Reicht es fürs Gymnasium? Bei mir hieß es „Nein“. Aber warum fällt diese Entscheidung schon nach der vierten Klasse? Und warum hat sich daran seit hundert Jahren nichts geändert? Würde es helfen, wenn Kinder länger gemeinsam lernen könnten? Diese Fragen stellt sich Reporter Adrian Oeser und begibt sich auf Spurensuche. Sie beginnt in seiner alten Grundschule im südhessischen Groß-Umstadt. Dort begegnet er den Viertklässlern Phil und Tahira, denen es so geht wie ihm damals: Der Kampf um die „richtige“ Schule, mit viel Hoffnung, aber auch Zweifeln und Enttäuschung.
Adrian begleitet die beiden durch den Sommer, in dem sich ihre Wege trennen. In kaum einem anderen Land werden Kinder so früh auf verschiedene Schulformen verteilt wie in Deutschland. Fast alle Bundesländer „sortieren“ nach vier Jahren Grundschule – wenn die Kinder zehn, elf Jahre alt sind. Wie die Entscheidung ausfällt, hängt stark vom Elternhaus ab. Laut Chancenmonitor des Wirtschaftsforschungsinstituts ifo gehen rund 80 Prozent der Kinder,
deren Eltern Abitur haben und gut verdienen, aufs Gymnasium.
Von Kindern ohne Abitur im Elternhaus und mit wenig Geld sind es nur 17 Prozent. Adrian Oeser hatte in der Grundschule einen Schnitt von 3,2. Seine Mutter setzte gegen den Rat der Schule durch, dass er trotzdem aufs Gymnasium kam. Das kann auch anders laufen: Adrian trifft den Comedian Abdelkarim, der mit einem Dreier-Schnitt auf die Hauptschule geschickt wurde. Abdelkarim zeigt ihm: Auch einer schwierigen Schulkarriere kann man durchaus etwas Komisches abgewinnen.
Und: Adrian reist nach Estland, wo alle Kinder bis zur neunten Klasse gemeinsam lernen – und in PISA-Studien regelmäßig hervorragende Ergebnisse erzielen. Dabei begleitet ihn immer die Frage: Warum sortiert Deutschland so früh? Wer profitiert davon? Und warum ist bisher jeder Versuch gescheitert, daran etwas zu ändern? Der Film taucht ein in die Geschichte eines Schulsystems, das vor über 100 Jahren entstand – und in einen Schulstreit, der bis heute nicht entschieden ist. (Text: hr-fernsehen)