle Synchronsprecher ist diese Entwicklung ein Schlag ins Gesicht, denn schon jetzt bangen viele von ihnen um Aufträge. Und wenn sich die Qualität KI-generierter Sprache weiter verbessert, müssen einige Sprecher um ihre Berufsgrundlage bangen.

Schon seit mehreren Monaten tobt ein erbitterter Kampf zwischen der deutschen Synchronbranche und dem Streamingriesen Netflix. Eine neue Vertragsklausel sieht vor, dass Synchronsprecher dem Streamingdienst ihr Einverständnis erteilen sollen, ihre Stimmen für das Training von KI-Systemen zur Verfügung zu stellen. Dies wird innerhalb der Branche jedoch als existenzielle Bedrohung wahrgenommen, weshalb sich eine Vielzahl deutscher Sprecher derzeit weigert, den Vertrag zu unterschreiben und weiter für Netflix zu arbeiten (fernsehserien.de berichtete).

Kommentare zu dieser Newsmeldung

    weitere Meldungen

    Hol dir jetzt die fernsehserien.de App