Ursula

    DDR / CH 1978 (111 Min.)
    • Literaturverfilmung

    Umstrittener Skandalfilm: Zur Reformationszeit geraten das Bauernmädchen Ursula und der Soldat Hansli Gyr in einen Strudel aus religiösen Wirren und sexuellen Verirrungen. In den Wirren der Reformationszeit des frühen 16. Jahrhunderts im Züricher Oberland spielt die Liebesgeschichte zwischen dem Bauernmädchen Ursula und dem Soldaten Hansli Gyr. Der Riss, der die Gesellschaft in erbitterte Feinde spaltet und das Land in blutige Glaubenskriege stürzt, trennt auch die beiden Liebenden. Ursula, beeinflusst durch ihren Vater, den Sektenführer Schnurrenberger, hängt den Wiedertäufern an und will sich Hansli in freier Liebe schenken. Hansli, befangen im konservativen Denken und bewaffneter Verteidiger des katholischen Glaubens, stößt sie zurück. Unterdessen überziehen die Auseinandersetzungen das Land mit Mord, Raub und Vergewaltigung.
    Dem Wüten der verrohten Landsknechte halten die Wiedertäufer sexuelle Ausschweifungen und leidenschaftliche Predigten in kerzenscheinerhellten Spelunken entgegen. Religiöser Fanatismus allenthalben verkehrt die Verheißungen, ob vom irdischen Paradies oder dem göttlichen Jenseits, in die Hölle auf Erden. Dem Film liegt die 1877 entstandene gleichnamige Novelle Gottfried Kellers zugrunde. Er enstand in einer Koproduktion zwischen dem Schweizerischen und dem DDR-Fernsehen. Gedreht wurde mit erstklassiger Besetzung aus beiden Ländern an Originalschauplätzen. Beim Publikum beider Länder löste die Ausstrahlung heftige Kritik aus.
    Während Rezensenten ziemlich einhellig begeistert ein Meisterwerk feierten, erschien den DDR-Zensoren die Geschichte als Anklage gegen Ideologienwahn und Glaubenskrieg im Nachhinein suspekt genug, um jede weitere öffentlichen Diskussion rigoros zu unterbinden. Dabei entzündete sich die Empörung des Publikum mehr an der Form, die in bis dato nicht dagewesener Freizügigkeit und Deftigkeit schwelgt, als am Inhalt mit seiner letztlich humanistischen Botschaft. In der Schweiz waren die Proteste nicht geringer. Die Kirchensynode warf dem Film bewusste Provokation und Bloßstellung der Religion vor, und der kirchliche Fernsehbeauftragte musste seinen Hut nehmen. Geboren wurde Egon Günther am 30. März 1927 in Schneeberg/​Erzgebirge.
    Er war vieles in seinem Leben: Schlosser, Lehrer, Lektor, Lyriker, Romancier, Autor, Regisseur und lehrte als Professor an den Filmhochschulen Berlin-Babelsberg und München. Er hat ein bewegtes Leben hinter sich, mit Filmen, die etwas bewegt haben. In den 1960er- und 1970er-Jahren war er der Avantgardist der DEFA, inszenierte brisante und unkonventionelle Filme, die sich am internationalen Maßstab messen ließen. Die damals Verantwortlichen in Kunst und Politik sahen das anders. Nach seinen Spielfilmen „Der Dritte“ und „Die Schlüssel“ von 1972 und 1973 durfte er keine weiteren Gegenwartsfilme mehr drehen und wandte sich der Weltliteratur zu („Lotte in Weimar“,1975). 1978, im Jahr der Erstausstrahlung von „Ursula“, siedelte Günther nach München über und konnte seine künstlerische Arbeit nahtlos fortsetzen („Exil“, 1981).
    Sein letzter Spielfilm „ Die Braut“ (1999) war sein Beitrag zum Goethe-Jahr. Für sein umfangreiches Oevre wurde er mehrfach ausgezeichnet, 1999 erhielt er den Deutschen Filmpreis in Gold für sein Gesamtwerk. (Text: MDR)

    DVD & Blu-ray

    Sendetermine

    Sa 02.10.2021
    00:15–02:05
    00:15–
    Do 30.03.2017
    23:35–01:25
    23:35–
    Mo 26.03.2007
    22:50–00:40
    22:50–
    Sa 18.12.1999
    00:50–02:40
    00:50–

    Cast & Crew

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