bisher 159 Folgen, Folge 139⁠–⁠159

  • Folge 139 (30 Min.)
    Bild: Arte
    „We need Greenland“, erklärt US-Präsident Donald Trump – und droht, man werde es „auf die eine oder andere Art“ bekommen. Plötzlich stehen die Menschen auf Grönland nicht mehr am Rand der Welt, sondern im Zentrum globaler Geopolitik. Eine Annäherung an die USA könnte den von vielen gehegten Wunsch nach Unabhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht Dänemark befördern. Gleichzeitig fühlen sich vor allem junge Menschen kulturell und politisch eher den liberalen Werten Europas verbunden als den Vereinigten Staaten. Welchen Weg wird Grönland einschlagen? Die grönländische Identität erlebt eine Renaissance: Die Sprache Kalaallisut prägt den Alltag, Kunst und Popkultur werden zum Ausdruck von Protest gegen die dänische Bevormundung. Als Medium politischer Forderungen, kultureller Rückbesinnung und gesellschaftlicher Kritik spielt besonders Musik eine zentrale Rolle. Die jungen Kalaallit erkunden ihre Wurzeln, rappen in der Landessprache und lassen sich vermehrt traditionelle Tattoos stechen. Zugleich werden die Schattenseiten sichtbar: Alkoholismus, Perspektivlosigkeit, soziale Brennpunkte und eine dramatisch hohe Suizidrate, vor allem unter Jugendlichen. Wirtschaftlich steht Grönland an einem Wendepunkt: Der boomende Klimatourismus verspricht Einkommen und internationale Aufmerksamkeit, beschleunigt jedoch zugleich das Abschmelzen jener Gletscher, die die Reisenden anziehen. Zwischen Hoffnung auf Selbstbestimmung, globalem Interesse und ökologischen Widersprüchen droht das Land zerrieben zu werden. „Tracks East“ fragt: Wohin will die Jugend Grönlands? Wie definieren sie ihre Identität zwischen Inuit-Tradition und Popkultur, zwischen lokaler Kultur, den USA und Europa? (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 25.03.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 31.03.2026 arte
  • Folge 140 (30 Min.)
    Seit 2010 regiert Viktor Orbán mit Fidesz – und setzt im Wahlkampf 2026 alles auf das Thema Frieden. Bei groß inszenierten Anti-Krieg-Events auf dem Land präsentiert er Ungarn als Bollwerk gegen ein vorgeblich kriegstreiberisches Brüssel. Er schürt immer wieder die Angst, dass Ungarn in den Krieg hineingezogen werden soll. Wer am Ende als Gewinner der Wahl hervorgeht, ist dieses Mal nicht ganz klar. Herausforderer Péter Magyar werden gute Chancen eingeräumt. Die Journalistin Hanna Solti erhält nach langem Anmeldeprozess Zugang zu einer Wahlkampf-Veranstaltung. Sie erlebt eine streng kontrollierte Bühne, regierungsnahe Berichterstattung und wenig Platz für kritische Fragen. Im Gespräch beschreibt sie, wie sich die Bedingungen für unabhängigen Journalismus in den vergangenen Jahren verschärft haben – und warum sie dennoch weiter berichtet. Szilvi Német zeigt einen Teil der digitalen Seite des Wahlkampfs. Die Journalistin deckt ein Netzwerk aus fast 100 KI-generierten Facebook-Profilen auf, die scheinbar private Inhalte posten – es sich letzten Endes jedoch um gezielte Fidesz-Propaganda handelt. Auf dem Land trifft „Tracks East“ die Unternehmerin Bea Molnar. Sie organisiert Jagdreisen – früher sogar nach Russland – und steht fest hinter Orbán. Für sie verkörpert er Stabilität und vertritt die nationalen Interessen. Zwischen ländlicher Loyalität, digitaler Manipulation und wachsender Opposition durch Péter Magyar stellt sich die Frage: Kann der Herausforderer Orbán wirklich gefährlich werden? (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 01.04.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 07.04.2026 arte
  • Folge 141 (30 Min.)
    Für viele junge Menschen fühlt sich Wirtschaft wie ein permanenter Ausnahmezustand an. „Tracks East“ zeigt, wie Inflation und Rezession den Alltag prägen. In New York kämpft Michael Falco-Felderman, Gründer des Queer Nightlife Community Center in Brooklyn, um das Überleben einer ganzen Szene. Während die Lebensmittelpreise explodieren und Mieten steigen, müssen viele Kulturschaffende mehrere Jobs gleichzeitig stemmen. Wenn die Kreativen die Stadt verlassen müssen, droht New York einen Teil seiner Identität zu verlieren. Der russische Wirtschaftsjournalist Bogdan Bakaleyko analysiert den Preisschock in Russland. Gurken, Butter oder Eier – vieles ist drastisch teurer geworden. In sozialen Netzwerken dokumentieren Menschen ihre Einkäufe zwischen Sarkasmus und Verzweiflung. Offene Kritik bleibt riskant – der Unmut wächst. In Polen wird die Krise zum Soundtrack. Das Rap-Kollektiv Natura2000 aus Poznań prägt den Trend Matcha Rap: schnelle Beats, Party, Eskapismus. Der teure Matcha-Latte wird zum Symbol einer Generation, die sich kleine Luxusmomente gönnt, während große Träume wie Eigentum immer weiter in die Ferne rücken. Zwischen Supermarktregal und Clubnacht fragt „Tracks East“: Wie prägt wirtschaftlicher Druck die junge Generation – und warum spiegeln Konsum und Kultur oft genauer wider, wie sich eine Krise wirklich anfühlt? (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 08.04.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 14.04.2026 arte
  • Folge 142 (30 Min.)
    Aufrüsten statt abrüsten: Die Welt rückt gefährlich nah an ein neues Atomzeitalter. Die „Doomsday Clock“ steht kurz vor Mitternacht. Auslaufende Verträge, neue Atomtests und immer lautere Drohungen verschärfen die Lage. Erinnern sich Politikbetreibende eigentlich noch daran, was nukleare Katastrophen bedeuten? „Tracks East“ hat sich bei denen umgeschaut, die mit der Gefahr leben. In der Ukraine geht es mit Fotograf Anton Yukhimenko in die Sperrzone von Tschernobyl. Trotz Krieg und Zugangsbeschränkungen kehrt er immer wieder zurück – aus Faszination für einen Ort, der für ihn Mahnmal und Lebensinhalt zugleich ist. Die Band Go_A drehte kurz vor dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 ihren Song Shum teilweise in der Tschernobyl-Sperrzone. Seine dystopische Stimmung galt als kultureller Vorbote der angespannten Lage. Das wichtigste nukleare Testgelände der Sowjetunion lag in Kasachstan, insgesamt gab es dort mehr als 450 Explosionen. Rund um das Testgelände lebten all die Jahre über Generationen von Menschen. Die kasachische Filmemacherin Aigerim Seitenova macht ein jahrzehntelang verdrängtes Trauma sichtbar. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 15.04.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 21.04.2026 arte
  • Folge 143 (30 Min.)
    Trends wie „Catholic Core“ oder „Jesus Glow“ machen Glaube und Spiritualität auf TikTok für eine junge Generation greifbarer. In einer Zeit, die von Krisen und Krieg bestimmt ist, sehnen sich junge Menschen immer häufiger nach Ruhe und Halt. Und den können sie im Glauben finden. In Moskau lockt die Kirche des Heiligen Antipas von Pergamon eine Hipster-Generation an: Zwischen Designerjacken und Weihrauch entsteht ein neuer kultiger Ort, der sich dem modernen Stadtleben anpasst. Die Kirche betreibt Café, Filmclub und hat sogar eine eigene Kleidermarke. In Sofia verkörpert Ognian FYRE Pavlov das Rapper-Stereotyp: breit gebaut, tätowiert und männlich. Doch anders als seine Kollegen rappt der Bulgare über Glaube und Gott und ist damit für viele junge Bulgarinnen und Bulgaren ein Vorbild. In Polen steht der katholische Priester Paweł Rakowski für eine andere Perspektive: Nach seinem Coming-out lebt er ohne feste Gemeinde und ringt mit der Institution Kirche. Als er jung war, wollte er von seiner Homosexualität „geheilt“ werden. Seine sexuelle Orientierung konnte er lange Zeit nur schwer akzeptieren. Heute bezeichnet er sich selbst als „obdachlosen“ Priester. Für die Politik wird es immer schwieriger, Religion für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, gleichzeitig wenden sich junge Menschen von offiziellen Institutionen ab. „Tracks East“ fragt, wie definiert die Jugend Religion für sich und woran glaubt sie heutzutage noch? (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 22.04.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 28.04.2026 arte
  • Folge 144 (30 Min.)
    Der „American Dream“ – einst Symbol für Aufstieg, Freiheit und Selbstverwirklichung – steht heute mehr denn je auf dem Prüfstand. In den USA, einem Land, das lange als Ort unbegrenzter Möglichkeiten galt, erleben viele Menschen eine von Unsicherheit und Angst geprägte Realität. „Tracks East“-Reporter Jean-Michel Scherbak zeigt, was aus dem amerikanischen Traum geworden ist. Cain Culto ist ein amerikanischer Rapper und Latino. In seiner Musik übt er harte Kritik an Trump und der Immigrationsbehörde ICE. Inspiriert von den Hymnen südamerikanischer Freiheitskämpfe schreibt er Songs, die seine wachsende Fangemeinde mitreißen und berühren. In einer ihrer Kolumnen lotet die Journalistin Masha Borzunova aus, wie der Begriff „American Dream“ politisch genutzt wird. Von der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart zeigt sie, wie Politiker den Traum immer wieder neu definieren. Während sich die Menschen in den USA keine Illusionen mehr machen, ist das Leben im Westen für viele Inder ein erstrebenswertes Ziel. Der Bildhauer Manjit Singh Gill findet, dass sich die Menschen vom Glamour des westlichen Lebens blenden lassen. Doch sein Neffe Ranjit Singh Sangha möchte nichts mehr, als sich in den USA ein besseres Leben aufzubauen – genau wie sein Onkel es bereits getan hat. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 29.04.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 05.05.2026 arte
  • Folge 145 (30 Min.)
    Immer mehr junge Menschen leiden unter Einsamkeit.
    Noch nie waren junge Menschen so vernetzt und trotzdem fühlen sie sich so allein. Studien zeigen: Besonders die Generation Z leidet unter Einsamkeit. Politische Krisen, wirtschaftliche Unsicherheit und digitale Lebenswelten verändern Beziehungen und Gemeinschaft. Ist Einsamkeit ein individuelles Problem – oder ein Symptom unserer Gesellschaft? In Peking begleitet Tracks East die junge Sozialpädagogin Qingye, die sich einer ungewöhnlichen Herausforderung stellt: 100 Begegnungen mit sogenannten Dazi – Freizeitpartnern für einzelne Aktivitäten. Auf Deutsch heißt Dazi in Partner oder Begleiter. Wer im hektischen Alltag in China keine Zeit findet, Freundschaften zu pflegen, kann so auf ganz pragmatische Weise Kontakte knüpfen. Ohne Verpflichtungen, ohne Druck. In Ost- und Südosteuropa sind mehr junge Menschen von Einsamkeit betroffen als im Westen. Warum macht sich dieses Gefühl breit? Darüber sprechen der Musikproduzent Robert und die Künstlerin Beatrice. Unter dem Namen Trinkova entwirft sie Kleidung und Accessoires mit bitter-ironischen Botschaften wie „Alles ist wunderbar und niemand ist glücklich“. Die Warschauer Partyreihe Niedzielni (Sonntag) möchte ein Gegenmittel gegen die Vereinsamung sein. Die Idee ist simpel: Tanzen am Sonntagmorgen, Sonnenlicht statt Clubmuff, Kaffee statt Exzess. Kein Dresscode, kein Eintritt. Die Macher Damian und Miki wollen einen barrierearmen Raum schaffen, in dem sich leicht neue Kontakte knüpfen lassen. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 06.05.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 12.05.2026 arte
  • Folge 146 (30 Min.)
    Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban ist das Leben in Afghanistan für viele zur täglichen Gratwanderung geworden. Besonders Frauen sind betroffen: Ein neues Strafgesetzbuch verschärft die Unterdrückung, Bildung und Arbeit bleiben ihnen weitgehend verwehrt. Doch trotz dieser Realität zeigen viele Afghaninnen beeindruckende Widerstandskraft. In Herat trifft „Tracks East“ auf eine Frau, die ihren Schönheitssalon nach dem Verbot ins Private verlagert hat. Heimlich empfängt sie Kundinnen und bildet andere junge Frauen aus – ein stiller Akt des Widerstands gegen das System. Und doch kann sie jederzeit von einer ihrer Kundinnen verraten werden. Auch wenn in Kabul, der Hauptstadt des Landes, die Situation für Frauen etwas freier ist, wie für die Schneiderin Humaira, sind sie gezwungen, neue Wege aus der Unterdrückung zu finden. Auch jenseits der Landesgrenzen ist Sicherheit keine Selbstverständlichkeit. Die 20-jährige Arezo, Angehörige der Hazara-Minderheit, flieht zu ihren Verwandten nach Pakistan. Als MMA-Kämpferin und junge Frau hat sie in Afghanistan keine Zukunft. Doch auch im Exil lebt sie in Angst vor Abschiebung und Gewalt. Es gibt in Europa nirgends so viele Afghaninnen und Afghanen wie in Hamburg. Hier setzen Künstler wie Farhad Samadzada, alias Farhot, ein Zeichen gegen Vorurteile. Mit Musik, die traditionelle Klänge aufgreift, erzählen sie von einer Kultur, die mehr ist als Krieg und Flucht. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 19.05.2026 arte
  • Folge 147 (30 Min.)
    Wenn 2026 der Anpfiff zur Fußball-WM ertönt, wird das Turnier zur Bühne globaler Machtspiele. Nirgendwo trifft Politik und Sport so sehr aufeinander, wie im Rahmen der „unpolitischen“ Fußball-WM. „Tracks East“ begleitet Menschen, für die der Sport Identität und politisches Werkzeug zugleich ist. In Usbekistan erlebt der Fußball einen historischen Moment: Zum ersten Mal konnte sich das Land für die Fußball-WM qualifizieren – als einzige zentralasiatische Mannschaft 2026. Reporter Timur Karpov erklärt aus Taschkent, dass der Fußball-Hype in seinem Land kein Zufall ist: Präsident Shavkat Mirziyoyev erklärte Fußball zur Staatsangelegenheit – mit neuen Akademien, millionenschweren Investitionen und politischer Inszenierung als Symbol nationaler Stärke. In den USA hingegen steht die WM im Schatten harter Migrationspolitik. Während Donald Trump Einreisebeschränkungen verschärft, fürchten Communities mit Migrationshintergrund um ihre Sicherheit. Fans und Arbeiter protestieren gegen mögliche ICE-Einsätze. Jetzt drohen über 2.000 Angestellte des „SoFi Stadium““ in Los Angeles – mit acht Spielen einer der Hauptaustragungsorte der Fußball-WM – mit Streik, sollten ICE-Beamte im Rahmen der Spiele zum Einsatz kommen. Der unerwartete Hit zur WM kommt aus Sarajevo: Nach Bosniens Sieg gegen Italien landet die Band „Dubioza Kolektiv“ mit ihrem 15 Jahre alten Song „U.S.A.“ einen viralen Erfolg. Zwischen Satire und Sehnsucht spiegelt der Song die komplexe Beziehung eines Landes, das bis heute von den Folgen des Krieges geprägt ist. „Tracks East“ fragt: Wie politisch ist der Fußball wirklich – und wer nutzt ihn als Bühne? (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 20.05.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 26.05.2026 arte
  • Folge 148 (30 Min.)
    Schicke Hochhäuser neben Slums: Während die Mittelschicht in Indien wächst, bleiben große Teile der Bevölkerung abgehängt.
    In Indiens Metropolen wird der Aufschwung sichtbar: Malls und Bürotürme schießen empor, internationale Konzerne siedeln sich an, die Mittelklasse wächst. Doch die Gegensätze bleiben extrem: Gated Communities und Slums liegen oft nur wenige Meter auseinander. Sudheer Rajbhar kennt sich in beiden Welten aus: Mit seinem Label Chamar Studio stellt er bei der Art Miami und der Fashion Week in Delhi aus. Produziert werden seine angesagten Taschen in Dharavi, dem größten Slum Indiens. Hier hat Sudheer Rajbhar selbst lange gelebt. Er ist Dalit, gehört also der untersten Kaste in Indien an und hat es trotzdem nach oben geschafft. Modi ruft immer wieder zu einem Ende der Kasten-Diskriminierung auf. Gleichzeitig propagieren der Premier und seine Partei BJP die Idee eines Hindu-Nationalstaats. Muslime werden häufig verunglimpft. Über Bollywood-Filme und Popmusik sickert die Ideologie in die breite Gesellschaft. Der Sänger Prem Krishnavanshi macht Hindutva-Pop: Er verwandelt anti-muslimischen Hass in überdrehte Popsongs. Doch gegen die Diskriminierung, die auch immer wieder in Gewalt mündet, regt sich Widerstand. Die Rapperin Saniya MQ nutzt Musik und Poesie, um zu protestieren. Die muslimische Aktivistin Afreen Fatima musste erleben, wie das Haus ihrer Familie von Bulldozern plattgemacht wurde – sie vermutet dahinter eine Strafe für das politische Engagement ihres Vaters. Die Stimmen der beiden jungen Frauen erzählen vom Kampf um Gleichberechtigung. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Di. 02.06.2026 arte
  • Folge 149 (30 Min.)
    Israel lebt zwischen Alltag und Ausnahmezustand. „Tracks East“ über Menschen im Dauerkrieg. Journalist David Issacharoff begleitet Menschen, die mit den Widersprüchen eines Landes leben, das trotz des Krieges funktionieren muss. In Tel Aviv trifft „Tracks East“ den Streetfotografen Shahar Dekel. Sein Kibbuz nahe Gaza wurde am 7. Oktober 2023 zerstört; Freunde starben oder kämpfen bis heute mit Traumata. Dreimal wurde er seitdem eingezogen. Mit seiner Kamera dokumentierte er den Krieg. Nahe der libanesischen Grenze betreibt Nitzan Yulzari ein Café. Manchmal bebt dort der Boden von den Explosionen in der Ferne. Eigentlich wollte er mit seiner Familie nach Portugal auswandern. Jetzt steht die Entscheidung erneut bevor. Sein Café ist Treffpunkt und Rückzugsort zugleich – doch der Krieg begleitet ihn jeden Tag. Eine andere Perspektive zeigt die palästinensisch-israelische Journalistin Amal Ghawi. Auf Social Media spricht sie über Vertreibung, Diskriminierung und die Verengung des öffentlichen Diskurses. Sie berichtet auf Hebräisch und Arabisch. Für ihre Kritik wird sie von beiden Seiten angegriffen. „Tracks East“ zeigt ein Land, das erschöpft ist – und dennoch weitermacht. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 03.06.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 09.06.2026 arte
  • Folge 150 (30 Min.)
    Musik und Kunst sind Teil eines Kampfes um Identität und Sichtbarkeit geworden. Welche Verantwortung tragen Kunstschaffende im Krieg? „Tracks East“ sucht Antworten auf diese Frage. Auf der Biennale di Venezia entzündet sich der Streit um Kunst und Neutralität. Die Rückkehr Russlands sorgt für Proteste. Kritikerinnen und Kritiker sprechen von Kultur-Washing, während andere auf die Freiheit der Kunst pochen. Kann Kunst in Zeiten des Krieges überhaupt neutral sein? Die Bildhauerin Zhanna Kadyrova zeigt im ukrainischen Pavillon ihre Skulptur „Sicherheitsgarantien“, die einst nahe der Front stand und heute durch Europa reist. Pianist Maksym Shadko ist anders als viele andere Musikerinnen und Musiker in der Ukraine geblieben. Er konzentriert sein Repertoire auf ukrainische Komponisten. Soldat und Saxophonist Andrii Barmalii ist Teil der Cultural Ukrainian Forces – eine Einheit innerhalb der ukrainischen Streitkräfte, deren Aufgabe es ist, Kultur an die Front zu bringen. Und beim Eurovision Song Contest nutzt die Ukraine die größte Pop-Bühne Europas, um ihr kulturelles Selbstverständnis einem Millionenpublikum zu vermitteln. Kultur ist in Kriegszeiten keine Nebensache und häufig mehr als Unterhaltung: Sie wird Teil des Widerstands. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 10.06.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 16.06.2026 arte
  • Folge 151 (30 Min.)
    Ignas Kukučionis sieht Chancen im neuen Truppenübungsplatz Litauens nahe der belarussischen Grenze – im Gegensatz zu vielen seiner Mitbürger aus Kapčiamiestis.
    Das Baltikum befindet sich aktuell in der gefährlichsten Sicherheitslage seit Ende des Kalten Krieges. Regelmäßig gibt es GPS-Störungen, Drohnen über sensibler Infrastruktur, beschädigte Unterseekabel und gezielte Desinformation. Mit hybriden Angriffen versucht Russland die baltischen Staaten und damit die Nato zu destabilisieren, ohne offiziell Krieg zu führen. In Narva, Estlands Grenzstadt zu Russland, erlebt die Bevölkerung die Spannungen unmittelbar. 95 Prozent der Einwohner sprechen Russisch. Zum „Tag des Sieges“ inszeniert Russland im benachbarten Iwangorod eine patriotische Großveranstaltung. Gemeinsam mit der Fotografin Maria Kopytova blickt „Tracks East“ auf eine Stadt zwischen europäischem und russischem Einfluss. Der Suwałki-Korridor zwischen Litauen und Polen gilt als eine der verwundbarsten Stellen der Nato. Sollte Russland diesen Korridor besetzen, wäre das Baltikum auf dem Landweg vom Rest der Nato abgeschnitten. Deshalb will Litauen ganz in der Nähe einen neuen Truppenübungsplatz bauen. Doch das Vorhaben sorgt bei den Bewohnern der kleinen Ortschaft Kapčiamiestis für Streit. In den letzten Jahren haben alle baltischen Staaten versucht, die Verwendung ihrer Landessprache unter russischsprachigen Bürgern zu fördern. Lettland steht dabei vor der größten Herausforderung, da jeder dritte der rund 1,8 Millionen Einwohner im Alltag Russisch spricht. In Riga trifft „Tracks East“ eine junge Galeristin und Clubbetreiberin, die ihre Sicht auf den Sprachkonflikt, der die lettische Gesellschaft spaltet, mit uns teilt. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 24.06.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Di. 30.06.2026 arte
  • Folge 152 (30 Min.)
    Tägliche Drohnenangriffe, Internetblockaden und verschärfte Visabestimmungen. Der russisch-ukrainische Krieg kommt diesen Sommer mit voller Härte zu seinem Verursacher zurück. Auch die Hauptstadt bleibt nicht mehr verschont. Ein anonymer ehemaliger Aktivist berichtet, wie sich Moskau in den letzten Monaten verändert hat. Es passt zu der zunehmend repressiven Politik, dass im ganzen Land neue Stalin-Denkmäler eingeweiht werden. Wie sehr die sowjetischen Muster in Russland zurückkehren, davon erzählt die „Memorial“-Mitgründerin Irina Scherbakova. Und auch wenn es scheint, dass der Widerstand in Russland mit aller Härte unterdrückt wird, beweisen zwei Schwestern, dass Widerstand in Sibirien noch möglich ist. Mit naiv anmutender, aber tiefgreifender Kritik an der patriarchalen Politik Moskaus halten die beiden Künstlerinnen der Gesellschaft den Spiegel vor – und begeben sie sich immer wieder in Gefahr, verhaftet zu werden. Einige Frauen in Russland, die täglich von viel Gewalt umgeben sind, suchen derweil Ablenkung bei einem erstaunlichen Social Media-Phänomen. Auf der Suche nach einem anderen Typ Mann haben sie eine Gruppe junger, muskulöser Männer in Deutschland entdeckt. Die Techno-Influencer tanzen jetzt im Internet für ihre neue Zielgruppe: russische Frauen. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere So. 28.06.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Sa. 04.07.2026 arte
  • Folge 153 (30 Min.)
    Russinnen und Russen machen schon das vierte Jahr Urlaub in Kriegszeiten. Doch an der russischen Schwarzmeerküste treffen Propagandaversprechen und Realität immer stärker aufeinander. Der Krieg gehört dort mittlerweile zum Alltag – genauso wie schicke Hotels, Restaurants und Strände. Kurorte wie Tuapse werden regelmäßig von Drohnenangriffen getroffen, Industrieanlagen stehen in Flammen und Teile der Küste sind durch ausgelaufenes Öl belastet. Was einst weit weg wirkte, kommt nun Stück für Stück nach Russland zurück – fast wie ein Bumerang. Auf der Krim dürfte es dieses Jahr im übertragenen Sinne „zu heiß“ werden. Also Sotschi? Wie Russen dort entspannen, während auf der anderen Seite des Schwarzen Meeres gekämpft wird, findet ein Tracks East-Reporter heraus. Aus Angst, wegen seiner Arbeit für ausländische Medien festgenommen zu werden, bleibt er anonym. In der Türkei kippt derweil die Stimmung. Wohlhabende russische Zugezogene werden für die dramatische Wohnungskrise verantwortlich gemacht. Denn seit 2022 stiegen die Mieten enorm. Gleichzeitig bietet das „Kremlin Palace“ Hotel in Antalya Zuflucht und Ablenkung vor der russophoben Stimmung in der Türkei und Europa. In Nordkorea sind russische Touristen wiederum willkommen. Umgekehrt genauso. Während russische Touristen nach Nordkorea reisen, um an Kimchi-Kochkursen teilzunehmen, sollen die Nordkoreaner nicht zum Urlauben, sondern zum Kämpfen kommen. Exiljournalistin Masha Borzunova zeigt in einer Kolumne die aktuellen Anwerbeversuche beider Länder. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere Mi. 08.07.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Sa. 11.07.2026 arte
  • Folge 154 (30 Min.)
    Während prorussische Influencer die Stadt Mariupol von ihrer vermeintlich besten Seite zeigen, verschweigt die Propaganda die Zerstörung.
    Reisevideos, Lifestyle-Posts, Musikclips – auf den ersten Blick nichts Politisches. Doch hinter scheinbar harmlosen Social-Media-Inhalten steckt zunehmend kalkulierte Propaganda: oft staatlich gesteuert, zielgerichtet und kaum als solche erkennbar. Genau das ist das Prinzip von Soft-Propaganda: Wer seinen Alltag zeigt, wirkt authentisch. Wer authentisch wirkt, dem wird geglaubt. Und wem geglaubt wird, der kann Meinungen formen – über Likes, Stories und Videos. Russland lässt westliche Influencer das Land als „normalen“, missverstandenen Staat darstellen. In besetzten ukrainischen Gebieten werden seit April 2026 junge Creator in Content-Camps ausgebildet, um prorussische Narrative zu verbreiten. In Mariupol zeigen Videos den scheinbaren Glanz des Wiederaufbaus. In den USA ist Social Media das Ökosystem der neuen Rechten. Steve Vilchez aus Texas war zwölf Jahre alt, als er anfing, Influencern wie Charlie Kirk und Ben Shapiro zu folgen. Erst der Sturm auf das Kapitol brachte Zweifel. China wiederum lädt internationale Influencer auf bezahlte Städtetouren ein, um sein Narrativ zu pushen – während im bedrohten Taiwan Rapperin Yang Shu-Ya einer der wenigen Artists ist, die sich offen dagegen positioniert. (Text: arte)
    Deutsche Streaming-Premiere So. 19.07.2026 arte.tvDeutsche TV-Premiere Sa. 25.07.2026 arte
  • Folge 155 (30 Min.)
    Die eine Supermacht geht, die andere kommt? Mit Beginn des Ukraine-Kriegs stellen sich die Länder Zentralasiens breiter auf, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. Ein Global Player profitiert besonders: 2025 ist China zum wichtigsten Wirtschaftspartner der Region aufgestiegen. In Tadschikistan wurde das Parlamentsgebäude mit chinesischen Geldern gebaut. In Kasachstan und Usbekistan entstehen Wind- und Solarparks. In Kirgistan und den Nachbarländern schürft China Gold und Seltene Erden. Läuft Zentralasien Gefahr, ausgebeutet zu werden? Und sich ganz in den Dienst Chinas zu stellen? Das befürchtet Timur. Der usbekische Fotograf macht sich in Taschkent auf die Spur – zwischen Relikten der Sowjetzeit und neuen chinesischen Wolkenkratzern. Er spricht mit Usbeken und mit chinesischen Händlern. Wer profitiert von der neuen Partnerschaft? Mit den Investitionen entstehen auch neue Jobs. „Tracks East“ begleitet einen Trucker aus Kirgistan auf dem Asphalt der neuen Seidenstraße. Wer steht unter Druck? In Kasachstan lebt eine große uigurische Minderheit. Deren Heimat liegt direkt auf der anderen Seite der Grenze: im chinesischen Xinjiang. Dort werden viele Uiguren und Angehörige anderer muslimischer Gruppen – wie Kasachen, Kirgisen und Tadschiken – in Lagern festgehalten. Sie durchleiden Zwangsarbeit und Folter. Dina hat über ein Jahr Lagerhaft überlebt und ist nach Kasachstan geflüchtet. Doch dort fühlt sie sich nicht mehr sicher. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Sa. 01.08.2026 arte
  • Folge 156 (30 Min.)
    Bevor Maria Kolesnikowa zur Symbolfigur der belarussischen Opposition wurde, war sie professionelle Musikerin.
    Momentan stellen sich viele Menschen Fragen über kulturelle Identitäten und mögliche Konfliktlinien im postsozialistischen Raum. „Tracks“ nähert sich behutsam diesen vielschichtigen Themen und holt dafür Kulturschaffende aus dem östlichen Europa an Bord: Tiefe Einblicke in eine komplexe Gegenwart. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Sa. 29.08.2026 arte
  • Folge 157 (28 Min.)
    Deutsche Streaming-Premiere Do. 23.07.2026 arte.tv
  • Folge 158 (30 Min.)
    224 Tage, ohne Ablösung: So lange harrten drei Infanteristen in der sogenannten Todeszone aus, jenem Streifen entlang der Front, den die wachsende Reichweite der Drohnen unpassierbar machen. Über den Köpfen ununterbrochen das Surren der Drohnen, die jede Bewegung registrieren. Rauskommen ist unmöglich: Der Moment der Ablösung gilt als der tödlichste. Also verstecken und warten. Versorgt werden die drei allein von Maschinen – Munition, Wasser, Essen kommen auch über Drohnen und Bodenroboter. „Tracks East“ zeigt, was der Drohnenkrieg bedeutet, und fragt: Was macht das mit den Menschen in der Ukraine und in Russland, die ihm tagtäglich ausgeliefert sind? Da ist zum einen der Infanterist, der die Todeszone überlebt hat. Zum anderen ist der Drohnenpilot, der Hunderte Kilometer von der Front entfernt russische Shahed-Drohnen abwehrt, aus einem Büro heraus. „Tracks East“ trifft auch einen Ex-Kriegsdienstverweigerer, den ein Rekrutierungsteam der ukrainischen Rekrutierungsbehörde TZK (Territoriale Zentren für Personalgewinnung und soziale Unterstützung) auf offener Straße aufgriff und einzog. Jetzt arbeitet er als Programmierer für Bodenroboter und hofft, dass durch neue Technologien auch weniger Menschen an die Front müssen. In einem Dorf im Donbass nahe der Front, geschützt durch improvisierte Anti-Drohnen-Netze, schildern Bewohner ihren Alltag unter ständiger Bedrohung aus der Luft. Kurz nach den ukrainischen Angriffen auf russische Raffinerien wurde die lokale Tankstelle angegriffen. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Sa. 05.09.2026 arte
  • Folge 159 (30 Min.)
    Europa spricht oft von gemeinsamen Werten und dass alle Länder gleichberechtigt der europäischen Identität angehören. Und doch haben viele Menschen in Ost- und Mitteleuropa das Gefühl, dass diese Gleichheit nicht immer so selbstverständlich ist. Manche Länder wirken wie Vorbilder, während andere als diejenigen gelten, die noch „aufholen“ sollen. Bestimmte Kulturen prägen das Bild des Kontinents, andere hingegen bleiben eher im Hintergrund. So entsteht der Eindruck einer unsichtbaren Ordnung innerhalb Europas – eine Hierarchie, die offiziell nicht existieren soll, aber im Alltag dennoch spürbar ist. Künstlerinnen wie Pusik drehen den Spieß um und machen aus osteuropäischem Kitsch und Klischees einen Trend. Die Ästhetik der Nullerjahre, die oft den slawischen Alltag und die westeuropäische Konsumkultur vereinte, treibt sie auf die Spitze. Mit Svetlana Del Rey schafft sie ein Alter Ego – die billige osteuropäische Kopie der amerikanischen Diva Lana Del Rey. In ihren Werken verwandelt sie die Träume, Unsicherheiten und Symbole, die mit der Integration Osteuropas in den Westen einhergingen, in eine neue Form digitaler Nostalgie und des Selbstausdrucks. Auch Gleb und Ivan aus Belarus bedienen sich an belarussischen Geschichten mit Cringe-Faktor und wandeln sie in ein Talkformat um. Aus dem Warschauer Exil heraus zerpflücken sie alles, was die regimetreue Medienwelt in Belarus zu bieten hat. Diese Ausgabe von „Tracks East“ zeigt, dass osteuropäische Kunst und Kultur es nicht nötig hat, den Westen nachzuahmen. (Text: arte)
    Deutsche TV-Premiere Sa. 12.09.2026 arte

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