Prosit, „Außenseiter – Spitzenreiter“!

    35 Jahre ‚Kundendienst für Neugierige‘

    17.06.2007

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    Wo steht der einsamste Briefkasten Deutschlands? Wie werden Drillinge gestillt? Welche Tür quietscht am schönsten?

    Zigtausende von Zuschauerfragen dieser und ähnlicher Art erreichten die Redaktion des dienstältesten Unterhaltungsmagazins seit 1972. Und in bisher mehr als 300 Folgen gelang es Hans-Joachim Wolfram und seinem Team, die skurrilsten und spannendsten davon auf unnachahmliche Art und Weise zu beantworten. Vor 35 Jahren, am 18.6.1972, wurde die Kultsendung „Außenseiter-Spitzenreiter“ zum ersten Mal ausgestrahlt. Wunschliste.de gratuliert mit einem Rückblick.

    Neue Sendungen braucht das Land!

    Nachdem Umfragen immer wieder ergeben hatten, dass die Menschen in der DDR mit dem angebotenen Fernsehprogramm unzufrieden waren, schlug der damals 37-jährige Rundfunkjournalist Hans-Joachim Wolfram den Gremien eine Art „Hitparade des Wortes“ vor. Immer wieder wandten sich Zuschauer mit teilweise kuriosen Alltagsfragen an das Fernsehen. Wolfram erkannte das Potential und hatte eine Idee: er wollte den Zuschauern Themen vorschlagen, und diese sollten dann abstimmen, was sie davon in der Sendung sehen wollten. Obwohl die Skepsis bei den damaligen Unterhaltungsexperten des DDR-Fernsehens erwartungsgemäß groß war, gab man dem Konzept eine Chance – und schuf einem Straßenfeger!

    Bereits nach der Premiere hagelte es Zuschriften und die Poststelle fragte in der Redaktion an, ob mal jemand kommen möge. Wolfram erinnert sich: „Wir schickten nichtsahnend ausgerechnet eine schmächtige Kollegin; nach ein paar Minuten kehrte sie zurück und forderte Verstärkung. Der Postsack war so groß, dass eine Person ihn unmöglich allein tragen konnte.“

    Echte und gemalte Nackte

    Hans-Joachim Wolle (links) am FKK-Strand
    Wolfram wurde anfangs unterstützt von Reporter-Kollege Hans-Joachim Wolle, dessen Markenzeichen sein stets umgehängtes Tonbandgerät war. Seinen berühmtesten Auftritt hatte Wolle 1976, als er am sommerlichen FKK-Strand von Prerow per Umfrage herausfinden sollte, wann die Leute beginnen, Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Nur mit Tonbandgerät bekleidet, brachte er schließlich 250 FKK-Urlauber dazu, „Morgen Kinder wird’s was geben“ zu singen. Wolles Nachfolgerin wurde 1993 die ehemalige Europa- und Weltmeisterin im Eiskunstlaufen Christine Stüber-Errath. Sie steht Wolfram bis heute als Co-Moderatorin zur Seite.

    Von Anfang an dabei ist aber noch Helmut Merten: ihm verdanken die Zuschauer die oftmals schlüpfrigen Bildcollagen, mit denen er den einzelnen Beiträgen bis heute seinen unverwechselbaren Stempel aufdrückt.

    Überfälle mit der Kamera

    Weitere Markenzeichen der Sendung sind die ausschließliche Verwendung von Originalton – kommentiert wird nur durch musikalische Untermalung – und das unangemeldete Auftauchen des Teams am Drehort. Um die Gespräche so authentisch wie möglich zu gestalten, sollen die vorgestellten „Außenseiter“ und „Spitzenreiter“ sich nicht auf den Fernsehbesuch vorbereiten. Über Informanten aus dem Umfeld wird zuvor sichergestellt, dass die Protagonisten zum Drehtermin zu Hause sind. Sei es der Mann, der sich mit einer umgebauten Bohrmaschine die Zähne selbst verplombt, die 80-jährige Oma, die auf Stelzen durch den Vorgarten läuft, die fernsehende Ziege, das pfeifende Baby oder die unzähligen schrägen Sammler, die mit ihren unfassbaren Kollektionen an Kronkorken, Kugelschreibern, Bierkrügen, Kondomen, Trabis und vielem mehr fester Bestandteil der Sendung sind.

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