bisher 182 Folgen, Folge 162–182
162. Kinder im Burnout – Zwischen Angst und Erschöpfung
Folge 162 (30 Min.)
Prof. Dr. Veit Roessner ist Klinikdirektor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum in Dresden.Bild: MDR/Alexander NowotnySteigender Leistungsdruck, gesellschaftliche Krisen, Zukunftsängste – selten zuvor hatten Kinder und Jugendliche so stark mit Ängsten und Belastungen zu kämpfen wie heute. Die angespannte Lage in der Ukraine und in Nahost, Mobbing in sozialen Medien, Angst vor Ausgrenzung, Inflation und Wohnungsnot – die junge Generation wächst in einer Welt auf, die sich schneller dreht als sie hinterherkommen. Deutschlands Kinder- und Jugendliche im Dauerstress? 21 Prozent der Acht- bis 17-Jährigen schätzen sich laut einer Studie als psychisch auffällig ein. Sie leiden unter Ängsten, kommen mit dem Leben nicht mehr klar, zeigen depressive Symptome. Besonders betroffen: Mädchen und junge Frauen. Eine kontinuierliche Erfassung zum psychischen Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen gibt es in indes Deutschland nicht.Fest steht: Seit Jahren steigt die Zahl derjenigen, die psychotherapeutische Hilfe benötigen, in Mitteldeutschland kontinuierlich an und erreicht immer wieder neue Höchststände. Wurden 2019 in Thüringen noch etwa 20.500 Kinder und Jugendliche ambulant behandelt, so liegt die Zahl mittlerweile bei etwa 23.000. Auf Therapieplätze – ob ambulant oder stationär warten auch Kinder teilweise bis zu einem Jahr. Der Film geht der Frage nach, wie sehr und von wem bzw. was sich Kinder und Jugendliche unter Druck gesetzt fühlen. Er soll zeigen, wie sich die Bedürfnisse der jungen Generation geändert haben und wie unverzichtbar es ist, darauf zu regieren. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 03.11.2025 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 05.11.2025 MDR 163. Grabräuber auf Militaria-Jagd – das illegale Geschäft mit Weltkriegs-Relikten
Folge 163 (14 Min.)Für die neue MDR-exactly Reportage „Grabräuber auf Militaria-Jagd“ hat der Reporter Albrecht Radon in der Sondengeher-Szene recherchiert. Sein Film beschäftigt sich mit illegalen Grabungen und dem Handel militärischer Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Reportage zeigt eindrücklich die Folgen der skrupellosen Militaria-Jagd für die Identifizierung gefallener Soldaten. Im Fokus des Films stehen „Schatzsucher“, die mit Metalldetektoren auf ehemaligen Schlachtfeldern des Zweiten Weltkrieges nach Ausrüstungsgegenständen von Soldaten suchen. Dabei werden die Hinterlassenschaften der Gefallenen rücksichtslos geplündert. Es werden Erkennungsmarken und andere persönliche Gegenstände mitgenommen, aber auch Waffen und Munition. Das Sondengehen und die Ausgrabungen sind illegal, aber sehr lukrativ. Denn für Stahlhelme und andere Hinterlassenschaften der Wehrmacht gibt es einen großen Markt.Die Erkennungsmarken sind entscheidend für die Identifizierung der Toten. Joachim Kozlowski vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge versucht, gefallene Soldaten würdig zu bestatten. Er ist empört über die skrupellosen Grabungen: „Für mich persönlich ist es ganz, ganz schlimm, wenn man einen toten Menschen findet, den angräbt und so ein weiteres Mal schändet.“ Auch die sächsische Archäologin Josefine Falkenberg beobachtet die große Militaria-Szene, in der illegale Funde gehandelt werden, mit Sorge. Sie kann das Interesse an der Geschichte verstehen, aber sagt: „Das läuft konträr gegen alles, woran ich glaube und woran auch die Archäologie glaubt.“ Sie schätzt, dass in Deutschland Zehntausende Sondengänger unterwegs sind. Viele von ihnen an Orten, an denen die Suche mit Sonden und die Grabungen verboten sind. Der Reporter taucht tief in die Militaria-Szene ein und dokumentiert eindrücklich die politische Nähe einiger Sammler zum rechtsextremen Milieu. Und er zeigt, wie die illegale Jagd nach Weltkriegs-Relikten die Würde der Toten missachtet. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 17.11.2025 ARD Mediathek 164. Lange Schatten: Ein Jahr nach dem Anschlag in Magdeburg
Folge 164 (30 Min.)Der Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt am 20. Dezember 2024 hat das Leben vieler Menschen für immer verändert. Eine Reportage aus der Reihe „exactly“ erzählt, wie Betroffene, Angehörige und Helfende versuchen, mit den Folgen zu leben – in einer Stadt, die sich selbst neu finden muss. Was damals in wenigen Sekunden geschah, zieht sich als Erschütterung durch ihren Alltag. Viele kämpfen mit einem Trauma und dem Gefühl, von Behörden allein gelassen worden zu sein. Der Film begleitet auch ein Team von Notfallseelsorgerinnen, das seit der Amokfahrt unermüdlich im Einsatz ist. Ihre Arbeit hat sich mit der Zeit verändert: Aus der kurzfristigen Hilfe direkt nach der Amokfahrt wurde eine dauerhafte Begleitung über das Jahr hinweg.Zwischen professioneller Distanz und emotionaler Nähe versuchen sie, Menschen zu stützen, die immer wieder an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten. Fast ein Jahr nach dem Anschlag kommen für die Betroffenen viele Erinnerungen zurück. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter beginnt – und auf dem Alten Markt wird wieder der Weihnachtsmarkt eröffnet. Zwischen Schmerz, Angst und Hoffnung zeigt „Lange Schatten: Ein Jahr nach der Amokfahrt in Magdeburg“, wie schwer es für die Betroffenen ist, Normalität wiederzufinden – und wie viel Kraft es braucht, weiterzumachen. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 01.12.2025 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 03.12.2025 MDR 165. Luxus durch Betrug – Die Goman-Familie auf Beutezug im Osten
Folge 165 (29 Min.)Die Großfamilie Goman hat inzwischen mehr als ein Duzend Immobilien in Chemnitz erworben – zum Teil mehrere in einer StraßeBild: MDRSteinreinigung, Gartenservice oder der Ankauf von Gold und Pelzen: All das sind scheinbare Dienstleistungen, mit denen eine Großfamilie in Deutschland im großen Stil Menschen abzocken soll. Die polnisch-stämmige Goman-Familie ist bundesweit tätig, verdient Millionen und prahlt mit ihrem luxuriösen Lebensstil in sozialen Netzwerken.Ursprünglich hatten sie sich in Leverkusen niedergelassen. Dort haben sie die Fahnder schon länger im Visier, auch wegen Sozialbetruges. Nach Recherchen von MDR Investigativ ist ein Teil der Familie nun nach Ostdeutschland ausgewichen. So sollen die Gomans und ihre Strohmänner zum Beispiel Immobilien in Chemnitz erworben haben. Inzwischen gibt es erste Verurteilungen wegen Betruges in Halle. In Sachsen laufen derzeit zwei große Ermittlungsverfahren. Auch die Verbraucherzentralen warnen vor den Betrügern. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 15.12.2025 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 11.02.2026 MDR 166. Jung, männlich, rechtsextrem – Nachwuchs-Nazis im Osten
Folge 166 (30 Min.)Rechte Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele – Dirk-Martin Christian, Verfassungsschutz SachsenBild: MDR/LotzeSeit Sommer 2024 hat die Neonaziszene vor allem in Ostdeutschland verstärkt Zulauf. Von sehr jungen Menschen, auch Minderjährigen. Proteste gegen CSD-Demos, beworben über TikTok und Instagram, ziehen viele an. Ein Jahr später ist der Hype vorbei, die Teilnehmerzahlen der Neonazi-Aufmärsche halbiert. Nachdem der charismatische Kopf der Dresdner „Elblandrevolte“, von der die Protestwelle gegen die CSD-Demos ausging, wegen Überfällen auf Linke in Untersuchungshaft saß und ein Chemnitzer Ableger aufgrund von Gewalttaten von der Polizei zerschlagen wurde, scheint der Aufwind gebremst. Trotzdem haben junge rechtsextreme Gruppen – unabhängig und nicht unabhängig von der jetzt als „Heimat“ firmierenden NPD – an Mitgliedern gewonnen.Exactly zeigt: Wie nachhaltig ist der Mitgliederzuwachs? Und wie gefährlich sind die jungen? Darüber sprechen wir mit Expertinnen. Und mit Eltern, deren Kinder in den Sog der Szene gerieten. Denn jenseits der organisierten Szene sind auch zahlreiche Kinder und Jugendliche in den Sog der NS-Propaganda geraten, vor allem über soziale Medien. Schulen melden deutlich mehr Vorfälle mit verfassungsfeindlichen Kennzeichen. Die Dunkelziffer ist deutlich höher – wir begleiten einen Thüringer Lehrer, der an seiner Schule im ländlichen Raum gegen Wegsehen, Vertuschen und Ignorieren kämpft. Und wir konfrontieren NS-begeisterte Kids mit den realen Taten des Hitler-Regimes und wollen von ihnen wissen, was sie am NS so fasziniert und was sie sich darunter vorstellen. Wohin Radikalisierung führen kann, wenn sie nicht gestoppt wird, zeigt der Fall der Gruppe „Sächsische Separatisten“. Über Jahre haben sich junge Sachsen, vor allem männliche Jugendliche zu nationalsozialistischen Fanatikern entwickelt. In ihrem Umfeld fielen sie damit nicht auf – entweder weil die Eltern genauso tickten oder das Umfeld es als normal hinnahm. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 05.01.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 14.01.2026 MDR 167. Neonazis vor Gericht – Die radikalen Pläne der „Sächsischen Separisten“
Folge 167 (20 Min.)Sie planten mutmaßlich einen NS-Staat in Sachsen – der Prozess gegen die „Sächsischen Separatisten“ in Dresden läuft. Waffengewalt, paramilitärisches Training und der Vorwurf versuchten Mordes – wer sind die rechtsextremen Männer?Am 23. Januar begann am Oberlandesgericht Dresden der Prozess gegen acht Mitglieder der „Sächsischen Separatisten“. Die mutmaßliche Terrorgruppe soll sich auf den von ihnen erwarteten Zusammenbruch des Systems vorbereitet geplant haben, um dann mit Waffengewalt einen NS-Staat in Ostdeutschland zu errichten. Die „Sächsischen Separatisten“ – eine Gruppe junger Männer aus dem Raum Leipzig/Brandis – soll sich 2020 gegründet haben. Prägend waren offenbar zwei Brüder aus einem offen nationalsozialistischen Elternhaus. Mutmaßlich führte die Gruppe paramilitärische Trainings durch, sprach über Angriffe auf politische Gegner und über „Säuberungen“ von Minderheiten. In Deutschland und Österreich fanden Ermittler Munition, militärische Ausrüstung und umfangreiche NS-Propaganda. Im November 2024 wurden acht mutmaßliche Mitglieder in Untersuchungshaft genommen. Einer von ihnen ist der AfD-Kommunalpolitiker Kurt Hättasch. Ihm wird im laufenden Prozess sogar versuchter Mord vorgeworfen. Die Bundesanwaltschaft beschuldigt die Gruppe außerdem der Bildung einer terroristischen Vereinigung und des versuchten Hochverrats. Die Spuren der „Sächsischen Separatisten“ führen auch nach Österreich. Als Anführer der Gruppe gilt Jörg S., dessen Vater ein bekannter österreichischer Neonazi ist. Die exactly-Reporter recherchieren, wie sich die jungen Männer radikalisierten und woher ihre politischen Überzeugungen stammen. In einem exklusiven Interview berichten zwei Aussteiger aus der Frühphase der Gruppe und beschreiben ihren ideologischen Kern: Antisemitismus im Stil des historischen Nationalsozialismus. Ein Film von Nina Böckmann, Thomas Datt und Marcel Siepmann. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Di. 27.01.2026 YouTube Deutsche TV-Premiere Mi. 11.03.2026 Phoenix 168. Pro Palästina vs. Pro Israel – Linke im Streit in Leipzig
Folge 168 (17 Min.)In Leipzig tobt der Streit um Israel und Palästina: Bei einer Demo prallen linke Gruppen aufeinander, während die Polizei eingreifen muss. Die Doku zeigt, wie der Konflikt die Linke tief spaltet.Der Konflikt zwischen Israel und Palästina spaltet die linke Szene in Deutschland seit Jahren. In Leipzig trafen die verschiedenen Lager bei einer Demonstration Mitte Januar aufeinander. Der Schauplatz: der Leipziger Stadtteil Connewitz, bundesweit bekannt als Hochburg der linken Szene. Immer wieder stehen sich hier Polizei und Autonome gegenüber. Doch inzwischen heißt es: Linke gegen Linke. Auslöser sind gegensätzliche Positionen zum Nahost-Konflikt. Die neue exactly-Reportage zeigt die Spaltung innerhalb der linken Szene und beleuchtet die Hintergründe der ideologischen Differenzen. Im Fokus steht u.a. die als extremistisch eingestufte Gruppierung Handala. Recherchen von exactly zeichnen den Radikalisierungsprozess der Gruppe nach. Auf der anderen Seite berichten Jüdische Studierende von zunehmenden Bedrohungen. Seit dem 07. Oktober 2023 würden sie für die Politik Israels mitverantwortlich gemacht. Der Nahostkonflikt spaltet auch die Linkspartei: es gibt zwar einen Unvereinbarkeitsbeschluss der Linken, der eine Kooperation mit Antisemiten ausschließt – zum Beispiel mit Gruppen wie Handala. Doch längst nicht alle in der Partei fühlen sich daran gebunden. Bei der Demo in Connewitz blieb ein großer Gewaltausbruch aus – doch die Reportage zeigt einen tiefen Riss in der linken Bewegung. Ein Film von Benjamin Arnold und Albrecht Radon. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 09.02.2026 YouTube 169. Der Fall Ole – Wie Security in der Jugendhilfe zur Gefahr wird
Folge 169 (30 Min.)Wir sind alle vier nicht mehr gegen ihn angekommen, wir waren hilflos – berichtet uns Oles Schwester.Bild: MDR/RumaraBei Ole, einem Systemsprenger aus Magdeburg, kommen Familie, Jugendhilfe und Klinik ans Limit. Er wird von Security-Kräften überwacht. Der Verdacht: Sie misshandeln das Kind. Gewalt statt Sicherheit in der Psychiatrie?„exactly“ erzählt die bewegende Geschichte von Ole H. aus Magdeburg, Sachsen-Anhalt. Sein Fall ist dramatisch. Ein „Systemsprenger“, mit dem niemand zurechtkommt. Weder die Familie, noch Jugendhilfeeinrichtungen noch die Psychiatrie. Der unberechenbare Jugendliche wird, seit er 13 ist, rund um die Uhr von Security bewacht. Die soll Betreuer vor Ole schützen und auch Ole vor sich selbst. Der Junge zieht sich dabei mehrfach Verletzungen zu. Offiziell heißt es: Selbstverletzungen. Aber die Eltern sind skeptisch. Der exactly-Reporter Andreas Rummel fragt: Geht es hier noch um Sicherheit oder wurde ein Kind zum Opfer von Security-Kräften? Zwei Sicherheitsdienst-Mitarbeiter müssen sich jetzt wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung an Ole vor dem Amtsgericht in Magdeburg verantworten. Bei einem nächtlichen Einsatz sollen sie den damals 14jährigen in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie misshandelt haben. Die Reportage geht der zentralen Frage nach: Wie konnte es so weit kommen – und warum werden Sicherheitsdienste überhaupt mit der Betreuung psychisch kranker Jugendlicher betraut? Die Einsätze von Security in der Jugendhilfe nehmen zu. Umstritten ist vor allem das Ausmaß von Ruhigstellungen der Jugendlichen unter dem Einsatz von körperlicher Gewalt. Und die Frage, wie eigenmächtig Security dabei handeln darf. Klinikdokumentationen, die exactly vorliegen, zeichnen ein erschütterndes Bild von Oles Fall: vielfaches Zu-Boden-Bringen des Jugendlichen in kurzer Zeit, körperliche Überwältigung nach Bagatellen, sogar das Eintauchen des Kopfes in den eigenen Urin. Und Pädagogen, die offenbar wenig Einfluss auf das Agieren des Sicherheitsdienstes haben. Eine Therapeutin und eine ehemalige Pädagogin kommen zu Wort, die schildern, wie fehlende Qualifikation, mangelnde Kontrolle und Überforderung zu bedenklichen und teils gefährlichen Situationen führten. Professor Menno Baumann, bundesweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der Intensivpädagogik und Gewaltforschung warnt: „Ungesteuerter Security-Einsatz in der Jugendhilfe birgt ein extremes Risiko für Machtmissbrauch. Das ist potenziell Kindesmisshandlung – und löst keines der Probleme.“ Die Reportage stellt nicht nur den Fall Ole H. in den Mittelpunkt, sondern öffnet den Blick auf ein wachsendes, bislang wenig beleuchtetes Phänomen: den Einsatz von Security-Kräften in Einrichtungen der Jugendhilfe für sogenannte „Systemsprenger“. Ein Film von Andreas Rummel. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 16.02.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 22.04.2026 MDR 170. Drohnenabwehr – Was Deutschland von der Ukraine lernen kann
Folge 170 (30 Min.)Mit dieser Kamikaze-Drohne der Firma General Cherry jagen ukrainische Soldaten russische Drohnen in der Luft.Bild: MDR/Marcel Beloqui EvardoneNoch nie gab es so viele illegale Drohnenflüge über deutschem Territorium wie 2025. Die Zahl hat sich in den letzten fünf Jahren von 92 auf 225 mehr als verdoppelt. Besonders in der Nähe von Flughäfen stellen die unbemannten Flugobjekte eine reale Gefahr dar. Auch im Luftraum über kritischer Infrastruktur sichten beunruhigte Anwohnerinnen und Anwohner immer mehr Drohnen, viele Videos davon landen im Internet. In den meisten Fällen ist die Polizei im Kampf gegen die Drohnen machtlos. Auch wenn die Aufklärungsquote in den letzten Jahren gestiegen ist, lag sie zuletzt bei ca. 12–15 Prozent.Demnach weiß die Polizei bei 85–88 Prozent der Sichtungen nichts über die Urheber. Auf die Frage, ob es sich dabei auch um russische Akteure handeln könnte, sagte der BKA-Präsident Holger Münch: „Das wissen wir nicht mit hundertprozentiger Sicherheit.“ Auch wenn es hierzulande bisher noch keine Angriffe von Drohnen gab, hat die Debatte einen militärischen Hintergrund: Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Weil westliche Rüstungslieferungen auf sich warten ließen, haben ukrainische Soldaten damit begonnen, handelsübliche Drohnen mit tödlichen Sprengsätzen auszurüsten. Mittlerweile ist der Angriff mit und die Abwehr gegen Drohnen kriegsentscheidend. Laut Militärexperten gehen ca. 80 Prozent aller Tötungen und Schäden in diesem Krieg auf Drohnen zurück. Russland und die Ukraine liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die tödlichsten Innovationen und die effektivsten Abwehrmittel. Für „exactly“ besucht MDR-Reporter Milan Schnieder die Berlin Security Conference und gewinnt dort Eindrücke von einer milliardenschweren Branche, die sich auf die neue Bedrohung umstellen muss. Weil ihm weder die Polizei noch die Bundeswehr Einblicke in den Aufbau ihrer Drohnenabwehr gewähren, entscheidet er sich, selbst in die Ukraine zu reisen. In Kiew besucht das MDR-Team die Firma Genera Cherry. Was als Bastelbude ukrainischer Veteranen begann, wurde zum Startup und ist heute eine der größten Firmen zur Produktion von Angriffs- und Abwehr-Drohnen, so genannten Interceptors. Die werden vor allem gebraucht, um große Drohnen in mehreren Kilometern Flughöhe zu treffen. Diese Interceptors sind nicht nur simpel konstruiert, um Geld zu sparen: „Unsere Soldaten brauchen Produkte, die sie auch unter stressigen Bedingungen einfach bedienen können“, erklärt Marco, der Pressesprecher der Firma. Das Reporterteam verbringt die Nächte mit zivilen Einheiten, die nur darauf warten, russische Shahed-Drohnen mit Großkaliber-Maschinengewehren zu bekämpfen. In Dnipro in der Ostukraine treffen sie einen Mann, der abgestürzte Drohnen entschärft und in einem privat betriebenen Museum ausstellt. Schließlich zeigt eine ukrainischen Drohneneinheit dem Reporter nahe der Front, wie sie sich gegen russische Drohnen schützt. Welche effektive Abwehr gegen die unterschiedlichsten Arten von Drohnen gibt es? Wie unterscheidet sich die Drohnenabwehr in der Ukraine von der in Deutschland? (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 23.02.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 25.02.2026 MDR 171. Falscher Arzt unter Verdacht – Missbrauch, Manipulation, Betrug?
- Alternativtitel: Falscher Arzt - Missbrauch, Manipulation, Betrug?
Folge 171 (29 Min.)André Hoy, Ärztevertreter Nordhausen, KV.Bild: MDRÜbergriffige Whatsapp-Nachrichten, Sektenstrukturen, Betrug, Verdacht auf Missbrauch: ein Karatetrainer soll im Training und als Arzt ohne Zulassung in der Praxis Kinder missbraucht haben. Wieso hielt keiner ihn auf?Verdacht des Missbrauchs von Minderjährigen, Betrug und die Frage nach der Rolle der Behörden im Fall eines falschen Therapeuten in Thüringen: darum geht es in der aktuellen Folge von exactly. Taghi B. soll in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie in Nordhausen über Monate hinweg Minderjährige behandelt haben – und das, obwohl er laut Behörden weder eine Zulassung als Arzt oder eine Approbation besessen habe. Reporter von exactly finden heraus, dass auch sein Medizin-Abschluss gefälscht ist. Mehrere Mütter berichten, er habe in der Praxis therapeutische Sitzungen ihrer Kinder übernommen. In einem Fall beschreibt eine 15 Jährige, der Mann soll sie wiederholt außerhalb der Praxis kontaktiert und Nachrichten über WhatsApp geschickt haben, von sexuellen Grenzverletzungen bis hin zu schwerem sexuellem Missbrauch lauten die Vorwürfe. Exactly rekonstruiert, wie Taghi B. trotz früher Hinweise an Behörden und Anzeigen bei der Polizei dennoch monatelang weiter therapieren konnte. Vorwürfe gegen Taghi B. werden auch im Umfeld einer Kampfsportschule erhoben, wo er Karate und Aikido unterrichtet. Ein ehemaliges Mitglied spricht von Manipulation und emotionalen Abhängigkeiten. Ein Vater berichtet, seine Tochter soll im Einzeltraining Übergriffe erlebt haben, eine junge Frau erzählt davon, wie sie als Kind im Training ebenfalls sexuelle Belästigungen durch Taghi B. erlebt habe. Die Reportage zeigt anhand zahlreicher Betroffenenberichte, Dokumenten und Experteneinschätzungen: Die Behörden haben in diesem Fall nicht gut zusammengearbeitet, um eine Tätigkeit von Taghi B. als Therapeut schneller zu unterbinden. Ein Film von Julia Cruschwitz, Nina Böckmann und Oliver Matthes. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 02.03.2026 YouTube Deutsche TV-Premiere Mi. 08.04.2026 MDR 172. Neonazi-Konzerte und das Geschäft mit dem Hass – Kein Widerstand im Rechtsrockland?
Folge 172 (30 Min.)Rechtsextreme Kindertagsfeier im südthüringischen Brattendorf.Bild: MDR/Johanna HemkentokraxSeit anderthalb Jahren betreibt der Neonazi Tommy Frenck im südthüringischen Brattendorf einen neuen Gasthof. Oft finden dreimal wöchentlich rechtsextreme Konzerte in dem kleinen Ort statt, im Gastraum prangt eine riesige Schwarze Sonne an der Decke, im Advent feiern Eltern mit ihren Kindern zur Musik eines Nazi-Liedermachers Kinderweihnacht. Die Behörden setzen den Umtrieben kaum etwas entgegen. Brattendorf ist innerhalb kürzester Zeit zur Pilgerstätte für Neonazis und rechtsextreme Bands aus dem In- und Ausland geworden.Sicht- und hörbarer Widerstand regt sich in dem kleinen Ort nicht. Niemand stellt sich hier offen gegen den Nazi und seinen Gasthof. Brattendorf und seine Einwohnerschaft sind gespalten. Dabei hatten die Behörden Ende der 2010er Jahre den Neonazi Großkonzerten in der Region ein vorläufiges Ende gesetzt. Nach einem jahrelangen Gerichtsverfahren um das Vorkaufsrecht der Gemeinde am „Goldenen Löwen“ hatte Frenck seinen alten Gasthof im benachbarten Kloster Veßra 2024 verlassen müssen. Gleichzeitig gewann die extreme Rechte in der Region parlamentarisch an Boden. Die in Thüringen als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD bekam bei der Landtagswahl 2024 im Landkreis Hildburghausen knapp 40 Prozent der Zweitstimmen. Bei den Kommunalwahlen im selben Jahr scheiterte Tommy Frenck vom rechtsextremen „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ mit 30,5 Prozent erst in der Stichwahl. Und was viele nicht ahnten – der Rechtsextremist und sein Geschäfts-Netzwerk hatten sich bereits Jahre zuvor eine größere Immobilie im nahen Brattendorf gesichert – unter den Augen der Behörden. Fast ein Jahrzehnt lang hatte Frenck in Südthüringen den Gasthof „Goldener Löwe“ betrieben. Der kleine Ort Kloster Veßra war zum Anlaufpunkt für die bundesweite Neonazi-Szene geworden. Rechtsextreme Festivals mit zum Teil mehreren tausend Teilnehmern brachten Thüringen internationale Schlagzeilen und den unrühmlichen Ruf als „Rechtsrockland“ ein. Von Anfang an wehrten sich aber auch die Demokratie-Bündnisse in der Region gegen den rechten Hass vor ihrer Haustür. Aus einer Handvoll engagierter Bürger ist heute mit dem „Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Kloster Veßra“ eine verlässliche Anlaufstelle und ein Schutzraum für all jene geworden, die sich offen gegen eine rechtsextreme Hegemonie in der Region stellen und für ihren Mut angefeindet werden. Der Film porträtiert die rechtsextremen Umtriebe der letzten Jahre, den Kampf gegen rechts einiger mutiger Bürger und stellt die Frage: Wie geht es weiter im Rechtsrockland? (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 09.03.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 11.03.2026 MDR 173. Tarnung für den Drogenhandel – Spätis in Leipzig
Folge 173 (18 Min.)Spätis in Leipzig. Im Angebot: nicht nur Lotto-Scheine und Chips, sondern auch Heroin, Crystal und Haschisch. Die Polizei geht gegen den Drogenhandel vor. Können Razzien die kriminellen Geschäfte von mutmaßlich syrischen Clans eindämmen?Spätis und Bars im Leipziger Osten dienen auch als Fassade für den Drogenhandel. In scheinbar harmlosen Läden werden nicht nur Chips, Bier und andere Getränke, sondern auch Heroin, Crystal und Haschisch verkauft. Exactly Reporter Christian Werner begleitet die Polizei bei einer Razzia, spricht mit Ermittlern und beleuchtet die Strukturen hinter den Fake Shops. Die Reportage zeigt, wie die Behörden versuchen, den verdeckten Drogenhandel einzudämmen. „Die Fassade des Gewerbes spielt eine bedeutsame Rolle bei der Abgabe von Heroin. Wenn wir einen Laden für einen Monat schließen lassen, gehen den Betreibern Geld von mehreren zehntausend Euro verloren.“ So begründet Kriminaloberrat Matthias Franz gegenüber exactly den großen Aufwand. Im vergangenen Jahr haben die Behörden 26 Spätverkaufsstellen und Bars geschlossen. Doch das wirkt oft nur kurz. Die durchschnittliche „Verschlusszeit“ beträgt lediglich 40 Tage, bevor dieselben Läden mit einem neuen Betreiber wieder öffnen. Frustrierend auch für Christian Ehrlich vom Leipziger Gewerbeamt. „Oft steht am nächsten Tag schon ein neuer Betreiber bereit. Das Geschäftsmodell bleibt dasselbe.“ Wenn er über die Leipziger Eisenbahnstraße geht, sieht er bekannte Gesichter. Und wie die amtlichen Siegel seiner Behörden an den Türen immer wieder aufgebrochen werden. Ein Film von Christian Werner. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 23.03.2026 ARD Mediathek 174. Christoph Gröner und sein Immobilienimperium
Folge 174 (30 Min.)Im Dezember 2024 durchsucht die Staatsanwaltschaft Leipzig die Geschäftsräume des Immobilienunternehmers Christoph Gröner – wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und auf Veruntreuen von Arbeitsentgelt. Unternehmensteile gehen insolvent, Handwerker, Architekten und externe Dienstleister klagten, weil sie nicht bezahlt wurden. Auf vielen Baustellen herrscht Stillstand. Noch vor wenigen Jahren ging es für den Bauunternehmer Christoph Gröner steil nach oben. Er kaufte landauf, landab Grundstücke, baute Gewerbegebäude und versprach deutschen Kommunen Wohnraum im großen Stil: In Leipzig, Karlsruhe, München und Köln plante er neue Stadtquartiere, in Berlin den höchsten Wohntower.Bundesweite Berühmtheit erlangte er durch den Satz: ‚Wenn Sie 215 Millionen haben: Schmeißen Sie das Geld zum Fenster raus, dann kommt‘s zur Tür wieder herein.’ Zur Unterstützung holte sich Christoph Gröner namhafte Ex-Politiker. So engagierte er den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder als Berater und holte den ehemaligen Kanzleramtsminister Ronald Pofalla ins Unternehmen. Mehrmals gruppierte der Baulöwe seine Firmen um und es gelang ihm dadurch zumindest teilweise weiter wirtschaftlich zu agieren. Der Film „Christoph Gröner und sein Immobilienimperium“ hinterfragt das Unternehmenskonzept des Unternehmers und erklärt, weshalb es offenbar an seine Grenzen kam. (Text: tagesschau24) Deutsche TV-Premiere Mi. 25.03.2026 MDR 175. Jobcenter greift durch: Arbeitspflicht für Arbeitslose?
Folge 175 (30 Min.)Reporter Knud Vetten trifft Kritikerin Helena Steinhaus von Sanktionsfrei e.V. in Berlin.Bild: MDR/Knud Vetten / MDR/HA KommunikationStell Dir vor, Du bist unter 25 und arbeitslos. Und plötzlich, wenn Du gerade zu Hause chillst, klingelt das Ordnungsamt und bringt Dich zur Schicht – Arbeitspflicht in der Kommune. Kohle vom Amt gibt’s nur, wenn Du mitmachst. Das ist bereits Realität in Nordhausen, wo seit Herbst ein Pilotprojekt mit jungen Bürgergeldempfängern läuft. Das hatte für bundesweite Aufmerksamkeit gesorgt und für eine starke Polarisierung. exactly fragt: Hat es funktioniert? Und was hat’s insgesamt gebracht? Ist Nordhausen jetzt eine Blaupause für deutsche Kommunen, um Arbeitsverweigerer zu lokalisieren, stärker zu sanktionieren und auch, um am Ende Betrug aufzudecken und damit Steuergeld zu sparen? (Text: MDR)Deutsche Streaming-Premiere Do. 30.04.2026 YouTube Deutsche TV-Premiere Mi. 06.05.2026 MDR 176. Pumpen, Pulver, Profit: Milliardengeschäft mit Supplements
- YouTube: Kreatin, Whey, Omega 3 & Co. – Was Supplements bringen
Folge 176 (30 Min.)Der Supplementmarkt boomt. 2025 wurden in Deutschland fast 25.000 neue Produkte angemeldetBild: MDR/Ilko EichelmannFitness ist mehr als nur ein Trend und gilt heute als Ausdruck von Disziplin, Erfolg, Attraktivität und Status, gerade in der Welt von Instagram und TikTok. Wer dazugehören will, geht ins Gym und optimiert den Körper. Fast 12 Millionen Menschen trainieren in Deutschland regelmäßig im Fitnessstudio. Immer mehr von ihnen greifen dabei zu Supplements: Proteinpulver, Kreatin, Pre-Workout-Booster oder pflanzliche Stoffe wie Ashwagandha. Der Markt wächst rasant – und ist längst ein Milliardengeschäft: Rund 1,8 Milliarden Euro Umsatz jährlich, mit klarer Tendenz nach oben. Schon in den nächsten Jahren soll die 2-Milliarden-Marke geknackt werden.Immer neue Hersteller drängen auf den Markt, immer neue Produkte mit immer neuen Versprechen. Doch was bringt das alles – und wie behält man in diesem boomenden Markt den Überblick? „exactly“ schaut in die Shaker der Sportler und Sportlerinnen: Allein 2025 wurden in Deutschland fast 25.000 neue Nahrungsergänzungsmittel angezeigt. Der Film macht deutlich, wie einfach es ist, ein Produkt auf den Markt zu bringen und wie Behörden erst im Nachgang stichprobenartig und risikoorientiert kontrollieren. Vorgestellt werden drei Sportler mit ganz unterschiedlichen Ansätzen Europameister im Zweier-Kanadier, erzählt, wie er seit über zwölf Jahren Supplements nutzt: „Für mich ist Ernährung reines Fueling für mein Training – und mit Supplements kann ich fein justieren, wie ich meine Leistung steigern kann.“ Der Leipziger Luke Epping (21) trainiert fünfmal pro Woche im Gym und will vor allem eines: „Ich möchte einfach so breit wie möglich aussehen und schauen, wie weit ich komme.“ Luca Merten (28), Architekt aus Taucha, verzichtet komplett auf Supplements, setzt auf Meal Prep, um seinen Eiweißbedarf punktgenau zu decken. „Ich sehe mich als Bildhauer meines eigenen Körpers“, sagt er. Wissenschaftlich ordnet Maria Kristina Parr, Professorin für Pharmazeutische Chemie an der FU Berlin, den Markt ein, sie analysiert Nahrungsergänzungsmittel und stößt dabei immer wieder auf Verunreinigungen, verbotene Substanzen und fehlerhafte Inhaltsangaben. „exactly“ beleuchtet die Mechanismen eines Milliardenmarktes – und stellt die entscheidende Frage: Wie sicher sind Supplements, wenn Kontrolle erst nach dem Verkauf beginnt und der Markt für viele zur Blackbox wird? (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 18.05.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 27.05.2026 MDR 177. Illegale Bordelle in Ostdeutschland – Recherche im Rotlichtmilieu
Folge 177 (30 Min.)Auf Erotikportalen finden sich auffällig mehr Anzeigen, als es legal geben dürfe, berichtet ein Insider.Bild: MDR/S.Giebel / MDR/HA KommunikationSex gegen Geld – mitten in Wohngebieten – Was passiert hinter der Wohnungstür nebenan? Das neue exactly deckt auf, wie illegale Bordelle in ganz normalen Nachbarschaften in ostdeutschen Städten florieren. Die investigative Reportage führt hinein in ein verborgenes Milieu, in dem Ausbeutung, organisierte Kriminalität und überforderte Behörden aufeinandertreffen. Die Reporterinne Nina Böckmann und Rebecca Kupfner folgen konkreten Insider-Hinweisen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. In ihren Recherchen stoßen sie auf zahlreiche illegale Wohnungsbordelle – durchorganisiert, gut getarnt und scheinbar schwer zu belangen.Ein skrupelloses Geschäft unter dem Radar – Der Film zeigt, wie das System funktioniert: Hintermänner agieren konspirativ, nutzen eine Vielzahl von Adressen und heuern Strohleute an. Viele Behörden kennen das System – und sind dennoch oft machtlos. Razzien verpuffen, zeitweise Schließungen bleiben ohne nachhaltige Wirkung. Eine Ordnungsamtsmitarbeiterin aus dem Burgenlandkreis schildert die Überforderung so: 30 Hinweise auf illegale Bordelle liegen ihr vor. Sie ist die einzige zuständige Mitarbeiterin. „Ich mach das alleine. Das ist natürlich zu wenig.“ Ein Satz, der exemplarisch für strukturelle Defizite in der Kontrolle von illegalen Bordellen und dem Schutz von Prostituierten steht. Verdacht auf Menschenhandel – Besonders alarmierend: In zahlreichen Fällen gibt es Hinweise auf Zwang und Menschenhandel. Auffällig viele der inserierenden Frauen stammen aus Asien. Ein Prozess vor dem Landgericht Chemnitz beleuchtet das Schicksal vietnamesischer Frauen, die mit falschen Versprechen nach Deutschland gelockt und anschließend in illegalen Bordellen ausgebeutet wurden. Doch genau diese Verbrechen sind schwer nachzuweisen. Die betroffenen Frauen kooperieren – oftmals aus Angst – nicht mit den Behörden. Eine Beratungsstelle berichtet von massivem Druck auf die Sexarbeiterinnen, die ständig von einem Wohnungsbordell zum nächsten gebracht werden. Sozialarbeiterin Cathrin Schauer-Kelpin aus Plauen beklagt: „Es ist schwieriger geworden, Frauen aus der Prostitution herauszuholen.“ Erschreckend leicht, kaum zu stoppen – Ein Insider aus der Szene schildert den Reporterinnen, wie schnell das System nach Polizeieinsätzen wieder anspringt: „Schon kurze Zeit nach Razzien wurden die Wohnungen wieder beworben.“ Die Recherche zeigt: Illegale Bordelle zu betreiben ist offenbar erschreckend einfach – die Geschäfte dauerhaft zu verhindern, umso schwerer. (Text: MDR) Deutsche Streaming-Premiere Mo. 01.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 10.06.2026 MDR 178. Vulkangruppen – die neuen Öko-Terroristen?
Folge 178 (30 Min.)Kriminalhauptkommissar Dirk Peglow erklärt, warum diese Straftaten so schwer aufzuklären sindBild: MDRIm Januar legte ein Sabotageakt großflächig das Stromnetz in Berlin lahm. 100.000 Menschen hatten im tiefsten Winter keinen Strom. Nur einer von zahlreichen Anschlägen. Dahinter stehen mutmaßlich lose organisierte Öko‑Anarchisten, die sich in anonymen Bekennerschreiben „Vulkangruppen“ nennen und im Netz Bauanleitungen für Brandsätze teilen. Ist das die neue Öko-RAF? Die Reportage folgt Ermittlern, Insidern und Experten und zeigt, wie sich klimaideologische Motive radikalisieren – und warum die Behörden seit Jahren im Dunkeln tappen. Sie stellt die Frage: Entsteht in Deutschland ein neuer Ökoterrorismus, dem der Staat kaum gewachsen ist? (Text: tagesschau24)Deutsche Streaming-Premiere Mo. 15.06.2026 ARD Mediathek Deutsche TV-Premiere Mi. 17.06.2026 MDR 179. Konsum-Boom trotz Verbot: Drogenpolitik gescheitert
Folge 179 (30 Min.)Wir können saufen, rauchen und neuerdings auch kiffen – alles andere ist in Deutschland streng verboten. Partydrogen wie MDMA, Speed oder Kokain werden trotzdem immer beliebter. Für „exactly“ stellt Reporter Daniel Tautz daher eine provokante Frage: Ist unsere Drogenpolitik nicht nur gescheitert, sondern sogar schädlich für unsere Gesellschaft? Und was könnte eine kontrollierte Legalisierung bewirken? Um das herauszufinden, ist er auf Festivals und in Clubs unterwegs und spricht mit Veranstaltern, Feiernden und der Polizei. „Ich glaube, dass es keinen Laden gibt, der ohne Drogen funktionieren würde“, sagt Patrick Drebenstedt, Betreiber des Technoclubs MAW Magdeburg.Zwar kontrollieren sie am Einlass, aber der Konsum lasse sich natürlich nicht verhindern. „Und wir als Clubbetreiber müssen dafür sorgen, wenn die [Konsumenten, d. Red.] das schon machen, dass sie auch die Möglichkeit haben, sich zu informieren oder sich zurückzuziehen.“ Deswegen bietet er im MAW immer wieder Workshops an – zu Safer Use oder Erste Hilfe zum Beispiel. Was Patrick Drebenstedt sich für seinen Club vergeblich wünscht, ist in Thüringen möglich: Professionelles Drug Checking, direkt am Club, in zwei Wohnmobilen des Jenaer Start-Ups „miraculix“ und der Suchthilfe in Thüringen. Partygäste bringen ihre Substanz dorthin und erfahren genau, wie hoch sie dosiert ist, ob womöglich gefährliche Streckstoffe enthalten sind. „Auf jeder Party sind MDMA-Pillen unterwegs und eigentlich weiß niemand, wie viel da drin ist“, erklärt Felix Blei von „miraculix“. Das Angebot wird vom Land Thüringen finanziert, im Ernstfall kann ihre Arbeit Leben retten. Reporter Daniel Tautz hat legales LSD aus dem Internet zum Testen mitgebracht. Portugal fährt dagegen eine ganz andere Strategie. 2001 hat das Land alle Drogen entkriminalisiert. Heißt konkret: Man kann sie zwar nicht legal kaufen und besitzen. Wird man aber mit Substanzen erwischt, folgt kein Strafprozess, sondern ein Reflektionsgespräch bei einer Kommission. „Wir setzen auf Hilfe statt Strafe“, sagt Nuno Capaz von der Einrichtung in Lissabon. „Die Menschen haben nicht auf dem Schirm, dass ein Großteil der Konsumenten kein Problem mit der Nutzung illegaler Drogen haben.“ Und allen anderen werde Hilfe an die Hand gegeben. Ein mögliches Vorbild für eine andere Drogenpolitik in Deutschland? (Text: tagesschau24) Deutsche TV-Premiere Mi. 24.06.2026 MDR 180. Profit trotz Verfall – Ist Halle Südpark noch zu retten?
Folge 180 (30 Min.)Kaputte Heizung, Wasserschaden, Schimmel – das ist für die Mieter*innen einiger Wohnungen im Südpark Alltag. Eine Lösung? Nicht in Sicht. 680 Mieter*innen im Südpark in Halle-Neustadt leben in so genannten Schrottimmobilien. Die Wohnblöcke, in denen sie leben, gehören der zahlungsunfähigen Bevo DE Alpha 2a GmbH. 5.500 Wohnungen in ähnlichem Zustand hat das mittlerweile insolvente Unternehmen deutschlandweit. 1.000 davon im Südpark in Halle. Warum nicht einfach wegziehen? Für Thomas Dademasch keine Option. Der vierfache Familienvater bezieht Bürgergeld und fühlt sich eigentlich wohl in der Gegend. Wegziehen will er nach sieben Jahren im Südpark nicht, er nimmt die Lage lieber selbst in die Hand.Anders geht es Zainab Yussuf. Die alleinerziehende Mutter sucht seit zwei Jahren nach einer größeren Wohnung. Sie lebt mit ihren vier Kindern auf nicht mal 60 Quadratmetern in einer Wohnung, die sie nicht lüften kann. Als Migrantin und Bürgergeldbezieherin hat sie es auf dem Wohnungsmarkt allerdings besonders schwer. Die Lage im Südpark ist kein Einzelfall, sondern Teil eines perfiden Geschäftsmodells. Ein tieferer Blick in die Geschäfte der Bevo DE Alpha 2a GmbH zeigen, dass sie nur ein kleines Puzzleteil in einem größeren System ist. (Text: MDR) Deutsche TV-Premiere Mi. 01.07.2026 MDR 181. Was wäre, wenn die AfD mit Ulrich Siegmund regiert?
Folge 181 (30 Min.)Deutsche TV-Premiere Mi. 22.07.2026 MDR 182. Magdeburg: Vergessen nach dem Anschlag – Traumata und Hilfe
Folge 182 (30 Min.)Wenn das Urteil gesprochen ist und die öffentliche Aufmerksamkeit nachlässt? Für viele Betroffene ist kein Abschluss möglich – denn ihr Alltag bleibt, geprägt von Trauer, den Versuchen einer Verarbeitung und der Suche nach Unterstützung. Die „exactly“-Reportage setzt an diesem Punkt an und richtet den Blick auf das, was nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 folgte. Im Mittelpunkt steht die Augenzeugin Ramona. Sie versucht, in ihren Alltag zurückzukehren, doch die Erlebnisse wirken weiter. Schritt für Schritt wird deutlich, wie stark die Belastung anhält und wie schwer es ist, wieder Stabilität zu finden. Gleichzeitig zeigt der Film, mit welchen Hürden Betroffene konfrontiert sind, wenn sie Hilfe suchen.Lange Wartezeiten, komplexe Verfahren und fehlende Anschlussangebote erschweren den Zugang zu therapeutischer Unterstützung. Aus einzelnen Erfahrungen entsteht so ein größeres Bild: ein Hilfesystem, das in Teilen an seine Grenzen stößt – auch am Beispiel von Zeuginnen und Zeugen anderer Anschläge, wie auf dem Berliner Breitscheidplatz 2016 oder auf den Pariser Club Bataclan 2015. Die Perspektiven von Fachleuten und Menschen, die Betroffene seit Monaten begleiten, zeigen, wo Hilfe wirkt – und wo im Hilfesystem weiterhin Lücken bestehen. Der Film stellt damit eine zentrale Frage: Werden Betroffene nach einem Anschlag ausreichend und langfristig begleitet – auch dann, wenn das öffentliche Interesse nachlässt? Ein (Text: MDR) Deutsche TV-Premiere Mi. 29.07.2026 MDR
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