Ko-Schöpfer von „Columbo“ und „Mord ist ihr Hobby“: William Link ist tot

    Erfolgreicher Produzent wurde 87 Jahre alt

    Bernd Krannich
    Bernd Krannich – 30.12.2020, 12:48 Uhr

    Eine von William Links Schöpfungen: Die Serie „Columbo“ mit Peter Falk – Bild: NBC
    Eine von William Links Schöpfungen: Die Serie „Columbo“ mit Peter Falk

    In den Vereinigten Staaten ist der erfolgreiche Fernsehproduzent und Drehbuchautor William Link im Alter von 87 Jahren verstorben. Wie Deadline unter Berufung auf die Familie des Verstorbenen meldet, erlag er einem Herzleiden. Zusammen mit seinem langjährigen Freund und Kreativ-Partner Richard Levinson schuf Link unter anderem die Krimi-Klassiker „Columbo“ und „Mord ist ihr Hobby“.

    Die Karriere des 1933 in einem Vorort von Philadelphia geborenen William Link umspannte mehr als 60 Jahre. Einen Gutteil davon arbeitete er mit Levinson zusammen, den er bereits als 14-Jähriger zu Schulzeiten kennengelernt hatte. Mit ihm zusammen schuf er zahlreiche Projekte, die mit Normen ihrer Zeit brachen und die in die Annalen der Fernsehgeschichte eingegangen sind. Entsprechend teilten sich beide zahlreiche Auszeichnungen. Levinson war allerdings bereits 1987 und im Alter von nur 52 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben.

    Nach „Jericho“ und „Mannix“ entwickelten die beiden „Columbo“, das ab 1971 bei NBC lief. Abweichend von den meisten anderen Krimis jener Tage wird der Täter nicht in der Folge ermittelt: Die Zuschauer sehen die Tat direkt am Anfang und verfolgen dann, wie der von Peter Falk porträtierte Kommissar mit dem Täter sein Katz-und-Maus-Spiel spielt.

    Nachdem der Fernsehfilm „My Sweet Charlie“ (1970) bereits eine für damalige Zeit ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem schwangeren Teenager und einem zu Unrecht eines Mordes verdächtigten afro-amerikanischen Anwalt zeigt, die beide auf der Flucht aufeinandertreffen, entwickelten die beiden Autoren mit „Tenafly“ eine der ersten Serien mit einer afro-amerikanischen Hauptfigur – das Format um einen Privatdetektiv überdauerte aber nur fünf Teile. 1972 kam der Film „That Certain Summer“, eine erste positive Darstellung von Homosexualität im US-Fernsehen, gefolgt vom komplexen „The Execution of Private Slovik“ um die Hinrichtung eines Soldaten, der während des Zweiten Weltkriegs desertiert war.

    1981 veröffentlichten Link und Levinson ihr Buch „Stay Tuned: An Inside Look at the Making of Prime-Time Television“, in dem sie darlegten, dass ihr Ringen um die Weiterentwicklung der Fernsehunterhaltung um ungewohnte oder wichtige Themen dem Kampf zweier Davids gegen die Goliaths in den Chefetagen der TV-Industrie glich.

    Als letztes großes, gemeinsames Projekt entwickelten die beiden „Mord ist ihr Hobby“, das mit Angela Lansbury eine zu jener Zeit ungewohnte Protagonistin ins Zentrum stellte: Als Mischung aus „Miss Marple“ und ihrer Autorin Agatha Christie wandte sich die Serie durchaus an ein älteres Publikum und verzichte auf Sexappeal (die Serie startete im gleichen Jahr wie „Miami Vice“). Trotzdem lief die Serie für 12 Staffeln.

    Auch nach dem Tod seines Kreativ-Partners entwickelte Link weiter Serien, von denen dann aber keine ihre Auftaktstaffel überlebte – inklusive „Detektiv Hanks“ (OT: „The Cosby Mysteries“) mit Bill Cosby als nach einem Lottogewinn in Ruhestand gegangener Polizist, der doch immer wieder in Ermittlungen verstrickt wird. Darüber hinaus schrieb er für Krimi-Magazine.

    Zu den Ehrungen, die Link im Lauf seiner Karriere erhielt, zählen ein Lifetime-Award der Autorengewerkschaft WGA sowie zwei Emmy-Awards (Mitautor bei „My Sweet Charlie“; Mitautor der zweiten Folge von „Columbo“).

    Seit 1980 war William Link mit Margery Nelson verheiratet.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

    • am via tvforen.de

      Ich finde es sehr schade das die tv Filme nicht gezeigt werden
      Probe für einen Mord
      Anwalt auf Abwegen
      The execution of private slovik
      Ein ganz natürlicher Mord
      The judge and Jake wyler
      • am via tvforen.de

        Eine sehr traurige Nachricht. Wir durften bei den Recherchen für unser "Columbo"-Buch mit ihm telefonieren. Zwei Stunden lang. Er hat in erster Linie von seinem Kollegen Richard Levinson geschwärmt und Peter Falk gelobt. Sehr bescheiden und höflich. Und geduldig mit uns und unserem schlechten Englisch. Und er hat von dem Dauerkampf mit den Networks erzählt, die auch nach der zehnten "Columbo"-Folge misstrauisch waren, ob das Konzept funktionieren wird. Seine Lieblingsproduktion: das Buch zu dem Film "Achterbahn". Nur fürs Protokoll.

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