bisher 2 Folgen
1. Der Schlagerhype
Folge 1Kitschig, altmodisch, peinlich? Weit gefehlt, Schlager und Volksmusik boomt, auch dank Social Media. Im Feuilleton findet das oft belächelte und profitable Musikgenre quasi nicht statt. Von TikTok-Hits über Balladen bis zu Ballermann-Krachern: Neben Pop und Hip-Hop zählen Schlager und Volksmusik zu den beliebtesten Genres am Musikmarkt. Gleichzeitig gibt es wohl kaum eine Musikrichtung, bei der die Meinungen so auseinander gehen. Obwohl viele der Songs von manchen mit kitschigen Melodien und altmodischen Texten assoziiert werden, erlebt dieses Musikgenre gerade unter jungen Leuten und auf der Social-Media Plattform TikTok ein Revival und dass, obwohl in den letzten Jahrzehnten gefühlt an die hundert Mal das „Ende des Schlagers“ ausgerufen wurde.Schlagermusik ist gerade für die jüngere Generation mehr als nur „guilty pleasure“. Neben der Nähe zu den Fans bei Livekonzerten, sind heute die sozialen Medien ein wichtiges Element bei der Vermarktung. Die „Mountain Crew“, eine der vielen Newcomer der bunten Schlagerwelt, fasst die aktuelle Dynamik zusammen: „Wenn du keine Social-Media Präsenz hast, wenn du nicht viral gehst, kannst du das eigentlich schon gleich vergessen.“ Trotz dieser neuen Gesetze der Aufmerksamkeitsökonomie bleibt die Botschaft der Künstlerinnen und Künstler generationenübergreifend: Offenheit. „Es soll nicht jeder sagen, es gibt nur diese Gruppe, diese Interpretin oder diese Musik. Wir haben noch genug Platz auf dieser Welt“, so Gottfried Würcher, Mitglied von Österreichs erfolgreichster Schlagerband, den Nockis. Die Bezeichnung „Schnulzen- und Schmusesänger“ empfindet er alles andere als diffamierend, er plädiert für die Offenheit des Genres. Die deutsche Schlager-Künstlerin Anna-Carina Woitschack findet: „Wenn plötzlich das ganze Publikum zusammen einen Song singt, das Feuerzeug rausholt und eine Träne kullert … Also dafür machen wir ja Musik, um die Menschen zu erreichen und vielleicht auch, um sie mal für eine gewisse Zeit in die heile Welt zu holen.“ Die Kärntner Band „Die Nockis“, seit 43 Jahren im Business, liefert auch die Erklärung für die (heimliche) Beliebtheit des Genres: „Die Leute, die den Schlager immer wieder verpönt haben und schlecht reden, singen spätestens nach dem dritten, vierten Bier jeden Text mit.“ Schlager-Ikone Peggy March konstatiert: „Frauen haben es immer schwerer gehabt“ und schildert ihre Erfahrungen als Künstlerin in einer Branche, die traditionell lange Zeit von männlichen Produzenten und Interpreten dominiert wurde. Auch Andreas Gabalier spielt auf der Bühne mit Identität. Einerseits verkörpert er ein traditionelles, volkstümliches Image, das er mit Rock-’n’-Roll-Elementen kombiniert. Dem Vorwurf, Rechtspopulismus zu vertreten, tritt er entschieden entgegen: „Das habe ich in tausend Interviews klargestellt. Ich habe überhaupt keinen Hang, irgendwo in Richtung rechts oder ähnlichem. Ich habe all diese Vorwürfe auch immer wieder von mir gewiesen. Und das mache ich nach wie vor von Herzen gerne, weil es da einfach keinen Nährboden gibt.“ Seine musikalische Antwort darauf, der Song „Liebeleben“, der von Toleranz gegenüber Homosexuellen und anderen Minderheiten handelt, war, wie er selbst sagt, ein Flop. Für Andreas Gabalier ging es zwar recht schnell, doch der Weg in das Business ist hart. Die Dokumentation zeigt nicht nur die erfolgreichen Stars, sondern portraitiert auch den Sänger Alfred „Alf“ Peherstorfer, der den Sprung ins Business trotz des Managers Stefan Redelsteiner, der die Band „Wanda“ entdeckte, nicht geschafft hat: Die beiden reflektieren über die Herausforderungen, in der Schlagerbranche Fuß zu fassen. Constanze Grießler beleuchtet den Hype und die gleichzeitige Marginalisierung des Genres, das viel mehr ist als Klischees und Kitsch. Oder, wie es Peggy March zusammenfasst: „Ich wünschte, ich wüsste, warum der Schlager so ein schlechtes Etikett bekommen hat.“ (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Mi. 17.12.2025 3sat 2. Kitsch und Kult
Folge 2Eine Reise zu Kitsch, Kunst und Kommerz von der Operette übers „Musikantenstadl“ bis zum ESC: Insider wie Guildo Horn und die Geschwister Pfister erkunden das Lebensgefühl des Schlagers.Der Schlager boomt. Er füllt Stadien, dominiert die Algorithmen von TikTok und Instagram und liefert den Soundtrack für eine gute Zeit. Woher kommt diese Sehnsucht nach der heilen Welt, und wie viel Rebellion steckt hinter den glitzernden Pailletten? Auf der Suche nach Antworten verlässt die Dokumentation „Hits, Herz, Heimat – Kitsch und Kult“ die Pfade der Musikindustrie und begibt sich auf eine (kultur)historische Spurensuche. Eine kleine Reise zu den Hits, aber auch zu den subversiven Wurzeln des Genres, die heute noch hie und da durchschimmern. Der Film führt weg von den Verkaufszahlen hin zu den kulturellen Wurzeln. Ein prominenter Schlager(aus)kenner und ESC-Insider, der das Großevent 1998, wie er fand, befreien wollte und dafür sogar demonstrierte, ist Guildo Horn. Im Interview blickt er zurück auf seinen legendären Auftritt beim Eurovision Song Contest in Birmingham – einen Moment, den er selbst als „Rock-’n’-Roll-Befreiung“ beschreibt. Der diplomierte Pädagoge dekonstruiert im Interview das Image des Schlagersängers. Er schlägt den Bogen von seinen anarchischen Anfängen in Kölner Clubs bis hin zu Rollen in Musical und Operette. Der Schlager, so betont auch er, ist kein modernes Industrieprodukt, sondern kommt von der lauten, bunten Welt der Operette der 1920er-Jahre. Diesen Faden greifen die Geschwister Pfister auf. Auf der Theaterbühne zelebrieren sie die Übersteigerung des Schlagers und beweisen, dass man Kitsch gleichzeitig parodieren und tief verehren kann. Durch ihre Augen betrachtet wird die „neue Offenheit“ des Genres sichtbar – eine Rückkehr zu jener Frivolität und Doppeldeutigkeit, die den Schlager vor seiner „Säuberung“ in der Nachkriegszeit auszeichnete. Ihre Revue „Servus Peter – Oh là là Mireille“ ist schon seit Jahren über die Grenzen hinweg Kult. Im Queer Museum Wien trifft das Filmteam auf Alkis Vlassakakis und Marco Schreuder, Hosts von „Merci, Chéri – Der Eurovision Podcast“ und Kuratoren der Ausstellung „United by Queerness“. Sie beleuchten eine besondere Seite der Schlagergeschichte: das Genre als „Safe Space“ für die LGBTQ+-Community. Was fasziniert sie am vermeintlich konservativen Schlager? Herausgekommen ist eine in jeder Hinsicht bunte Geschichtsstunde in Sachen ESC, der sich seit seiner ersten Ausgabe 1956 zum internationalen Unterhaltungsevent gemausert hat, das historische Umbrüche und gesellschaftliche Entwicklungen spiegelt. Die Dokumentation „Hits, Herz, Heimat – Kitsch und Kult“ beleuchtet den kommerziellen Erfolg der Schlagermusik von heute und die subversive Kraft von gestern. Eine kulturhistorische Spurensuche, die beweist, dass im Schlager zwischen Nussecken und Glitzerregen eine Musikrichtung steckt, die sich immer wieder neu erfindet. (Text: 3sat) Deutsche TV-Premiere Sa. 25.04.2026 3sat
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