„Grey’s Anatomy“: Auftakt der 17. Staffel mit gewaltiger Überraschung

    Ehemalige Hauptfigur kehrt für Besuch zurück

    Bernd Krannich – 13.11.2020, 16:47 Uhr

    „Grey’s Anatomy“

    In der Nacht zum Freitag hat in den USA die Ausstrahlung der 17. Staffel der erfolgreichen Serie „Grey’s Anatomy“ begonnen. Die brachte eine fette Überraschung in Form eines Überraschungsgastes mit sich, der mit seiner Figur die Serie schon lange verlassen hatte.

    Letzte Spoiler-Warnung: Details zum Auftakt der 17. Staffel unter dem Trailer.

    Trailer zu „Station 19“- (aka „Seattle Firefighters“) und „Grey’s Anatomy“-Crossover

    In der zweiten neuen Episode hat sich Patrick Dempsey die Ehre gegeben, der mit seinem Charakter Derek Shepard aka McDreamy einst die große Liebe von Meredith Grey war, die weiterhin von Ellen Pompeo gespielt wird. Da Derek durch den Unfalltod seiner Figur am Ende der elften Staffel aus der Serie geschrieben worden war, erfolgte die Rückkehr natürlich in Form von Merediths Einbildung.

    Geschehen

    Im Auftakt der 17. Staffel geht es im Wesentlichen um den Beginn der Corona-Pandemie, die Zeit im April 2020. „Grey’s Anatomy“ will die Pandemie ohne große Zeitsprünge nachzeichnen. Am Anfang der Staffel steht die Überlastung des amerikanischen Gesundheitssystems im Zentrum, an dem die Ärzte mit einem eklatanten Mangel an Schutzkleidung zu kämpfen hatte. In der Serie einbezogen ist zudem, dass der Bundesstaat Washington mit dem Handlungsort Seattle recht stark betroffen war.

    So gestalten sich die Zustände enorm stressvoll. Die Produzenten wollten zeigen, wie für die Ärzte der Klinikalltag fast wie der Einsatz in einer Kriegszone wird – Überbelegung des Krankenhauses, überdurchschnittlich viele Patienten sterben, der Nachschub an notwenidgen Heilmitteln und Gerätschaften ist knapp und sorgt für zusätzliche seelische Belastung, wenn knappe Ressourcen dem einen oder dem anderen Patienten zugewiesen werden müssen. Und auch die Ärzte befinden sich in persönlicher Gefahr, nämlich sich selbst zu infizieren.

    Nachdem Meredith Grey am Anfang des Staffelauftakts einen Tagtraum von einem entspannenden Besuch am Ozeanstrand hat, bricht sie am Ende des Zweiteilers aus noch ungeklärten Gründen auf dem Parkplatz vor dem Grey Sloan Memorial zusammen – und findet sich in ihrer Bewusstlosigkeit am selben Strand wieder. In knapp hundert Metern Entfernung steht Derek, der mit einem Lächeln im Gesicht nach Meredith ruft und mit den Armen winkt, während Merediths Gesichtsausdruck Unverständnis und Überraschung ausdrückt. Dann endet die Folge in einer Schwarzblende.

    Derek

    Bestätigt ist, dass Derek und Darsteller Dempsey auch in mindestens der nächsten Folge noch dabei sein wird (die von Darsteller Kevin McKidd inszeniert wurde). Daneben ist angedeutet, dass der Strand für Meredith auch im weiteren Verlauf der Staffel noch ein mentaler Zufluchtsort werden könnte, an dem sie positive Erfahrung und Erlebnisse hat und „alten Bekannten“ begegnet. Hier dürften auch wegen der laufenden Dreharbeiten noch gar nicht alle Entscheidungen gefallen sein.

    Showrunnerin Krista Vernoff begründet diese Szene auf zwei Ebenen. Einerseits ist es nach ihren Informationen wissenschaftlich erwiesen, dass in der Zeit von Corona, in der die Menschen wegen der Einschränkungen weniger Abwechslung erleben, ihre Fantasie – meist bei Träumen – aktiver sei. Daneben wollte die Serie zwar die durchaus bedrückende medizinische Realität widerspiegeln, den Zuschauern aber trotzdem auch unterhaltsame Momente verschaffen, den Zuschauern die Ablenkung und positiven Momente geben, die sie von der Serie erwarten. Und die sie aktuell sicherlich gut gebrauchen können.

    So wurde die Idee geboren, Meredith im Traum an den malerischen, wenn auch herbstlichen Strand zu schicken, wo man (auf allen Ebenen) der Realität entkommen könne. Vernoff schlug Pompeo das vor, die schließlich die Idee ins Spiel brachte, Dempsey für eine Rückkehr anzufragen. Denn beide besäßen Häuser in Malibu und seien früher dort auch in der Freizeit gemeinsam unterwegs gewesen – zwar nicht am Strand, aber doch mit Blick auf den Strand.

    Patrick Dempsey

    Auch Dempsey unterstützt die Idee, den Zuschauern in diesen bedrückenden Zeiten eine positive Überraschung zu bereiten, Hoffnung zu geben durch die Wiedervereinigung der Liebenden.

    Kurz vor Beginn der Produktion hatte Dempsey in anderer Angelegenheit mit Pompeo Kontakt aufgenommen – wegen seines allgemeinen sozialen Engagements war er mit Lokalpolitikern ins Gespräch gekommen, wie man die Botschaft der Notwendigkeit des Masketragens ins Zeiten von Corona verbreiten könnte und wollte dazu ein altes „Grey’s“-Foto mit Pomeo und beiden in Masken freigeben. Daneben war dem Darsteller auch bewusst, dass die Produktion von „Grey’s Anatomy“ eingangs der Pandemie ihre als Requisiten „zweckentfremdeten“ medizinischen Vorräte an echte Krankenhäuser weitergegeben hatte.

    Letztendlich stimmte Dempsey den Dreharbeiten zu und zeigte sich angenehm überrascht. Der kritische Punkt bei der Betrachtung seiner Rückkehr ist sicherlich, dass Dempsey aus der Serie geschrieben worden war und nicht unbedingt aus eigenen Stücken ging: Er hatte einen Zweijahresvertrag unterschieben, konnte dann aber nur noch ein Jahr bleiben..

    In einem Interview mit Deadline ging er darauf nicht ein, machte aber doch einige „zweifelhafte Komplimente“ über die Rückkehr zur Serie, die von Schöpferin Shonda Rhimes seit seinem Abschied an Showrunnerin Krista Vernoff übergeben worden war: Die Dynamik hinter der Kamera hat sich geändert. In der Crew gibt es jetzt viel mehr Diversität. Ich habe auch eine gute Balance festgestellt, mit Gleichbehandlung. In der [Arbeits-]Kultur hatten sich doch einige Veränderungen ergeben, die ich sehr positiv empfunden habe, geradezu inspirierend.

    Geheimhaltung

    Die Rückkehr von Dempsey erfolgte unter großer Geheimhaltung. Bei den Proben wie dem gemeinsamen Durchlesen des Drehbuchs zur Folge („table read“) wurde statt „Derek“ der Name „Ellis“ verlesen (Merediths nach einer Alzheimer-Erkrankung verstorbene Mutter). Die Dreharbeiten am Strand (statt im Studio) sorgten dafür, dass nur wenige Personen aus der regulären Crew involviert waren. Vernoff hatte zudem den früheren Chef-Maskenbildner der Serie reaktiviert, der in den ersten 14 Staffeln mitgewirkt hatte. Und selbst dem Arbeitgeber bei ABC Studios und ABC war nur eine Fassung ohne die letzte Szene geschickt worden, um nicht zu viele Personen einzuweihen.

    Grey’s und Dreharbeiten während COVID

    Generell ist „Grey’s Anatomy“ in Sachen Dreharbeiten während Corona in der Glück im Unglück-Situation, dass die Charaktere den Gutteil der Zeit bei der Arbeit im Krankenhaus und daher in voller Schutzmontur inklusive Gesichtsvisier sind, was gerade bei Gruppen-Szenen ein weiterer Schutz ist. Natürlich gelten auch die aktuell in der amerikanischen Fernsehindustrie üblichen Regeln mit häufigen Corona-Tests.

    Auch die Szene mit Dempsey kam der Situation insofern entgegen, dass die Dreharbeiten zu diesen Strandszenen eben an der freien Luft stattfinden, wo ein im Zweifelsfall geringeres Ansteckungsrisiko herrscht.

    Serienende?

    In Sachen ihres auslaufenden Vertrages wollte Ellen Pompeo verstanden wissen, dass man in den Zusammenbruch von Meredith nichts hineinlesen sollte. Man werde im Laufe der Zeit überlegen, ob man noch Geschichten für eine weitere Staffel zum Erzählen findet und dann entscheiden.

    Generell dürfte der Sender ABC ein Interesse an der weiteren Fortsetzung seines erfolgreichsten Dramas haben, so dass die Entscheidung bei der Produktion und vermutlich letztendlich bei Pompeo liegt, ob sie ihren Vertrag grundsätzlich über Staffel 17 hinaus verlängern möchte. Denn nach 17 Staffeln ist mittlerweile recht deutlich: Ohne sie kein „Grey’s Anatomy“.

    Kommentare zu dieser Newsmeldung

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      Ihr habt natürlich Recht, dass Grey's nur eine Soap im Arztseriengewand ist, und das von Anfang an. Ist bei allen Shonda-Rhimes-Serien so, selbst wenn es nicht um Ärzte geht. Da ist Grey's Anatomy noch die am wenigsten soapigste (und "Scandal" steht ganz oben! Dagegen hat "Grey's" praktisch Doku-Charakter).

      Ich habe noch den Ableger "Private Practice" noch vor "Grey's" gesehen und nach der zweiten oder dritten Staffel abgebrochen, weil ich es einfach nicht mehr ertragen habe. Deshalb wollte ich eigentlich die "Urserie" gar nicht ansehen, habe dann aber irgendwann doch mal reingesehen, und da damals kostenlos auf Prime, so nach und nach alles durchgesehen. Wie gesagt, die letzten zwei, drei Staffeln haben eine sehr eigenartige Studio-Atmosphäre, die es in den ersten Staffeln nicht gab. Trotzdem werde ich vermutlich wohl bis zum bitteren Ende dabei sein, ich habe einfach den Absprung verpasst :-)
      • am via tvforen.demelden

        Dabei ist die Figur Meredith Grey eine der uninteressantesten, und Ellen Pompeo alles andere als eine schauspielerische Offenbarung. Ich verstehe nicht, warum man eine Fortsetzung nur an ihrer Person/Figur festmacht.

        Ich bin allerdings auch etwas müde, was die Serie angeht. Das Setting hat sich komplett verändert, fast nur noch Studioaufnahmen, wie bei einer Daily Soap. Dazu die Abgänge der letzten Jahre - bis auf wenige Ausnahmen gibt es eigentlich nur noch nervige Charaktere (meine persönliche Meinung), kaum starke oder wenigstens sympathische Figuren. Insofern wäre ich nicht mal böse, wenn es nach der 17. Staffel nicht weiter ginge.

        Dass man das Thema "Corona" aufnimmt, finde ich gut. Gibt es eigentlich andere Serien, die das aufgenommen haben? Gerade bei Serien, die in der Gegenwart spielen und wenigstens einen geringen realistischen Anspruch haben, ist es absolut unglaubwürdig, es nicht zu erwähnen. Es ist eben nicht nur eine kurze Episode, wie man wohl anfangs glaubte und weshalb man das Thema verbannt hat. - Derek: warum nicht, als Phantasie-Episode von Meredith ist das ja machbar. Und so hat die Serie auch mal wieder ein Highlight - ein Außendreh, nicht in dunklen, geschlossenen Räumen, wie in letzter Zeit viel zu oft.
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          Paula Tracy schrieb:
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          > Ich bin allerdings auch etwas müde, was die Serie
          > angeht. Das Setting hat sich komplett verändert,
          > fast nur noch Studioaufnahmen, wie bei einer Daily
          > Soap. Dazu die Abgänge der letzten Jahre - bis
          > auf wenige Ausnahmen gibt es eigentlich nur noch
          > nervige Charaktere (meine persönliche Meinung),
          > kaum starke oder wenigstens sympathische Figuren.
          > Insofern wäre ich nicht mal böse, wenn es nach
          > der 17. Staffel nicht weiter ginge.

          Die Serie war von Anfang an nicht viel mehr als eine Soap. Ich bin irgendwann ausgestiegen, als der Beziehungsreigen sich munter wie bei einer Soap gedreht hat.
          Manche Charaktere haben sich gefühlt durch das ganze Krankenhaus geschlafen und zugleich auch alle Krisen erlebt, die man erleben kann.

          Ich mochte die Amoklauf-Folge aus den Anfangsstaffeln. Das war eine richtig gute, starke Folge.


          > Dass man das Thema "Corona" aufnimmt, finde ich
          > gut. Gibt es eigentlich andere Serien, die das
          > aufgenommen haben? Gerade bei Serien, die in der
          > Gegenwart spielen und wenigstens einen geringen
          > realistischen Anspruch haben, ist es absolut
          > unglaubwürdig, es nicht zu erwähnen. Es ist eben
          > nicht nur eine kurze Episode, wie man wohl anfangs
          > glaubte und weshalb man das Thema verbannt hat. -

          Ich weiß nicht mehr genau, ob "S.W.A.T." Corona auch thematisiert. Auf jeden Fall geht es in der neuen Staffel um die Proteste rund um "Black Lives Matter".

          "Law & Order SVU" widmet sich gerne aktuellen Themen. Gelesen habe ich dazu noch nichts, doch wurde beispielsweise kürzlich der Epstein-Skandal aufgegriffen oder in früheren Staffeln die oftmals unbestraften College-Vergewaltigungen oder Impfverweigerer.
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          Kate schrieb:
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          > Die Serie war von Anfang an nicht viel mehr als
          > eine Soap. Ich bin irgendwann ausgestiegen, als
          > der Beziehungsreigen sich munter wie bei einer
          > Soap gedreht hat.
          > Manche Charaktere haben sich gefühlt durch das
          > ganze Krankenhaus geschlafen und zugleich auch
          > alle Krisen erlebt, die man erleben kann.

          Das hat mich dann auch relativ früh bewogen, einen Schlußstrich zu ziehen. Ansonsten ("Medizinisches Problem der Woche", Musikauswahl) hätt' ich's ja noch recht interessant gefunden.
      • (geb. 1967) am melden

        Tja, Ende oder NICHT Ende nach Staffel 17....oder doch noch eine vielleicht letzte, finale 18.Staffel?? Oder doch viel mehr als 18 Staffeln??
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        • (geb. 1984) am melden

          Ich finde die Idee toll das sie Derek für einen kurzauftritt wiederkommen lassen. Bin schon sehr darauf gespannt wie das laufen soll.

          In den letzten Folgen war Meredith öfters nicht da, was zeigt das die Serie auch ohne sie weitermachen könnten. Das Grey ist auch im Krankenhaus daher würde es nichts ausmachen das kein Arzt dort Grey heißt. Vielleicht kann sie für ein paar Folgen wieder kommen, wenn sie raus will bzw ihren Vertrag so machen das sie nicht die ganze Staffel da sein muss. Wäre schade, wenn auch diese Serie ihr Ende finden würde. Es ist eine klasse Serie und sie verdient es noch lange zu leben, immerhin gibt es noch viele andere tolle Charaktere die in GA weiter machen können.
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