Emmy Awards verlassen das lineare Fernsehen

Bedeutender US-Fernsehpreis wechselt ins Streaming

Bernd Krannich
Bernd Krannich – 08.10.2026, 10:48 Uhr

Der Emmy: Die Statuette einer Muse mit einem stilisierten Atom als Verbindung von Kunst und Technik – Bild: ATAS
Der Emmy: Die Statuette einer Muse mit einem stilisierten Atom als Verbindung von Kunst und Technik

Nun ist es amtlich: Auch die von der US-amerikanischen Fernsehakademie Academy of Television Arts & Sciences (ATAS) ausgelobten Emmy Awards wechseln ab nächstes Jahr ins Streaming: Amazon Prime Video hat sich die weltweiten Rechte für zunächst sechs Jahre gesichert. Gezeigt wird die Preisverleihung dabei dann vor der Bezahlschranke.

Laut Deadline zahlt der Streamingdienst des Internetkaufhauses pro Jahr rund 20 bis 25 Millionen US-Dollar für die Rechte. Seit 1995 hatten die vier Broadcast-Networks ABC, CBS, FOX und NBC die Emmys im jährlichen Wechsel gezeigt und dafür zuletzt zwischen 8 und 10 Millionen US-Dollar für die US-Rechte gezahlt – wobei die Sender dann jeweils auch die Produktion der Galashow übernommen hatten. Es ist unklar, wie viel die ATAS durch die weitere Lizenzierung weltweit eingenommen hatte – in Deutschland etwa hatte in den letzten Jahren MagentaTV die Übertragung übernommen. Die ATAS ist eine Non-Profit-Organisation und steckt die Einnahmen aus der Lizenzierung in Förder- und Ausbildungsprojekte.

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Für die bisherigen Rechtehalter waren die Emmys zunehmend unattraktiver geworden: In den letzten Jahren waren ihre Formate kaum noch nominiert und die Emmys wurden eher zu einer Werbung für Streaming und Premium-Pay-TV. Dazu kamen dann auch noch sinkende Einschaltquoten.

Somit folgen die Emmys den Oscars, die ab 2029 für mindestens fünf Jahre bei YouTube gestreamt werden, sowie den The Actor Awards presented by SAG-AFTRA (früher SAG Awards), die bei Netflix gelandet sind, ins Streaming.

Cris Abrego, der amtierende Chairman der ATAS, kommentiert: Ich war schon von Anfang [dieser Verhandlungsrunde] überzeugt davon, dass es diesmal an der Zeit sei, das Modell zu überdenken. Bisher mussten wir jedes Jahr mit neuem Partner bei Null anfangen, neue Produzenten an Land ziehen [in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Sender], uns neue Marken-Partner suchen, versuchen, das Gelernte aus der letzten Veranstaltung auf die nächste Veranstaltung umzumünzen, obwohl man mit ganz neuen Partnern zusammenarbeitet. [ …] Daher war es mein Ziel, für die nächsten Jahre mit einem gleichbleibenden Partner zusammenzuarbeiten.

Bei Amazon gesteht man ein, dass man selbst in den vergangenen Jahren nicht sonderlich gut bei den Emmys abgeschnitten habe, aber man applaudiere den Gewinnern, umso mehr, wenn deren (Streaming-)Angebote bei den Prime-Video-Channels zugebucht werden könnten. Insgesamt verweist Prime Video darauf, dass man ein sehr großes Werbe-Portfolio habe, wodurch der Erwerb der weltweiten Rechte sich lohne.

Die Academy of Television Arts & Sciences versteht sich als Vertretung der US-amerikanischen Kreativen im „Fernsehgeschäft“ (inklusive Streaming) und hat um 25.000 ausgesuchte Mitglieder. Die Emmys ehren jährlich herausragende Leistungen in mehr als 100 Kategorien und werden in aller Regel im September veranstaltet. Dabei orientiert sich der Awards-Zeitraum an der klassischen Broadcast-Season und betrachtet Werke, die zwischen dem 1. Juli eines Jahres und dem 30. Mai des Folgejahres veröffentlicht wurden.

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