FerienSerien: „London Spy“

    Britische Mini-Serie um Liebe, Freundschaft, Spionage und die Suche nach der Wahrheit

    Ralf Döbele
    Ralf Döbele – 14.06.2016, 17:15 Uhr

    Ben Whishaw in „London Spy“ – Bild: BBC Two
    Ben Whishaw in „London Spy“

    Dieser Artikel ist Teil unserer Artikel-Reihe FerienSerien.

    Spionageserie, Freundschaftsdrama, Liebestragödie, surreale Elegie – es fällt schwer „London Spy“„ in eine typische Schublade der Serienwelt einzuordnen. Dies ist auch gleich eines der größten Qualitätsmerkmale des Fünfteilers, der im vergangenen November auf BBC Two seine Premiere feierte. Ein überragender Ben Whishaw, unterstützt durch ein nicht minder beeindruckendes Ensemble, sowie ein perfektes Erzähltempo und große atmosphärische Dichte machen „London Spy“ zu einer des besten Serien der letzten Jahre. Sicher auch zu einer der quälendsten, zumindest, wenn man bei der linearen Ausstrahlung noch Woche für Woche mit flauem Gefühl in der Magengrube der nächsten Folge entgegen zittern musste. Denn „London Spy“ ist auch die Geschichte des Sturzes in einen immer tiefer werdenden Abgrund, aus dem es scheinbar kein Entrinnen mehr gibt.

    Worum geht es in „London Spy“?

    Der junge Danny (Whishaw) lebt in London seinen oberflächlichen Alltag, der geprägt ist von schnellen Liebesabenteuern und langen Partynächten. Am Morgen nach seinem jüngsten Drogenrausch begegnet er dem Jogger Alex (Edward Holcroft), den er fortan nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Alex ist geheimnisvoll und zugeknöpft, hält seine Gefühle und die Wahrheit über seinen Beruf unter der Decke. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesbeziehung, die Danny monatelang bislang nie gekanntes Glück erleben lässt.

    Doch dann verschwindet Alex und alles, was Danny bleibt, ist der Schlüssel zu dessen Apartment. Dort macht er eine grauenhafte Entdeckung: Alex ist tot, schrecklich zugerichtet in einem Raum, der als sadomasochistischer Folterkeller ausgestattet ist. Die Polizei versucht Danny fortan klar zu machen, dass Alex ihn angelogen hat: über seinen Namen, seine Herkunft, seine sexuellen Vorlieben, einfach alles. Danny kann und will das nicht glauben und wendet sich an seinen älteren Freund Scottie (Jim Broadbent), der früher als Agent beim MI6 tätig war. Scottie ist davon überzeugt, dass Alex ebenfalls ein Agent des Secret Service gewesen sein muss und dass Danny in größter Gefahr schwebt. Der lässt sich von der Warnung nicht abschrecken, kann aber nicht einmal im Ansatz erahnen, welchen Preis er für die Suche nach der Wahrheit zahlen wird … 

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    Hintergründe:

    „London Spy“ beeindruckt auf allen erzählerischen Ebenen: in der atmosphärisch dichten Regie von Jakob Verbrugge („The Fall“), im quälend perfekten Tempo des Drehbuchs von Romanautor Tom Rob Smith und in den schauspielerischen Leistungen des gesamten Ensembles. Ben Whishaw dürfte spätestens seit seinem ersten Auftritt als junger Q in dem James Bond-Abenteuer „Skyfall“ Kinogängern weltweit ein Begriff sein. Aber natürlich ist er auch bekannt durch Filme wie „Das Perfum“, „Der Wolkenatlas“ oder „The Danish Girl“.

    Drei Beziehungen prägen das Drama: die von Danny zu Alex, fantastisch verkörpert von Edward Holcroft („Kingsmen“); die von Danny zu seinem älteren Freund Scottie, dessen widersprüchliche Gefühle wunderbar von Jim Broadbent („Die eiserne Lady“) zum Leben erweckt werden; und die zwischen Alex und seiner stoischen Mutter, eine Paraderolle für Film-Ikone Charlotte Rampling („Broadchurch“, „Dexter“).

    Für wen ist „London Spy“ zu empfehlen?

    Fans skandinavischer Krimis oder britischer Thriller wie „The Fall“ oder „Luther“ sollten „London Spy“ auf jeden Fall eine Chance geben. Die farbenfrohe und dennoch abgrundtief düstere Welt des Dramas erinnert aber auch an die Neo Noir-Welten von „Bloodline“ oder „True Detective“.

    Den besonderen Reiz an „London Spy“ macht das langsame Eindringen von Danny in die frühere Welt von Alex aus, wobei man sich als Zuschauer bald selbst fragt, ob er sich noch in der Realität oder in einem surrealen Fiebertraum befindet. Dass dieser dabei aber noch immer einen hohen Grad Echtheit und Alltag beinhaltet, macht das Ganze nur noch verstörender.

    Gleichzeitig lernt der Zuschauer Danny und Alex zunächst als ein Paar kennen, das wie füreinander geschaffen scheint. Die beiden ergänzen sich und scheinen sich aus der Hoffnungslosigkeit ihres bisherigen Lebens in vielerlei Hinsicht zu retten. So spiegeln sich der spätere Schmerz Dannys und sein verzweifeltes Verlangen nach Antworten auch in den Gefühlen des Zuschauers wieder.

    Verfügbarkeit

    Die erste und bislang leider einzige Staffel von „London Spy“ steht derzeit bei Netflix sowohl in englischem Originalton wie auch in deutscher Synchronfassung zum Abruf bereit. Daneben ist das Drama auch als britischer Import auf DVD erhältlich.

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