NDR Kultur – Das Journal Folge 19: Folge 19 (2020/2021)
Folge 19
Folge 19 (2020/2021)
Folge 19 (30 Min.)
Schoßhund, Biergartendackel, Kampfbestie: eine Kulturgeschichte des Hundes Aus dem wilden Wolf ist im Laufe der Evolution ein treuer Gefährte geworden, aus dem Hofhund eine Designhandtasche. Aber wie? Und warum? Der Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf erforscht eine der ältesten Beziehungen der Menschheitsgeschichte in seinem neuen Buch „Der Hund und sein Mensch: Wie der Wolf sich und uns domestizierte“ (Hanser). Wissen für alle: 20 Jahre Wikipedia! 2001 starteten die Gründer von Wikipedia mit einer Vision: Jeder Mensch soll Zugang zum gesamten Wissen der Menschheit haben durch eine frei verfügbare Online-Enzyklopädie, an der jeder mitschreiben darf. Doch was wurde aus dieser Idee der Schwarmintelligenz? Und wie funktioniert die Kontrolle in Zeiten von Fake News und alternativen Fakten? Darüber spricht das „Kulturjournal“ mit Lukas Mezger, Vorsitzender des Wikimedia-Präsidiums in Deutschland, und mit dem Kritiker Johannes Weberling von Wiki-Watch. Außerdem trifft das „Kulturjournal“-Team einen 14-jährigen „Wikipedianer“ aus Norddeutschland, der in seiner Freizeit mitschreibt am größten Lexikon der Welt. Verstörende Fotos: die Superspreader von Ischgl Lois Hechenblaikner ist ein genialer Fotograf, aber eigentlich viel mehr noch Kultursoziologe. Sein neuer Bildband „Ischgl“ zeigt die enthemmte, zügellose Welt der Superspreader von Ischgl, einer Drehscheibe der Ausbreitung von COVID-19 für ganz Europa. Lois Hechenblaikners Schreckensbilder zeigen, wie sich das Virus so rasant in einer Region ausbreiten konnte, die eine solch ausufernde Après-Ski-Kultur pflegt. Der Ausnahmezustand: hier war er die Regel. Der Erfinder des Populismus: ein neuer Blick auf Benito Mussolini „M. Der Sohn des Jahrhunderts“: Schon der Titel des großen Romans von Antonio Scurati ist Programm. Er
erzählt im ersten seines auf drei Bände angelegten Werks minutiös die Anfangsjahre von Benito Mussolini und seiner faschistischen Bewegung. Aber das Kürzel „M“ und die Verbindung mit dem 20. Jahrhundert zeigen, dass es dem Autor um mehr geht. Er schildert Mussolini als einen Typus, der die Politik revolutioniert hat: Instinkt statt Argumente, Spiel mit den Ängsten der Bevölkerung, markante Rhetorik, Selbststilisierung als Retter der Nation. Dieses Muster, sagt Scurati, finden wir heute bei allen Populisten wieder. Mussolini hat es geschafft, sagt er in einem Interview, ohne ein eigenes Programm, ohne eine politische Theorie zum „Duce“ eines ganzen Landes zu werden. Historisch genau bis ins Detail und gleichzeitig mit psychologischem Tiefgang entwirft dieser Roman ein erschreckend aktuelles Bild von den Mechanismen rechter Politik (Klett-Cotta-Verlag). Leben nach der Entführung: das neue Buch von Reemtsma-Sohn Johann Scheerer In seinem ersten Buch beschrieb Johann Scheerer, wie er die Entführung seines Vaters (Jan Philipp Reemtsma) 1996 erlebt hat: „Wir sind dann wohl die Angehörigen“. Der autobiografische Roman wurde hochgelobt. Jetzt erscheint die Fortsetzung „Unheimlich nah“. Darin erzählt Scheerer, wie sich das Leben der Familie nach der Freilassung verändert hat: Das Haus steht unter ständiger Bewachung, bei jedem Schritt wird er von Personenschützern begleitet, auf dem Weg zur Schule, zur Freundin, zur Probe mit der Band. Wie geht er um mit der Angst vor einer neuen Entführung und wie mit dem Vater, der die Spuren der Geiselnahme trägt? Was macht all das mit einem Heranwachsenden? Johann Scheerer, heute 38 Jahre alt, schreibt in seinem zweiten Buch „Unheimlich nah“ (Piper Verlag) offen über seine Jugend unter Überwachung und über den Versuch, diese Überwachung vor Freunden zu verbergen und in ein „normales“ Leben zurückzufinden. Das „NDR Buch des Monats“! (Text: NDR)