Nase vorn

    Nase vorn

    D 1988–1990
    Deutsche Erstausstrahlung: 10.12.1988 ZDF

    Eine Show der Superlative soll die neue Samstagabend-Sendung mit dem sympathischen Nashörnchen als Maskottchen werden. Die Saalgäste und die Zuschauer am Bildschirm können mitspielen.

    „Nase vorn“ ist in drei Teile gegliedert: Zu Beginn werden die acht Kandidaten vorgestellt (teilweise Prominente, teilweise Zuschauer) und Gespräche mit den Gästen geführt. Im zweiten Teil wird gespielt. Neben den Kandidaten und den Erfindern witziger und nützlicher Dinge, können auch sämtliche Zuschauer per „Rubbel-Spiel“ mitwirken (100 Rubbelkarten-Besitzer können live bei „Nase vorn“ durch eine Telefonnummer auf der Karte eingreifen). In der dritten Runde wird dann kräftig gefeiert. (Text: Gong 49/1988)

    Nase vorn – Kauftipps

    Nase vorn – Community

    Fauskemper (geb. 1966) am 12.01.2004: Schafft es HUGO EGON BALDER mit TUTTI FRUTTI und TANZMARATHON und unverständlichen Spielregeln wahre Einschaltquoten zustande zu bringen, so hat FRANK ELSTNER dieses Glück wohl nicht. NASE VORN war von den Spielregeln derart kompliziert, daß wohl selbst ein psychologe nicht verstanden hätte, wie und warum diese Show zustande gekommen ist und wer sie begreifen soll. Nach wenigen Shows wurde NASE VORN eingestellt. Apropos nicht verständliche Spielregeln: QUIZ EINUNDZWANZIG steht auch in der Tradition nicht verständlicher Spielregeln. Das muss HANS MEISER wohl wissen-denn darum wirkt er so hilflos. Aber HANS MEISER hat das Glück, daß er dennoch eine beachtliche Quote erreicht.
    Kaffee-Kalle (geb. 1950) am 02.12.2003: Nase vorn war einfach von den Spielregeln zu kompliziert und Frank Elstner konnte sie auch nicht rüberbringen. Darunter litt die Sendung - sie wurde ja dann auch vorfristig eingestellt.

    Cast & Crew

    Dies und das

    Aus dem Fernsehlexikon von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier (Stand 2005):

    Große Samstagabendshow mit Frank Elstner, der unbekannte Menschen begrüßt, die in irgendeiner Form die „Nase vorn“ haben: durch gute Aktionen, besondere Leistungen oder kuriose oder nützliche Erfindungen wie ein Bett mit Loch, durch das man einen Arm stecken kann, damit man nicht mehr auf ihm liegen muss, oder ein umweltfreundlicher Rapsölantrieb fürs Auto. Vorgestellt werden aber auch Amerikaner, die Knoblauchshrimps unter der Motorhaube eines Autos braten, und Oma Liesl, die mit 69 Jahren noch Steilwände erklimmt. Die Zuschauer im Saal können mit Taschenlampen abstimmen, wer ihrer Meinung nach wirklich die „Nase vorn“ hat. Der Gewinn im Finale richtet sich nach den Beträgen hinter grauen Feldern, die der Kandidat aufrubbelt.

    Die Post hat im Vorfeld an über 30 Millionen Haushalte Rubbelkarten verschickt, von denen die Zuschauer im Lauf der Sendung bestimmte Felder aufkratzen müssen. Einige von ihnen finden dann eine geheime Nummer, mit der sie in der Sendung anrufen können. Sie werden nach und nach durchgestellt. Immer wenn jemand am Apparat ist, darf der Siegerkandidat im Studio ein weiteres Feld aufkratzen. Danach muss er sich entscheiden, ob er es riskiert, weiterzuspielen. Ist nämlich kein Anrufer mehr in der Leitung, verliert er sein bisher erspieltes Geld.

    Nach dem Erfolg mit Wetten dass … ? hatte Elstner ein neues Showkonzept entwickelt. Ihm war das Kunststück gelungen, eine Sendung zu entwickeln, die doppelt so kompliziert war wie Tutti Frutti, aber nur halb so unterhaltsam. Die wenigsten Zuschauer verstanden die Spielregeln, die im Lauf der insgesamt 13 Sendungen diverse Male geändert wurden. Was blieb, waren nur das Zuschauerspiel mit Rubbelkarten und die gezeichneten Nasenhörnchen, die im Vorspann durch das Eurovisions-Logo galoppierten. Am Ende der Show galoppierten die meiste Zeit echte Tiere. Außenreporter Werner Hansch kommentierte auf der Rennbahn in Dinslaken ein Sulkyrennen mit prominenten Fahrern. Ins Finale kam derjenige Gast oder Kandidat aus dem Publikum, dessen Pferd gewann.

    Der „Spiegel“ nannte die Premiere „ein fades Nasi Goreng aus Talk, Spiel und schalem Singsang, geschwätzig, witz- und spannungsfrei.“ Über die komplette Laufzeit der Show blieben die Kritiken vernichtend, die Einschaltquote halbierte sich – allerdings von höchstem Niveau: Die erste Show hatte noch 21,8 Millionen Zuschauer, 54 % Einschaltquote. Die Sendung vom 27. Januar 1990 musste kurzfristig abgesagt werden, weil sich die verschickten Rubbelkarten als fehlerhaft herausgestellt hatten. Ohnehin stieß die gemeinsame Aktion der Post mit dem ZDF auf Kritik. Allein für die erste Sendung schickten die Zuschauer 2,9 Millionen Postkarten mit Gewinnabschnitten an das ZDF – eine schöne Zusatzeinnahme für die Bundespost, deren Minister auch gleich in der ersten Sendung saß.

    Nach zwei Jahren hatten nicht nur Zuschauer und Kritiker, sondern auch Sender und Moderator die Nase voll und nahmen die teuerste Show des ZDF aus dem Programm.