• „Immer wieder sonntags“-Finale mit Rekordwert, Stefan Mross teilt gegen SWR aus

    „Da kann uns der Rest am Arsch lecken!“

    Glenn Riedmeier
    Glenn Riedmeier – 07.09.2026, 12:41 Uhr

    Stefan Mross moderierte 21 Jahre lang „Immer wieder sonntags“ – Bild: SWR/Andreas Braun/mediensegel.de
    Stefan Mross moderierte 21 Jahre lang „Immer wieder sonntags“

    Am gestrigen Sonntagvormittag endete eine Ära: Nach 31 Jahren strahlte das Erste die letzte Live-Ausgabe der Traditionssendung „Immer wieder sonntags“ aus. Für die Entscheidung, die der federführende SWR und die ARD gemeinsam getroffen haben, wurden im Frühjahr „finanzielle und strategische Gründe“ genannt. Zum Abschied bescherten die Zuschauer der Show den besten Marktanteil seit 2013. Im Anschluss nahm Stefan Mross, der das Format 21 Jahre lang moderierte, kein Blatt vor den Mund und rechnete auf der After-Show-Party mit den Verantwortlichen des SWR ab.

    1,59 Millionen Zuschauer schalteten im Schnitt ab 10:03 Uhr die ARD ein, um beim zweistündigen Finale von „Immer wieder sonntags“ dabei zu sein. Dies entsprach der höchsten Reichweite seit vier Jahren. Noch deutlich beeindruckender ist allerdings der Marktanteil: Satte 22,0 Prozent wurden beim Gesamtpublikum erzielt – der beste Wert seit 2013. Und selbst beim jungen Publikum lag die Abschiedsshow mit 9,0 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen deutlich über dem Senderschnitt.

    Erhalte News zu Immer wieder sonntags direkt auf dein Handy. Kostenlos per App-Benachrichtigung. Kostenlos mit der fernsehserien.de App.
    Alle Neuigkeiten zu Immer wieder sonntags und weiteren Serien deiner Liste findest du in deinem persönlichen Feed.

    Finale mit vielen Stammgästen

    Zur Abschiedsshow schauen noch mal einige bekannte Gesichter und Stammgäste vorbei. Mit dabei waren unter anderem Andy Borg, Stefanie Hertel, Vanessa Mai, voXXclub, Peggy March, Semino Rossi, Die jungen Zillertaler, Joelina Drews und Achim Petry. Sie standen mit ausgewählten Songs auf der Bühne, teilweise mit abgewandelten und auf Stefan Mross zugeschnittenen Texten. Videobotschaften sendeten Jürgen Drews und „ZDF-Fernsehgarten“-Moderatorin Andrea Kiewel. Kurz bevor die Sendung zu Ende war, wurde Stefan Mross außerdem von Marianne und Michael überrascht. Mit dem berühmten Volksmusikpaar verbindet den Moderator eine jahrzehntelange Freundschaft. Die beiden unterbrachen ihren TV-Ruhestand, um Mross mit einem Ständchen zu ehren.

    Stefan Mross verabschiedet sich von seinem Publikum ARD/​Screenshot

    Im Fernsehen verabschiedete sich Stefan Mross in den letzten Minuten mit folgenden Worten: Eigentlich wollte ich die letzten 30 Sekunden noch irgendwas sagen, aber mir fällt nichts mehr ein. Das wichtigste Wort ist: Dankeschön an Sie liebe Zuschauerinnen und Zuschauer. Das war ‚Immer wieder sonntags‘, 31 Jahre, alles Gute.

    Eskalation auf der After-Show-Party

    Deutlich mehr – und zwar keine netten – Worte fand Stefan Mross auf der anschließenden After-Show-Party für diejenigen, die er für das Aus seiner Sendung verantwortlich macht. Wie die BILD berichtet, gab es im Europa-Park-Hotel „Santa Isabel“ einen Sektempfang, auf dem zunächst SWR-Intendant Kai Gniffke und SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler Reden hielten, in denen sie Stefan Mross und „Immer wieder sonntags“ gelobt haben sollen. Der Moderator selbst wurde von den anwesenden Gästen bejubelt und soll sich gerührt die Tränen aus den Augen gewischt haben. Als Mross selbst das Wort ergriff, kippte jedoch die Stimmung.

    Ich habe in den letzten Monaten nie ein negatives Wort verloren über den SWR oder die ARD. Das war mir ganz, ganz wichtig, weil das Positive überwiegt. Das ist wie in einer Ehe, richtete Mross zunächst Worte in Richtung des SWR-Intendanten Kai Gniffke. Dessen Rede habe Mross als heuchlerisch empfunden. Das war wie eine Bestattungsrede. Und bei jedem Negativen haben Sie geklatscht. Ich weiß nicht warum.

    Stefan Mross SWR/​Wolfgang Breiteneicher

    Dann teilte der Moderator gegen SWR-Programmdirektor Clemens Bratzler aus: Clemens, ich glaube, du hattest mal eine sehr unerfolgreiche Fernsehshow, soll er laut BILD vor versammeltem Publikum zu ihm gesagt haben. Für mich kam es so rüber, als wäre das mit mir eine kleine Rache-Aktion von dir.

    Und weiter: Das soll kein Vorführen sein hier, Clemens. Ich wurde auch vorgeführt! Es hieß überall, du hast mich rausgeschmissen. Ja, es war so! Aber nicht nur mich, Ihr habt ein ganzes Format gestrichen. Und jetzt singt ihr hier eine Stunde lang Lobeshymnen, wie toll diese Sendung ist. Ich habe dir die Frage gestellt: Was bringt Ihr nächstes Jahr sonntags um 10:03 Uhr? Da hat Clemens zu mir gesagt: ‚Wahrscheinlich Wiederholungen von ‚Immer wieder sonntags‘.’ Dem soll Bratzler vor Ort widersprochen haben – und Buhrufe vom Publikum dafür geerntet haben.

    Mross wies darauf hin, dass er in den vergangenen Monaten nie öffentlich gegen ARD oder SWR geschossen habe: Ich habe immer zu euch gehalten. Man hat ja eine wunderbare Zeit hinter sich. Nur das Ende, das Finale: Irgendwann trennt man sich. Wie man sich trennt, ist eine andere Sache. Im Mai schilderte Mross gegenüber der BILD den Moment, in dem er vom Ende der Show erfahren hat. Diesen bezeichnete er als eiskalt (fernsehserien.de berichtete).

    „Da kann uns der Rest am Arsch lecken!“

    Ich wollte heute eigentlich gar nicht auf diesen Empfang kommen. Aber ich bin es meinem Team schuldig, das seit fast 22 Jahren hier Hand in Hand mit mir gearbeitet hat. Da kann uns der Rest am Arsch lecken!, setzte Mross auf der After-Show-Party seine Wutrede in Richtung der SWR-Verantwortlichen fort. Ich werde jetzt diesen Raum verlassen, weil es hier drinnen zu viel negative Energie ist. Ich möchte euch alles, alles Gute wünschen. Die wichtigsten Leute habe ich im Telefon oder bei WhatsApp. Ihr seid die Besten – von meiner Familie bis hin zu meinem letzten Kabelträger. Anschließend verließ Stefan Mross nach weniger als einer Stunde die After-Show-Party frühzeitig.

    Gegenüber der BILD erläuterte Mross, dass er sich seine Rede wohlüberlegt habe, weil er im Vorfeld gewusst habe, dass der SWR sich heute in erster Linie selbst feiern wird. Mein Team und ich sind alle traurig und die feiern sich? Das war für mich ein Punkt, wo mir der Kragen geplatzt ist.

    Der SWR selbst hält sich mit einer Reaktion auf die Worte von Mross zurück. Der BILD teilte der Sender mit, dass man sich diesbezüglich nicht öffentlich äußern werde: Uns war wichtig, Stefan am Ende unserer langen und guten Zusammenarbeit nochmals die Bühne zu geben, die er nach mehr als 20 Jahren verdient hat. Wir haben immer wieder betont, wie schwer uns die Entscheidung, ‚Immer wieder sonntags‘ zu beenden, gefallen ist. Bei aller verständlichen Emotionalität war und ist uns ein respektvolles Miteinander wichtig. Wir bitten um Verständnis, dass wir uns zu Aussagen auf einer internen Veranstaltung nicht öffentlich äußern.

    Spardruck und Entwicklung digitaler Unterhaltungsformate

    Die ARD sieht sich schon seit längerer Zeit einem enormen Sparzwang ausgesetzt, womit das Aus von „Immer wieder sonntags“ begründet wurde. Die Rede ist davon, dass der SWR „auch unter wachsendem Kostendruck ein starker Anbieter von öffentlich-rechtlicher Unterhaltung und großen Live-Erlebnissen“ bleiben werde. Die bisher für „Immer wieder sonntags“ eingesetzten Mittel sollen teilweise eingespart und teilweise in die Entwicklung neuer digitaler Unterhaltungsformate investiert werden. Es sollen neue Formate entwickelt werden, die sich strategisch „an veränderten Mediennutzungsgewohnheiten“ orientieren sollen.

    Diese Erklärung fügt sich ein in einen schon länger zu beobachtenden Trend, dass die ARD das Budget für Unterhaltung zunehmend umschichtet – weg vom klassischen linearen Fernsehen hin zu in erster Linie für die ARD Mediathek produzierten Formaten. Hier hat man vor allem das begehrte junge Publikum im Blick, das man in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt hat. Ob diese Rechnung aufgehen wird, steht auf einem anderen Blatt.

    „Immer wieder sonntags“ ging erstmals am 11. Juni 1995 im Ersten auf Sendung und wurde 2003 von Max Schautzer moderiert. Seit 1998 war das Gelände des Europa-Park-Erlebnisresorts in Rust Austragungsort der Open-Air-Live-Sendung. 2004 moderierte kurzzeitig für ein Jahr Sebastian Deyle, bevor 2005 Stefan Mross übernahm und der Show 21 Jahre lang seinen Stempel aufdrückte.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

      weitere Meldungen

      Hol dir jetzt die fernsehserien.de App