Florian Lukas über „Der kleine Mann“*, die neue Serie aus dem Stromberg-Umfeld

    „Der Begriff ‚Star‘ ist zu einem Wegwerfartikel geworden“

    Michael Brandes – 22.10.2008

    Seite

    Florian Lukas über „Der kleine Mann“*, die neue Serie aus dem Stromberg-Umfeld

    „Der Begriff ‚Star‘ ist zu einem Wegwerfartikel geworden“

    „Der kleine Mann“: Florian Lukas, Karl Kranzkowski, Bjarne Ingmar Mädel (von links)

    Bild: © Frank Hempel/ProSieben

    Quotentechnisch war die Büro-Satire „Stromberg“ für ProSieben nie eine Offenbarung, dennoch hält der Sender tapfer an der Serie – und den dahinter stehenden Machern – fest. Zum Glück, denn im deutschen Fernsehen lässt sich kaum ein anderes intelligentes Comedy-Format von dieser Qualität entdecken. Im November wird nun endlich die 4. Staffel gedreht. Ein darauf folgender „Stromberg“-Kinofilm ist angedacht, das Projekt wurde aber von der Produktionsfirma Brainpool bislang noch nicht offiziell bestätigt.

    Inzwischen arbeiten große Teile des „Stromberg“-Teams aber an einer neuen, vielversprechenden Serie, deren Dreharbeiten gerade abgeschlossen worden sind. Neben Autor Ralf Husmann ist in „Der kleine Mann“ auch Bjarne Ingmar Mädel dabei: Er spielt den Verkäufer eines Elektrofachgeschäfts, der durch einen Fernseh-Werbespot plötzlich prominent wird. Bei seinem Einstieg in die Glitzerwelt der Promi-Szene wird er auch auf (real existierende) Bekanntheiten treffen, die sich in der Serie selbst spielen: wie zum Beispiel Gülcan. Dieses Cameo-Prinzip kennt man aus aktuellen satirischen Serien wie „Entourage“ (HBO) oder „Extras“ (BBC).

    Zweiter Hauptdarsteller neben Bjarne Ingmar Mädel ist Florian Lukas. Der 35-jährige Schauspieler, der für seine Rolle in „Good Bye, Lenin!“ unter anderem den Deutschen Filmpreis und einen Bambi gewann, hat in bislang über 60 Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. In „Der kleine Mann“ spielt er einen Möchtegern-Manager, der aus der schlagartigen Beliebtheit seines Arbeitskollegen Rüdiger Profit schlagen will. Im Kino ist er zur Zeit in dem packenden Bergdrama „Nordwand“ zu sehen.

    Wunschliste.de sprach exklusiv mit Florian Lukas über „Der kleine Mann“ und die allgemeine Qualität deutscher Serien – und über die Anstrengung, auf Kommando witzig sein zu müssen … 

    „Der kleine Mann“ wird als „Stromberg“-Spin-Off gehandelt. Sind außer Bjarne Ingmar Mädel noch andere „Stromberg“-Darsteller dabei?

    Die Serie wurde von Ralf Husmann entwickelt, der auch die „Stromberg“-Bücher geschrieben hat. Außer Bjarne ist von den anderen Schauspielern niemand dabei, es ist aber das gleiche ‚Komplettpaket‘ mit der Produktionsfirma Brainpool, dem Sender ProSieben und dem Regisseur Arne Feldhusen. Bjarne spielt eine Figur, die nicht austeilt, sondern dauernd einstecken muss. Ein Spin-Off ist es jedoch nicht, sondern eine eigene Serie.

    Worum geht es genau in „Der kleine Mann“?

    Zentrum des Films ist ein Elektrogeschäft. Da arbeiten drei Typen: Bjarne, ich und der ältere, kränkliche Chef des Ladens, gespielt von Karl Kranzkowski. Bjarne spielt Rüdiger Bunz, der unverhofft durch die Werbung für die Schnapsmarke „Der kleine Mann“ Prominenz erhält. Er wird zu einer Schnapsikone, arbeitet aber nach wie vor im Laden. Ich spiele seinen Kollegen: Eine hyperaktive Knalltüte, die sich als Manager aufspielt und jetzt das Riesending wittert. Karoline Eichhorn hat als Mitarbeiterin einer Werbeagentur den Spot entwickelt, in den er da eher so zufällig reingeraten ist.

    Ist „Der kleine Mann“ also eine Art Satire über die Werbebranche?

    Wenn es überhaupt eine Satire ist, dann über die offensichtliche Krone der Evolution in unserer Gesellschaft: das Berühmtsein. Das hat so eine ganz komische Qualität bekommen, wie auch der Begriff „Star“, der zu einer Art Wegwerfartikel geworden ist. Die Serie setzt sich mit diesem zweifelhaften, seltsamen Gift „Prominenz“ auseinander, auf einem komischen, aber auch tragischen Niveau, das wirklich in Deutschland unvergleichlich ist. So etwas von dieser Qualität habe ich im Fernsehbereich noch nie gesehen.

    * Ursprünglich wurde hier der Serien-Arbeitstitel „Berühmt“ genannt. Wir haben den Artikel entsprechend angepasst.

    Fortsetzung

    weitere Meldungen

    weitere Meldungen

    weitere Meldungen

    weitere Meldungen