Der gläserne Turm

    D 1957 (105 Min.)
    • Drama
     – Bild: ZDF und Karlheinz Vogelmann.

    Eine Schauspielerin hat einen machtbesessenen Unternehmer geheiratet. Als ein Bühnenautor ihr eine Rolle anbietet, gerät ihre Welt ins Wanken. In einer modernen Filmsprache inszenierte Harald Braun einen die Nachkriegszeit und ihr Primat der Wirtschaft entlarvenden Film, der mit Lillli Palmer und O. E. Hasse großartig besetzt ist und sich vom Melodram zum Kriminal- und Gerichtsfilm entwickelt. Die Schauspielerin Katja Fleming hat ihren Beruf aufgegeben und den Unternehmer Robert Fleming geheiratet, der alles bekommt, was er will. Doch die Kälte, die Katja in einem modernen, luxuriösen Hochhaus umgibt, macht sie einsam. Da begegnet sie dem Autor John Lawrence, der sie überzeugen will, in seinem neuen Stück aufzutreten. Er macht ihr klar, dass sie ihr Leben in die eigene Hand nehmen muss.
    Sie willigt ein, und schon bei den Proben blüht sie regelrecht auf. Durch die Therapie bei einem Psychologen wird ihr klar, dass sie sich von ihrem Mann trennen muss. Gleichzeitig fühlt sie sich immer stärker zu Lawrence hingezogen. Fleming aber ist nicht bereit, zu verzichten. Er verbietet Katja die Therapie und entwendet unbemerkt die Tonbandaufzeichnungen der Sitzungen. Weil er zerstören muss, was er nicht besitzen kann, will er sich und die beiden unmittelbar vor der Premiere durch Arsen töten. Doch bei dem Anschlag kommt nur er ums Leben. Katja wird des Mordes an ihrem Ehemann angeklagt. Und die Indizien sind erdrückend. „Der gläserne Turm“ ist ein in vieler Hinsicht überraschender und bemerkenswerter Film.
    Er zeigt ein bildsprachliches Stilbewusstsein, das hinter Filmen Michelangelo Antonionis und anderer europäischer Vertreter der filmischen Avantgarde nicht zurücksteht. Bemerkenswert ist auch die Selbstverständlichkeit, mit der dieser moderne Ansatz umgesetzt wird, ohne affektiert oder plakativ zu wirken. Ambitioniert ist die visuell einfallsreiche Inszenierung der Räume und der Menschen darin, aber auch die eingesetzte Musik ist facettenreich. Die Räume werden sinnlich erfahrbar in ihrer Demonstration von Macht und vermeintlichem, aber tatsächlich hohlem Fortschritt. Die Musik drückt die Widersprüche als Dissonanzen akustisch aus. Überzeugend gelingt auch die plötzliche Wendung vom Melodram zum Kriminal- und Gerichtsfilm, die dem Film im letzten Drittel einen zusätzlichen Thrill verleiht. Auch die darstellerischen Leistungen von Lilli Palmer und O. E.
    Hasse sind beeindruckend: Palmer wechselt von der eingesperrt still leidenden Unternehmersgattin zur neugierigen, sich selbst austestenden Schauspielerin. Trotzdem ist Hasse das dramatische Schwergewicht des Films: zunächst souverän-machtbewusst und dämonisch, dann unerbittlich kämpfend bis zur verzweifelten Resignation. (Text: 3sat)

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    Sendetermine

    Mo 10.05.2021
    01:00–02:45
    01:00–
    Di 30.04.2019
    22:25–00:05
    22:25–
    So 09.09.2018
    16:50–18:30
    16:50–

    Cast & Crew

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