Log Out: ZDFinfo stellt interaktive Talkshow „log in“ ein

    Titel künftig nur noch Label für Social-Media-Begleitung

    Log Out: ZDFinfo stellt interaktive Talkshow "log in" ein – Titel künftig nur noch Label für Social-Media-Begleitung – Bild: ZDF/Jule Roehr
    Sandra Rieß und Wolf-Christian Ulrich moderieren (noch) „log in“

    Gerade noch hat das ZDF freudig bekanntgegeben, sein Spartenkanal ZDFinfo habe seinen Monats-Marktanteil erstmals auf 1,0 Prozent erhöhen (und damit seit Sendestart verzehnfachen) können. Da folgt die (arg verklausulierte) Ankündigung, dass die einzige nennenswerte Eigenproduktion des Infokanals, die Live-Talkshow „log in“, eingestellt wird. Am 5. November soll sie zum letzten Mal in der „jetzigen Form“ zu sehen sein, so das ZDF in einer Pressemitteilung. Danach wolle man eine Neukonzeption vornehmen, die Ende des ersten Quartals 2015 abgeschlossen sein soll. Dass das Diskussionsformat in ähnlicher Form zurückkehrt, scheint aber eher unwahrscheinlich.

    Dazu sprach es aus Sicht der Senderverantwortlichen anscheinend zu wenige junge Zuschauer an. Auch die erst vor wenigen Wochen in der Sommerpause von „Maybrit Illner“ im ZDF-Hauptprogramm ausgestrahlten Folgen konnten die Quotenerwartungen nicht erfüllen. Unverständlich bleibt trotzdem, warum sich die Mainzer ausgerechnet von dem einzigen Format trennen wollen, das ZDFinfo überhaupt so etwas wie ein eigenes Gesicht verlieh. Ansonsten bestreitet der Kanal sein Programm bekanntlich weitgehend mit Guido Knopp- und anderen Dokumentationen in Dauerschleife. Diese ähneln aber stark Sendungen, die täglich auch auf anderen Sendern wie Phoenix oder N24 zuhauf zu finden sind, und taugen deshalb kaum zur Profilierung.

    Trotzdem will ZDF-Chefredakteur Peter Frey im Infokanal künftig verstärkt genau auf diese Doku-Strecken setzen – und diesen Rückschritt auch noch als Ausbau der Marke „log in“ verkaufen. Und das geht so: Ab dem zweiten Quartal des kommenden Jahres sollen Doku-Themenstrecken bei ZDFinfo mit „Social-Media und Second Screen-Angeboten begleitet und ergänzt“ werden – unter dem Titel „log in“ als „Marke für interaktives Fernsehen“. „Wenn wir lange Programmstrecken zum Beispiel zur DDR-Geschichte oder anderen historischen Ereignissen auflegen, wollen wir den Zuschauern mehr Möglichkeiten geben, sich im Netz aktiv und vertiefend mit diesen Themen auseinanderzusetzen“, so Frey. „Dazu werden wir schon Ende 2014 unsere ZDF-App mit einem Social-Media-Rückkanal ausstatten.“

    So sollen die „wertvollen Impulse für crossmediales Fernsehen“ genutzt werden, die der Sender seit 2010 durch die Erfahrungen mit seiner interaktiven Talkshow bekommen habe. Warum man jedoch ausgerechnet diese Sendereihe einstellt, wenn sie doch so wertvolle Impulse geliefert hat, bleibt unklar – ebenso, ob sich die so heiß ersehnten jüngeren Zuschauer wirklich mehr für Themenstrecken zur DDR-Geschichte interessieren als für Diskussionssendungen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen.

    Die Chance, an lange zurückliegende Talkformate für junge Zuschauer wie etwa „Doppelpunkt“ anzuknüpfen, hat das ZDF jedenfalls erst einmal vertan. Und jene Sendung wurde von 1987 bis 1995 immerhin noch zur besten Sendezeit im Hauptprogramm ausgestrahlt – zwar naturgegeben noch ohne Twitter und Facebook, dafür aber mit kontroversen Alltagsthemen wie AIDS, Ausländerfeindlichkeit oder Homosexualität.

    02.09.2014, 11:08 Uhr – Marcus Kirzynowski/fernsehserien.de

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